Zeiten der Trennung
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Eine Kindheit nach dem Krieg

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Zeiten der Trennung

Eine Kindheit nach dem Krieg

About this book

Vor dem Hintergrund der Teilung Deutschlands schildert Elke Cohnen ihre ganz persönliche Geschichte von Trennung und Verlust. Zusammen mit ihren Geschwistern wächst sie nach dem Krieg in Görlitz auf, erlebt die unglückliche Ehe ihrer Eltern, die Alkoholsucht des Vaters, aber auch Momente des kleinen Glücks bis schließlich der Bruder in den Westen flieht und die Familie traumatisiert zurücklässt. Ein ergreifendes Buch über eine Kindheit in der noch jungen DDR und darüber, wie sehr privates Schicksal und Weltgeschehen miteinander verwoben sind.

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Information

Alles auf Anfang

An einem Freitagabend, als der Vater aus Berlin nach Hause kam, sagte er, nachdem er sich ein wenig ausgeruht hatte, freudig: „Ich habe heute eine Überraschung für euch.“ „So, was ist es denn?“, fragte Mutter. Wir Mädchen vermuteten gleich: „Du hast wohl eine Wohnung für uns gefunden?“ Und lächelnd antwortete er: „Ja.“
Man merkte, wie sehr sich Vater freute, endlich seine Familie nachholen zu können und nicht mehr pendeln zu müssen. Er erzählte uns, dass es eine schöne große Dreizimmer-Altbauwohnung mit Erker, Flügeltüren und Parkettboden wäre. Eine Küche und ein Bad hätte die Wohnung auch. Es war eine Dienstwohnung, die nur höheren Angestellten der Berliner Verkehrsgesellschaft zur Verfügung gestellt wurde und auch preiswert war, da ein Teil der Miete vom Betrieb übernommen wurde. Ein bisschen Sorge hatte Vater wegen der Größe der Wohnung: „Eigentlich brauchen wir ja, wenn Oma in Görlitz das Haus verkauft und wir sie mitnehmen, eine Vierzimmerwohnung, aber nun habe ich schon so lange gesucht und bin froh, diese Wohnung endlich angeboten bekommen zu haben. Was meinst du dazu?“, fragte er Mutter.
„Ich weiß nicht“, antwortete sie zögerlich, „die Wohnung ist mit ihren drei Zimmern eigentlich zu klein für uns alle, wie soll das denn gehen zu fünft?“
Daraufhin schlug mein Vater vor, dass Mutter und er sich die Wohnung gemeinsam ansehen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Und so fuhren die beiden, während wir Kinder in die Schule gehen mussten, am darauffolgenden Montag zusammen nach Berlin.
Als sie wieder zurück waren, erzählte unsere Mutter begeistert von den schönen hohen Räumen und dem Stuck an der Decke. Auch die Lage direkt in Berlin-Mitte in der Nähe des Alexanderplatzes gefiel ihr. Wir würden leicht alle öffentlichen Verkehrsmittel zu Fuß erreichen, und sie dachte natürlich daran, die schönen Unternehmungen unseres Berlin-Aufenthalts bald wiederholen zu können. Der einzige Wermutstropfen: Die Wohnung befand sich im zweiten Stock eines Hauses, unter dem alle drei Minuten die U-Bahn hindurch fuhr, es war die U-Bahn von Westberlin, die im Ostteil der Stadt nicht halten durfte und unter den verschlossenen Gittern über den Schächten bis hinauf in die Wohnung zu hören war. Am nächsten Wochenende erklärte uns der Vater mithilfe einer Skizze, wie Ampeln funktionieren, dass die Fußgänger parallel zu den Autos abwechselnd Grün oder Rot bekämen, denn die Wohnung befand sich an einer großen Kreuzung mit Ampeln. So etwas gab es in Görlitz nicht.
Der Verkauf unseres Häuschens wurde in die Wege geleitet. Als zwei Monate später der Umzugslastwagen kam, der unser Hab und Gut auflud, beobachteten wir das mit gemischten Gefühlen. Wenige Stunden später saßen wir im Zug nach Berlin, um unsere alte Heimat bald für immer zu verlassen. Wir dachten daran, wie wir von unseren Freunden, Klassenkameraden und Lehrern Abschied genommen hatten und was uns in unserem neuen Zuhause erwarten würde. Meine langjährige Freundin Dorothea hatte mir zum Abschied Josef von Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts geschenkt, versehen mit einer persönlichen Widmung. Als Heidi sich auf dem Bahnsteig von uns verabschiedete und noch winkte, während der Zug sich langsam in Bewegung setzte, traten uns Tränen in die Augen. Wir würden sie, Wolfgang und den kleinen Ben in Zukunft nur noch viel seltener sehen können. Und schließlich ging ein vertrauter Abschnitt unseres Lebens zu Ende. Bei allem Abschiedsschmerz fühlten wir uns dennoch den Daheimgebliebenen gegenüber privilegiert. Immerhin zogen wir nach Berlin, wir waren neugierig auf die große Stadt und überlegten, wie die neue Schule aussehen würde, wie die Klassenkameraden und die Lehrer sein würden.
