Saitenweise biografische Notizen
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Saitenweise biografische Notizen

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Saitenweise biografische Notizen

About this book

Adax Dörsam steht für eine Generation, die, von den Achtundsechzigern geprägt, einen Weg suchte zwischen Revolte, Anpassung, Überleben und Genießen. Wahre, witzige und skurrile Erlebnisse des Gitarristen zwischen 1955 und 2011. Seine Töne hört man bei: Xavier Naidoo, Rolf Zuckowski, Pe Werner, Lou Bega, Mike Batt, JOANA, Lydie Auvray, Manuela, Tony Marshall, die Flippers, Sidney Youngblood, Gunter Gabriel, De-Phazz, Ken Hensley und einigen mehr. Die Geschichten drehen sich um: Goldfink, Heads or Tails, Nationaltheater Mannheim, Hans Reffert, Franz Wittenbrink, Willi Haselbek, Rock Four, Horst Schnebel, Lydie Auvray, Freddy Wonder, Truck Stop, Pe Werner, Rolf Zuckowski, JOANA, De-Phazz, Lou Bega, Clemens Bittlinger, Xavier Naidoo, Johnny Logan, Stefan Raab, Robbie Williams, die Flower Power Men und andere Helden des Musikbusiness. Die zupfende Zunft berichtet. Stationen einer Musiker-Karriere, locker und flockig erzählt von Adax Dörsam.

