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About this book
Die Auflösungserscheinungen in den sozialistischen LĂ€ndern am Ende der 1980er Jahre machten auch vor der Sowjetunion nicht halt. Aber erst 1991 wurde zum SchlĂŒsseljahr fĂŒr den Niedergang des politischen und ökonomischen Systems der UdSSR. Nachdem die baltischen Staaten den Austritt aus der Union erklĂ€rt hatten, versuchte die Zentralmacht, auch durch MilitĂ€reinsatz, ihre Hoheit ĂŒber die AbtrĂŒnnigen wiederherzustellen. So kam es am 7. Januar mit dem »Vilniusser Blutsonntag« zum tödlichen Auftakt des Jahres 1991, ehe am 19. August erneut Bilder von schieĂenden Panzern, diesmal beim Augustputsch in Moskau, um die Welt gingen, bis schlieĂlich der Oberste Sowjet die Union offiziell auflöste und diese am 31. Dezember zu existieren aufhörte.Nur drei von vielen bedeutenden Daten des Jahres 1991, die hier in Form einer ausfĂŒhrlichen Zeittafel Tag fĂŒr Tag, Woche fĂŒr Woche exakt beschrieben werden - und damit die groĂe Bedeutung dieses »Wendejahres« fĂŒr das VerstĂ€ndnis der spĂ€ten Sowjetunion untermauert.
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Information
- 1991
- JANUAR
- Dienstag, 1. Januar 1991
- In der Tschechoslowakei wird als zweitem osteuropÀischen Land nach Estland das »sozialistische Wirtschaftssystem« offiziell abgeschafft. In Deutschland tritt im »Beitrittsgebiet« (ehemalige DDR) das westliche Steuersystem in Kraft.
- Mittwoch, 2. Januar 1991
- OMON-Spezialeinheiten des sowjetischen Innenministeriums besetzen am 2. Januar 1991 das Pressehaus in Riga, das zenÂtrale VerlagsgebĂ€ude der baltischen Teilrepublik Lettland. Der Oberste Sowjet Litauens bezeichnet das Vorgehen als illegal und als Terrorakt seitens der KP Lettlands. Umgehend werden Demonstrationen rund um das Pressehaus organisiert. Im Verlag selber werden zu diesem Zeitpunkt nur noch prosowjetische ÂPublikationen zu Papier gebracht. Israel eröffnet nach Jahrzehnten der gegenseitigen diplomatischen Ignoranz (seit dem Sechstagekrieg 1967) wieder ein Konsulat in Moskau.
- Freitag, 4. Januar 1991
- OMON-Einheiten besetzen die zentrale litauische Fernmeldeverbindungsstelle in Vecmilgravis, nachdem die Telefonverbindungen der sowjetischen Einheiten im Lande von Nationalisten unterbrochen worden waren. Am selben Tag besetzen OMON-Einheiten auch das litauische Innenministerium, bevor am 7. Januar 1991 auf Befehl von Gorbatschow und Verteidigungsminister Jasow Kommando-Einheiten der sowjetischen StreitkrÀfte nach Litauen und in andere Teilrepubliken verlegt werden.
- Samstag, 5. Januar 1991
- Georgische Truppen greifen Tschkinwali an, die Hauptstadt des autonomen Gebiets SĂŒdossetien, damit beginnt der zweijĂ€hrige SĂŒdossetienkrieg. Russland unterstĂŒtzt die sĂŒdossetischen StreitkrĂ€fte gegen die von den USA unterstĂŒtzten georgischen StreitkrĂ€fte.
- Dienstag, 8. Januar 1991
- Nach Auseinandersetzungen mit dem nationalchauvinistischen Scharfmacher und Vorsitzenden des Ministerrats Litauens, Landsbergis, tritt die gemĂ€Ăigte stellvertretende Vorsitzende ÂPrunskienÄ von ihrem Amt zurĂŒck. Sie reist nach Moskau und versucht, auch ohne Regierungsmandat in den sich anbahnenden Auseinandersetzungen mit der sowjetischen Obrigkeit zu vermitteln. Gegner des UnabhĂ€ngigkeitskurses protestieren im Stadtzentrum von Vilnius gegen den nationalchauvinistischen Kurs der neuen Regierung. Landsbergis ruft daraufhin seine AnhĂ€nger auf, den »kommunistischen Mob« aus dem Stadtzentrum zu vertreiben. Abends landen sowjetische MilitĂ€reinheiten auf dem Flugplatz von Vilnius, darunter Terroristenabwehrspezialisten von der Alpha-Gruppe des KGB und FallschirmjĂ€ger der 76. Luftlandedivision aus Pskow. Sie sollen die Ruhe und Ordnung in Litauen wiederherstellen.
