Die Komplexe Dynamische Evaluation (KDE) generiert Daten zur Verbesserung des universitĂ€ren Fremdsprachenunterrichts und fördert die selbstreflexiven Kompetenzen der Lehrenden und Studierenden. Durch den Einsatz dieses Evaluationsmodells rĂŒcken die Studierenden nicht nur verstĂ€rkt ins Zentrum des Unterrichtsgeschehens, sondern beteiligen sich auch aktiv an dessen Optimierung. KDE stĂ€rkt die Autonomie der Lernerinnen und Lerner und verdeutlicht ihre zentrale Rolle am Gelingen von gutem Unterricht. FĂŒr die Lehrenden stellen die gewonnenen Informationen eine wichtige Quelle bei der Optimierung der Lehre und der Entwicklung ihrer eigenen Lehrkompetenz dar. KDE ermöglicht ein umfassendes VerstĂ€ndnis von Evaluation im Unterricht und schöpft bisher ungenutztes Potential bei Lehrveranstaltungsevaluationen aus.

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Komplexe Dynamische Evaluation (KDE): Ein Instrument zur Optimierung des universitÀren Fremdsprachenunterrichts
Die theoretischen Grundlagen
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Komplexe Dynamische Evaluation (KDE): Ein Instrument zur Optimierung des universitÀren Fremdsprachenunterrichts
Die theoretischen Grundlagen
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Information
1 Einleitung
Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen,
durch die sie entstanden sind.
(Albert Einstein)
Die Evaluation von Lehrveranstaltungen durch Studierende stellt ein mittlerweile in nahezu allen universitĂ€ren Kursen, Seminaren und Vorlesungen verwendetes Mittel der QualitĂ€tsoptimierung und -sicherung dar. Diese Methode wird in den USA bereits seit den 1920er Jahren (vgl. Marsh 1987:257) eingesetzt und untersucht und hat sich inzwischen auch im deutschsprachigen Raum als wahrscheinlich die Methode zur Verbesserung der Lehre etabliert. Hier fand sie ihren Ursprung als Folge der 68er-Bewegung und den damit verbundenen Reformen an den Hochschulen und »ergieĂt« sich seit Anfang der 1990er Jahre geradezu ĂŒber die deutschsprachigen UniversitĂ€ten, wie Rindermann (2009:32f) dies treffend formuliert.
Ihr Stellenwert im universitĂ€ren QualitĂ€tsmanagement wird auch durch ihre Verankerung in den jeweiligen UniversitĂ€tsgesetzen untermauert, welche regelmĂ€Ăige Evaluationen an deutschsprachigen UniversitĂ€ten vor gut 20 Jahren zum fixen Bestandteil sĂ€mtlicher qualitĂ€tsverbessernder Bestrebungen machte (fĂŒr Ăsterreich siehe Kohler, 2009; fĂŒr Deutschland siehe Schmidt, 2009 und fĂŒr die Schweiz siehe Rhyn, 2009). Zudem werden die mit Evaluationen verbundenen Ergebnisse vielfach nicht nur innerhalb der UniversitĂ€ten, sondern auch von Geldgebenden, PolitikerInnen und in den Medien diskutiert (siehe z.B. Der Standard 9. Mai 2007). DarĂŒber hinaus hat mittlerweile sowohl die Anzahl der einzelnen Evaluationsmodelle als auch die Literatur hierzu ein AusmaĂ erreicht, das â wie auch Mittag/Mutz/Daniel (2012:14) feststellen â »im Rahmen eines qualitativen Literaturreviews nicht mehr zu bewĂ€ltigen ist«. Evaluation stellt demnach keine Modeerscheinung dar, sondern wird als wesentlicher Bestandteil der QualitĂ€tsbestrebungen an Hochschulen gesehen.
