Seeleute berichten
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Von Bomben, Fidel und Fischen

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Seeleute berichten

Von Bomben, Fidel und Fischen

About this book

Der neue Band in der maritimen ErzĂ€hlreihe von Hins torff bušndelt den Blick verschiedener Crewmitgliederauf das Leben an Bord. Dazu gehören erstmals die Erinnerungen von Schiffs(betriebs)mechanikern und Matrosen. Das Buch enthĂ€lt zudemEinblicke in den Alltag von Berufsgruppen, die es gar nicht bzw. lĂ€ngst nicht mehr auf jedem grĂ¶ĂŸeren Schiff gibt, wie Zimmermann, Purser, Funker oder Schiffsarzt. Als spezielle Facette der inhaltlich ušberwiegenden DDR-Schifffahrt kommt ein Politoffizier zu Wort, wozu die Erinnerungen eines bundesdeutschen Seemannes einen bemerkenswerten Kontrast bieten. Ob Ost oder West, auf See fehlte es nicht an dramatischen Momenten: So war einer der berichtenden Seeleute gleich drei Mal in Gefahr, sein Leben zu verlieren.

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Information

Publisher
Hinstorff
Year
2014
Print ISBN
9783356018226
Edition
1
eBook ISBN
9783356018875

Aufgaben an Bord

Schiffsarzt gesunder Seeleute

Georg Grimmer
Am 8. Oktober 1962 stachen wir zur großen Fahrt nach Burma und Indien in See, nachdem ich durch den Hafenarzt in die schiffsĂ€rztliche TĂ€tigkeit eingefĂŒhrt worden war. Meine Kollegen haben mich zĂŒnftig verabschiedet und dann war ich zum ersten Mal in meinem Leben auf engem Raum fachlich auf mich allein gestellt und fĂŒr 61 Seeleute an Bord medizinisch verantwortlich. Mein Reich bestand aus einem Isolierkrankenzimmer, einer SanitĂ€reinrichtung und einer Wohnkabine. Das Schiffshospital war fĂŒr die damaligen VerhĂ€ltnisse sehr gut ausgerĂŒstet mit einer Untersuchungsliege, einer OP-Leuchte, einem Heißluftsterilisator, Beistelltischen, einem gerĂ€umigen Medikamentenschrank, einem Behandlungsstuhl und einer elektrischen Zahnbohrmaschine. Außer der Fußbodenreinigung war ich fĂŒr die Sauberkeit, Ordnung, Desinfektion und Sterilisation der ĂŒbrigen Bereiche verantwortlich. Deshalb hatte ich mein Instrumentarium und meine Spritzen und KanĂŒlen selbst zu sterilisieren und immer einsatzbereit vorrĂ€tig zu haben. Das war eine tĂ€gliche Aufgabe, da es zu diesem Zeitpunkt weder steril eingeschweißtes Instrumentarium noch sterile Einmalspritzen und -kanĂŒlen gab.
Die Besatzung war jung – unser KapitĂ€n erst 27 Jahre alt – und durch Tauglichkeitsuntersuchungen waren die Seeleute als geeignet fĂŒr den Dienst an Bord befunden worden. Es gab deshalb auf medizinischem Gebiet wenig Arbeit. Die Mannschaft war in Wach- und Tagesdienst eingeteilt, hatte ihre BeschĂ€ftigung und ich hatte relativ viel Zeit, das Bordleben kennen zu lernen. Alles war fĂŒr mich neu und die Seeleute auf dem Achterschiff verhielten sich recht reserviert, waren freundlich, aber zurĂŒckhaltend. So war ich viel allein, saß an Deck oder in der Kammer mit einem Buch, hörte Musik von meinem Tonband und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Diese Zeit an Bord war fĂŒr mich recht kompliziert. Obwohl ich mir einbildete einen offenen und freundlichen Charakter zu haben, fand ich offenbar keinen persönlichen Kontakt zur Mannschaft. Die Reise sollte gut vier Monate dauern und ich malte mir aus, wie lang diese Zeit sein kann ohne Kameradschaft und vielleicht sogar Freundschaften.