- Donnerstag, 10. Januar 1991
- Russische, polnische und andere nicht-litauische Arbeiter aus den Fabriken von Vilnius protestieren in der litauischen Hauptstadt gegen die drastische Anhebung der Lebensmittelpreise durch die nationalchauvinistische, »wirtschaftsliberale« Regierung (»Schockprogramm«) und gegen eine zunehmende ethnische Diskriminierung von Nicht-Litauern in der Gesellschaft. Die westliche Propagandavereinigung Human Rights Watch behauptet, die Streiks beruhen auf einer sowjetischen Propagandakampagne mit dem Ziel, ethnische Auseinandersetzungen zu schĂ€rfen (und verdreht damit die reale Lage ins Gegenteil). Gorbatschow fordert in einer Rede in Moskau vor dem Obersten Sowjet, die Gesetze der Sowjetunion mĂŒssten auch in Litauen anerkannt und wieder in Kraft gesetzt werden. Alle neuen litauischen Gesetze, die den sowjetischen Gesetzen widersprĂ€chen, mĂŒssten auĂer Kraft gesetzt werden. Andernfalls sehe er sich gezwungen, notfalls militĂ€rische Mittel einzusetzen.
- Freitag, 11. Januar 1991
- Der moskautreue »Demokratische Kongress Litauens« fordert die Nationalchauvinisten in der litauischen Regierung auf, ihren UnabhĂ€ngigkeitskurs aufzugeben und die Gesetze der Sowjetunion wieder in Kraft zu setzen. Sowjetische Einheiten besetzen das litauische Verteidigungsministerium und das Pressehaus in Vilnius. AuĂerhalb Vilniusâ werden militĂ€rische Einrichtungen von sowjetischen Truppen gesichert. Die moskautreuen litauischen Kommunisten grĂŒnden ein »Nationales Komitee zur Rettung der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik« und nehmen fĂŒr sich in Anspruch, die legitime Regierung Litauens zu reprĂ€sentieren.
- Samstag, 12. Januar 1991
- Arnold RĂŒĂŒtel (Estland) und Boris Jelzin (Russland) unterzeichnen in Moskau einen Grundlagenvertrag zwischen den beiden LĂ€ndern. Die nationalchauvinistische Lettische Volksfront ruft zur Bewachung strategischer Objekte in Riga auf, da ein Eingreifen sowjetischer Truppen befĂŒrchtet wird. Moskautreue Demonstranten versuchen, das GebĂ€ude des lettischen Ministerrats zu stĂŒrmen, um die Nationalchauvinisten aus dem Amt zu jagen. Die Polizei kann den Versuch vereiteln.
- Der stellvertretende sowjetische Verteidigungsminister Achalow trifft in Litauen ein und ĂŒbernimmt das Kommando der dortigen Einheiten der Sowjetarmee. Demonstranten folgen einem Aufruf der Nationalchauvinisten, sich vor »strategischen« Einrichtungen wie dem Ministerrat, dem Medienkomitee und dem Fernsehturm in Vilnius zu versammeln und eine Besetzung dieser GebĂ€ude durch sowjetische Einheiten zu verhindern. Um 22 Uhr setzen sich sowjetische MilitĂ€rkonvois Richtung Stadtzentrum von Vilnius in Bewegung.
- Sonntag, 13. Januar 1991
- Die Unruhen in den baltischen Republiken, gesteuert mit freundlicher Hilfe westlicher Nachrichtendienste, spitzen sich zu.29 Der Westblock sieht die Chance gekommen, dem wankenden Riesenreich im Osten den TodesstoĂ zu versetzen. Moskau reagiert panisch bis hilflos. In den frĂŒhen Morgenstunden des 13. Januar 1991 stĂŒrmen sowjetische Truppen zusammen mit KGB-Spezialeinheiten der Alpha-Gruppe den Fernsehturm im litauischen Vilnius, um weitere Sendungen der UnabhĂ€ngigkeitsbewegung im Fernsehen der Teilrepublik zu unterbinden. Vierzehn »unbewaffnete Zivilisten« werden dabei getötet und Hunderte verletzt. Die blutigen Auseinandersetzungen gehen danach weiter, es werden Barrikaden errichtet auf zentralen StraĂenkreuzungen und BrĂŒcken Vilniusâ. Bei Gegenangriffen der sowjetischen Truppen sterben weitere »Demonstranten«. Gorbatschow streitet nach internationalen Protesten in bekannter Manier seine Verantwortung fĂŒr den Truppeneinsatz ab und gibt die Schuld untergeordneten Kommando-Ebenen.