Ein paar Stunden später war es dann soweit, wir standen in der neuen Wohnung am Fenster und erwarteten den Möbelwagen. Die Eltern hatten nicht zu viel versprochen, die Wohnung war wirklich schön, hell und geräumig, die Zimmer waren groß und das Wohnzimmer hatte einen Erker, von dem aus man die Kreuzung und die Straßen in alle Richtungen überblicken konnte. Das war schon etwas anderes als unsere Kleinstadtstraße in Görlitz. Wir genossen den Ausblick auf das Großstadttreiben unten auf der Straße. Die Menschen waren schicker gekleidet, die Männer trugen Nylonhemden und schmale Krawatten zu ihren Hosen, die Frauen schmal geschnittene, unten ausgestellte Röcke, Blusen und Absatzschuhe. Ein geschäftiges Treiben herrschte da unten, und wir ahnten, dass Berlin uns mehr geben konnte als unsere alte Heimat. Doch das Schönste und Beglückendste war, dass ich mein Asthma bereits nach zwei Tagen in Berlin verlor. Ich konnte es kaum fassen, ich fühlte mich gesund und befreit wie seit Langem nicht mehr. Der Arzt in Görlitz hatte diese Möglichkeit schon in Aussicht gestellt und die Berliner Luft gelobt, sie sei für Asthmatiker oft heilend, und wenn zudem die Pubertät, ich war mittlerweile zwölf Jahre alt, eine hormonelle Veränderung im Körper bewirkte, könnte das Asthma verschwinden. Ich erinnere mich noch gut an das Erwachen am ersten Morgen in der neuen Wohnung: Ich sah die Zimmerdecke hoch über mir und hatte das Gefühl, dass der Raum groß, hell und luftig war, ganz anders als in Görlitz. Ich nahm mir das Buch, das mir Dorothea zum Abschied geschenkt hatte, zur Hand und verschlang den Taugenichts in ein paar Tagen mit Begeisterung.
In Görlitz hatte es im letzten Monat, der dem Verkauf des Häuschens vorausging, noch Streit zwischen den Eltern gegeben. Mutter hätte am liebsten Oma im Häuschen zurückgelassen und in der Dreizimmerwohnung zu viert mit Vater und uns Töchtern gelebt; sie wünschte sich sehr, einmal nur mit ihrer eigenen Familie leben zu können, ohne dass sich Oma in alles einmischte, und somit mehr häuslichen Frieden zu haben und nicht immer zwischen zwei Fronten zu stehen. Aber Vater hatte unserer Oma in Aussicht gestellt, sie mitnehmen zu wollen, worüber sie sich sehr freute, hatte sie doch immer im Kreise der Kinder und Enkel gelebt. Sie konnte sich nicht vorstellen, auf einmal ganz allein zu sein oder gar zur Aufbesserung ihrer Rente das Häuschen mit fremden Untermietern teilen zu müssen. Dann ging alles ganz schnell, ein Käufer war gefunden und es galt als beschlossene Sache, dass Oma mitkam. Unser Vater hatte gehofft, dass unsere Mutter in Berlin wieder berufstätig sein und dadurch mit zum Lebensunterhalt beitragen würde, während sich die Oma um uns Kinder kümmern könnte. Doch unsere Mutter wollte selbst bei uns sein und wünschte sich keine Berufstätigkeit mehr, erst recht nicht in Berlin, wo sie erst einmal nur zu gern die Großstadt und ihre Umgebung genauer kennen lernen und Ausflüge unternehmen wollte. Oma wohnte nun aber mit uns zusammen, bekam das kleinste der drei Zimmer, im Schlafzimmer schliefen die Mutter und wir Töchter und Vater im Wohnzimmer.
