Steinbruch
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Steinbruch

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About this book

InhaltWalter Eppensteiner: AllgegenwĂ€rtigkeit des Steins.Walter Eppensteiner: Vom Werden und Vergehen des Steins.Maria Heinrich: SteinbrĂŒche in Österreich.Walter Eppensteiner: Zur Geschichte der Abbautechniken.KĂ€the Springer: Arbeit mit Stein.Walter Eppesteiner: Steintransport.Stefan Imhof: Die wirtschaftliche Bedeutung der SteinbrĂŒche in Österreich. Stefan Imhof: Steinbruchunternehmen in Österreich.KĂ€the Springer: Arbeitsplatz Steinbruch.Georg Schumacher: Natur und Steinbruch.Georg Schumacher: Möglichkeiten der Nachnutzung.Georg Schumacher: Der Steinbruch in der Landschaft.Katharina Sacken: Bad Deutsch-Altenburg - Ort und Gegend.Katharina Sacken: Die Holltzer Baustoffwerke.

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TECHNIK

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ZUR GESCHICHTE DER ABBAUTECHNIKEN

Walter Eppensteiner

LOSE GESTEINE
FĂŒr die Nutzung des Natursteines zur Herstellung von GerĂ€ten und Waffen, spĂ€ter fĂŒr Bauzwecke, bediente man sich wĂ€hrend des grĂ¶ĂŸten Teils der Menschheitsgeschichte „loser“ Gesteine – Kiese, Geröll aus Hangschutt und Felssturz, vom Gletscher transportierte Findlinge und sonstiges MorĂ€nenmaterial, schließlich auch sogenannte „Restlinge“ (z.B. durch VerwitterungsvorgĂ€nge an und nahe der ErdoberflĂ€che verschieden stark zugerundete und dann durch Erosion freigelegte Granitblöcke); im Waldviertel begnĂŒgte man sich bis ins ausgehende 19. Jahrhundert hinein mit der Aufarbeitung solcher Granitrestlinge.
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Nutzung von Granitrestlingen zur Baustoffgewinnung an der Straße Eibenstein–Breitensee im Waldviertel.
NUTZUNG NATÜRLICHER TRENNFLÄCHEN IM FELS
Erst als das lose Material fĂŒr die vorgesehenen Zwecke, z. B. als Baustein, nicht mehr ausreichte, ging man daran, Gesteine aus ihrem natĂŒrlichen Verband, dem Fels, zu lösen. Dazu wurden zunĂ€chst die natĂŒrlichen TrennflĂ€chen des Felses genutzt, wie etwa die bei AbkĂŒhlung von vulkanischen Laven entstandenen Absonderungsformen (z. B. BasaltsĂ€ulen oder Porphyrplatten und -blöcke), die zur OberflĂ€che parallele „Bankung“ (Granite), die SchichtungsflĂ€chen (Sedimentgesteine) oder SchieferungsklĂŒfte (metamorphe Gesteine wie Gneise, Glimmerschiefer und Dachschiefer). Zu diesen primĂ€ren TrennflĂ€chen der Gesteine kommen als sekundĂ€re noch die vorwiegend im Zuge von gebirgsbildenden VorgĂ€ngen entstandenen KlĂŒfte verschiedenster Art, welche die Gesteine in unterschiedlichen AbstĂ€nden weiter zerlegen.
Die auf diese Weise entstandenen Gesteinskörper, sogenannte Kluftkörper, können etwa durch Hebelwirkung relativ leicht aus dem Felsverband gelöst werden. Da sie hĂ€ufig zwei parallele FlĂ€chen, sogenannte LagerflĂ€chen, aufweisen, ist es einfach, Mauern durch bloßes Aufeinanderschichten solcher Blöcke oder Platten zu errichten.
KLOPFEN
