Als die erste Auflage dieses Buchs in Druck ging, waren Seltene Erden der breiten Ăffentlichkeit nahezu unbekannt. Mittlerweile wird das Thema aber regelmĂ€Ăig im Wirtschaftsteil der groĂen Zeitungen behandelt und rĂŒckte in den letzten Monaten auch verstĂ€rkt in der Fokus zahlreicher TV-Reportagen. Seltene Erden sind, wie der Name schon sagt, selten, finden sich aber in unzĂ€hligen GerĂ€ten â vom Handy bis zur Mikrowelle. Dieses MissverhĂ€ltnis macht sie fĂŒr Anleger lukrativ. Gemeinsam mit Koautor Heiko Böhmer erklĂ€rt Rohstoffexperte Christoph BrĂŒning die Grundlagen und zeigt, welche Unternehmen fĂŒr Anleger interessant sind.

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Seltene Erden - der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts
Wie Sie als Anleger nachhaltig profitieren
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Seltene Erden - der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts
Wie Sie als Anleger nachhaltig profitieren
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KAPITEL 1
Klare Abgrenzung im Begriffsdschungel

Die Elementgruppe der Seltenen Erden ist klar abgegrenzt und definiert. Im Laufe der Jahre hat sich daneben jedoch ein Wirrwarr verschiedener Ăberbegriffe fĂŒr andere Metallgruppen ergeben, das nicht einfach zu durchschauen ist. Je nach Gebrauchsform und HĂ€ufigkeit werden die Elemente der anderen Metalle in âTechnologiemetalleâ, âkritische Metalleâ, âstrategische Metalleâ, âIndustriemetalleâ und âSondermetalleâ/âSpezialmetalleâ untergliedert. Wo die Abgrenzung liegt, geht aus den Begriffen allerdings nicht hervor und die Sachlage wird unĂŒbersichtlich. Denn ein strategisches Metall ist grundsĂ€tzlich auch gleichzeitig ein kritisches; umgekehrt kann dies, muss aber nicht so sein. Um die Ăbersichtlichkeit wiederherzustellen, haben wir im Folgenden die einzelnen Metallgruppierungen beschrieben und eine Definition gewagt. Die Seltenen Erden haben wir ausgelassen, da diese im zweiten Kapitel ausfĂŒhrlich dargestellt werden.
KRITISCHE METALLE
Um mehrdeutige Begriffe zu klĂ€ren, ist die einfachste Herangehensweise, die wörtliche Bedeutung zu analysieren. Unter einem Metall kann sich grundsĂ€tzlich jeder etwas vorstellen, ob das eine Eisenstange ist oder eine Schraube. Doch die meisten Metalle sind so in unseren Alltag integriert, dass wir sie als eigenstĂ€ndige Bestandteile nicht mehr erfassen können. In einem Mobiltelefon sind viele verschiedene Metalle und Legierungen verbaut. WĂŒrden sie separiert, wĂŒrden von manchen nur winzig kleine Mengen ĂŒbrig bleiben. Diese sehen jedoch im herkömmlichen Sinne nicht wie Metalle aus, sondern eher wie Pulver, das der ein oder andere noch aus dem Chemieunterricht kennt. Und genau das sollten wir im Hinterkopf behalten â dass es sich bei den hier beschriebenen Arten von Metallen nĂ€mlich um die einzelnen Metallelemente handelt, wie sie in der Natur vorkommen. Es geht um die Ursprungsform, nicht um ein verarbeitetes Endprodukt (zu den einzelnen Verwendungsmöglichkeiten von Metallen, bezogen auf Seltene Erden, sei hier auf Kapitel 3 verwiesen). Die UmstĂ€nde, unter denen die Ursprungsmetalle erhĂ€ltlich sind, unterscheiden sich regional, denn die Vorkommen sind ungleich auf dem Globus verteilt und je nach Ort, Lage und Metall leichter oder schwerer zu erschlieĂen und auszubeuten.
