Ein Kaktus zum Valentinstag
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Ein Kaktus zum Valentinstag

Ein Autist und die Liebe

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Ein Kaktus zum Valentinstag

Ein Autist und die Liebe

About this book

Am liebsten betrachtet er Menschen von hinten, weil Hosennähte interessanter sind als Gesichter. Und seine Frau würde er auf der Straße vermutlich nicht erkennen. Denn Peter Schmidt ist Autist. Eine unsichtbare Mauer trennt ihn von seinen Mitmenschen. Er kann sich nicht in andere einfühlen und ihre Mimik nicht deuten. Smalltalk ist für ihn ein Balanceakt zwischen den Fettnäpfchen. All das macht ihn nicht gerade zum Traumprinzen, dem die Herzen der Frauen zufliegen. Dennoch ist er heute ein glücklich verheirateter Familienvater. Wie er die Herausforderung der Liebe trotz vieler Hindernisse und Umwege gemeistert hat, davon erzählt er in seiner ungewöhnlichen Autobiografie. Es ist ein Sprachkunstwerk eines sympathischen Außenseiters und ein Plädoyer für die Vielfalt des Seins.

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Klimazonen des Lebens

Zwei Monate später erwartet mich die Arbeitslosigkeit. Weil man aus »hauspolitischen Gründen« nicht bereit ist, mir die dritte befristete Stelle in Folge anzubieten. Diese hätte zu einer unbefristeten Beschäftigung geführt, die will und kann man mir nicht geben.
Die Mau heißt die Zeit der Arbeitslosigkeit sehr schnell willkommen. Denn sie stellt auf einmal etwas Erstaunliches fest: »Endlich hast du mal mehr Zeit, als nur noch am Abend Bitte lächeln! zu kucken und dann auf dem Sofa einzuschlafen! Endlich nimmst du auch zu Hause überhaupt mal wahr, dass du mittlerweile eine Familie hast. Dein Sohn braucht dich auch!«
Aber wo ich Geld herkriegen soll, das weiß ich auch nicht. Umziehen werde ich auf jeden Fall nur noch dann, wenn ich woanders a) die Probezeit hinter mir habe und b) einen unbefristeten Vertrag erhalte. Auf einen befristeten Vertrag werde ich mich nur dann bewerben, wenn der Job hier in der Nähe ist.
Als ich über die Gründe meines Ausscheidens nachdenke, wird mir klar, dass ich in der Wissenschaft nicht weiter arbeiten kann und will. Weil eigene Ideen nicht erwünscht sind. Weil man sowieso nur das machen kann und soll, was der Chef will. Weil es da viel zu viele verkrustete Strukturen gibt, die eine zwangfreie Forschung nicht zulassen. Und last but not least, weil die Menschen mich auch dort anscheinend nicht verstehen wollen und umgekehrt.
Im »Philos«, meinem Tagebuchfreund, mache ich mir Gedanken darüber, wo ich im Leben jetzt stehe. Und was noch kommen soll. Inwieweit der eingeschlagene Weg der richtige ist beziehungsweise welche Kurskorrekturen vorzunehmen sind.
Die erste Erkenntnis ist die, dass für mich aufgrund der zwischenmenschlichen Verhaltensrätsel jeder Job, der die persönliche Abhängigkeit von einem Chef oder sonstigen Menschen beinhaltet, kein Traumjob sein kann. Auf ein hohes Einkommen zu verzichten, käme für mich aber nie in Frage. Beides gleichzeitig, ständigen Spaß bei der Arbeit und viel Geld, scheint es für mich nicht zu geben.
Es sind wieder konkurrierende Sehnsüchte, die befriedigt werden müssen. Nicht unbedingt gleichzeitig, aber in Abhängigkeit voneinander. Wie Kräfte, die abwechselnd an mir ziehen. Wie Yin und Yang. Das ist dann wie eine Schwingung. Wenn das eine zu groß wird, kommt das andere und macht es wieder kleiner. Und immer so weiter.
So wie man in der Physik die Bewegung eines Pendels beschreiben kann. Wenn es ruht, will es sich bewegen. Und wenn es sich bewegt, will es irgendwann wieder ruhen. Jeder Zustand ist für sich allein genommen unbeständig. Insofern ist die einzige Beständigkeit die Unbeständigkeit. Kein statischer Zustand bleibt ewig erhalten. Die Sehnsucht nach planbarer Beständigkeit kann nur im Verstehen der zugrunde liegenden Dynamik konkurrenzfrei befriedigt werden.
