In Tagebuchform berichtet die Autorin von der erst schleichenden, dann rasanten Verschlechterung des Zustandes ihres Mannes, der an Alzheimer erkrankt ist. Bald geht es nicht mehr, dass er zu Hause lebt, da er mit dem Auto in die Stadt fĂ€hrt und zu Fuss zurĂŒckkehrt, weil er das Auto vergisst, oder auch fĂŒnfundzwanzigtausend Franken abhebt, damit Memory spielt und das Geld schliesslich nicht mehr findet, nachdem er es versteckt hat. Klinik, Betreutes Wohnen und Altersheim sind die Stationen, auf denen die Autorin ihn begleitet und seine WutausbrĂŒche, unfreiwillige Komik, die grosse Hilflosigkeit und schliesslich das Verstummen mit stoischer Ruhe dokumentiert.Ein Begleitbuch fĂŒr alle Menschen, die mit dementen und Alzheimerpatienten zu tun haben, deren Angehörige von der Krankheit betroffen sind oder die schon lange wissen wollten, wie der Alzheimer-Alltag wirklich aussieht.

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Information
Nach zwei Jahren wieder ein Umzug â der letzte?
01.12.08
Sie bringen Robert in die Seerose, eine geschlossene Abteilung! Seniorenzentrum. Gehe nun also ins Altersheim.
Bringe das in Blei eingefasste Bild von Werner mit. Den runden Tisch mit den StĂŒhlen (von Katrina) sowie den spanischen Schrank und das Kreuz (von Margrit) haben Katrina und PĂ€uli hingefahren! Gehe ins Zimmer, auf dem Tisch ein Azaleenstöckli und drei Schöggeli! Auch Briefe und Karten sind da und die Wetterstation-Uhr, die mochte er gern (von Peti). Eine blonde Pflegerin kommt (sie stinkt nach Rauch!), berichtet, dass es ganz gut gegangen ist. Sie hatten Bedenken, da der Bericht vom BehĂŒteten Wohnen eher negativ war! Dann in die Stube, zwei MĂ€nner und eine Frau sitzen am runden Tisch und eine Pflegerin. Sie sagt zu Robert: âIhre Frau ist gekommen.â Er schaut mich an, und er lĂ€chelt mich froh an! Was hat er wohl vom Umzug mitbekommen?
Ich habe vielleicht mehr MĂŒhe als er. Im BehĂŒteten Wohnen bin ich schon fast daheim gewesen, und nun ⊠Kriege einen Kaffee und ein Glas Wasser; Kuchen lehne ich dankend ab. Robert redet, verstehe aber nichts. Gehe bald.
02.12.08
Gehe ins Altersheim. Robert sitzt wieder am Tisch, die junge Pflegerin gefĂ€llt ihm, er schĂ€kert mit ihr! Nehme keinen Kaffee. Gehe mit Robert ins Zimmer. Glaubâs ja nicht, wie es da im Schrank aussieht! Robert trinkt seinen Kaffee, hat Brownies dazu. Sortiere die WĂ€sche und lege alles schön geordnet hinein. Hie und da sagt er was, dann ich. Essen dann zusammen ein altes SchoggistĂ€ngeli und er noch ein Schöggeli, das auf dem Tisch liegt.
Scheint, dass er hier mehr Freiheit hat. Dann steht er auf und geht zur TĂŒr raus, gehe ihm nach. Wir gehen den langen Gang entlang, das gefĂ€llt ihm. Will dann mit ihm umdrehen, nein, er will in die KĂŒche â und einen Tisch umstellen! Mit MĂŒhe bringe ich ihn weg. Kann ihn dann auf einen Stuhl setzen (KĂŒche und Stube sind nicht getrennt). Herr Fass war da, um ihn zu begrĂŒssen. Mich dĂŒnkt, etwas an WĂ€sche fehlt, dafĂŒr sind fremde Sachen dabei, auf denen aber sein Name steht! Einen Pfleger haben sie auch. Verabschiede mich. Unten im CafĂ© kenne ich einige Leute.
03.12.08
Gehe zu Fuss zu Robert, fĂŒnf Minuten istâs schon lĂ€nger.
Er liegt noch im Bett, redet wirr, wird wohl etwas getrĂ€umt haben. Das Aufstehen braucht Zeit. Wir setzen uns an den Tisch im Zimmer, bekommen den Kaffee und zwei StĂŒck Kuchen und je ein SchoggikĂ€ferli serviert. Robert isst und trinkt allein, sogar das Schöggeli vom KĂ€fer; dass er es aufmachen kann! Eine Mandarine ist auch dabei, auch die bringt er auf und schĂ€lt sie ganz.