Nach elf Tagen, an einem schönen sonnigen Abend im Mittelmeer auf dem Weg nach Port Said, klopfte es an meine TĂŒr. Als Meldung eines Patienten steckte der blonde E-Ing. seinen Kopf in die TĂŒr und sagte: „Doc, hier liegt einer im Gang.“ Als ich aufsprang und aus der TĂŒr trat, stand da die wachfreie Maschinengang mit einer Kiste Bier und als alle dann in meiner Kammer saßen, eröffneten diese mir, dass ich zehn Probetage gut ĂŒberstanden hĂ€tte und dass man nun glaube mit mir auskommen zu können. Damit war ich in die Mannschaft aufgenommen und gehörte zu ihr. In der Folgezeit lernte ich auch das Leben an Bord durch aktive Mitarbeit kennen. Ich habe Farbe gewaschen, gemalt, Deck gescheuert und bin nautische Wachen mitgegangen. In der Maschine habe ich als M-Assi drei Wachen hintereinander mitgemacht, habe die Bilge und Separatoren gereinigt und schwere körperliche Arbeit geleistet. Dabei wurde mir bewusst, unter welchen schweren körperlichen Bedingungen die Besatzung auf diesen nicht klimatisierten Schiffen bei Hitze, LĂ€rm und Seegang den oft störanfĂ€lligen Bordalltag bewĂ€ltigen musste. Nach einem Hafenanlauf, beispielsweise dem in Dschidda, kamen wieder viele Seetage. Das Bordleben verlief im Vier- bzw. Achtstundentakt, geprĂ€gt von den Wachen und Wachwechseln mit ihren festen Arbeits- und Freizeiten. Mein Kontakt zur Besatzung hatte sich gefestigt und da ich im Achterschiff wohnte, hatte ich den meisten Kontakt mit den Offizieren der Maschine und dem Chief. Die weitere schiffsĂ€rztliche TĂ€tigkeit war bis auf die Versorgung kleinerer Verletzungen durch die Arbeit sowie leichtere Erkrankungen recht unproblematisch. Einmal wöchentlich musste ich die Tabletten zur Malariaprophylaxe persönlich unter meiner Aufsicht einnehmen lassen. Die Seeleute versuchten immer wieder, diese fĂŒr sie unangenehme Prozedur zu umgehen, was ihnen aber nur selten gelang. Die meiste Zeit verbrachte ich weiterhin mit der Sterilisation der KanĂŒlen, Spritzen und des ĂŒbrigen chirurgischen Instrumentariums, der Ordnung im Schiffshospital und tĂ€glichen RundgĂ€ngen durch KombĂŒse und Pantry sowie der Überwachung der KĂŒhl- und ProviantrĂ€ume. Die AusrĂŒstung der Schiffe mit Proviant war in den 1960er-Jahren im Vergleich mit der Versorgung an Land als sehr gut zu bezeichnen. In den KĂŒhlrĂ€umen hingen die Rinder- und SchweinehĂ€lften tiefgefroren, Kleinfleisch, GeflĂŒgel und Fisch waren in Kartons hygienisch verpackt und die Butter erhielten wir in 40-kg-Blöcken. Frisches Obst, Salate und FrischgemĂŒse konnte dann in den HĂ€fen entsprechend der Devisenvorgaben durch den Purser hinzugekauft werden. Wir auf der HALBERSTADT hatten durch unseren Patenbetrieb aus Halberstadt eine besonders gute Versorgung in Gestalt von GlĂ€sern mit Blut-, Leber- und Mettwurst sowie den begehrten HalberstĂ€dter WĂŒrstchen in Dosen.
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Schwimmbad Marke „Eigenbau“ an Deck bei Luke V. Der Autor bei seiner tĂ€glichen körperlichen ErtĂŒchtigung
Nachdem ich fast zwei Jahre auf einem Frachtschiff gefahren war, arbeitete ich zunĂ€chst an Land in der Poliklinik des Medizinischen Dienstes des Verkehrswesens im Überseehafen Rostock als Betriebsarzt und im HafenĂ€rztlichen Dienst, bis es mich wieder in die Welt hinauszog.