War das Gestein dagegen zu massig, etwa die Bankung zu dick oder die KluftabstĂ€nde zu groß, mußte es kĂŒnstlich in kleinere Abschnitte zerlegt werden, um es aus dem Gebirgsverband lösen zu können. Dazu mußte der Fels in AbstĂ€nden, die z.B. den Abmessungen des gewĂŒnschten Steinblockes entsprachen, zerstört werden. In Ägypten nutzte man aus langer Erfahrung heraus eine besondere Eigenschaft von Gesteinen: Ihre Zugfestigkeit betrĂ€gt nur etwa ein Zehntel ihrer Druckfestigkeit. Bis heute nutzen praktisch alle Gewinnungsverfahren diese SchwĂ€che des Gesteins zu dessen Zerstörung. Beim Schlag mit einem Steinbrocken, einem Hammer oder auch einem modernen Hydraulikhammer auf einen Stein wird in diesem eine Verformungswelle erzeugt, die zunĂ€chst eine Stauchung, nach Reflexion aber eine Dehnung hervorruft. Allein die wĂ€hrend der Dehnung auftretenden Zugspannungen fĂŒhren dann zur Zerstörung des Gesteins.
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Die SteinhÀmmer der Pharaonenzeit. Als HÀmmer dienten etwa 5 kg schwere Gesteinsbrocken aus Dolerit, einem zÀhharten basaltischen Gestein. Von links nach rechts ist der zunehmende Abnutzungsgrad vom scharfkantigen Hammer bis zur Abfallkugel erkennbar.
Die Ägypter entwickelten dazu die sogenannte Steinhammerklopftechnik. Als „HĂ€mmer“ benutzten sie etwa 5 Kilogramm schwere Gesteinsbrocken aus Dolerit, einem zĂ€hharten basaltischen Gestein. Geduldiges Schlagen mit diesen SteinhĂ€mmern zerstörte das Gestein entlang der in die OberflĂ€che eingeritzten Umrißlinien des WerkstĂŒcks, beispielsweise eines Obelisken. Auf diese Weise wurden GrĂ€ben um den Rohling herausgearbeitet, bis deren Tiefe der gewĂŒnschten Dicke des WerkstĂŒckes entsprach. Zuletzt mußte dieses noch an seiner Unterseite aus dem Gebirgsverband gelöst werden. Dazu fand vermutlich schon frĂŒhzeitig eine andere Technik Anwendung, nĂ€mlich die des Abkeilens, die ebenfalls die geringe Zugfestigkeit, in diesem Fall die Spaltzugfestigkeit des Gesteines, nĂŒtzt. Von der Sohle der herausgeklopften GrĂ€ben wurden horizontale Rinnen unter dem WerkstĂŒck herausgearbeitet, in diese Rinnen Keile eingeschlagen, die durch ihre Spaltwirkung das WerkstĂŒck vom Fels ablösten. Zum Gelingen dieses schwierigsten Teiles, des Lösens des WerkstĂŒckes, dĂŒrfte die Erfahrung wesentlich beigetragen haben, daß sich Granite parallel zur jeweiligen GelĂ€ndeoberflĂ€che meist besonders gut spalten lassen.
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Unfertiger Obelisk aus Assuan-Granit mit den typisch wellenförmigen Arbeitsspuren der pharaonischen DolerithÀmmer.
SPALTEN
Die meisten Granite lassen sich nicht nur parallel zur OberflĂ€che, sondern auch rechtwinkelig dazu ebenflĂ€chig und, im VerhĂ€ltnis zu ihrer HĂ€rte, leicht spalten. Als man fĂŒr die Steinbearbeitung ausreichend harte Metalle herstellen konnte und ĂŒber das fĂŒr jedes Steinbruchgebiet notwendige Wissen um die Richtungen der jeweiligen Spaltebenen von Graniten und Ă€hnlichen Tiefengesteinen verfĂŒgte, wurde die Methode des Keilspaltverfahrens entwickelt. Dazu stellte man zunĂ€chst die Richtung der Spaltbarkeit auf der GesteinsoberflĂ€che fest und meißelte in diese eine