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Lydie Auvray

1989

Im Herbst 1989 zogen Edith und ich frisch verheiratet nach Offenbach am Main ins Pfarrhaus, ihrer ersten Stelle als evangelische Pfarrerin. Das hätte ich mir nie träumen lassen: Als langhaariger Rockmusiker im Pfarrhaus! – Aber was kann man tun gegen die Macht der Liebe? Auch in anderer Hinsicht machte ich mir Gedanken: Sollte ich weiterhin den wilden Mann markieren und laut kreischende Solos in verrauchten Clubs für Kleingeld zum Besten geben? Gerade waren wir mit der Frankfurter Jimi Hendrix Coverband „Gypsys“ acht Tage unterwegs gewesen; ich war total ausgelaugt und hatte noch 380 Mark im Säckel. Mein Bruder Matthias, ein wunderbarer Saxophonist, Klarinettist und Flötist, besuchte mich. Er kam gerade aus Hamburg, war 1 ½ Tage unterwegs gewesen und hatte satte 800 Mark in der Tasche. Ich beschloss, etwas Entscheidendes in meinem Leben zu ändern: Weniger Töne für mehr Geld! Und leisere an gepflegteren Spielorten. Damals hatte ich um die 250 Gigs pro Jahr, oft unter schlechten Bedingungen. Da kam es sehr gelegen, dass mich der grandiose Mannheimer Bassist Thomas Tscheschner anrief und fragte, ob ich bei der französischen Akkordeonistin Lydie Auvray einsteigen wolle. Das war sehr interessant und kam zur rechten Zeit. Ich sagte zu. Eine neue musikalische Welt tat sich auf: Viele Songs waren im ungewohnten 3/4 Takt, einige in 5/4 oder 7/8 und nur wenige im üblichen 4/4 Takt. Was mir sehr gefiel, war das leichte, spielerische Element in Lydies Musik. Da waren Spielwitz und Musikalität gefragt anstelle tumber Kraftmeierei. Dazu die Vielfalt der Sounds: viel Akustikgitarre, etwas Mandoline, cleane E-Gitarre und nur eine kleine Prise Rock-Gitarre. Dafür brauchte ich neues Equipment, programmierte daheim die Sounds und fuhr zur ersten Bewährungsprobe nach Mannheim, wo mich Thomas und der Pianist Wolf Mayer erwarteten. Meine neue Anlage konnte ich gleich mal im Auto lassen: Wir probten zu dritt sehr dezent die Essentials und siehe – sie waren zufrieden. Ein paar Tage später fuhr ich nach Köln, um mich Lydie vorzustellen. Wir kannten uns flüchtig aus alten Zeiten, was sie zur Skepsis veranlasste: „Dieser wilde Gitarrist? Der ist zwar klasse, aber der passt doch gar nicht zu mir.“ Langhaarig, laut und exzessiv, so war ich damals. Wolf und Thomas beruhigten sie: „Der hat sich geändert, der passt.“ Ich stand an Lydies Wohnungstür und wollte gerade klingeln, als diese plötzlich aufgerissen wurde. Sie überrannte mich fast. „Hallo Adax! Schön, dass du da bist. Ich muss noch schnell was einkaufen. Komm solang rein; hier ist Franck, das ist Adax, bis gleich.“ Und weg war sie. Ich stand einem großen athletischen Martiniquesen gegenüber, ihrem neuen Schwarm und späteren Mann. Wir setzten uns ins Wohnzimmer. Jeder wollte freundlich sein, aber keiner wusste so recht, was er sagen sollte. Franck legte ein Video ein vom Finale der Weltmeisterschaft der asiatischen Kampfsportart Pencak-Silat, das er 1986 gewonnen hatte. Die Bilder waren beeindruckend. Ich stellte die Frage, ob ich rauchen könne, erst mal nicht. Dann kam Lydie zurück. Eigentlich hatte ich angenommen, dass wir ein paar Stücke zusammen spielen würden. Stattdessen unterhielten wir uns sehr angenehm, hörten verschiedene CDs und gingen abschließend lecker thailändisch essen. „Dass du spielen kannst, wusste ich bereits, aber es muss ja auch menschlich passen. Wir sehen uns!