100 Jahre Oktoberrevolution
eBook - ePub

100 Jahre Oktoberrevolution

Irrweg oder Ausweg?

  1. 160 pages
  2. English
  3. ePUB (mobile friendly)
  4. Available on iOS & Android
eBook - ePub

100 Jahre Oktoberrevolution

Irrweg oder Ausweg?

About this book

Wie steht es um das programmatische Erbe der Oktoberrevolution? Kann der Blick auf das Werk der Bolschewiki etwas anderes sein als nostalgische Verklärung einerseits oder Verdammung andererseits? Ein Chor von renommierten Historikern, die Daniel Bratanovic hier versammelt, beantwortet jenseits aller emotionalen Aufgeregtheiten auf vielschichtige Weise die Frage, ob und, falls ja, wie die Oktoberrevolution und ihre Errungenschaften auch 100 Jahre danach immer noch als Maßstab zum Verständnis gegenwärtiger Krisen dienen können. Die Umstände, mit denendie Bolschewiki konfrontiert waren und für die sie eine Lösung suchten (und nicht immer fanden), herrschen heute – in deutlich anderer Form, im Kern unverändert – erneut. Nicht in erster Linie historische Ereignisgeschichte wird hier aufbereitet, sondern die Autoren präsentieren einen vielstimmigen Debattenbeitrag zur Frage: Wie aktuell ist die Oktoberrevolution heute noch?

Frequently asked questions

Yes, you can cancel anytime from the Subscription tab in your account settings on the Perlego website. Your subscription will stay active until the end of your current billing period. Learn how to cancel your subscription.
No, books cannot be downloaded as external files, such as PDFs, for use outside of Perlego. However, you can download books within the Perlego app for offline reading on mobile or tablet. Learn more here.
Perlego offers two plans: Essential and Complete
  • Essential is ideal for learners and professionals who enjoy exploring a wide range of subjects. Access the Essential Library with 800,000+ trusted titles and best-sellers across business, personal growth, and the humanities. Includes unlimited reading time and Standard Read Aloud voice.
  • Complete: Perfect for advanced learners and researchers needing full, unrestricted access. Unlock 1.4M+ books across hundreds of subjects, including academic and specialized titles. The Complete Plan also includes advanced features like Premium Read Aloud and Research Assistant.
Both plans are available with monthly, semester, or annual billing cycles.
We are an online textbook subscription service, where you can get access to an entire online library for less than the price of a single book per month. With over 1 million books across 1000+ topics, we’ve got you covered! Learn more here.
Look out for the read-aloud symbol on your next book to see if you can listen to it. The read-aloud tool reads text aloud for you, highlighting the text as it is being read. You can pause it, speed it up and slow it down. Learn more here.
Yes! You can use the Perlego app on both iOS or Android devices to read anytime, anywhere — even offline. Perfect for commutes or when you’re on the go.
Please note we cannot support devices running on iOS 13 and Android 7 or earlier. Learn more about using the app.
Yes, you can access 100 Jahre Oktoberrevolution by Daniel Bratanovic in PDF and/or ePUB format, as well as other popular books in History & Modern History. We have over one million books available in our catalogue for you to explore.