Meine nĂ€chsten EinsĂ€tze waren fĂŒr zwei Jahre auf dem Fahrgastschiff des VEB Deutsche Seereederei TMS FRITZ HECKERT und spĂ€ter noch als Vertreter der SchiffsĂ€rzte auf dem MS VÖLKERFREUNDSCHAFT. Diese TĂ€tigkeit unterschied sich von der vorhergehenden grundlegend. Ein Passagierschiff ist sowohl Transportmittel als auch Hotel. Hier leben zeitweise viele Menschen aus verschiedenen Altersgruppen und Charakteren auf engem Raum zusammen. Gleichzeitig ist es Wohn- und ArbeitsstĂ€tte der Besatzung.
Da die Passagier- und BesatzungsstĂ€rken auf diesen Schiffen zwischen 600 und 800 Personen betrugen, waren die Ă€rztlichen Aufgaben vielfĂ€ltiger und erforderten einen höheren Zeitaufwand. Das Hospitalteam bestand aus einer SchiffsĂ€rztin oder einem Schiffsarzt sowie zwei Schwestern und einem Pfleger. Meine TĂ€tigkeit umfasste die DurchfĂŒhrung von Sprechstunden fĂŒr Passagiere und Besatzung. Es handelte sich im Prinzip um eine allgemeinmedizinisch-hausĂ€rztliche TĂ€tigkeit, die gleichzeitig eine chirurgisch, röntgen- und labordiagnostische sowie zahnmedizinische Betreuung einschloss.
Das Hospital war ein in sich abgeschlossener Bereich, der sich mittschiffs im unteren Schiffsbereich befand, also dort, wo die Bewegungen auf See am geringsten waren. Im Vergleich mit den heutigen Passagierschiffen waren die Urlauberschiffe relativ kleine Fahrzeuge, die nicht oder nur teilklimatisiert waren. Die HECKERT verfĂŒgte zudem ĂŒber keine Stabilisatoren gegen den Seegang. So war die Seekrankheit an manchen Tagen unsere HauptbeschĂ€ftigung. Wenn die Reedereikapelle an der Pier in WarnemĂŒnde Muß i denn zum StĂ€dele hinaus spielte und draußen auf der Ostsee eine SeegangsstĂ€rke von 4 bis 5 herrschte, zogen wir im Hospital bereits unsere Spritzen mit dem Mittel Kinetosin auf, denn unmittelbar nach dem Auslaufen begann unsere Arbeit. Der Chefkoch rief bei uns an und kalkulierte nach der Anzahl der Seekranken seine Speisemengen. Bei schönem Wetter war die Ă€rztliche TĂ€tigkeit meist unproblematisch. Die Passagiere lagen an Deck in der Sonne. Bei Regenwetter war die Sprechstunde voll. Die beleibten Patienten hatten Angst, dass sie an Gewicht zunehmen wĂŒrden, was sie meistens schafften. Die Bluthochdruckkranken tranken nur im Urlaub starken Kaffee und viel Alkohol. Menschen mit Stoffwechselkrankheiten erlagen dem ersten Eisbein mit Sauerkraut oder der Schlagsahne. Niemand rauchte, aber der vorsorglich vor dem Hospital aufgestellte Aschenbecher war immer voll.
Das Hospitalteam war meist auf sich selbst gestellt, denn medizinische Hilfe von außen war in den 60er-Jahren nur eingeschrĂ€nkt möglich. Hubschrauber und moderne Rettungskreuzer, wie sie heute verfĂŒgbar sind, gab es kaum. Das Anlaufen eines Nothafens war oft mit großen Problemen verbunden. So musste ich KnochenbrĂŒche diagnostizieren und gipsen, Wunden nach UnfĂ€llen versorgen, eine Blinddarmoperation auf See durchfĂŒhren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stationĂ€r behandeln. Innerhalb von zwei Jahren habe ich ĂŒber 140 ZĂ€hne gezogen, viel gebohrt und plombiert. Die Plombe, die ich meiner spĂ€teren Ehefrau gesetzt habe, hielt mehr als 30 Jahre. Wegen der doch eingeschrĂ€nkten Möglichkeiten war es erforderlich, die Passagiere schon vor der Reise auf mögliche Gesundheitsgefahren hinzuweisen und ihnen vor Antritt der Reise eine Ă€rztliche Beratung am Heimatort zu empfehlen, um