Die einzige Beständigkeit ist die Schwingung selbst. Sie ist wie eine dynamische Balance. Jede Veränderung, die als Teil eines solchen Balancestrebens abläuft, ist berechenbar und damit beherrschbar! Jeder Ruhepunkt ist ein Punkt der Umkehrung. Die Fortentwicklung eines sichtbaren Zustandes hat die Fortentwicklung verborgener anderer Zustände zur Folge, bis diese sichtbar werden. Ist die eine Sehnsucht gestillt, meldet sich die andere und so fort.
So begreife ich auch das Leben als Aneinanderreihung von Zuständen, die in einer dynamischen Balance zueinander stehen. Der scheinbare Widerspruch konkurrierender Sehnsüchte löst sich im Begreifen der dynamischen Wechselwirkung zwischen beiden auf. Die längste Schwingungsperiode des körperlichen Seins beginnt bei der Geburt und endet mit dem Tod. Wobei die Schwingung an sich schon vorher existiert hat und auch nachher weiterexistieren wird. Als Welle. Die Welle allen Seins. Gekörpert im Zustand einer Schwingungsperiode. Und solche Perioden gibt es viele im Alltag. Wir alle kennen sie. Und sie alle haben Zonen, Abschnitte, Phasen.
Ich beginne mein Leben im Spiegel der Jahreszeiten oder eines Tagesablaufs zu strukturieren, um meine Position in der Welle oder der Schwingungsperiode zu bestimmen.
Nachfolgende Tabelle teilt mein Leben in Abschnitte in Bezug auf Schwingungsperioden:
Lebensjahreszeit Beschreibung und Inhalte der Lebensetappen
Januar Vorschulzeit, Winter des Lebens, mitten in der Nacht
Februar Grundschule, Winter des Lebens, fortgeschritten in der Nacht
März Gymnasium, erste Blumen blühen im Garten, Morgengrauen
April Studium, Blüte des Lebens beginnt, Austrieb, Sonnenaufgang, Aufstehen, das eigene Leben starten
Mai Berufsanfänger, Verliebtsein, volle Blüte, Frühstück
Juni berufserfahren, junger Vater, erste Früchte (Kinder, Geld)
Juli Hausbau, Zenit, Erntezeit, Sommer des Lebens
August Zenit, Erntezeit, Lebenserfahrung, Sommer des Lebens
September Spätsommerliches Leben, alle Früchte ausgereift
Oktober Goldene Zeit, Erntedank, Sonnenuntergang
November Ausklang der blättertragenden Lebenszeit, raureife Weisheit, Dämmerung
Dezember Rentner, Rückblick, am Licht des Lebens, Lebensfernsehabend
Teilt man das Leben so ein, dass alle 6 Jahre ein Monat vergeht, oder 6 Jahre 2 Stunden auf der Tageszeitenuhr entsprechen, dann ist jetzt Juni in meinem Leben, oder es ist nach 10 Uhr morgens. Das bedeutet, ich habe es geschafft, im Sommer des Lebens anzukommen. Ich habe die volle Blütezeit, den herrlichen Morgen eines Lebenstages erlebt.
Alter in 6er-Jahresetappen Tageszeit Alter in 7er-Jahresetappen im Gradnetz Klimazone
0 bis 6 0 bis 2 Uhr 0 bis 7 Nordpol bis 75 N Polar
6 bis 12 2 bis 4 Uhr 7 bis 14 75 bis 60 N Subpolar
12 bis 18 4 bis 6 Uhr 14 bis 21 60 bis 45 N Gemäßigt
18 bis 24 6 bis 8 Uhr 21 bis 28 45 bis 30 N Mittelmeer und Inlandswüsten
24 bis 30 8 bis 10 Uhr 28 bis 35 30 bis 15 N Subtropisch und Wüsten
30 bis 36 10 bis 12 Uhr 35 bis 42 15 N bis Äquator Tropisch
36 bis 42 12 bis 14 Uhr 42 bis 49 Äquator bis 15 S Tropisch
42 bis 48 14 bis 16 Uhr 49 bis 56 15 bis 30 S Subtropisch und Wüsten
48 bis 54 16 bis 18 Uhr 56 bis 63 30 bis 45 S Mittelmeer und Inlandswüsten
54 bis 60 18 bis 20 Uhr 63 bis 70 45 bis 60 S Gemäßigt
60 bis 66 20 bis 22 Uhr 70 bis 77 60 bis 75 S Subpolar
66 bis 72 22 bis 24 Uhr 77 bis 84 75 bis Südpol Polar
Aber es bedeutet auch, dass der ganze Sommer noch vor mir liegt. Dass der ganze Tag noch vor mir liegt. Auch wenn schon ein Großteil des Jahres oder eben ein großer Teil eines 24-stündigen Tages vorüber ist. Einerseits habe ich schon ein gutes Ziel erreicht, im Juni eines Lebens schon viel erlebt zu haben. Andererseits kann da noch sehr viel kommen. Mein Auftrag scheint noch unerfüllt zu sein.
Überhaupt finde ich diesen Vergleich faszinierend. Ich mag Ordnung und Statistiken dieser Art. Weil sie Dinge transparent machen, die ansonsten im Verborgenen bleiben. Ich finde es frappierend, wie wunderbar die Phasen eines menschlichen Lebens zu den Phasen eines Jahreslaufs und eines Tageslaufs passen. Sie illustrieren die stete Veränderung im Zustand des Seins.
Wie die ersten Blumen blühen und man durch den Gang zur Schule ins Leben hineinwächst. Wie die Blütezeit eines Frühlings mit der Blütezeit der eigenen Liebe zusammenfällt. Wie die Erntezeit mit den reifen Früchten des eigenen Lebe...

