
- 18 pages
- English
- ePUB (mobile friendly)
- Available on iOS & Android
eBook - ePub
About this book
"Die Quintessenz lautet: Fremdsein ist der Modus des Gesellschaftlichen. Nicht nur fĂŒr Fremde."Armin Nassehi betrachtet die Fremdheit aus der soziologischen Perspektive und kommt zu dem Schluss, dass nicht die Fremden das Problem sind, sondern unsere uneingestandene UnfĂ€higkeit, mit der Fremdheit der Gesellschaft umzugehen. Ausgehend von der scheinbar so banalen Feststellung, dass wir uns stets fremd bleiben, weil wir nicht in den Kopf der Anderen hineinschauen können, stellt er fest, dass genau diese Fremdheit zwischen den Köpfen, konstitutiv fĂŒr die Art und Weise ist, in der wir miteinander verbunden sind.
Frequently asked questions
Yes, you can cancel anytime from the Subscription tab in your account settings on the Perlego website. Your subscription will stay active until the end of your current billing period. Learn how to cancel your subscription.
No, books cannot be downloaded as external files, such as PDFs, for use outside of Perlego. However, you can download books within the Perlego app for offline reading on mobile or tablet. Learn more here.
Perlego offers two plans: Essential and Complete
- Essential is ideal for learners and professionals who enjoy exploring a wide range of subjects. Access the Essential Library with 800,000+ trusted titles and best-sellers across business, personal growth, and the humanities. Includes unlimited reading time and Standard Read Aloud voice.
- Complete: Perfect for advanced learners and researchers needing full, unrestricted access. Unlock 1.4M+ books across hundreds of subjects, including academic and specialized titles. The Complete Plan also includes advanced features like Premium Read Aloud and Research Assistant.
We are an online textbook subscription service, where you can get access to an entire online library for less than the price of a single book per month. With over 1 million books across 1000+ topics, weâve got you covered! Learn more here.
Look out for the read-aloud symbol on your next book to see if you can listen to it. The read-aloud tool reads text aloud for you, highlighting the text as it is being read. You can pause it, speed it up and slow it down. Learn more here.
Yes! You can use the Perlego app on both iOS or Android devices to read anytime, anywhere â even offline. Perfect for commutes or when youâre on the go.
Please note we cannot support devices running on iOS 13 and Android 7 or earlier. Learn more about using the app.
Please note we cannot support devices running on iOS 13 and Android 7 or earlier. Learn more about using the app.
Yes, you can access Vertraute Fremde by Armin Nassehi in PDF and/or ePUB format, as well as other popular books in Politics & International Relations & Political History & Theory. We have over one million books available in our catalogue for you to explore.
Information
Armin Nassehi
Vertraute Fremde
Vertraute Fremde
Eine Apologie der Weltfremdheit
Was wĂ€re eigentlich, wenn wir uns gar nicht fremd wĂ€ren? Was wĂ€re, wenn wir einen unmittelbaren Zugang zueinander hĂ€tten? Was wĂ€re, wenn uns das, was in anderen Köpfen vorgeht, wirklich transparent wĂ€re? WĂ€re es nicht endlich das, wonach sich alle sehnen? WĂ€re das nicht die Art von Gemeinschaft, in der wir uns nicht nur authentisch zeigen mĂŒssten, sondern in der sich unsere AuthentizitĂ€t tatsĂ€chlich zeigt? WĂ€re es nicht die ErfĂŒllung der VerheiĂung, dass wir auch fĂŒr die Anderen wirklich die wĂ€ren, die wir sind? WĂ€re es nicht das Ende aller MissverstĂ€ndnisse? WĂ€re damit nicht endlich die Voraussetzung fĂŒr die Versöhnung zwischen den Menschen gegeben?