“ Euphorisiert fuhr ich nach Hause: Lydie war sympathisch, französisch leger und witzig einerseits, aber man spürte auch, dass sie streng sein konnte. Eine gute Mischung. Unser nächstes Treffen war eine Probesession beim Drummer Ringo Hirth in Heidelberg; da konnte ich endlich mal meine neue Anlage aufbauen. Und siehe da, es passte nichts! Dauernd war ich zu laut. Peinlich, aber so etwas Leises hatte ich noch nie erlebt. Lydie spielte unverstärkt Akkordeon, Ringo schlug mit zahnstocherähnlichen Stöckchen, Wolf und Thomas passten sich an, und ich hatte mein neues Equipment noch nicht im Griff. Egal, da musste ich durch. Lydie beruhigte mich: „Wir spielen nicht immer so leise, auf der Bühne kannst du schon mal Stoff geben.“ Apropos Stoff: Ich musste mich auch kleidermäßig ganz neu eindecken – „schwarz und edel“ war die Devise. Tourstart und der erste Gig für mich war in Troisdorf bei Köln. Ich war ganz schön nervös in meinem neuen Outfit mit neuer Anlage und neuen Menschen mit neuen Liedern! Da ich vom Bühnenaufgang aus den weitesten Weg hatte, musste ich als Erster gehen. Als ich loslief, flüsterte mir der Monitormixer ins Ohr: „Mach bitte die DI-Box von Lydie an. Sie liegt vorne in der Mitte am Mikrofuß.“ Auch das noch! Und ich wusste nicht mal, wie dieser Kasten überhaupt aussah. Als wir die Bühne betraten, brandete heftiger Beifall auf, dann wurde es plötzlich totenstill. Ich fand die Box und trat auf den Schalter. Es krachte ungeheuer laut in die Stille hinein, alle im bestuhlten vornehmen Kultursaal guckten auf mich. Mit roter Rübe schlich ich mich von der Bühnenmitte zu meinem Spielplatz. Lydie verbeugte sich, und der Beifall löste die Spannung. Wir spielten gut, ich kam so langsam immer besser rein, wiewohl die ungeheuer große Dynamik und die fast atemlose Aufmerksamkeit des Publikums neu für mich waren. Vergleichbares kannte ich bisher nur von klassischen Konzerten. Ich lernte bei Lydie ungeheuer viel über sensibles Spielen und auch über zivilisiertes Leben: dass man nicht überall rumfurzt und rülpst, dass Benimmregeln auch ihre guten Seiten haben, dass man sich speziell auf Tourneen doch öfter mal einer Ganzkörperwäsche unterziehen sollte, verbunden mit einem Kleiderwechsel usw. usf. Da gab es einige Altlasten! Damals wurden die Grundlagen dafür gelegt, dass ich heute gelegentlich Männerparfum benutze – eine unglaubliche Wandlung. Manche alten Kumpels können mich heute nicht mehr riechen. Mit Thomas hatte ich durch die Mannheimer Szene schon vor der lydieanischen Zeit gute Erfahrungen; aber nichts schweißt so zusammen wie viele Konzerte. Mit Wolf und Lydie verstand ich mich ebenfalls sehr gut. Nur Skorpion Ringo tanzte aus der Reihe: Zu dieser Zeit war er aus privaten Gründen in einer unguten Verfassung. Er machte es mir nicht gerade leicht; wir sendeten auf verschiedenen Wellenlängen. Später kam mit Harald Heinl ein Drummer, mit dem ich heute noch gut befreundet bin. Wenn Wolf mal berufshalber nicht konnte – seine Musikstudenten wollten ja auch versorgt sein – half Peter Grabinger aus: Ihn kannte ich seit Urzeiten, ein großer Humorist, Mannemer und ein vorzüglicher Virtuose! So hatten wir unseren Spaß, tourten quer durch Deutschland, unser treues Publikum war begeistert, und Lydie versprühte freigiebig ihren französischen Charme.

