Biblische Sprachen im Theologiestudium
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Biblische Sprachen im Theologiestudium

VvAa Heft 1 / 3, Jahrgang 2018

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Biblische Sprachen im Theologiestudium

VvAa Heft 1 / 3, Jahrgang 2018

About this book

EditorialHauptbeitrĂ€geViktor GolinetsHebrĂ€ischunterricht und Hebraistik in Deutschland und deutschsprachigen LĂ€ndern: Eine BestandsaufnahmeMelanie KöhlmoosAd Fontes. Aber wie?Zur Lage der Alten Sprachen im Studium der Evangelischen TheologieJohannes F. Diehl / Dirk SchwiderskiIn fĂŒnfzehn Wochen zum Hebraicum?Nachhaltiger HebrĂ€isch-Unterricht im Rahmen des Studiums Evangelische TheologieMichael Rydryck / Michael SchneiderÜbersetzen als hermeneutisches, exegetisches und theologisches Problem.Konzeption und Ertrag einer interdisziplinĂ€ren Summer SchoolLehr-/LernbeispieleEva HibyTutorien zu biblischen Sprachen.Zur Vermittlung von Sprachkenntnissen in BA-StudiengĂ€ngenDaniel BohnertEinfĂŒhrung in die lateinische Terminologie und Nomenklatur fĂŒr Theologiestudenten.Ein WerkstattberichtFrontendThomas WagnerThe Open Richly Annotated Cuneiform Corpusoracc.museum.upenn.eduRezensionenInterview mit 
 Aaron Schart

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Information

Year
2018
Edition
1
eBook ISBN
9783772000706

HauptbeitrÀge

Forum Exegese und Hochschuldidaktik Verstehen von Anfang an (VvAa)
Jahrgang 3 – 2018, Heft 1

HebrÀischunterricht und Hebraistik in Deutschland und deutschsprachigen LÀndern: Eine Bestandsaufnahme

Viktor Golinets
Abstract | The paper describes developments within Hebrew Studies in Germany with an outlook to other German-speaking countries. It reviews several research trends of the nineteenth and twentieth centuries and delineates the current state. Traditionally, Hebrew Studies in Germany deal with Biblical Hebrew, and academic teaching of this language takes place at theological institutions. This chronological and institutional focus restricts the research field, whereby later stages of linguistic development become neglected. Even today, while Modern Hebrew is a flourishing language, its teaching is being conducted at a very small number of locations. Currently, there is only one chair in Modern Hebrew Studies in Germany and German speaking countries, and that is merely of an Assistant Professor range. Present growth of Israel and Near Eastern Studies in Germany and continuing interest in Modern Hebrew demands establishing of Hebrew Studies at more locations. The research and teaching should cover all chronological and geographical layers of Hebrew as well as apply sundry linguistic methods.
Viktor Golinets, *1976, studierte Semitistik, Judaistik und allgemeine Sprachwissenschaft in MĂŒnchen und promovierte in Altorientalistik in Leipzig. Seit 2012 ist er Juniorprofessor fĂŒr HebrĂ€ische Sprachwissenschaft an der Hochschule fĂŒr JĂŒdische Studien in Heidelberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Geschichte der hebrĂ€ischen Sprache, Sprach- und Textgeschichte der HebrĂ€ischen Bibel, sowie semitische und hebrĂ€ische Onomastik.