Rille. Entlang dieser Rille wurden in den jeweils erforderlichen AbstĂ€nden mit Spitzeisen und SchlĂ€gel in Ă€lterer Zeit breite KeilbĂŒchsentaschen gemeißelt, spĂ€ter schmĂ€lere KeilbĂŒchsenlöcher. In erstere schlug man ursprĂŒnglich trockene Hartholzkeile ein, deren Quellungsdruck bei Durchfeuchtung ausreichte, das Gestein in der gewĂŒnschten Ebene zu spalten; spĂ€ter verwendete man Eisenkeile, die mit dem SchlĂ€gel gleichmĂ€ĂŸig in die KeilbĂŒchsenlöcher eingeschlagen wurden, bis die erforderliche Spaltzugwirkung erreicht war. Man konnte dann ohne weiteres Einschlagen der Keile zuwarten, bis der Granit mit einem dumpfen GerĂ€usch, dem sogenannten „Schnapper“, in der gewĂŒnschten Ebene durchspaltete. Heute stellt man die KeilbĂŒchsenlöcher meist mit Hilfe von PreßlufthĂ€mmern her, und anstelle von Keilen werden manchmal hydraulische SpaltgerĂ€te eingesetzt.
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Die im niederösterreichischen Waldviertel ĂŒblichen Bezeichnungen der drei Spaltebenen des Granits. Die Spaltbarkeit ist in der Ebene des Hebers am besten und nimmt ĂŒber die Gangseite zur Stutzerseite stark ab.
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Spaltung eines Feinkorngranits in Schrems (Waldviertel) nach dem „Heber“, der Ebene der besten Spaltbarkeit
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Zum Spalten verwendete Werkzeuge. Links im Bild Hartholzkeile, rechts daneben sogenannte „Federkeile“, bei denen Bleche aus Weicheisen zwischen Bohrloch wand des Gesteins und eigentlichem Keil eingelegt werden.
Die Spaltbarkeit der Granite ist nach verschiedenen Richtungen unterschiedlich gut; diese Richtungen verschiedener Spaltbarkeit werden daher wegen ihrer Bedeutung sowohl fĂŒr die Gewinnung der Rohblöcke im Steinbruch als auch fĂŒr deren Weiterverarbeitung zur „Spaltware“ weltweit mit eigenen Bezeichnungen versehen und bereits im Steinbruch mittels in den Stein der Rohblöcke geritzter Symbole festgehalten.
SCHRÄMEN
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Typische, leicht im Bogen verlaufende SchrÀmspuren im Quarzsandstein von Petra, Jordanien.
Bei weicheren Gesteinen, z.B. Kalken, Marmoren und Sandsteinen, wird seit Jahrtausenden die SchrĂ€marbeit, das sogenannte „Ausschroten“, angewandt. Bei dieser Methode haben sich im Laufe der Geschichte nur die jeweils verwendeten Werkzeuge bzw. deren Material verĂ€ndert. Die verschiedenen Werkzeuge hinterlassen an den SteinbruchwĂ€nden ihre sehr charakteristischen Spuren.
Die SchrĂ€mmethode findet vorwiegend bei massigen Gesteinen mit großen KluftabstĂ€nden Anwendung. Es werden dabei von der GesteinsoberflĂ€che aus grabenförmige Einschnitte in das Gestein gehauen, deren AbstĂ€nde den Umrissen des zu gewinnenden Blockes entsprechen. Diese als SchrĂ€m- oder Schrotschlitze bezeichneten Einschnitte werden bis zu einer Tiefe vorgetrieben, die der Höhe des gewĂŒnschten Blockes entspricht. Es kommen daher langstielige, zweihĂ€ndig gefĂŒhrte Werkzeuge zum Einsatz, der sogenannte „Zweispitz“ mit zwei nach entgegengesetzten Seiten gerichteten Spitzen, oder die „SchrĂ€mhacke“ mit zwei Schneiden. Die Lösung des Blockes an seiner Unterseite erfolgt meist durch Abspalten mittels Keilen.
