Vorbemerkungen
Ende August 2014, Iwangorod, russisch-estnische Grenze.
Ein wunderschöner SpĂ€tsommernachmittag. Ich stehe an einem der westlichsten Zipfel Russlands, auf den Zinnen der mĂ€chtigen altrussischen Festung Iwangorod (ĐĐČĐ°ĐœĐłĐŸĂŃĐŸĐŽ), hoch ĂŒber einer Biegung des Narwa-Flusses, kurz vor dessen MĂŒndung. Ich befinde mich auf der RĂŒckreise nach einem Arbeitsaufenthalt in Russland, Recherchen in russischen Archiven und GesprĂ€chen mit russischen Politikern und Historikern. Fast zweitausend Kilometer sĂŒdöstlich von hier spielt sich wĂ€hrenddessen ein blutiges Drama ab, das in der umfassenden Niederlage der ukrainischen StreitkrĂ€fte und den mit ihr verbĂŒndeten (?), von Oligarchen finanzierten und aus der Hooliganszene von Kiew und Lemberg rekrutierten Freikorps bei Ilowaisk im Kampf gegen die Donbass-Separatisten seinem vorlĂ€ufigen Wendepunkt entgegengeht.
Bei einem Zwischenstopp in Iwangorod an der russisch-estnischen Grenze blicke ich nun von hier oben, hoch ĂŒber dem flachen Umland, auf ein Idyll. Die Narwa flieĂt gemĂ€chlich Richtung Westen, von der nahen Ostsee streicht ein sanfter warmer Wind herĂŒber, das estnische StĂ€dtchen, das den Namen des Flusses trĂ€gt, liegt hinter grĂŒnen BĂ€umen versteckt, in der Ferne meint man das etwa zehn Kilometer entfernte Meer in der Sonne blinken zu sehen. Direkt gegenĂŒber, am anderen Flussufer, erhebt sich eine etwas kleinere, Ă€ltere Burg, die so genannte Hermannsfeste (Hermanni linnus), erbaut um die Mitte des 13. Jahrhunderts, rund 150 Jahre vor der Feste Iwangorod. Die Hermannsfeste war im Mittelalter die östlichste Befestigung des Deutschen Ordens. Das GewĂ€sser zwischen beiden Bollwerken markiert seit ĂŒber tausend Jahren die Grenze zwischen russischem und estnischem Siedlungsgebiet, und damit seit 2004 auch die AuĂengrenze von ÂNATO und EuropĂ€ischer Union.
Das scheinbar so friedliche Idyll steht jedoch fĂŒr ein Jahrtausend blutiger Konfrontationen zwischen Russland und seinen westlichen Nachbarn. Es steht fĂŒr den deutschen (westeuropĂ€ischen) Drang nach Osten, fĂŒr »Missionierung«, fĂŒr »Kolonisierung«, aber auch fĂŒr die russischen AbwehrbemĂŒhungen, fĂŒr militĂ€rische Eroberungen, fĂŒr die Erkenntnis, dass die eigene Sicherheit entscheidend von der eigenen militĂ€rischen StĂ€rke und Verteidigungsbereitschaft abhĂ€ngt. Das friedliche Idyll trĂŒgt also, denn in der Vergangenheit ĂŒberwogen hier SchlachtgetĂŒmmel und menschliches Leid, zuletzt gerade mal vor fĂŒnfundsiebzig Jahren im entsetzlichen Zweiten Weltkrieg (wenn man die ScharmĂŒtzel bei der Auflösung der Sowjetunion mal auĂen vor lĂ€sst).