1 EinfĂŒhrung

Die deutsche Bezeichnung des Faches, das sich mit dem HebrĂ€ischen befasst, macht deutlich, dass die wissenschaftliche BeschĂ€ftigung mit dieser Sprache in Deutschland ihren Anfang nahm. Der Begriff Hebraistik wurde mit dem grĂ€zisierenden Suffix –ik gebildet, wodurch er eine Ă€h+knliche Bildung wie die Namen einiger anderer Disziplinen wie z.B. Anglistik, Linguistik, Romanistik und Informatik aufweist. Diese Bildungen unterscheiden sich von Ă€lteren Fachbezeichnungen, die wie Philologie und Biologie auf der einen und Geographie auf der anderen Seite griechische Komposita sind. FĂ€cher mit Namen, die auf –ik auslauten, sind relativ jung im Verbund der wissenschaftlichen Disziplinen. Die deutsche Fachbezeichnung Hebraistik wurde in die slawischen Sprachen ĂŒbernommen, was eines der Beispiele fĂŒr den Einfluss der deutschen akademischen Kultur in osteuropĂ€ischen LĂ€ndern darstellt, wĂ€hrend westeuropĂ€ische Sprachen eigene Bezeichnungen prĂ€gten.1
Der Anfang der wissenschaftlichen Hebraistik in Europa wird mit dem Erscheinen der ersten nichtjĂŒdischen Beschreibung des HebrĂ€ischen, der Grammatik von Johannes Reuchlin, angesetzt, die 1506 in Pforzheim gedruckt wurde.2 Die Wiederaufnahme der jĂŒdischen Erforschung des HebrĂ€ischen ist ebenfalls mit Deutschland sowie mit dem deutschsprachigen Basel verbunden, und zwar durch das Wirken von Elia Levita (1469–1549).3 Geboren in Mittelfranken, war er in Venedig und Rom tĂ€tig, ließ in Venedig und Basel seine BĂŒcher drucken, lebte aber zwischen 1540 und 1542 in der freien Reichsstadt Isny im AllgĂ€u, wo fĂŒnf seiner BĂŒcher nachgedruckt wurden. Zwischen 1542 und 1544 lebte er in Konstanz.
In diesem Aufsatz werden der Stand und einige Entwicklungen innerhalb der Hebraistik in Deutschland und in deutschsprachigen LĂ€ndern beschrieben.

