Bildung – Intersektionalität – Geschlecht
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Bildung – Intersektionalität – Geschlecht

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Bildung – Intersektionalität – Geschlecht

About this book

Kategorien der Ungleichheit bestimmen das alltägliche Leben. Dabei stehen diese Kategorien aber keineswegs einzeln und isoliert, sondern bedingen und verschränken sich vielmehr gegenseitig. Auch und speziell im Bildungsbereich spielen sozialer Status, Migrationshintergrund, Behinderung oder Geschlecht eine wesentliche Rolle. Hinzu kommen Faktoren wie etwa sexuelle Orientierung, die wesentlich mitbestimmen, welche Bildungschancen der Einzelne hat.Der vorliegende Band widmet sich eben diesen Überlagerungen und Verschränkungen von Faktoren der Ungleichheit mithilfe des intersektionalen Forschungsansatzes und spannt einen Bogen von theoretischen hin zu literarischen Formen des Zugangs. Dabei arbeiten die AutorInnen sowohl theoretisch als auch handlungsorientiert und geben einem Denken in Alternativen den Vorzug.

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Information

Manfred Oberlechner

Aspekte einer soziologischen Migrationspädagogik: multikausal, plurifaktoriell, intersektional

Hinführung zum Thema

Dieser Beitrag lädt ein zur gesamtgesellschaftlichen Reflexion und Diskussion. Er initiiert Fragen, ohne diese erschöpfend beantworten zu wollen. Bewusst verzichtet er auf taxativ nummerierte Empfehlungen für Lehrinhalte einer soziologischen Migrationspädagogik, die standardisiert im Unterricht „abgearbeitet“ werden können: Denn Migration relativiert individuelle Selbstverständlichkeiten und gesellschaftliche Normalitäten von Migrationsgesellschaften. Migration ist kein Minderheitenthema und die hier vorgestellte soziologische Migrationspä­dagogik keine Minderheitenpädagogik. Migration bzw. eine so verstandene Migrationspädagogik sind vielmehr mit dem jeweiligen Gesellschaftswandel aufs Engste verknüpft. Beide berühren das Finitätsbewusstsein von zeitweise verbindlich geltenden Normen und Werten, wenn sich dadurch allgemeine menschliche Grundfragen auftun. Beide dienen als Projektions- und Symptomflächen für grundlegende Gesellschaftsfragen. Eine damit korrespondierende Migra­tionspädagogik kombiniert daher beispielsweise aktuelle Erkenntnisse der Transmigrations- mit der Intersektionalitätsforschung oder blickt bei der Interpretation sozialer Ungleichheiten über den Rahmen (scheinbar) vorgegebener Gesellschaften, Regionen, Nationen oder Nationalstaaten transkulturell hinaus. Sie nimmt Erfahrungen individuell plural verorteter Lebensbiographien in den Blick bzw. will die gleichzeitige Angehörigkeit und Verortung von personalen wie kollektiven Identitätsdimensionen angesichts rasanter globaler Entwicklungen moderner Informations-, Kommunikations- und Transportmöglichkeiten mit Bezug auf einen linearen „Persönlichkeits“-Begriff problematisieren – besonders dann, wenn stereotypisierend von „SchülerInnen mit oder SchülerInnen ohne Migrationshintergrund“ im Kontext von Bildung und Migration (noch immer) gesprochen wird. Für die hierauf Bezug nehmende Argumentation werden im nun folgenden Text soziologische Theorieansätze zur Erklärung von Migration, Theorien der Integra­tion, Akkulturation und Assimilation sowie Theorien zur transnationalen Migration und Konzepte der Intersektionalität mit Migrationspädagogik verknüpft – es geht nicht zuletzt um die Problematisierung eines Menschenbildes, das einer soziologischen Migrationspädagogik zugrunde liegt.