Nein, es wĂ€re die Hölle! Es wĂ€re die völlige Gleichschaltung der Menschen. Es wĂ€re dies auch das Ende aller Innovation und Ăberraschung. Es wĂ€re auch das Ende allen Denkens, denn damit eine solche Gesellschaft funktionieren könnte, mĂŒsste sie das, was in unseren Köpfen vorgeht, genauso einschrĂ€nken wie das, was wir sagen. Es gehört zu den entscheidenden Sozialisationserfahrungen von Kindern, am eigenen Sprechen zu erfahren, dass es zwischen Sagen und Denken, zwischen Sagen und Meinen, zwischen Innen- und AuĂenwelt einen unĂŒberbrĂŒckbaren Unterschied gibt. Man kann erst denken, wenn man mitdenkt, dass das Gedachte nicht zugleich gesagt ist, und man kann am Sagen mittesten, dass es gelingt, etwas anderes zu sagen, als man meint â und dass dieser Unterschied permanent mitgetestet werden muss, um sich zu positionieren, vor Eltern, Geschwistern, Spielkameraden, spĂ€ter in der Schule vor Lehrern, bei denen man vor allem lernt, dass es richtige SĂ€tze gibt, die sich von denen, die im Kopf sonst so herumschwirren, unterscheiden. Auch die LĂŒge ist eine evolutionĂ€re Errungenschaft. Denn nur wo diese Differenz zwischen Sagen und Meinen oder Wissen mitlĂ€uft, kann ich den Anderen belĂŒgen. Und auch nur dann kann ich ihm die Wahrheit sagen, weil die Wahrheit nur dann als solche erscheint, wenn man auch das Gegenteil sagen könnte. Deshalb sagen unsere vegetativen ĂuĂerungen auch nicht die Wahrheit, weil sie nicht lĂŒgen können.
Eine Welt ohne LĂŒge oder ohne ihre Möglichkeit wĂ€re die Hölle. Stellen wir uns eine ganz einfache Situation vor. Ich stehe morgens, bevor ich die U-Bahn besteige, beim BĂ€cker in einer Schlange, um mir eine Butterbreze zu kaufen, die ich in der U-Bahn zu verspeisen gedenke. Ich schweige in einer solchen Schlange normalerweise, und die Anderen schweigen auch, es sei denn, sie sind mit Bekannten in der Schlange, oder sie sind dran und sagen der freundlichen BĂ€ckereifachverkĂ€uferin, ob sie eine Butterbreze oder lieber eine LeberkĂ€ssemmel haben möchten (eine MĂŒnchner Szene, wie ersichtlich). Die Handlungen der Schlangensteher, des Personals und von Leuten, die irgendwie vorbeiwollen oder ganz etwas anderes tun, erfolgen ohne groĂen Aufwand. Und diese Art sparsamer Aufwand ist es, der es uns ermöglicht, in komplexen, vernetzten GroĂstĂ€dten zivilisiert miteinander umzugehen. Denn es geht so weiter. Sobald ich meine Butterbreze habe, gehe ich in die U-Bahn, setze mich dort hin, versuche, das GebĂ€ck zu essen, ohne mich mit der Butter zu beschmieren (was schwierig ist), und beobachte, wie mich andere beobachten. Es wird nicht gesprochen, der Aufwand ist gering, und wenn es hoch kommt, grinst jemand, wenn ich es doch nicht geschafft habe und mir aufwendig den Finger ablecken muss oder umstĂ€ndlich die Serviette von der Breze nehme, um mir den Finger zu reinigen. Vielleicht macht der Andere einen Scherz darĂŒber, aber es ist erwartbar, dass die Toleranz fĂŒr den Anderen schon deswegen relativ groĂ ist, weil jede ĂuĂerung sich dem Risiko der ĂuĂerungen anderer aussetzt. Selbst wenn man in der BĂ€ckerschlange oder hinterher in der U-Bahn Kontakt mit...
Table of contents
- Armin Nassehi â Vertraute Fremde
- Anhang