2 Orte und Kontexte des HebrÀischunterrichts in der Bundesrepublik

Es ergab sich aus dem theologischen Interesse am HebrĂ€ischen, das in der SpĂ€trenaissance und der Neuzeit bei der BeschĂ€ftigung mit dieser Sprache leitend war, dass der Sprachunterricht an den theologischen Einrichtungen stattfand. Man könnte meinen, diese Lage habe sich zu Beginn des 21. Jh.s wenig verĂ€ndert. Allerdings kommt es bei der Beschreibung des Standes der Hebraistik in Deutschland auf den Blickwinkel an. Je nachdem, ob wir nach HebrĂ€ischlernenden innerhalb der Theologie oder in anderen FĂ€chern und dementsprechend an anderen FakultĂ€ten Ausschau halten, werden Ergebnisse der Standortanalyse unterschiedlich ausfallen. Eine andere Perspektive wĂ€re, nicht vom Angebot, sondern von der Nachfrage her den Stand der Sprache und des Faches zu eruieren. Des Weiteren sollten wir bedenken, dass die hebrĂ€ische Sprache sich in den letzten hundert Jahren stark gewandelt hat. Diese Wandlung wird gemeinhin metaphorisch als ‚Wiederbelebung des HebrĂ€ischen‘ bezeichnet, und sie rief eine neue Situation hervor, sowohl in Bezug auf die Forschung, als auch hinsichtlich der Nachfrage und des Angebots. Aus diesen GrĂŒnden scheint es angebracht, zuerst Personenkreise zu benennen, die sich fĂŒr diese Sprache interessieren und sie erlernen.
Die Interessengruppen könnten nach fachlicher Ausrichtung oder nach Berufen genannt werden, aber auch eine altersabhĂ€ngige AufzĂ€hlung ist möglich. Versuchen wir die letztere, dann wird es vielleicht fĂŒr einige Leser dieser Zeilen neu sein, dass die jĂŒngsten HebrĂ€ischschĂŒler in Deutschland Kinder in jĂŒdischen KindergĂ€rten und Grundschulen sind.1 In diesen Einrichtungen wird modernes HebrĂ€isch unterrichtet.
Die nĂ€chste Altersgruppe der HebrĂ€ischschĂŒlerinnen und -schĂŒler sind Gymnasiasten. Auf dieser Stufe findet eine Angebotserweiterung statt, denn an Gymnasien wird sowohl biblisches, als auch modernes HebrĂ€isch unterrichtet. Der Unterricht des Biblisch-HebrĂ€ischen wird an einigen Gymnasien, vor allem an humanistischen, als Teil des philologischen FĂ€cherkanons Griechisch-Latein-HebrĂ€isch im Rahmen eines Wahlfaches oder einer Arbeitsgemeinschaft ab der Mittelstufe angeboten.2 Am Ende des Sprachkurses kann eine HebraicumsprĂŒfung abgelegt werden. An manchen Gymnasien in Nordrhein-Westfalen kann auch modernes HebrĂ€isch als PrĂŒfungsfach gewĂ€hlt werden. Iwrit wird auch an jĂŒdischen Gymnasien in Berlin, DĂŒsseldorf, Frankfurt und MĂŒnchen als ein eigenes Fach unterrichtet.3 Gewisse HebrĂ€ischkenntnisse werden des Weiteren innerhalb des jĂŒdischen Religionsunterrichtes vermittelt, der an öffentlichen Schulen von staatlich geprĂŒften Lehrerinnen und Lehrern und in jĂŒdischen Gemeinden abgehalten wird.
Alt- und NeuhebrĂ€ischkenntnisse, die an Grundschulen und Gymnasien erworben wurden, können im Studium der Judaistik/JĂŒdischen Studien, der Semitistik, der Orientalistik, der Religionswissenschaft, der Theologie und anderer geisteswissenschaftlicher FĂ€cher vertieft werden. In FĂ€chern wie Judaistik, Semitistik und Theologie sind Kenntnisse des Biblisch-HebrĂ€ischen im Umfang des Hebraicums obligatorisch. Unterricht des Biblisch-HebrĂ€ischen findet an UniversitĂ€ten und Hochschulen in staatlicher und privater/kirchlicher TrĂ€gerschaft sowie an theologischen Seminaren statt, wĂ€hrend rabbinisches bzw. mittelalterliches sowie modernes HebrĂ€isch nur ins Curriculum der judaistischen Institute gehört. So umfasst das Hebraicum an der Hochschule fĂŒr JĂŒdische Studien Heidelberg PrĂŒfungen in zwei Bereichen des HebrĂ€ischen – im biblischen und modernen.
An den meisten UniversitĂ€ten – auch in Österreich und in der Schweiz – werden Hebraicumskurse an theologischen FakultĂ€ten angeboten. Diese Lage ist durch regelmĂ€ĂŸigen Bedarf an diesen Kursen fĂŒr angehende Theologinnen und Theologen und somit kulturell und historisch bedingt.4 Studierende anderer FĂ€cher belegen die Kurse und lassen danach die erworbenen Qualifikationen ‚bei den Theologen‘ prĂŒfen. Die Sprach- und LektĂŒrekurse zum Biblisch-HebrĂ€ischen werden – je nach dem Schwerpunkt des jeweiligen (alttestamentlichen) Lehrstuhls sowie den Forschungsinteressen der Dozierenden – durch LeseĂŒbungen zum inschriftlichen sowie Qumran-HebrĂ€ischen ergĂ€nzt. LektĂŒreĂŒbungen zum Qumran- und rabbinischen HebrĂ€isch werden zudem an einigen neutestamentlichen LehrstĂŒhlen angeboten. Ebenfalls an theologischen FakultĂ€ten einiger UniversitĂ€ten – z.B. in...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhaltsverzeichnis
  5. Stefan Fischer/Jan Heilmann: Editorial
  6. HauptbeitrÀge
  7. Lehr-/Lernbeispiele
  8. Frontend
  9. Rezensionen
  10. Fußnoten

Frequently asked questions

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