- Zuvor hatte das PrĂ€sidium des Obersten Sowjets der RSFSR unter Jelzin die sowjetische FĂŒhrung unter Gorbatschow dazu aufgerufen, die sowjetischen MilitĂ€reinheiten aus dem Baltikum abzuziehen. In Lettland beginnen selbsternannte Milizen damit, »strategische Objekte« zu sichern. Bei Demonstrationen in der lettischen Hauptstadt Riga wird damit begonnen, Barrikaden zu bauen. Wie 2014 in Kiew kommt es zu einer »mĂ€rchenhaften« Anlieferung riesiger Mengen von Barrikadenmaterial ungeklĂ€rter Herkunft (HolzstĂ€mme, Bagger, Traktoren, Lastwagen, Betonteile etc.). Verbarrikadiert werden der Oberste Sowjet, das MinisterratsgebĂ€ude, die Fernseh- und Radiostation und das Telefon- und Telegrafenamt sowie einige BrĂŒcken im Stadtzentrum. Die Soldaten der Sowjetischen StreitkrĂ€fte im Land werden von den Nationalchauvinisten dazu aufgerufen, zu desertieren beziehungsweise den Dienst zu verweigern. Ăber 300 Westblock-Journalisten freuen sich ĂŒber das »schöne Bildmaterial«. Der lettische Premierminister trifft sich mit den »Kommandanten« einzelner Barrikaden. In Vilnius bleiben die »strategischen« GebĂ€ude bis auf Weiteres von sowjetischen Truppen besetzt.
- Montag, 14. Januar 1991
- Nikolai Ryschkow tritt (nach einem kurz zuvor erlittenen Herzinfarkt) vom Amt des Vorsitzenden des Ministerrats der SowjetÂunion zurĂŒck, weil er den Kurs von Gorbatschow nicht mehr mittragen will, der seiner Auffassung nach direkt ins völlige Chaos und die Auflösung der Sowjetunion fĂŒhren muss. AuĂerdem findet er die Auseinandersetzungen zwischen Gorbatschow und Jelzin Ă€uĂerst ĂŒberflĂŒssig und allein von verletzter Eitelkeit getragen. Zu seinem Nachfolger wird Walentin Pawlow ernannt. In Riga kommt es zu ZusammenstöĂen zwischen sowjetischen Truppen und den MilizionĂ€ren; die Volksfront erklĂ€rt, die Macht im Lande ĂŒbernehmen zu wollen.
- Mittwoch, 16. Januar 1991
- Der MilitÀrapparat des Westblocks (NATO etc.) beginnt im Rahmen des Ersten Golfkriegs mit Luftangriffen auf den Irak.
- Donnerstag, 17. Januar 1991
- Die Bodentruppen des Westblocks beginnen ihren Vormarsch auf das irakisch besetzte Kuwait. In der BRD wird der »Triumphator ĂŒber die DDR« und Mit-TotengrĂ€ber der Sowjetunion, Helmut Kohl, vom ersten gesamtdeutschen Bundestag als Bundeskanzler wiedergewĂ€hlt.
- Sonntag, 20. Januar 1991
- Sowjetische Spezialeinheiten greifen das von lettischen Milizen verteidigte GebĂ€ude des Innenministeriums in Riga an, bei den KĂ€mpfen werden fĂŒnf Menschen getötet. In Moskau demonsÂtrieren Tausende zugunsten der baltischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen.30 In Litauen trifft eine islĂ€ndische Regierungsdelegation ein und kĂŒndigt an, dass Island die von Moskau unabhĂ€ngige nationalchauvinistische Regierung diplomatisch anerkennen werde. Ein ungeheurer Affront fĂŒr Gorbatschow und die restliche Sowjetunion und Zeichen der mittlerweile im Westen erkannten finalen SchwĂ€che des »wankenden Riesen im Osten«.
- FEBRUAR
- Freitag, 1. Februar 1991
- Im Zweiten Golfkrieg ziehen sich die irakischen Truppen nach der Schlacht um Chafdschi aus saudischem Gebiet zurĂŒck.
- Sonntag, 3. Februar 1991
- Auch in Italien gerÀt die Kommunistische Partei in die Krise. Auf einem Kongress können die westhörigen KrÀfte die Mehrheit erringen und betreiben die Umbenennung der Partei in Partito Democratico della Sinistra (PDS). Am 12. Dezember 1991 spalten sich von ihr traditionelle Kommunisten als Partito della Rifondazione Comunista (PRC) ab.
- Montag, 4. Februar 1991
- Island nimmt d...
Table of contents
- Cover
- Titel
- Die SpÀtphase der Sowjetunion
- 1991
- Impressum