In der Ehe der Eltern begann es wieder zu kriseln, beide waren wohl mit zu hohen Erwartungen in den Neustart ihrer Beziehung gegangen, Erwartungen, die sie nicht erfüllen konnten. Durch den Kummer, den unsere Mutter wegen der Republikflucht ihres Sohnes hatte, und durch die Hilfe des Vaters in dieser Situation waren sie sich wieder nähergekommen. Auch hatten sie im Laufe der Jahre des Alleinseins keine neuen Partner gefunden, mit denen sie sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen konnten. Aber letztlich waren und blieben sie zu verschieden. Es waren nicht nur ihre unterschiedlichen Vorstellungen von der Freizeitgestaltung, sondern vor allem die völlig konträre politische Einstellung beider, die oft zum Streit führte und an eine dauerhafte Harmonie im Zusammenleben nicht denken ließ. Auch das starke Rauchen meines Vaters war ein wiederkehrender Streitpunkt. Er hingegen war verärgert darüber, dass unsere Mutter nicht arbeiten gehen und nur den Haushalt führen wollte. Sie begannen unmerklich, sich voneinander zu entfernen und lebten nur nebeneinander her. Hinzu kam, dass es der Vater in seiner neuen Tätigkeit nicht einfach hatte; tatsächlich legte der junge Mitarbeiter, der eigentlich für die Stelle vorgesehen gewesen war, ihm bei jeder Gelegenheit Steine in den Weg. Aber er hatte keine Wahl, er musste sich durchkämpfen und mit dieser Situation fertig werden, schließlich galt es, seine Familie zu ernähren.
So wurde er mit der Zeit zusehends stiller, verschloss sich uns gegenüber immer mehr, erzählte wenig von seinen beruflichen Schwierigkeiten. Wir konnten nur erahnen, was er für Probleme hatte. Zu Unternehmungen mit der Familie an den Wochenenden hatte er keine Lust, er vergrub sich lieber stundenlang hinter der Zeitung oder löste Kreuzworträtsel, wohingegen die Mutter gern hinauswollte ins Grüne und an die Seen. Das tat sie dann auch mit uns, und anfangs nahmen wir meistens die Oma mit. Mit ihren Anfang siebzig war sie noch sehr rüstig und wollte nun auch ihre neue Umgebung kennenlernen. Sie hatte alle Bekannten in der Heimat zurückgelassen und war auf den Familienanschluss angewiesen, wollte nicht isoliert leben. Fortan waren wir also zu viert, die beiden Frauen und wir Mädchen, an den Wochenenden an den schönsten Plätzen in und um Berlin unterwegs, ohne den Vater.
Nachdem mein Asthma verschwunden und ich wieder gesund war, brauchte ich auch kein Kortison mehr zu nehmen. Ich wollte nun unbedingt abnehmen und mir im Spiegel wieder gefallen. Das gelang mir auch recht schnell, und der Erfolg, Kilo um Kilo zu verlieren, motivierte mich sehr, mich vernünftig zu ernähren, bis ich mein Wunschgewicht erreicht hatte. Es tat gut, nach all den Jahren endlich wieder schlank zu sein und eine ansehnliche Figur zu haben. Ich fühlte mich wie ein anderer Mensch und endlich wohl in meiner Haut.
Aber nicht nur diese Veränderung gab es zu feiern. Wir konnten uns ein Telefon anschaffen – eine schöne, neue Errungenschaft in unserer Wohnung. Wir freuten uns, hin und wieder mit Michael, Heidi oder einer Schulkameradin telefonieren zu können, Mutter mit ihrer Freundin Irmgard in Görlitz. Wenn es klingelte, wollte jeder als erster abnehmen. Bald darauf schafften wir unseren ersten Schwarz-Weiß-Fernsehapparat an, eine Attraktion. Zu der Zeit wurden nur zwei Programme ausgestrahlt, aber man war ja nicht verwöhnt; uns interessierte einfach alles, was gesendet wurde. Sehr beliebt war das Sandmännchen, auf das nicht nur Kinder allabendlich gespannt warteten, auch die Erwachsenen fanden Gefallen daran.
Heidi hatte inzwischen ihr zweites Kind geboren, ein Mädchen namens Kristal. Wir vermissten die vier so sehr in unserer Nähe. Hatten wir ihr doch bei ihrem ersten Kind schon so gerne beim Stillen zugesehen und ihr beim Wickeln und Trösten des Babys geholfen. Sie schickte uns Fotos, Kristal war sehr hübsch. Dunkle Haare umrahmten das Gesichtchen, aus dem lebhafte Äuglein schauten. Mittlerweile absolvierte Heidi ein Fernstudium in Ökonomie, um ihre Aussichten auf eine leitende Stelle und ein besseres Gehalt zu erhöhen. Wir bewunderten sie dafür, wie sie es schaffte, ganztags zu arbeiten, zwei kleine Kinder zu versorgen und, kaum dass sie im Bett waren, zu studieren. Später waren beide Kinder in einer Wochenkrippe, eine in der DDR gängige Einrichtung, die es gerade jungen Eltern ermöglichte, ihrem Beruf oder ihrem Studium weiterhin nachgehen zu können. Wolfgang hatte damals noch nicht sein Ingenieurstudium beendet und die junge Familie war auf den Verdienst von Heidi angewiesen. Also gaben sie montags früh die Kinder in der Krippe ab und holten sie jeden Freitagnachmittag nach der Arbeit wieder nach Hause. Heidi hatte oft großen Kummer und weinte, bevor sie ihre kleinen Kinder der Obhut fremder Menschen anvertrauen musste. Aber es half nichts, es gab keine andere Lösung. Doch die Kinder gediehen prächtig und entwickelten sich zu lieben Menschen, die sie bis heute sind.