Information

Year
2017
Print ISBN
9783958410800
eBook ISBN
9783958415485
Edition
1
Topic
History
Index
History
Jan Frey
Kontinuierliche Anstrengungen – Probleme der Ökonomie des Sozialismus
Hundert Jahre liegt der Beginn des Versuchs nun zurück, die kapitalistische Produktionsweise hinter sich zu lassen und eine neue, sozialistische an ihrer Stelle aufzubauen; fast dreißig Jahre, dass dieser Versuch endgültig gescheitert ist. Was in den siebzig Jahren seiner Existenz in der Sowjetunion entstanden ist und wie man dies am besten auf den Begriff bringt, darüber wurde und wird immer noch viel gestritten. Der Sieger schreibt die Geschichte, auch in diesem Fall, und davon bleibt auch die Linke nicht unberührt. Soviel sei vorweg gesagt: Dass es sich um einen Versuch handelte, eine sozialistische Produktionsweise einzurichten, wird hier nicht in Frage gestellt. Vielmehr geht es um die Erörterung der Frage, welche Gestalt die Produktionsverhältnisse im Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus besaßen, welche Konflikte entstanden, wie sich die Bedingungen im Laufe der Zeit verändert haben und welche Auswirkungen dies auf die Entfaltung und Entwicklung der Produktivkräfte hatte. Es geht also nicht um eine rein historiographische Nacherzählung der ökonomischen Entwicklung der Sowjetunion. Die Überwindung der kapitalistischen Verhältnisse hat nichts an Dringlichkeit eingebüßt. Der Sozialismus ist und bleibt der Horizont. Zum Jubiläum der Oktoberrevolution soll nicht nur dieses bedeutenden, welthistorischen Ereignisses der Menschheitsgeschichte erinnert werden, sondern auch an die folgenden Versuche, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen. Insbesondere sollen ihre Implikationen für die heutige Situation untersucht werden.
Aus den damaligen Erfahrungen lässt sich allerdings nur lernen, wenn die spezifische historische Situation im Blick behalten und die ihr zugrundeliegenden materiellen Bedingungen berücksichtigt werden. Andererseits stellen sich heute die Fragen von damals unter neuen, veränderten Umständen anders. Kurz, es verbietet sich, Schlussfolgerungen aus der Analyse der damaligen Situation einfach auf die heutigen Zustände zu übertragen. Diese ökonomischen Problemstellungen sind nicht rein technischer Natur, sondern immer auch politisch und somit Gegenstand von strategischen und taktischen Überlegungen: Welche Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, sobald die Produktionsmittel vergesellschaftet sind? Wie sieht diese Vergesellschaftung eigentlich konkret aus, wie hat man das damals in die Praxis umgesetzt, und wie stellt sich dies in der heutigen Situation dar?
Die landwirtschaftliche Produktivität der Gegenwart ist global betrachtet so hoch, dass der weltweite Hunger endgültig beseitigt sein könnte. Die Produktion von Lebensmitteln ist in großem Maße industrialisiert, deren Verteilung allerdings höchst ungleich. Während in den imperialistischen Staaten die Konzentration landwirtschaftlicher Flächen sehr hoch ist und deren Bearbeitung industriell erfolgt, leben in Afrika und Asien noch viele Kleinbauern, die indes in den letzten Jahrzehnten in wachsendem Maße zur Produktion für den Weltmarkt gezwungen wurden.
Die Freundinnen und Freunde einer klassenlosen Gesellschaft gingen seit Marxens Zeiten eigentlich davon aus, dass eine sozialistische Revolution nur in den Staaten erfolgreich sein kann, in denen die Produktivkräfte am weitesten entwickelt sind. Daher basieren heute im Grunde alle Überlegungen darüber, wie ein neuer sozialistischer Anlauf aussehen könnte, auf der Annahme, dass dieser in den Industriestaaten erfolgen muss.