Wird die Ukraine tatsĂ€chlich EU- und ÂNATOÂ-Mitglied, so wird sich die Grenze des BĂŒndnisses um anderthalbtausend Kilometer nach Osten verschieben, liegt Moskau gerade mal noch vierhundert Kilometer von der nĂ€chsten ÂNATOÂ-Grenze entfernt. Es gehört schon ein erhebliches MaĂ an historischer Verblendung dazu, russische Bedenken gegen eine solche VerĂ€nderung als unverschĂ€mte AnmaĂung zu verurteilen, wie das in der westlichen Presse regelmĂ€Ăig passiert. Dass die Vereinigten Staaten von Amerika zunĂ€chst Nord- und SĂŒdamerika, spĂ€ter die gesamte Welt unwidersprochen zur amerikanischen EinflusssphĂ€re erklĂ€ren durften (Monroe-/Truman-/Wolfowitz-Doktrin), fast schon nach GutdĂŒnken weltweit politisch und militĂ€risch eingreifen, so gut wie jeden ErdenbĂŒrger umfassend auszuspionieren in der Lage sind, per Joystick jedes Jahr Dutzende vermeintlich Schuldiger ermorden (und dabei »KollateralschĂ€den« mit Tausenden von toten Zivilisten in Kauf nehmen), sich selbst dabei sogar das Recht zu völkerrechtswidrigen PrĂ€ventivkriegen zusprechen, wird dabei ebenso unterschlagen wie die traumatischen russischen Erfahrungen der letzten anderthalb Jahrtausende mit Feinden, die vor den Grenzen aufmarschieren und ausnahmslos frĂŒher oder spĂ€ter losschlagen.
Das Jahr 2014 markiert eine Epochenwende. Sechs Monate Ukraine-Krise und BĂŒrgerkrieg zwischen Februar und August genĂŒgten, um ein Vierteljahrhundert Entspannung in den Ost-West-Beziehungen zu beenden, alle zwischenzeitlich erreichten Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen zunichte zu machen und die finstersten Zeiten des Kalten Krieges wieder auferstehen zu lassen. Standen damals die WestmĂ€chte unter FĂŒhrung der USA gegen die OstmĂ€chte unter FĂŒhrung der Sowjetunion, so stehen jetzt die WestmĂ€chte unter FĂŒhrung der USA gegen das international scheinbar isolierte Russland. WĂ€hrend Russland trotz allem noch von »unseren Partnern im Westen« spricht, haben EU, ÂNATO und die USA die alte Blockkonfrontationssprache wieder ausgepackt, Duktus und Stil der Rhetorik um 25 Jahre zurĂŒckgestellt, scharfe wirtschaftliche Sanktionen in Kraft gesetzt, wobei Russland unter kompletter Missachtung der VerĂ€nderungen des letzten Vierteljahrhunderts gleichsam automatisch als Feindbild an die Stelle der Sowjetunion und der gesamten Warschauer Vertragsstaaten gesetzt wurde.
Wie konnte es dazu kommen? Das vorliegende Buch versucht, hierauf Antworten zu finden. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht die neue russische AuĂen- und Sicherheitspolitik seit dem Amtsantritt von PrĂ€sident Wladimir Putin im Jahr 2000. Mit seinem Erscheinen auf der internationalen Polit-BĂŒhne begann ein neues Zeitalter, da sind sich das pro- und das antirussische Lager einig. Im angelsĂ€chsischen Raum ist er schon zum Namensgeber einer neuen Epoche geworden, wird die Zeit seiner Herrschaft schon als »Putinismus« bezeichnet. Nur werden die seitdem von ihm in Gang gesetzten VerĂ€nderungen in beiden Lagern sehr unterschiedlich beurteilt. Gilt Putin eingefleischten Russophobikern als Verkörperung ihres Alptraums in Person eines Mannes, der die alte Sowjetunion unter Einsatz aller legalen und illegalen Mittel imperial wieder auferstehen lassen will, so gilt er dem russophilen Lager als WundertĂ€ter, der ein bankrottes Land am Rande des Zusammenbruchs, auf bestem Weg zu einem failed state, wieder zu einer der fĂŒhrenden WeltmĂ€chte machte, der dafĂŒr sorgte, dass Sozialleistungen und Renten nicht nur wieder ausgezahlt, sondern auch auf ein vernĂŒnftiges MaĂ erhöht wurden.