möglichen Akutereignissen vorzubeugen. Nach der eigentlichen Ă€rztlichen TĂ€tigkeit waren die arbeitsmedizinische Betreuung der Besatzung sowie die Hygieneaufsicht sehr wichtige Aufgaben. StĂ€ndige Kontrollen der KombĂŒse, Pantrys, Restaurant- und Barbereiche sowie der Proviantlasten und Überwachung der Entsorgung von Lebensmittelresten wurden von allen Mitarbeitern des Hospitals durchgefĂŒhrt. Daneben war die gesundheitliche Ein- und Ausklarierung des Schiffes in den HĂ€fen eine wesentliche hoheitliche Aufgabe des Schiffsarztes. Die Reisen wurden auch fĂŒr uns im Hospital zu besonderen Herausforderungen. Da die Bezahlung der Ă€rztlichen Leistungen in der DDR keine Rolle spielte und fĂŒr alle frei war, wurden vor unserem Einsatz zunĂ€chst PauschalvertrĂ€ge mit dem Charterer abgeschlossen. SpĂ€ter musste der Schiffsarzt Rechnungen an die Passagiere ausstellen.
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Gasturbinenmotorschiff FRITZ HECKERT an der Pier
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Hospital der HECKERT mit Operationstisch, Reanimationseinheit und Röntgenapparat
Ein besonderes Ereignis auf einer Schwedenreise wird mir immer in Erinnerung bleiben. Am ersten Weihnachtstag des Jahres 1975 liefen wir Las Palmas auf Gran Canaria an. Ich wurde plötzlich in den Speiseraum der Passagiere gerufen. Dort vereinigten die durch die DĂŒnung hervorgerufenen Schiffsbewegungen zwei nicht zusammengehörende Dinge. Ein großer Kessel mit Wiener WĂŒrstchen war vom Tisch geglitten und quer durch den Raum auf den Weihnachtsbaum zugesteuert. Gleichzeitig war eine Passagierin mit Wagnerfigur ins Rutschen geraten. WĂŒrstchen und Wagnerfigur fanden sich in der Ecke zwischen Tannennadeln und geplatzten Weihnachtskugeln wieder. Da wir nur einen kleinen Röntgenapparat fĂŒr Gliedmaßen an Bord hatten, musste ich mit der Patientin wegen einer HĂŒftprellung zum Ausschluss eines Oberschenkel- oder Beckenbruchs ins Krankenhaus zum Röntgen. Ein Knochenbruch bestĂ€tigte sich nicht und Brunhilde, wie ich sie nannte, war bald wieder auf dem Weg der Besserung.
In Göteborg hatten wir uns gewundert, dass einige Schweden mit kleinen KĂŒhlschrĂ€nken an Bord kamen. Das RĂ€tsel löste sich auf Gran Canaria. Die Kanarischen Inseln waren zu dieser Zeit noch Freihandelszone. Die Schweden kauften Whisky, Brandy oder Wodka nicht nur in Flaschen, sondern in Gallonen. Abends im Tanzsalon tranken sie nur Wasser, verließen oft den Salon. Sie gingen dann nicht etwa auf die Toilette, sondern an ihren KĂŒhlschrank. Das Ergebnis waren NachteinsĂ€tze des Hospitalteams.
Tote Passagiere hatte ich auf allen Reisen nicht zu beklagen, obwohl ich hier erstmals mit einem medizinischen Problem konfrontiert wurde, das ich bis dahin nicht gekannt hatte. Eine Reihe von Passagieren mit lebensbedrohlichen Erkrankungen kamen in meine Sprechstunde und klĂ€rten mich ĂŒber ihre Erkrankungen auf, die ein mögliches Ableben wĂ€hrend der Reise einschlossen. Es handelte sich ĂŒberwiegend um Krebspatienten, die starke Schmerz- und BetĂ€ubungsmittel fĂŒr den Notfall im Hospital deponierten. Diesen Menschen war der Ernst ihrer gesundheitlichen Situation voll bewusst und in diesem Bewusstsein wollten sie die letzte Zeit ihres Lebens auf einem Schiff in der karibischen Sonne erleben.