In den Industriestaaten sind die meisten Beschäftigten im Agrarsektor lohnabhängig und ihre Zahl im Vergleich zur Gesamtbevölkerung gering. Die Produktionsmittel befinden sich in der Hand großer Konzerne. Für einen Interessengegensatz zwischen Bauernschaft und Proletariat fehlt also schlicht die Grundlage, da die Proletarisierung auch im Agrarsektor weit fortgeschritten ist. Die Enteignung der Konzerne – und damit des Bodens sowie der Arbeitsmittel – und der Aufbau von landwirtschaftlichen Genossenschaften in den imperialistischen Staaten verbesserte gleichzeitig die Lage der Kleinbauern in weniger entwickelten Ländern, die dem Kapital heute auf dem Weltmarkt ausgeliefert sind. Eine Umverteilung der Lebensmittel, um den Hunger zu stoppen, wäre heute ein vorstellbarer erster Schritt zur notwendigen Umgestaltung der globalen Landwirtschaft.
Die Ausgangsbedingungen vor einhundert Jahren waren indes denkbar schlecht. Russland war zur damaligen Zeit kaum industrialisiert, die Infrastruktur wenig entwickelt, die Bevölkerung größtenteils von der Landwirtschaft abhängig, deren Produktivität wiederum niedrig. Das grundlegende Problem nach der Revolution bestand also darin, dass eine moderne Infrastruktur und Industrie aufgebaut werden musste. Das bedeutete notwendige und ausreichende Arbeitskraft, deren Reproduktion allerdings zu gewährleisten war. Dazu hatte die Landwirtschaft eine angemessene Versorgung zu garantieren und gleichzeitig ausreichende Arbeitskapazitäten zugunsten der anderen Sektoren freizustellen. Die Organisation der Agrarwirtschaft stellte also das Ausgangsproblem dar. Die Bereitstellung der elementarsten Mittel war die Vor­aussetzung, ohne die eine weitere Entwicklung gar nicht möglich gewesen wäre. Die zahlenmäßig stärkste Klasse, die der Bauern, hatte aber eigene Interessen, die in Widerspruch zu denen des städtischen Proletariats standen. Dies führte zu Klassenkämpfen, die auf verschiedene Weise ausgetragen wurden.
Der Aufbau der Infrastruktur und der Industrie war in den Jahrzehnten nach der Oktoberrevolution in der Sowjetunion trotz widriger Umstände durchaus erfolgreich, der Nahrungsmittelmangel konnte nach teils gravierenden Versorgungsschwierigkeiten gestoppt werden, die Gesellschaft wurde mit dem Nötigsten versorgt, die Gesundheitsversorgung stetig besser, ein modernes Bildungssystem aufgebaut. Die Produktivität in der Güterherstellung war phasenweise höher als in den kapitalistischen Staaten, so dass voreilig bereits vom endgültigen Sieg des Sozialismus gesprochen wurde.
Nachdem Schritt für Schritt eine industrielle Basis geschaffen worden war, ergaben sich unter den neuen Bedingungen der Vergesellschaftung der Produktionsmittel Konflikte zwischen der staatlichen Verwaltung, den Funktionären in den Betrieben sowie den Werktätigen und Bauern, die sowohl die Erzeugung von Produktionsmitteln als auch die Herstellung von Konsumgütern betrafen. Diese Interessenkonflikte zu vermitteln, stellte in der Folge ein Hauptbemühen dar.
Bereits in den zwanziger Jahren wurden in der Sowjetunion die ersten größeren Reformen eingeleitet, die die Regulation der industriellen Produktion betrafen, da man zu der Auffassung gelangte, dass mittelfristig eine Steigerung der Produktivität nur durch eine Anpassung der Produktionsverhältnisse möglich war. Die Neue Ökonomische Politik war die Antwort auf Probleme, die zu Spannungen in der Bevölkerung geführt hatten, die aber aufgrund des Bürgerkriegs in den ersten Jahren nach der Revolution weniger augenscheinlich waren. Zum einen ging es darum, das Verhältnis der landwirtschaftlichen Kleinproduzenten und des städtischen Proletariats auf eine andere Basis zu hieven. Gerade bei den Bauern herrschte einige Unzufriedenheit, da sie lange Zeit erhebliche Entbehrungen hinzunehmen hatten. Politisch wollte und konnte die neue politische Macht es sich mit der Bauernklasse nicht verscherzen. Das neue Verhältnis sollte sich nach kriegsbedingten Zwangsmaßnahmen durch eine friedliche Koexistenz auszeichnen, die mittels Tausch beziehungsweise Markt zu regeln war.