Da er langsam isst, kann ich die Hosen mit den Hosenspannern aufhÀngen. Bleiben noch eine Weile, dann gehen wir in die Stube nebenan. Die Pflegerin nimmt ihn in Empfang. Er will sich aber nicht setzen; sie sagen mir, dass er gerne lÀuft und nicht wenig. Das kenne ich!
05.12.08
Robert schlĂ€ft fest. Eine Pflegerin redet mit mir. Setze mich aufs Bett und warte. Roberts Gesicht ist wie geschwollen! Als ich ihn wecke, ist er weit weg, sagt mir, dass ich das und das den anderen sagen soll! Schaffe es, ihn aus dem Bett zu kriegen. In die Stube will er nicht, auch nicht in die KĂŒche; lasse ihn. Er kommt dann doch, wir setzen uns zu Tisch. Kriegen Kaffee und Panettone.
Er lĂ€sst sich fĂŒttern, reden tut er nichts. Eine neue Pflegerin stellt sich vor. Sie kommt spĂ€ter auch zum Tisch und redet mit mir. Wie es mir bzw. Robert im BehĂŒteten Wohnen gefallen habe? Werde mich hĂŒten, etwas Negatives zu sagen! Mich dĂŒnkt, hier wird viel geredet.
06.12.08
Der Pfleger hilft mir, Robert aus dem Bett zu bekommen.
Schneide ihm die Haare, nur mit Schere und Kamm; einmal gehtâs daneben. Erstaunlich, wie ruhig er dasitzt und kein Wort sagt! Hole den Staubsauger. In der Stube sind wir dann ganz allein. Wo sind denn die Bewohner und das Personal? Wieder kommt eine neue Pflegerin, legt eine Patientin aufs Sofa. Halte ihre Hand, sie ist total abwesend. Wir kriegen je einen Lebkuchen und Kaffee.
Schauen danach Heftli an; heute will er nicht aufstehen!
08.12.08
Robert schlÀft ganz fest. Sie offerieren mir einen Kaffee.
Es ist noch anderer Besuch da, der mir bekannt vorkommt: Es ist Frau Meierhans, die KĂŒnstlerin; sie besucht ihren Vater. Rede mit ihr ĂŒber ihr schönes Haus und ihren Garten. Als ich ins Zimmer zurĂŒckgehe, liegt er wach, die Nase rinnt. Der Pfleger hilft, bringen ihn zum Tisch, er ist ganz ruhig. Gebe ihm das Dessert. Zeige ihm das Mail von Ernst â die Pflegerin liest es vor; scheint mir eine Neugierige zu sein. Noch eine Patientin, die ich kenne, wir plaudern. Sie bringen Iris, die Patientin von gestern; wir machen Duzis, wir sind alle drei gleich alt! Will dann gehen, Heidi will mir noch ihr Zimmer zeigen, verabschiede mich von Robert. Sie hat im zweiten Stock ein Wohn- und Schlafzimmer! Sie kann nicht mehr gut gehen, wird am Mittwoch operiert!
Dann treffe ich Sonja und noch eine Frau. Sonja redet und erzĂ€hlt! Eine Bekannte von Bernarda arbeitet auch hier. Soll sie grĂŒssen.
10.12.08
Hugo kommt mit zu Robert, wir fahren mit dem Auto runter in die Seerose! Robert sitzt am Tisch, rundum Patienten und Pflegerinnen. Wir kriegen Kaffee und Schöggeli serviert. Gebe Robert den Rest von seinem Kuchen â und probiere, ihm etwas zu entlocken, er bleibt stumm und schaut weder Hugo noch mich an. Als wir am Gehen sind, sagt er zu Hugo: âAuf Wiedersehen!â
12.12.08
Robert sitzt ganz nach vorn gebeugt bei Tisch und versucht, aus einem Glas zu trinken. Er reagiert gar nicht auf mich. Ein Guetzli stopft er ganz in den Mund. Er sagt nichts, schaut mich auch nicht an. Den halben Kaffee löffle ich ihm noch ein, da er den Kopf nicht nach hinten beugt; kann er nicht? Mich dĂŒnkt, er hat Durst. Eine gute halbe Stunde bleibt er immer in derselben, unbequemen Haltung. Bringe ihm ein Heftli, er blĂ€ttert es zweimal durch, dann âliestâ er stĂ€ndig das Gleiche â und dann reisst er plötzlich ganz langsam eine Seite raus, legt sie aber wieder zurĂŒck! â Und wieder eine neue Pflegerin.