Das Wort âkritischâ lĂ€sst vermuten, dass das Metall eine Eigenschaft besitzt, die kritisch, also ernst oder gar gefĂ€hrlich sein könnte. Das trifft jedoch in diesem Fall nicht zu. Kritisch sollte vielmehr im Sinne der Problematik einer möglichst lĂŒckenlosen Versorgung verstanden werden. Ein Metall ist laut dem Institut fĂŒr Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) Berlin dann kritisch, wenn es âwirtschaftlich bedeutsamâ ist und sich seine âVersorgungslage mittel- bis langfristig als kritisch erweisen könnteâ. Der amerikanische âStrategic and Critical Materials Stockpiling Actâ erklĂ€rt solche Materialien als kritisch, die fĂŒr die Versorgung von MilitĂ€r und Industrie sowie die Befriedigung grundlegender BedĂŒrfnisse der Bevölkerung der Vereinigten Staaten im Falle eines nationalen Notfalls benötigt werden und nicht im eigenen Land in ausreichender Menge produziert werden können.
Kritisch sind gewisse Metalle deshalb, weil die aktuelle Nachfrage die Förderung ĂŒbersteigt und daneben verschĂ€rfende Faktoren vorhanden sind, etwa eine hohe regionale Konzentration von Vorkommen in einzelnen LĂ€ndern (unter anderem China, Russland oder Kongo). Auch können viele dieser Metalle nur schlecht oder gar nicht durch andere Stoffe in der Produktionskette ersetzt und, wenn ĂŒberhaupt, auch nur zu kleinen Teilen recycelt werden (siehe dazu auch Kapitel 10.). Das fĂŒhrt im Ergebnis dazu, dass Materialien bei geringen Ănderungen der genannten Faktoren leicht in den Bereich âkritischâ hineingeraten oder herausfallen können.
Vor dem Hintergrund der groĂen Bedeutung, die bestimmten Metallen und anderen Rohstoffen (wie beispielsweise Grafit, das kein Metall ist) fĂŒr viele Zukunftstechnologien zukommt, und der gleichzeitigen Knappheit dieser Ressourcen stufte die EuropĂ€ische Kommission 14 Rohstoffe als besonders bedeutend und kritisch ein: Antimon, Beryllium, Kobalt, Flussspat, Gallium, Germanium, Grafit, Indium, Magnesium, Niob, PGMs (Platinum Group Metals = Metalle der Platingruppe), Seltene Erden, Tantal und Wolfram. Diese sind in der nachfolgenden Tabelle nebst Angaben des Ăko-Instituts e. V. sowie den Einstufungen der amerikanischen Energiebehörde und des IZT aufgefĂŒhrt. KritikalitĂ€t ist in diesem Zusammenhang laut IZT die Summe des Versorgungsrisikos zusammen mit der Verletzbarkeit, der die deutsche Wirtschaft durch auftretende Störungen ausgesetzt ist. Die höchste KritikalitĂ€t bedeutet also ein sehr hohes Versorgungsrisiko nebst einer sehr hohen Verletzbarkeit.
KRITISCHE ROHSTOFFE

Aus der Tabelle wird ersichtlich, dass je nach Institut beziehungsweise Behörde die Lage unterschiedlich gewichtet wird. Beispielsweise sieht die EU die Versorgung mit Beryllium und Magnesium als kritisch an, wobei weder die erwÀhnten Institute noch die erwÀhnte amerikanische Behörde zu dem gleichen Schluss gelangen.

In die Bewertung von Metallen als kritisch flieĂen viele lĂ€nderspezifische und teilweise auch subjektive Beurteilungen ein. Ănderungen der Technologie, des politischen Umfelds, der Verwendung oder der Möglichkeit einer RĂŒckgewinnung können schnell zu einer Neugewichtung der KritikalitĂ€t fĂŒhren. Einig sind sich Experten wie Regierungen darin, dass Metalle deshalb in die Kategorie kritisch gehören, weil es Risiken bei ihrer Beschaffung und bei der dauerhaften Versorgung gibt. Wenn man die jeweiligen Gewichtungen dieser Risiken auĂer Betracht lĂ€sst, kann eine Definition wie folgt lauten: Ein Metall gilt als kritisch, wenn es fĂŒr die Wirtschaft von groĂer Bedeutung ist und die Versorgung aller notwendigen industriellen Bereiche mit diesem Metall nicht auf Dauer sichergestellt werden kann, da diese von Ă€uĂeren Faktoren abhĂ€ngt, die nicht in der Macht der wirtschaftstreibenden KrĂ€fte liegen.