Freddy Wonder in Bitburg

1989

Mit meiner frisch angetrauten Lebenspartnerin saß ich gemütlich weintrinkend im gerade bezogenen Pfarrhaus in Offenbach. Sie hatte am Wochenende keinen Gottesdienst und ich ausnahmsweise kein Konzert. So saßen wir zusammen und testeten diverse Traubensäfte. Um 23 Uhr klingelte das Telefon. „Hi Adax, hier ist Freddy Wonder, wir suchen dringend einen Gitarristen für morgen, kannst du?“ „Ja, ich hab’ Zeit, was gibt’s?“ „Treffpunkt 7.30 Uhr an der DEA Tanke in Heidelberg-Bergheim. Es geht nach Bitburg. Ihr spielt über den Tag verteilt 5 Sets à 20 Minuten. Der erste Set beginnt um 10 Uhr, der letzte um 18 Uhr, Übernachtung im besten Hotel am Ort. Ihr spielt auf dem Marktplatz auf einem Truck der Deutschen Post. Ein Amp für dich ist da, du brauchst nur eine Gitarre, die Kohle stimmt, und morgen ist der letzte Tag der großen „Kabelanschluss-Tournee“ mit einer fetten Abschlussfete.“ „Ich hör’ immer nur ihr, bist du nicht dabei?“ „Nein, ich hab einen Gig in München und komme erst abends zur Fete ins Hotel.“ „OK, bis morgen.“ Die Freddy Wonder Band ohne Freddy Wonder – merkwürdig! Die Freddys waren eine richtig gute Partyband und zelebrierten sehr überzeugend Songs von Santana, Dire Straits, Paul Simon oder Peter Gabriel. Schön, dass ich da mal wieder reinriechen konnte! Ich trank noch ein paar Weine – darauf kam es jetzt auch nicht mehr an. Um 2 Uhr legte ich mich in die Kiste. Um 6 Uhr stand ich auf, um 6.30 Uhr fuhr ich los. Um 7.30 Uhr traf ich an der Tanke in Heidelberg auf den Bassisten Gigu und den Schlagzeuger Steff von der Originalbesetzung – Robert Delgado am Saxophon und ich waren die Legionäre. Das war es auch schon: Wir Vier waren hier. Der Keyboarder und die Sängerin Pat Appleton, die später mit De-Phazz Berühmtheit erlangen sollte, spielten ebenfalls als „Freddy Wonder Combo“ irgendwo anders. Drei Gigs zur selben Zeit mit derselben Band: nicht schlecht, Herr Specht! „Und was singst du für Songs?“, fragte mich Gigu. „Ich? Ich hab noch nie solo gesungen“, antwortete ich erstaunt. „Freddy dachte, du könntest singen! Scheiße, wir haben keinen Sänger!“ Es half alles nix: Die Zeit drängte, wir fuhren mit zwei Autos los und vereinbarten, uns auf halber Strecke auszutauschen. Bis dahin mussten wir eine Lösung des Gesangproblems finden. Um 9 Uhr hielten wir an und legten unser Survival-Programm fest: Gigu sang „Tutti-frutti“, Delgado „La Bamba“ und „Lay down Sally“ und wir alle zusammen „Tequila“, das hat ja nicht so übermäßig viel Text! Wir kamen 5 Minuten vor 10 Uhr an, bauten auf, und ich fragte, wo mein Amp wäre. Gigu deutete auf seinen Basswürfel und meinte: „Der hat zwei Eingänge“. Pünktlich um 10 Uhr fielen die ersten Töne unseres Mega-Programms. Jeder von uns konnte Unmengen von Titeln spielen, aber keiner konnte sie singen, wie tragisch! Die Freddys waren sehr rock`n`roll-mäßig drauf. In den vielen Pausen hauten wir uns gewaltig die Hucke zu. So langsam verschärfte sich die Situation. Der für uns zuständige Mann von der Post war nach dem dritten Set ob unserer Song-Vielfalt schon ziemlich verzweifelt. Er hatte Freddy Wonder am Handy und klagte: „Hilfe, sie spielen schon wieder „La Bamba“, komm bitte sofort nach Bitburg!“ Das allerdings war unmöglich, und so spielten wir eisenhart weiter. Erst Ende des letzten Sets um 18.15 Uhr kam Freddy, stieg sofort ein und sang supergut. Endlich ein richtiger Sänger, und schon war wieder alles gut!
Dummerweise riss mir ausgerechnet jetzt beim Gitarrensolo eine Saite: Es war einfach nicht mein Tag. Inzwischen waren auch die Chefs der Deutschen Post am Tatort eingetroffen und wandte sich sogleich Richtung Restaurant zum Schmausen. Wir bauten unser spärliches Equipment ab. Auf dem Weg zum Auto tönte es aus einem Imbiss-Stand: „Kommt nie wieder!“ Schwerer Tobak. Das ewige Gericht wird diesen Mann wegen Musikerbeleidigung zu lebenslänglich „La Bamba“ verurteilen, da bin ich mir sicher! Dann ging es zum Hotelrestaurant. Dort aß ich das beste Madagaskar-Steak meines Lebens: zart wie Butter, rosig in der Mitte, einfach genial! Warum wird man für solche Auftritte so belohnt und für super Konzerte manchmal bestraft? Danach gab es Redebeiträge, in denen alle Beteiligten, auch die „Freddy Wonder Combo“, hochgelobt wurden. Mittlerweile war die ganze Band in all ihren Spezifikationen eingetroffen und genoss das Lob schelmisch grinsend. Ein Zauberer zauberte, permanent offerierten willfährige Bedienstete edle Schnäpse und Weine und stießen auf reges Interesse unsererseits. Ab 23.30 Uhr begann eine verheerende Zimmerfete – zum Glück nicht in meinem Gemach. Um 6 Uhr verließ ich die Stätte der Verwüstung: Überall lagen Flaschen, Kippen, wichtige und andere bedröhnte Menschen und sonstiger Unrat herum. Die Beine des Doppelbetts waren ob der Überlastung abgeknickt, ein Stuhl völlig zerbrochen, und es ging immer noch ab. Um 10 Uhr kam ich zum Frühstück, der eine oder andere war durchgehend auf Sendung. An dem Fetenzimmer hing ein Schild: „Wird renoviert“. Wir hatten ganze Arbeit geleistet und fuhren zufrieden unserer Wege.