Zum anderen war der Bürokratismus in Partei und Verwaltung schon frühzeitig als großes Problem erkennbar. Lenin bezeichnete ihn in seiner Rede auf dem X. Parteitag als »Geschwür«, als einen wunden Punkt. Es widersprach seinen eigenen politischen Vorstellungen, dass sich die Proletarier nicht in den existierenden Räten einbrachten beziehungsweise einbringen konnten. Bereits damals war erkennbar, dass die sozialistische Gesellschaft nur erfolgreich sein konnte, wenn sich möglichst viele Sowjetbürger aktiv an ihrer Gestaltung beteiligten. Der Mangel an Demokratie konnte zudem von feindlich gesinnten Kräften sehr leicht zu konterrevolutionären Zwecken missbraucht werden.
Darüber hinaus wurde durch die Erteilung von Konzessionen ein kapitalistischer Sektor gefördert und der Handel mit kapitalistischen Unternehmen aus dem Ausland aufgenommen. Ziel war, diese Maßnahmen als Hebel zu benutzen, um die eigene industrielle Fertigung schneller auf ein höheres Niveau zu heben. Die Sowjetunion war abhängig vom kapitalistischen Weltmarkt, da sie ihren Bedarf nicht selbst decken konnte. Sie sah sich allerdings nicht einfach Handelspartnern gegenüber, sondern einem feindselig gestimmtem Block. Zudem trat beim Aufbau der neuen Wirtschaftsordnung als weiteres Problem das benötigte Fachpersonal hinzu. Vom Austausch und der Verpachtung der Betriebe versprachen sich die Bolschewiki, von den Spezialisten lernen zu können. Die Reformen brachten sehr spezifische Produktionsverhältnisse hervor, deren am deutlichsten sichtbarer Ausdruck vielleicht eine zeitweilig neu entstandene gesellschaftliche Schicht war, jene sogenannten Nep-Männer, Händler und Kaufleute, die unter den neuen Bedingungen rasch Gewinne machten und ihren Reichtum bisweilen demonstrativ zur Schau trugen. Die daraus erwachsenen sozialen Spannungen und Konflikte stellten die Bolschewiki vor nicht geringe Herausforderungen.
In den Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkriegs sollten sich die damals nicht gelösten, sondern durch den Kampf gegen den Faschismus nur vertagten Probleme unter veränderten Vorzeichen mit neuer Dringlichkeit stellen. Angesichts der sogenannten wissenschaftlich-technischen Revolution drohte der Sozia­lismus in der Produktivkraftentwicklung ins Hintertreffen zu geraten. Vor wie nach dem Krieg wurden die Probleme mit einer Hinwendung zu mehr staatlicher Kontrolle beantwortet. Beim ersten Mal, nach Beendigung der NEP-Phase, beförderte dies noch die ökonomische Entwicklung, die der Bevölkerung durchaus zugutekam. Die Industrialisierung schritt weiter voran, die Produktivität nahm stetig zu. Nach dem Sieg über den Faschismus geriet der Wiederaufbau von industriellen Strukturen, der Wohnungsbau und die Versorgung der kriegsgebeutelten Bevölkerung zur Notwendigkeit – und auch diese Erfordernisse konnten unter staatlicher Leitung erfolgreich bewältigt werden.
In den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende stand also alles unter dem Vorzeichen der Produktivkraftentwicklung, um zu den führenden imperialistischen Industriestaaten aufzuschließen. Dieses an der kapitalistischen Wachstumsideologie orientierte Streben und die entsprechende Gestaltung des Plansystems führte in Teilen zu Auswüchsen, denen die Gegner abwertend den Namen »Tonnenideologie« gaben. Als sich die Sowjetunion im Laufe der fünfziger Jahre erstmals in ruhigeren Fahrwassern befand, wurden allmählich die Probleme sichtbar, die zuvor von der Notwendigkeit zur Industrialisierung und dem Kampf gegen die Konterrevolution verdeckt waren.
Der Bürokratismus, von dem bereits Lenin gesprochen hatte, war stärker geworden. Im Produktionsprozess zeigte sich ein verschwenderischer Umgang mit Ressourcen, die Eigeninitiative der Werktätigen war kaum vorhanden, Anreize zu wirtschaftlich rationalem Handeln waren verschwindend gering, die Plan­erfüllung bereitete Schwierigkeiten.
Diese Widrigkeiten bewirkten ein Umdenken in den Spitzen von Partei und Staat, die sowohl in der Sowjet­union als auch in der ČSSR, in Polen, Ungarn und der DDR zu verschiedenartigen Versuchen führten, Markt­elemente im sozialistischen Wirtschaftssystem zu implementieren.