Table of contents

  1. NAVIGATION
  2. HAUPTTITEL
  3. INHALT
  4. 278 Vorwörter
  5. Welt, ich komme!
  6. Vorboten einer fernen Sehnsucht
  7. Vom Tanzen zur Checkliste
  8. Erste Beziehungspraxis
  9. Auf der Straße nach Irgendwo
  10. Begegnung mit einem toten Freund
  11. Der Freundekomet
  12. Ostpreußische Flirtkunde
  13. Ein folgenreicher Zahnarztbesuch
  14. Das satanische Telefonat
  15. Durch eine Ebene der Leere
  16. Am Fuß des emotionalen Gebirges
  17. Sonne, Mond und Liebe
  18. Allabendliche Auto-Sessions
  19. Mathematische Liebe
  20. Kirche nach der Feuerzangenbowle
  21. Einblick in eine fremde, emotionale Welt
  22. Dunkle, helle Sternzeiten
  23. Das Drama mit den vierzig Küssen
  24. Ein apokalyptisches Candle-Light-Dinner
  25. Krokusse, Kakteen und Kakerlaken
  26. Der Tanz auf dem Vulkan
  27. Goldene Reifen zum ersten Ringtag
  28. Ozeanische Trennung
  29. Wasserweiten unter dem Kreuz des Südens
  30. El Condor Pasa und das faszinierende Nichts
  31. Am jenseitigen Ufer
  32. Miteinander schlafen?!
  33. Endlich: der Tropentauglichkeitstest
  34. An der Weserquelle
  35. Eiertanz vorm leeren Stubenwagen
  36. Die Landung des ersten Ra
  37. Nächster Halt: Hämelerwald
  38. Klimazonen des Lebens
  39. Geheimnisvolle Elche im eisigen Ostwind
  40. Im Tal des Melibokus
  41. Kein Anschluss unter dieser Nummer!
  42. Als der Weihnachtsmann schon am 9. Dezember kam
  43. Expeditionen in den Familienalltag
  44. Danke, Dieter!
  45. Emotionale Versteinerung in Stonehenge
  46. Bedingungslose Liebe
  47. Winkel oder Würfel?
  48. Das verlorene Hähnchenbein
  49. Silencia, meine irdische Oase einer erdfernen Welt
  50. Nostalgie in der Fremde
  51. La pagaille complête
  52. Wendhausen – wo das BÜS nie kam
  53. Am Tor zum Ich
  54. Der seltsame Schlüssel
  55. Die finale Auto-Session
  56. 882 Nachwörter
  57. Entschuldigung für gestern, heute und morgen
  58. Danksagung
  59. BILDTEIL
  60. ÜBER DEN AUTOR
  61. ÜBER DAS BUCH
  62. IMPRESSUM
  63. HINWEISE DES VERLAGS