Trotz dieser langen Historie, der FĂŒlle an Publikationen zu diesem Thema und trotz ihres vermeintlichen Stellenwertes in der Hochschulpolitik wird die Lehrveranstaltungsevaluation dennoch nach wie vor von einigen kritisch betrachtet und ihre Effizienz im Hinblick auf die Optimierung der Lehre oftmals in Frage gestellt. Dies hat unterschiedliche GrĂŒnde und ist hĂ€ufig auch darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass viele Evaluationen mitunter relativ konzeptlos wirken bzw. sind und mehrheitlich nicht von EvaluationsexpertInnen konzipiert oder ohne klar ersichtliche theoretische Basis erstellt wurden, wie Spiel (vgl. 2001:7) feststellt.
WĂ€hrend die einen (siehe z.B. Alphei 2006:7) in Bezug auf Lehrveranstaltungsevaluation von einem der wichtigsten Verfahren zur Unterrichtsoptimierung sprechen, ist es fĂŒr andere (siehe z.B. Liessmann 2005:15ff) höchst umstritten oder sogar eine Krankheit, »Evaluitis« (siehe z.B. Simon 2000, Frey 2007), die die Lehrveranstaltungen an UniversitĂ€ten befĂ€llt und an welcher Studierende und Lehrende gleichsam leiden, ohne wirklich nachhaltige Verbesserungen zu bemerken. Und in der Tat ist gerade jener Bereich der Evaluationsforschung rar, der sich konkret mit den durch Evaluation ausgelösten vermeintlichen Verbesserungen oder Verschlechterungen der LehrqualitĂ€t befasst, wie Rindermann (vgl. 2009:227) feststellt. vgl. Spiel/Gössler (vgl. 2001:13) weisen zudem darauf hin, dass die Konzentration der Evaluation im universitĂ€ren Kontext primĂ€r auf Analyse und Bewertung liegt und nicht auf konkreten ĂnderungsmaĂnahmen. AuĂerdem wird das »Wie« meist breit diskutiert, wĂ€hrend das »Wozu« fast immer ausgeklammert bleibt (vgl. ibid.).
Welchen Standpunkt man in diesem mitunter subjektiv und oftmals emotional gefĂŒhrten Krieg der (Evaluations-)Welten auch vertreten mag, es sind reichlich Argumente fĂŒr und auch gegen das DurchfĂŒhren von Lehrveranstaltungsevaluationen vorhanden, die fĂŒr die jeweiligen Evaluationsprojekte sorgfĂ€ltig abgewogen werden mĂŒssen. Eine detaillierte Abhandlung hierzu wĂŒrde den Rahmen dieses Buches sprengen, es sei u.a. jedoch auf Rindermann (2009), Kromrey (1996), McKeachie (1997), Simon (2000) und Frey (2007) verwiesen.
WĂ€hrend fĂŒr mich die potentiellen Vorteile einer Evaluation in vielen Bereichen der universitĂ€ren QualitĂ€tsoptimierung, ganz besonders auch im Bereich des Fremdsprachenunterrichts, klar auf der Hand liegen, so teile ich gleichzeitig auch den kritischen Zugang zur Lehrveranstaltungsevaluation als der Methode zur QualitĂ€tsoptimierung der Lehre, denn das DurchfĂŒhren einer Evaluation stellt per se noch lange keine hinreichende Bedingung fĂŒr QualitĂ€t oder deren Optimierung dar, wie auch Schöch (vgl. 2005:152) feststellt. Mindestens genauso wichtig wie die Evaluation selbst ist das, was darauf folgt. Nur wenn die mit Hilfe der Evaluation gewonnen Informationen genutzt und umgesetzt werden, lohnt sich der damit zwangslĂ€ufig verbundene Mehraufwand.
Zwei Dinge mĂŒssen an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit kommuniziert werden: Erstens, jede Evaluation ist mit einem gewissen (Mehr-)Aufwand verbunden und braucht daher Ressourcen. Zweitens, eine Evaluation ohne durchdachtes Follow-Up bewirkt keine QualitĂ€tsoptimierung. Nur wenn man sich dieser Tatsachen bewusst ist und den mit einer Evaluation bzw. dem daran anschlieĂenden Follow-up verbundenen Mehraufwand in Kauf nimmt, kann eine QualitĂ€tsverbesserung erfolgen.