In der ČSSR waren die Marktreformen so radikal, dass erstaunen muss, wie positiv noch immer der »Prager Frühling« von etlichen Linken bewertet wird. Dabei dürfte es hingegen nicht vermessen sein, die damals führenden Vertreter dieser Reformbewegung als organische Intellektuelle des Klassenfeinds zu bezeichnen. Der führende Kopf der Wirtschaftsreformer, Ota Šik, äußerte sich nach der erfolgreichen Konterrevolution recht eindeutig über die damaligen Intentionen. Es ging keineswegs um den Versuch, eine sozialistische Marktwirtschaft aufzubauen, sondern um die Restauration der kapitalistischen.
In Polen basierte das entwickelte Modell eines »Konkurrenzsozialismus« von Oskar Lange auf der Auseinandersetzung mit der Kritik Ludwig von Mises’ an der sogenannten Zentralplanungswirtschaft, die immer schon auf die Unterminierung jeglicher Versuche einer sozialistischen Umwälzung abzielte. Das Modell beruhte also auf der Akzeptanz der Annahmen dieser »Kritiker« und der Übernahme von ideologischen Versatzstücken neoklassischer Modellbildung. In der Sowjetunion und der DDR versuchte man an die Überlegungen aus den zwanziger Jahren, der Neuen Ökonomischen Politik, anzuschließen. Dies ging einher mit einer ausführlichen Debatte über die Rolle von gesellschaftlicher Planung und Marktregulierung in einer sozialistischen Produktionsweise.
Recht schnell ergaben sich indes auch nach der Veränderung der Produktionsverhältnisse Interessenkonflikte. Zum einen war da die alte Führungsschicht, die aufgrund ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen sowie dem Mangel an geeignetem Personal aus den eigenen Reihen übernommen werden musste. Zwar fügten sich die meisten Funktionäre, allerdings auch nur, solange ihre bisherige Machtposition nicht in Frage gestellt wurde. Reformen in der betrieblichen Organisation standen sie also durchaus auch ablehnend gegenüber und verweigerten zuweilen ihre Beteiligung an deren Umsetzung. Zudem ergaben sich Konflikte zwischen solchen Werktätigen mit und solchen ohne Leitungsfunktionen in den Betrieben sowie zwischen den Betrieben und den Funktionären in Verwaltung und Planungsabteilungen. So reproduzierten sich aufgrund der hochgradigen Arbeitsteilung und Spezialisierung unterschiedliche Positionen im Produktionsprozess, die sich durch eine am Leistungsprinzip orientierte Entlohnung auch finanziell unterschiedlich bemerkbar machten.
Die hohen Erwartungen, dass die Werktätigen, nun da die Produktionsmittel vergesellschaftet waren, ein sozialistisches Bewusstsein ausbilden würden, erfüllten sich erst einmal nicht. Maßnahmen zur Förderung eines solchen Bewusstseins, etwa durch Eingriffe in das Arbeitsregime und Veränderungen im Bildungssystem, sollten durchaus ergriffen werden, ließen sich aber nicht immer realisieren.
Die Arbeit hatte zwar durch die Abschaffung der Kapitalherrschaft und die Enteignung der alten Produktionsmittelbesitzer unmittelbar gesellschaftlichen Charakter, allerdings führte dies nicht zu einer weitgehenden Übereinstimmung von persönlichen und gesamtgesellschaftlichen Interessen.
Das Verhalten in den Betrieben – sei es noch so verschwenderisch im Umgang mit Ressourcen gewesen – war eben aufgrund der Gesetzmäßigkeiten, die sich durch die Produktionsverhältnisse ergaben, durchaus rational. Die Reformversuche sollten deswegen auch dem Umstand eines Eigeninteresses ...

Table of contents

  1. Einleitung
  2. Begünstigende Altlasten – Über den Zusammenhang von Februar- und Oktoberrevolution
  3. Unabsehbare Strahlkraft – Die Bedeutung der Oktoberrevolution für China
  4. Positiver Universalismus – Oktoberrevolution, nationale Frage und Antiimperialismus
  5. Kontinuierliche Anstrengungen – Probleme der Ökonomie des Sozialismus
  6. Revolutionstheorie – (k)eine Selbstverständlichkeit
  7. Agitator und Propagandist – Über einige Unzulänglichkeiten des Linkspopulismus und die Notwendigkeit einer theoretischen Partei