UNTERHÖHLEN
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Eine Steinbruchwand im Elbsandstein wurde durch das Herausarbeiten einer Gesteinsbank unterhöhlt und mit Pfeilern gestĂŒtzt.
FĂŒr die Gewinnung großer Mengen von Rohblöcken durch einen einzigen Vorgang aus anstehendem Gebirge mit annĂ€hernd waagrechtem Verlauf der Gesteins-bankung wurde die Methode des Unterhöhlungsbaus, das sogenannte „Hohlmachen“, entwickelt. Es kam vor allem im Elbsandsteingebirge zum Einsatz, vereinzelt bei der Kalksteingewinnung, in kleinem Stil auch bei der Konglomeratgewinnung im Steinbruch Rauchstahlbrunngraben in Baden bei Wien.
Bei dieser Methode wird am Fuß einer Steinbruchwand eine niedrige, meist aus minderwertigem Gestein bestehende Gesteinsbank mit Handwerkzeugen auf viele Meter Tiefe herausgearbeitet. Den dadurch unterhöhlten Teil der Steinbruchwand stĂŒtzen stehengelassene Steinpfeiler oder untergestellte Holzpfosten. Ist die unterhöhlte Felsmasse groß genug, werden die Holzpfosten dĂŒnn gehackt und abgebrannt und die stĂŒtzenden Steinpfeiler durch Sprengungen entfernt, wonach der Fels niederbricht. Es ist auch möglich, die Sprengungen so zu beeinflussen, daß durch Anwendung verschieden langer ZĂŒndschnĂŒre die der Steinbruchseite nĂ€hergelegenen StĂŒtzpfeiler frĂŒher gesprengt werden als die weiter hinten befindlichen. Dadurch kippt die unterhöhlte Gesteinsmasse nach vorn und lagert sich gelockert auf die Bruchsohle, was die weiteren Arbeiten sehr erleichtert.
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Durch Sprengen der unterstĂŒtzenden Pfeiler stĂŒrzt die Steinbruchwand in sich zusammen und bildet ein Haufwerk mit zum Teil riesigen Blöcken.
Die Unterhöhlungsmethode ist gefahrvoll und unfalltrĂ€chtig. Ein bemerkenswerter Unfall ereignete sich 1877 an der Elbe, als sich eine mĂ€chtige Felswand auf einer vorgelagerten Schutthalde ĂŒberschlug und so große Gesteinsmassen in den Fluß stĂŒrzten, daß die Schiffahrt einige Zeit unterbrochen war.
SEILSÄGEN
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Im Kalksteinbruch am Untersberg bei Salzburg wurde nach der klassischen Langseilmethode in einem kontinuierlichen Arbeitsgang sowohl der lotrechte Schnitt als auch der schrÀge Bodenschnitt hergestellt. Die SchrÀge erleichtert das Abgleiten des gewonnenen Riesenblocks in den Steinbruch.
Ein Seil aus zwei oder drei verdrillten DrĂ€hten wird durch vertikale und horizontale, sich kreuzende Bohrlöcher gefĂ€delt und auf geeignete Weise, etwa mit Verbindungselementen, zu einem geschlossenen Kreislauf verbunden. Dieses frĂŒher durch Dampfmaschinen, spĂ€ter durch Elektromotoren angetriebene, ĂŒber Umlenkrollen gefĂŒhrte Endlosseil wird immer gespannt gehalten...

Table of contents

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Titel
  4. INHALT
  5. VORWORT
  6. STEIN
  7. TECHNIK
  8. WIRTSCHAFT
  9. UMWELT
  10. ZUM BEISPIEL: BAD DEUTSCH-ALTENBURG

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