Evaluation wird im vorliegenden Ansatz â wenn richtig durchgefĂŒhrt â als zentrale, vielschichtige und wirkungsvolle Methode zur Unterrichtsoptimierung gesehen, jedoch ist auch zu betonen, dass sie kein Allheilmittel darstellt und auch nicht alle Probleme und Defizite, die sie aufzeigt, im Rahmen des Hochschulkontextes beseitigt werden können. Vielfach fehlen hier die nötigen (monetĂ€ren) Mittel und (zeitlichen) Ressourcen. Zudem muss darauf hingewiesen werden, dass nicht jede aktuell eingesetzte Evaluation jene Wirkung erzielt, die damit intendiert wird.
Evaluiert man die an vielen UniversitĂ€ten eingesetzten Evaluationsmodelle, kann man nicht selten feststellen, dass zahlreiche dieser Werkzeuge und Methoden in Hinblick auf deren Optimierungspotential oftmals fragwĂŒrdig sind und mitunter angezweifelt werden muss, ob damit tatsĂ€chlich eine wirksame Unterrichtsverbesserung möglich ist. Zentrale Probleme, die bei einer Metaevaluation1 im Vorfeld detektiert wurden, sollen in Folge kurz diskutiert werden, bevor im anschlieĂenden Abschnitt der in diesem Buch konzipierte Lösungsansatz vorgestellt wird.
1.1 Problemstellung
Die Motivation fĂŒr diese Arbeit entstand primĂ€r aus einer Unzufriedenheit heraus, die ich im Laufe meiner mittlerweile ĂŒber zehnjĂ€hrigen LehrtĂ€tigkeit an unterschiedlichen universitĂ€ren Fremdsprachenzentren und Instituten im In- und Ausland mit den jeweils eingesetzten Lehrveranstaltungsevaluationen verspĂŒrte. Diese sind in der Regel mit einem hohen Aufwand verbunden und bringen oftmals aber nur einen kleinen Ertrag. Sie werden z.B. vielfach nach wie vor mit Hilfe von Papierfragebögen durchgefĂŒhrt, in welchen die LernerInnen den Lehrpersonen am Ende des Semesters ein Feedback zum Kurs geben. Dadurch soll zur QualitĂ€tsverbesserung der betreffenden Lehrveranstaltung beigetragen werden, was mit den jeweiligen Modellen meiner Erfahrung nach und nach Ansicht vieler meiner KollegInnen in den meisten FĂ€llen jedoch nur eingeschrĂ€nkt möglich ist.
Eine vollstĂ€ndige Auflistung sĂ€mtlicher Aspekte, die mit vielen dieser und anderer aktuell eingesetzter Evaluationsmodelle und Methoden einhergehen, wĂ€re verhĂ€ltnismĂ€Ăig lang und zu umfangreich, um ihr an dieser Stelle die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Dies hĂ€ngt zum einen damit zusammen, dass die Zahl an Evaluationsmodellen und Fragebögen, wie bereits angefĂŒhrt, mittlerweile nahezu unĂŒberschaubar ist, und zum anderen damit, dass auch die Kriterien, nach welchen man die einzelnen Modelle untersuchen und bewerten könnte, vielfĂ€ltig und umfangreich sind. Daher wird hier von einer detaillierten Analyse Abstand genommen und es sollen nur einige zentrale Punkte aufgezeigt und kurz diskutiert werden, die das effektive Optimieren des universitĂ€ren Fremdsprachenunterrichts mit Hilfe der untersuchten Modelle erschweren.
Um die Analyse auf einen fĂŒr den Rahmen dieses Buches angemessenen Umfang zu beschrĂ€nken, konzentrierte ich mich auf die Lehrveranstaltungsevaluationen jener fĂŒnf österreichischen Fremdsprachenzentren, die zum Untersuchungszeitpunkt (2012) dem Verband universitĂ€rer Sprachenzentren und -institutionen (VUS ) angehören.
Obwohl es sich hierbei um eine vergleichsweise kleine Stichprobe handelt, kann dennoch festgestellt werden, dass sie sehr reprĂ€sentativ ist und die hier angefĂŒhrten zentralen Problematiken auf die Mehrheit der Sprachenzentren im europĂ€ischen Hochschulraum â und wahrscheinlich auch darĂŒber hinaus â in der einen oder anderen Weise zutreffen, da viele Sprachenzentren Ă€hnliche Verfahren zur QualitĂ€tsoptimierung einsetzen.