Putin wird von ihnen gepriesen als Reorganisator der seit dem Zerfall der Sowjetunion orientierungslosen und chronisch unterfinanzierten russischen StreitkrĂ€fte, als Sieger im Kampf gegen die unumschrĂ€nkte Herrschaft und SelbstbedienungsmentalitĂ€t der Oligarchen, die seit 1989 zu Spottpreisen und hĂ€ufig genug unter Einsatz krimineller Mittel sowjetische Staatskonzerne und RohstofflagerstĂ€tten in ihren Besitz gebracht hatten und sich seitdem in den Hochglanzgazetten der westlichen Welt als neue Mitglieder der MilliardĂ€rskaste feiern lieĂen, und schlieĂlich als jemand, der der Innen- und AuĂenpolitik des Landes erstmals wieder seit dem Zerfall der Sowjetunion so etwas wie eine Generalrichtung, eine ĂŒbergreifende Zielsetzung verlieh. Er reprĂ€sentiert fĂŒr sie denjenigen, der Russland nach auĂen wieder eine Stimme unter den fĂŒhrenden WeltmĂ€chten verschaffte, die Funktion Russlands als Selbstbedienungsladen fĂŒr westliche Konzerne und Spin Doctors beendete, und nach innen Ruhe und Ordnung wieder herstellte. Russland stand 1998 tatsĂ€chlich kurz davor, nach der Entlassung aller ĂŒbrigen Teilrepubliken der Sowjetunion in die UnabhĂ€ngigkeit selbst in seine BruchstĂŒcke zu zerfallen.
Wozu das im Zweifelsfall gefĂŒhrt hĂ€tte, lĂ€sst sich in allen Regionen studieren, in denen die WestmĂ€chte seit den 1980er Jahren »fĂŒhrend« eingegriffen haben, im Namen von Demokratie, Freiheit, Menschenrechten und Marktwirtschaft: von der Finanzierung der antisowjetischen Peschmerga und Taliban in Afghanistan ĂŒber die Förderung sĂ€mtlicher UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen im nahen und mittleren Osten â wobei UnabhĂ€ngigkeit hier fĂŒr eine Abkehr der Orientierung auf die Sowjetunion bzw. Russland stand, und deren umgehenden Ersatz durch eine Orientierung auf das Lager der westlichen Industrienationen samt einer Ăffnung der MĂ€rkte, der Rohstoffpotenziale und der Industrieproduktionszentren fĂŒr westliche Banken und Konzerne â, bis hin zu den humanitĂ€ren Katastrophen, die durch die direkte »Einflussnahme« westlicher Player in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und vielen anderen LĂ€ndern zu verzeichnen sind. Stabile, soziale, sĂ€kulare Staatsorganisationen, zugegebenermaĂen teilweise â nach westlichen MaĂstĂ€ben â »diktatorischen Zuschnitts«, wurden zerschlagen, weil sie sich nicht direkt und bedingungslos den westlichen bzw. saudi-arabischen Vorstellungen unterordneten. Letztlich diente die Zerschlagung der Staatlichkeit dieser LĂ€nder dazu, die verbliebenen Staatsruinen im Kampf beispielsweise gegen Russland zu instrumentalisieren, das zuvor auf der Welle des hohen Ălpreises immer stĂ€rker geworden war, immer gigantischere Reservefonds angehĂ€uft hatte und damit immer weniger erpressbar geworden war.
Die zustĂ€ndige Ministerin in Russland hat Ende 2014 vorhergesagt, dass die staatlichen Reservefonds durch den kĂŒnstlich niedrig gehaltenen Ălpreis und die damit verbundene drastische Reduzierung der Staatseinnahmen Russlands sowie infolge der wirtschaftlichen Sanktionen seitens USA, EU und den ĂŒblichen VerdĂ€chtigen lĂ€ngstens 2017 bis zur letzten Kopeke fĂŒr AusgleichsmaĂnahmen aufgebraucht sein werden. Sollte sich der Ălpreis also in den kommenden zwei Jahren nicht wieder erhöhen, sprich deutlich Richtung 100 Dollar pro Barrel bewegen, wĂŒrde Russland auf Dauer erpressbar bzw. durch die fehlenden Einnahmen und die dadurch erzwungenen SparmaĂnahmen destabilisiert. Der Ausgang dieses weltgeschichtlichen Ringens ist also noch offen. Vorerst hat sich der Ălpreis im FrĂŒhjahr 2015 allerdings bei 60 Dollar eingependelt und ist nicht weiter gefallen, gleichzeitig hat sich auch der Rubelkurs deutlich erholt. Die weitere mittelfristige Entwicklung wird zeigen, wohin die Reise geht.