Tiere

1993

Als Tierforscher hat sich Adax einen Namen gemacht mit folgenden drei Entdeckungen noch unbekannter Arten:
1. Die Grundschulfe
Gehören zur Gattung der Süßwasserfische. Sie blieben der Forschung lange verborgen, da sie in den Untiefen der Odenwälder Bachläufe wie z. B. der Weschnitz, der Balzenbach oder der Steinbach unter der ersten losen Schlammschicht leben.
Besonderheiten: Die Grundschulfe legen in ihrem Sozialsystem größten Wert auf den Nachwuchs. Die Grundschulf-Grundschulen haben einen legendären Ruf.
2. Die Tauchwürfe
Gehören zur Gattung der Säugewürfe.
Bei einer jener langen Fahrten während einer Tournee durch Friesland entdeckte Adax Maulwurfshügeln ähnelnde Haufen in von Wasser überspülten Landstrichen. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass dort Maulwurf-Mutationen mit Schwimmhäuten und Kiemen entstanden waren.
Besonderheiten: Die hochentwickelte Verkehrsregelung in den wasserdurchfluteten unterirdischen Gang-Systemen mit Tauchwurfampeln.
3. Die Kreuchlinge
Mischung aus Pflanze und Tier. Entsteht und vermehrt und ernährt sich vorwiegend von Tinte.

Truck Stop in Zwickau

1990

Und es geschah im Jahre 1990, dass der Herr zu uns sprach: „Bildet eine Country & Western Kapelle und bringt damit Sonne in die Herzen der Menschen.“ Also geschah es. Wir nannten uns „Shut up“, was soviel bedeutet wie „Halts Maul.“ Unser Mastermind war mein alter Freund Hartmut Höfele. Aus dem Nichts formte er eine Band, wir spielten drei Songs ein, Fotos in den abenteuerlichsten Wild-West-Verkleidungen entstanden, und Hartmut hängte sich ans Telefon. Heraus kam erstaunlicherweise ein Auftritt als Vorband von Truck Stop in Zwickau. Denn siehe, der Herr sorgt für die Seinen! Nun hatten wir in dieser Besetzung noch nie auf einer Bühne zusammen gespielt, da konnte man gespannt sein. Der Termin stand, wir trafen uns zum Proben. Die ersten 6 bis 7 Songs waren schnell klargemacht – es lief gut. Lutz Berger an der Geige duellierte heftig mit mir bei der genialen Albert Lee Speed-Country Nummer Country Boy. Hartmut sang unsere Studio-Hits mit sehr viel Power, mein Wolpertinger Kollege Matz Scheid steuerte seine Gesangs- und Basskünste bei, Walt Bender trommelte was das Zeug hielt, und Bernd Windisch spielte eine wunderbare Rhythmusgitarre. Doch nach den ersten 7 Songs hatten wir unser Pulver verschossen. Keiner von uns war wirklich ein Country-Mann, es gab kein Repertoire mehr. In der Not einigten wir uns auf ein paar alte Schmonzetten wie Tom Dooley und Oh Susanna. Pfadfinder-Reminiszenzen, aber es half alles nichts: Unser Programm dauerte laut Vertrag 45 Minuten. Wir fuhren sehr früh los, die Strecke war lang und die Straßen im Osten damals noch sehr schlecht.
Zum Glück hatten wir in Rainer Hebenstreit einen Fahrer mit Bus gebucht, wir mussten also ausnahmsweise mal nicht selbst fahren,...

Table of contents

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Titel
  4. Einmal Vorwort, bitte!
  5. Inhalt
  6. Wie alles begann
  7. Sturm und Drang
  8. Reifeprüfungen
  9. Immer weiter
  10. Danke!
  11. Biografie
  12. Discographie