Eine Kollegin am treffpunkt sprachen, die in einem, der im Rahmen meiner Dissertation durchgefĂŒhrten qualitativen Interviews befragt wurde, bringt einige der zentralen Themen aktueller Lehrveranstaltungsevaluationen im Fremdsprachenunterricht wie folgt auf den Punkt:
[âŠ] weil ich mich sowieso seit einiger Zeit schon ĂŒber diese stĂ€ndigen Evaluierungen Ă€rgere, nicht weil sie schlecht sind, sind sie nicht, aber es interessiert mich auch nicht zum hundertsten Mal zu hören, dass ich so ein nice teacher bin und so. Irgendwann finde ich, reicht es. treffpunkt sprachen muss natĂŒrlich fĂŒr QualitĂ€t sorgen, soll mich von mir aus ein Jahr beobachten und dann finde ich, ist es aus und ich habe einfach keine Lust mehr. Ich mag mich nicht mehr evaluieren lassen.
[LP 002, 224â230]
Die Inhalte dieser Aussage sind zweifelsfrei auch als einige der HauptgrĂŒnde fĂŒr die von Simon (2000) und Frey (2007) angefĂŒhrte »Evaluitis« zu sehen, an der viele KollegInnen, vor allem, wenn sie schon mehrere Jahre unterrichten, leiden. Die meisten Lehrenden sind nicht mit einer Evaluation ihres Unterrichts per se unzufrieden und negieren auch nicht deren Wichtigkeit im Hinblick auf ihr Potential, essentielle Informationen zur QualitĂ€tsoptimierung zu generieren. Sie erkennen in der Regel auch die allgemeine Notwendigkeit von Evaluationen in Hinblick auf die PrĂ€sentation der betreffenden Institute und Zentren nach auĂen an, stellen jedoch, wie die Kollegin aus dem Interview, vielfach fest, dass die Art und Weise, mit der diese Evaluationen durchgefĂŒhrt werden, also der Evaluationsansatz, und die Informationen, die sie zum Teil fördern, insuffizient sind, was oftmals zur Folge hat, dass Lehrende mit der Zeit eine Aversion gegen das Evaluieren entwickeln. In der Tat ist diese Abneigung auch bei vielen Studierenden zu bemerken, denn es darf nicht vergessen werden, dass diese in der Regel viele Evaluationen pro Semester â in jedem der von ihnen besuchten Kurse zumindest eine â durchfĂŒhren mĂŒssen. Hinzu kommen weitere Befragungen, die beispielsweise einen bestimmten Lehrgang oder die UniversitĂ€t und deren Einrichtungen etc. betreffen. Man kann also nicht behaupten, es wĂŒrde zu wenig evaluiert.
Auf der Suche nach den GrĂŒnden, warum es in Hinblick auf Lehrveranstaltungsevaluationen ĂŒberhaupt zu den oben genannten und anderen Problemen kommt, können unterschiedliche Ursachen ausfindig gemacht werden. Im Wesentlichen hĂ€ngen sie jedoch damit zusammen, dass bei vielen Evaluationen oftmals gewisse Standards, wie sie etwa im Handbuch der Evaluationsstandards (siehe unten bzw. Sanders 2006) angefĂŒhrt werden, keine oder eine zu ge...
Table of contents
- Cover
- Titel
- Impressum
- Inhaltsverzeichnis
- Meinen Eltern.
- Geleitwort
- Vorwort
- Danksagung
- 1 Einleitung
- 2 QualitÀt, Evaluation, Hochschule
- 3 Evaluation und Fremdsprachenunterricht
- 4 QualitÀt und QM im universitÀren Fremdsprachenunterricht
- 5 Komplexe Dynamiken beim Lehren, Lernen und Evaluieren
- 6 KDE im Fremdsprachenunterricht
- 7 ResĂŒmee und Ausblick
- 8 Literaturverzeichnis
- AbkĂŒrzungsverzeichnis
- FuĂnoten
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