Nachdem Wolfgang sein Studium erfolgreich abgeschlossen hatte, bekam er eine Arbeitsstelle bei der Schwarzen Pumpe, einem Braunkohletagebau in der Nähe von Hoyerswerda. Die junge Familie bezog ihre erste eigene Wohnung. Sie befand sich in einem der seinerzeit neu errichteten typischen Plattenbauten und hatte jeden Komfort, den sich damals eine junge Familie nur wünschen konnte: Einbauküche, Zentralheizung, fließend warmes Wasser. Durch diesen Umzug waren wir räumlich wieder etwas mehr aneinandergerückt, und das war gut so. In den Schulferien durfte ich sie einmal alleine für eine Woche besuchen, und ich freute mich, auf einer Luftmatratze im Zimmer bei meinem Neffen und meiner kleinen Nichte schlafen zu dürfen. Die Wohnung roch so gut, so neu, wenn man hereinkam; ich liebte diesen Geruch und vergaß ihn lange nicht. Und es war immer warm in der Wohnung, auch im Winter brauchte man nicht viel anzuziehen. Man machte sich keine Gedanken über Heizkosten, sondern bezahlte einen Mietpreis, der unabhängig vom Verbrauch die Heizkosten bereits enthielt. Ich fühlte mich dort sehr wohl und wäre am liebsten bei ihnen geblieben. Der Umgang mit Heidi und Wolfgang tat mir gut, ich spürte deutlich den Unterschied zwischen diesen jungen Leuten und meinen Eltern, die immer eher ernste, vorsichtige Ansichten äußerten. Die unbekümmerte Frische von Heidi und Wolfgang empfand ich dagegen als wohltuend. Ein paar Tage, bevor ich wieder zurück nach Berlin musste, nahm ich all meinen Mut zusammen und fragte sie: „Heidi, kann ich nicht bitte bei euch bleiben und hier mit euch leben? Hier gefällt es mir viel besser als zu Hause.“ Sie sah mich lächelnd an und antwortete: „Elke, das geht doch nicht, du musst doch zur Schule, und was meinst du, wie traurig Mutti und Iris wären, wenn du nicht wiederkämst?“ Ich spürte, dass sie sich freute, dass es mir so gut bei ihnen gefiel, ahnte aber auch, dass sie natürlich mit ihrer eigenen Familie weiterleben und die kleine Schwester nicht dauerhaft bei sich behalten wollte und konnte. Also musste ich wohl oder übel wieder die Heimfahrt antreten und mit der Situation zuhause zurechtkommen, auch damit, dass die Eltern nicht mehr so gut miteinander auskamen.
Die schulische Umstellung gestaltete sich in Berlin für mich ebenfalls schwerer als gedacht. In Görlitz war ich es gewohnt, als Klassenbeste die Achtung und Bewunderung meiner Klassenkameraden zu haben. In Berlin dagegen wurde ich zwar anfangs offen aufgenommen, aber mit der Zeit häuften sich die Probleme. Ich war den anderen im Stoff voraus, da in Görlitz bereits durchgenommen worden war, was hier unterrichtet wurde. In meiner alten Klasse war es üblich, wenn eine Klassenarbeit geschrieben wurde, das bereits Geschriebene abzudecken, damit der Nachbar nicht abschreiben konnte. So handhabte ich das auch in der neuen Schule, was mir nicht unbedingt die Sympathien meiner Mitschüler einbrachte. Es war alles andere als gut, dass ich von manchen Lehrern als gutes Beispiel hingestellt wurde. Wem gefiel es schon, von einer neuen Schülerin aus der Provinz wissensmäßig überholt zu werden? Bald ließen mich die neuen Klassenkameraden das spüren, ich fühlte mich ausgeschlossen und isoliert. Aber ich hatte eine liebe Kla...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Verlust und Hoffnung
  6. Eine getrübte Idylle
  7. Ein bisschen Luxus
  8. Fluchten
  9. Handicaps
  10. Michael und die Freiheit
  11. Neues Glück und neues Leid
  12. Auf nach Berlin
  13. Ein neuer Erdenbürger
  14. Alles auf Anfang
  15. Eine Freundschaft fürs Leben
  16. Noch ein Abschied
  17. Besuch aus Übersee
  18. Feiern als Pflicht
  19. Amnestie für Michael
  20. Der erste Kuss
  21. Keine Wehmut. Ein Nachwort
  22. Danksagung