TECHNOLOGIEMETALLE
Nach der Wortbedeutung umfasst dieser Bereich alle Metalle, die technisch zum Einsatz kommen. Der Begriff geht auf den Marktexperten Jack Lifton zurĂŒck, der ihn im Jahr 2007 eingefĂŒhrt hat. Die Bezeichnung ist mittlerweile weit verbreitet und es gibt diverse, im Kern Ă€hnliche, Definitionen. So fallen laut dem Unternehmen TMR Technology Metals Research im industriellen Sektor alle allgemein seltenen Metalle darunter, die fĂŒr die Herstellung von Hightech-Produkten und hochwertigen Maschinen notwendig sind, beispielsweise fĂŒr Kleinstelektronikteile, Waffensysteme, Stromerzeugung, Windturbinen und zum Speichern von ElektrizitĂ€t in Batterien. FĂŒr andere Unternehmen gehören zu den Technologiemetallen sowohl die Sondermetalle als auch die Seltenen Erden.
Das Deutsche Institut fĂŒr Edelmetalle und Technologiemetalle zeigt daneben noch eine andere Definition auf, die mehr auf den Finanzmarkt zugeschnitten ist:
Zu den Technologiemetallen oder auch Hightech-Metallen zĂ€hlen diesem zufolge alle Metalle, die nicht börsengehandelt sind. Börsengehandelt sind nur Anlagemetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium) und Industriemetalle (Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Zink). Nicht börsengehandelt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es fĂŒr diese Metalle keine abrufbaren Kurse gibt, die weltweit zum gleichen Zeitpunkt GĂŒltigkeit haben, sondern dass Preise immer erst durch den direkten Handel entstehen.
Die ansonsten hĂ€ufig anzutreffende Unterscheidung zwischen technologischen Metallen und seltenen Metallen ist laut United States Geological Survey und British Geological Survey (âUSGSâ und âBGSâ) hinfĂ€llig, da beide Bezeichnungen das Gleiche darstellen â sie seien beide Nebenprodukte der Basismetalle. Zu den Technologiemetallen zĂ€hlen demnach:
TECHNOLOGIEMETALLE
| Dysprosium | Praseodym |
| Europium | Rhenium |
| Gadolinium | Rhodium |
| Gallium | Samarium |
| Germanium | Scandium |
| Hafnium | Selen |
| Indium | Tantal |
| Cadmium | Terbium |
| Kobalt | Tellur |
| Lanthan | Thorium |
| Lithium | Uran |
| Neodym | Wismut |
| Palladium | Yttrium |
| Platin | Zirconium |
EXKURS: GESCHICHTE DER TECHNOLOGIEMETALLE
Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es fĂŒr sehr ...
Table of contents
- Cover
- Titel
- Impressum
- Widmung
- INHALTSVERZEICHNIS
- Vorwort
- Einleitung und wichtige Begriffe
- KAPITEL 1 Klare Abgrenzung im Begriffsdschungel
- KAPITEL 2 Was sind Seltene Erden?
- KAPITEL 3 Seltene Erden â die einzelnen Elemente
- KAPITEL 4 Die Verwandten der Seltenen Erden
- KAPITEL 5 Die Geschichte der Produktion von Seltenen Erden
- KAPITEL 6 Die wichtigsten Anwendungen â heute und in der Zukunft
- KAPITEL 7 Die Folgen mangelnder Versorgung
- KAPITEL 8 Ressourcenknappheit
- KAPITEL 9 Recycling â eine neue Versorgungsquelle?
- KAPITEL 10 Seltene Erden und Politik â geht die chinesische Ăra zu Ende?
- KAPITEL 11 Seltene Erden bis zum Jahr 2018
- KAPITEL 12 Investieren in Explorationsaktien
- KAPITEL 13 Investmentchancen mit Seltenen Erden und Spezialmetallen
- KAPITEL 14 Das Molycorp-Desaster und wie es dazu kam
- KAPITEL 15 Seltene Erden â ist der Hype vorbei? Wie geht es jetzt weiter?
- Glossar
- AbkĂŒrzungsverzeichnis
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