14.12.08
Robert sitzt bei Tisch. Eine Pflegerin hilft ihm beim Essen einer CrĂšmeschnitte. Ich muss mich der Tatsache stellen, dass Robert mich âvergessenâ hat! Kriege einen Kaffee. Robert hat immer noch lange FingernĂ€gel, obwohl ich es dem Pfleger schon lĂ€nger gesagt habe. Die Pflegerin schĂ€lt ihm eine Mandarine, und schneidet ihm, wĂ€hrend er isst, die FingernĂ€gel â das wĂ€r im BehĂŒteten Wohnen nicht möglich gewesen.
Plaudere mit Herrn Gut, er erzĂ€hlt mir einiges von seiner Tochter, der KĂŒnstlerin. Er ist noch gut zwĂ€g.
15.12.08
Robert schlĂ€ft noch, wecke ihn langsam. Er muss aufs WC, die Pflegerin hilft. Schon eigen, dass ich ihn einer anderen Frau ĂŒberlassen muss. Kaffee und Guetzli wecken ihn dann; reden will er allerdings nicht, mal ein Achselzucken oder Nicken. Verabschiede mich bis ins neue Jahr! Fahre nach Graz.
2009
03.01.09
Als Robert mich sieht, freut er sich. Die Pflegerin merkt es auch. Eine andere Pflegerin muss ihn noch waschen, er hat die Hosen voll! Dann trinken wir Kaffee, ich löffle ihm noch das Dessert ein. Schön. Meine Karte aus Graz hat er gekriegt.
04.01.09
Robert schlÀft steinhart. Erst nach einer Stunde kriegen wir ihn aus dem Bett, er hÀtte wahrscheinlich noch lÀnger geschlafen. Löffle ihm das Dessert ein; Heidi sitzt auch am Tisch, auch Herr Gut; es ist schwierig, ein GesprÀch zu finden. Sie geht. Glaube, sie ist beleidigt!
06.01.09
Habe einen SchlĂŒssel fĂŒr den Lift in der Seerose; die Patienten können nicht raus! Robert ist im Bett, hat es schön warm. Erst beim zweiten Anlauf steht er auf und sagt, dass ihm schwindelig sei. Auf dem Weg in die Stube drĂŒckt er mich: Er will in die KĂŒche. Kriegen einen Kaffee, sonst nichts, hole Robert ein Schöggeli vom Zimmer. Schauen ein Heftli an. Eine Ladung Dreikönigskuchen wird fĂŒrs Znacht gebracht. Es ist viel Besuch da.
Eine Frau streitet mit ihrem Mann, der auch hier wohnt.
Ich kenne beide.
07.01.09
Robert ist wach, hat seine Beine ĂŒbers GelĂ€nder gelegt.
Er redet. Nehme ihn auf, will ihn auf einen der StĂŒhle setzen zum Haareschneiden, er will nicht. Wir gehen den Gang runter zum Sessel. Er nimmt das Kissen hoch, legt es wieder hin und sagt zu mir: âDu musst es richtig hintun!â Ein ganzer Satz! Dann will er in ein anderes Zimmer rein, wehre es ab. Eine Pflegerin, wieder eine Neue, sagt, Robert brauche eine Trainerhose! Da uns nichts serviert wird, hole ich aus dem Zimmer ein paar Schöggeli. Zwanzig Minuten sind wir ganz allein. Die neue Pflegerin entschuldigt sich und macht uns dann doch einen Kaffee, Kuchen möchte ich keinen. Als ich Robert noch ein Schöggeli geben will, macht er den Mund nicht auf, ich drĂŒcke leicht, da sagt er ganz deutlich: âTu nicht so dumm!â Die Pflegerin ist auch erstaunt.
08.01.09
Frage den Pfleger, ob er mir hilft, Robert ins Zimmer zu bringen zum Haareschneiden. Zu zweit gehtâs besser.
Erstaunlich, wie ruhig und geduldig er sitzt. Staubsauge.
09.01.09
Eine Pflegerin hilft mir, die Trainerhose zu probieren, aber so einfach geht das nicht. Robert sagt mir zweimal, ich soll nicht so dumm tun, und das vor der Pflegerin!
11.01.09
Robert i...
Table of contents
- Danksagung
- Inhaltsverzeichnis
- Meine Familie
- Notizen ĂŒber deutliche Symptome
- Es wird schwieriger: Von Notizen zum Tagebuch
- Befund Alzheimer â und jetzt?
- Die Einweisung
- Neuanfang im neuen Heim?
- Nach zwei Jahren wieder ein Umzug â der letzte?
- Schon fĂŒnf Jahre im Heim: Viel Routine und immer wieder kleine Ăberraschungen
- Wieder zu Hause: Wie wird das gehen?
- Ăber die Autorin
- Impressum
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