Zum VerstĂ€ndnis der aktuellen AuĂen- und Sicherheitspolitik Russlands ist â wie schon erwĂ€hnt â die Kenntnis zumindest der GrundzĂŒge russischer Landesgeschichte unerlĂ€sslich. Daher enthĂ€lt der zweite Teil des Buches eine ĂŒberblicksartige Zusammenstellung der Geschichte Russlands sowie eine Analyse der Beziehungen Russlands zu anderen fĂŒhrenden WeltmĂ€chten im Lauf der vergangenen Epochen. Russland mit seiner ĂŒber tausendjĂ€hrigen Geschichte wurde â das gerĂ€t im Westen gern in Vergessenheit â von bestimmten Ereignissen geprĂ€gt, die in der nationalen Erinnerung fest verankert sind, die also das eigene »Narrativ« bestimmen, ohne dass dies im Westen normalerweise in der notwendigen Weise berĂŒcksichtigt wird. LĂ€sst man diese Ereignisse und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart auĂer Acht, muss jeder Versuch, die russische AuĂenpolitik angemessen zu beurteilen, scheitern.
Noch zwei letzte Vorbemerkungen: Auf die aktuellen Ereignisse in der Ukraine gehe ich im vorliegenden Buch insofern ein, wie sie fĂŒr die russische AuĂenpolitik von Bedeutung sind. FĂŒr eine aktuelle Betrachtung der jĂŒngeren Geschichte der Ukraine verweise ich auf das unlĂ€ngst in diesem Verlag erschiene Buch von Reinhard Lauterbach: BĂŒrgerkrieg in der Ukraine â Geschichte, HintergrĂŒnde, Beteiligte (Berlin 2014). Die dĂŒsteren Seiten des Kommunismus werden in diesem Buch nur am Rand gestreift, da ich sie einerseits als bekannt voraussetze, andererseits die 74 Jahre seit der Oktoberrevolution in der tausendjĂ€hrigen Geschichte Russlands aber auch nur eine kurze Phase darstellen.
Philipp Ewers
im FrĂŒhjahr 2015
Teil 1
Wladimir Putin
Das Wendejahr 2000 â Wladimir Putin betritt die BĂŒhne
Das nachsowjetische Russland hatte gerade den Tiefpunkt seiner Geschichte, den Staatsbankrott von 1998, durchschritten. Da erklĂ€rte Boris Jelzin, PrĂ€sident des Landes, der »ZertrĂŒmmerer der Sowjetunion«, in einem letzten der von ihm so geliebten Ăberraschungscoups, im Dezember 1999 seinen RĂŒcktritt. Schon lĂ€nger hatte es deutliche Anzeichen dafĂŒr gegeben, dass der von jahrzehntelangem schweren Alkoholismus geschĂ€digte Körper des 68-JĂ€hrigen den Belastungen eines Spitzenamts nicht mehr gewachsen war. Immer lĂ€nger waren die Krankenhaus-, Rehabilitations-, SaÂnatoriums-, »Erholungs«-Aufenthalte fernab der groĂen Politik geworden in den letzten Amtsjahren. Und schon lĂ€nger hatte die »Familie«, das Geflecht von GĂŒnstlingen, Beratern, Förderern und echten Familienmitgliedern um den PrĂ€sidenten herum, beratschlagt, auf welchem Wege es zu bewerkstelligen sei, dass man auch bei einem Austausch der Person auf dem obersten Posten Russlands weiter Zugriff auf die Fleischtöpfe der Macht behalten könne. Im Dezember 1999 hatte man offenbar eine Lösung gefunden. Man prĂ€sentierte zeitgleich zum RĂŒcktritt einen Nachfolger, der genau dies fĂŒr die »Familie« sicherstellen sollte: weiteren, uneingeschrĂ€nkten Zugriff auf die milliardenschweren Ressourcen des Landes.