Intersektional, multikausal, plurifaktoriell

Intersektionalität wird hier weniger als eine Forschungstheorie, eher als eine theoretische Konzeption mit normativem Anspruch begriffen. Denn ihre Wurzeln lassen sich im politisch-praktischen Kontext der US-afroamerikanischen Antidiskriminierung (Black Feminism, Combahee River Collective, Critical Race Theory) verorten. Intersektionalität selbst wird Ende der 1980er Jahre durch die amerikanische Juristin Kimberlé Crenshaw (siehe 1989: Demarginalizing the Intersection of Race and Sex, hier dt.: Crenshaw (2013)) begrifflich geprägt, wenn Crenshaw mit dem Bild einer Straßenkreuzung (englisch intersection), an der sich verschiedene „Macht- und Herrschafts-Wege“ kreuzen, überlagern und überschneiden, die spezifische Verwobenheit sozialer Ungleichheiten in einer sozialen Diskriminierungslage metaphorisch zu fassen sucht.
Dass soziales Handeln durch heterogene Faktoren konkretisiert, situiert und kontextualisiert wird, stellt im Grunde soziologisches Allgemeingut dar.23 „Interessant wird die Debatte jedoch erst, wenn der Versuch gemacht wird, das Zusammenwirken verschiedener Faktoren, die die Position eines Individuums in einer gegebenen Gesellschaft bestimmen, systematisch fassen zu wollen“ (Rendtorff, 2012). In einer intersektionalen Forschungstheorie (so etwa in Bezug auf eine soziologische Migrationspädagogik) müsste dann eine entsprechend systematische Beschreibung und Analyse der Dynamik des gleichzeitigen Zusammenwirkens von heterogenen Faktoren sozialen Handelns im Zentrum stehen, was in diesem Beitrag jedoch nicht angestrebt wird. Forschungsfragen, die im Folgenden dargestellt werden, lauten eher: Was geschieht in Kreuzungspunkten dynamischen Zusammenwirkens von unterschiedlichen Differenzlinien auf struktureller und individueller Ebene bzw. dazwischenliegend in Bezug auf Migrationspädagogik? Was geschieht, wenn Bedeutungsverschiebungen aufgrund von Differenzlinien-Überkreuzungen auftreten, wenn etwa eine Gender-Differenz durch eine ethnische Differenz regelmäßig anders konturiert und dadurch als solche wesentlich verändert wird?
Differenzlinien werden im Text nicht getrennt voneinander gedacht, da sie in sich differenzierende Mischungen erzeugen, bzw. bewegen sich die entsprechenden Argumentationslinien im Folgenden auf mehreren Ebenen, die zuweilen mehr strukturell, dann wiederum mehr individuell verortet sind – außerdem im Spannungsverhältnis zwischen den genannten Ebenen (ohne all dies hier systematisch fassen zu wollen). Vor allem wird im Text kritisch zu bedenken gegeben, dass ein intersektionales Denken in der Grobraster-Triade class, gender, race gerade aus Sicht von Transkulturalität nicht für alle Gesellschaften in ihren jeweiligen historischen oder zukünftigen Verfasstheiten universell gelten kann. Damit diese Triade daher keine pauschalierend-universalistische Denkverkürzung darstellt, muss sie der kritischen Disposition und Reflexion zugänglich bleiben. Dies ganz im Sinne von Intersektionalität, das selbst ein travelling concept ist, welches sich im afroamerikanischen politischen Kontext der US-Bürgerrechtsbewegungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts formierte. Ein heutiger direkter Transfer etwa nach Österreich muss aus dieser Perspektive gerade aus mi­grationssoziologischer Perspektive transkulturell problematisiert werden.24
Dieser Beitrag erweitert die genannte Triade und reduziert die sich da­rauf beziehenden Sozialphänomene nicht ausschließlich auf Diskriminierungsphänomene. Intersektionalität in Bezug auf eine soziologische Migrationspädagogik kann sich ebenso auf strukturelle Privilegierungsphänomene oder Strategien des sozialen Austarierens beziehen. Da außerdem von einem breiten soziologischen Intersektionalitätsbegriff ausgegangen wird, der je nach konkreter Fragestellung auch mehrere Differenzlinien miteinbezieht, versteht sich race, class & gender hier als Metapher „eines multiplen Differenzierungsprozesses, der in jeder adäquaten Analy...

Table of contents

  1. Intersektionalität als Herausforderung für Erziehung und Bildung (Andrea Bramberger, Silvia Kronberger, Manfred Oberlechner)
  2. Studying the Intersection (Lalenja Harrington)
  3. Intersektionalität als Chance für einen geschlechtersensiblen Geschichtsunterricht – Eine österreichische Perspektive (Christoph Kühberger)
  4. Intersektionale Zugänge in der Burschenarbeit (Elli Scambor und Michael M. Kurzmann)
  5. Intersectionality: Reception in France and Findings from a Study of the Transition from Childhood to Adolescence (Virginie Vinel)
  6. Aspekte einer soziologischen Migrationspädagogik: multikausal, plurifaktoriell, intersektional (Manfred Oberlechner)
  7. Wie man sich ein Bild macht: Von der Zuschreibung über das -Aha-Erlebnis zur differenzierten Wahrnehmung (Ludwig Laher)
  8. AutorInnen