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Das Hospitalteam der FRITZ HECKERT mit Pfleger Horst Lemke, Schwester Christa, Schwester Gisela und Dr. Grimmer (von rechts)
Nach der Wiedervereinigung Ă€nderte sich das System der gesundheitlichen Betreuung grundlegend. Wir Ärzte des Medizinischen Dienstes des Verkehrswesens gingen in den Vorruhestand, in die Niederlassung mit eigener Praxis oder fuhren in der Übergangszeit noch auf Passagierschiffen. Mit dem Aufbau der AIDA-Kreuzschifffahrtsflotte nahmen die GrĂ¶ĂŸe der Schiffe und damit die Passagier- und Besatzungszahlen deutlich zu, so dass die Anzahl der zu betreuenden Personen auf 2000 bis 3000 und darĂŒber anstieg. Zunehmend fuhren auslĂ€ndische Passagiere, Seeleute sowie Service- und EntertainmentkrĂ€fte auf den Schiffen mit, die aus bis zu 20 Nationen kommen konnten. Nach Abgabe meiner Praxis an eine junge Kollegin wollte ich meine BerufstĂ€tigkeit so beenden, wie ich sie begonnen hatte. Ich fuhr noch etwa drei Jahre zeitweise als Vertreter auf AIDA-Schiffen. Wir waren jetzt zwei Ärzte und zwei Schwestern, die sich im 24-Stunden-Dienst abwechselten und zwischenzeitlich Bereitschaftsdienst hatten. Das Schiffshospital war grĂ¶ĂŸer, die Ausstattung moderner und die Kommunikation und Dokumentation erfolgten ĂŒber Personalcomputer. Die Röntgen- und Ultraschalldiagnostik war umfangreicher möglich, die Labordiagnostik sehr gut einsetzbar. In den HĂ€fen gab es hervorragende KrankenhĂ€user und der Transport vom Schiff dorthin mittels Rettungskreuzer oder Hubschrauber ließ sich schnell und effizient organisieren. Die Patientenklientel hatte sich stark verĂ€ndert. Das Durchschnittsalter der Passagiere und damit der Anteil der Reisenden mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen nahm zu. Auch die Anzahl von Ärzten, die als Passagier mitfuhren, stieg, so dass nach den Ärztestammtischen zu Beginn der Reisen viele FachĂ€rzte potentiell bei Erfordernis im Notfall ansprechbar waren. Die ĂŒberwiegende TĂ€tigkeit in der Ă€rztlichen Sprechstunde Ă€hnelte in vielen FĂ€llen wieder einer allgemeinmedizinischen TĂ€tigkeit. Vor allem in den Ferien waren auch zahlreiche Kleinkinder und Kinder als Patienten zu betreuen. Die Seekrankheit spielte in der Regel eine untergeordnete Rolle, da sich viele Passagiere vorsorglich selbst oder unentgeltlich an der Rezeption des Schiffes mit entsprechenden Mitteln eindecken konnten. Kam das Schiff aber in schwere See, hatten wir vier Stress pur. Das Geld, das die Passagiere dann in den Bars, Restaurants und Shops nicht ausgeben konnten, haben wir dann in Form von Honoraren fĂŒr die Reederei eingefahren.
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Operationsraum auf der AIDAaura mit Röntgenapparat und SonografiegerÀt
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Der Autor an Deck der AIDAvita vor der passierenden AIDAaura
Die Schiffe waren als German Branch von Costa Crociere in Genua registriert und gehörten zur amerikanischen Carnival Corporation. So hatten wir praktisch drei Herren, waren in Italien bei der italienischen...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Vorwort
  6. Aller Anfang ist schwer
  7. Aufgaben an Bord
  8. Vom Leben auf See
  9. Die Schiffe
  10. Die „Alten“ auf der BrĂŒcke
  11. Besondere Ereignisse
  12. Das Ende
  13. Kurzbiografien
  14. Glossar

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