Amtierender PrĂ€sident des Landes wurde der kurz zuvor â in Vorbereitung dieses Coups â zum MinisterprĂ€sidenten ernannte, bis zu diesem Zeitpunkt als unscheinbarer Apparatschik aus dem russischen Provinzial-Politikbetrieb geltende Wladimir Putin. Sein Name sagte den meisten nationalen und internationalen Kommentatoren ĂŒberhaupt nichts. Bei seiner Ernennung zum MinisterprĂ€sidenten war man noch davon ausgegangen, es handle sich um eine jener austauschbaren ServilitĂ€ten, die in Jelzins SpĂ€tphase als PrĂ€sident sich in immer schnellerer Abfolge auf dem Amt des MinisterprĂ€sidenten ablösten. Doch Jelzin hatte zugleich mit seinem RĂŒcktritt auch eben diesen Wladimir Putin in einem RĂŒckgriff auf Mechanismen imperial-russischer Zeiten zu seinen Wunschnachfolger erklĂ€rt. Putin galt zu diesem Zeitpunkt als tumber Jelzin-Gefolgsmann, als Jelzinist, der die Amtszeit seines VorgĂ€ngers virtuell verlĂ€ngern und dem Jelzin-Clan kĂŒnftig dienen sollte. Doch sowohl der Jelzin-Clan als auch die Beobachter, die Putin als ZĂ€hlkandidat fĂŒr das Amt des kĂŒnftigen PrĂ€sidenten Russlands ansahen, hatten sich getĂ€uscht. Mit Putin stand jemand in den Startlöchern, der die Geschichte Russlands grundsĂ€tzlich verĂ€ndern sollte, der einer ganzen Epoche seinen Namen verleihen und den Wiederaufstieg des Landes unter die fĂŒhrenden WeltmĂ€chte bewerkstelligen sollte. Wie war Putin an diese Position gelangt, was hatte er vorher gemacht, und wie hatte er die »russische Wende« bewerkstelligt, vom Absturz ins allgemeine Elend zum Wiederaufstieg, was sind also die Eckpunkte seiner Politik, seiner Ideologie, letztlich also seiner AuĂen- und Sicherheitspolitik, die untrennbar mit der allgemeinen bzw. der Innenpolitik verbunden ist â diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden.
Aufstieg in Jelzins Entourage
Der gebĂŒrtige Leningrader Wladimir Wladimirowitsch Putin, Jahrgang 1952 (geboren am 7. Oktober, fĂŒr die, die es genau wissen wollen), aus einfacher Familie, schloss sein Jura-Studium an der örtlichen UniversitĂ€t 1975 mit einer Facharbeit ĂŒber die MeistbegĂŒnstigungsklausel im internationalen Rechtsvergleich ab. An der Leningrader UniversitĂ€t gehörte er zu den Studenten von Jura-Professor Anatoli Sobtschak, der spĂ€ter noch einmal eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen sollte. Der damals 23-jĂ€hrige Putin, der schon als SchĂŒler eine Vorliebe fĂŒr die Spionage-Serien im sowjetischen Fernsehen hatte, bewarb sich nach dem Studium beim KGB und wurde fĂŒr ein Jahr Auszubildender an der 401. KGB-Schule in Ochta (Stadtteil von Leningrad, an der MĂŒndung von der Ochta in die Newa), was auch eine militĂ€rische Ausbildung einschloss. Putin arbeitete zunĂ€chst in der Leningrader Abteilung fĂŒr Gegenspionage (2. Hauptdirektorat), bevor er zum Ersten Hauptdirektorat der KGB-Vertretung in Leningrad versetzt wurde, zu dessen Aufgabe die Ăberwachung von AuslĂ€ndern und dem Konsularpersonal in der Stadt gehörte. Nach zehn Jahren beim Leningrader KGB-BĂŒro wurde der mittlerweile 33-jĂ€hrige Putin 1985 ins »befreundete sozialistische Ausland« versetzt, nach Dresden in die Deutsche Demokratische Republik. Versetzungen in die DDR gehörten damals zu den beliebten Auslandsstationen innerhalb des KGB, da der Lebensstandard höher als in der ÂÂUdSSR war und ein Teil des Lohns in Valuta (Dollar) ausgezahlt wurde. Zuvor hatte Putin noch seine Freundin Ludmilla geheiratet, die ihn ins Ausland begleitete. In Dresden arbeitete Putin fĂŒr das Direk...