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Schulden am Olymp - Tagebuch eines Frosches

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Schulden am Olymp - Tagebuch eines Frosches

About this book

"Wie ist das denn jetzt wirklich in Griechenland?" "Ist es so, wie es in den Zeitungen steht?" "Und warum wird so viel gestreikt?""KrĂ­si, KrĂ­si!" - Griechenland in der Krise! Die Affen haben es laut durch den Medienurwald gerufen. Inzwischen hat es wirklich jeder vernommen: der reiche BĂ€r hinter seinem Bankschreibtisch, der palavernde Wolf hinter seinem Abgeordnetenpult und der kleine Frosch, der unten in seinem TĂŒmpel alles ausbaden muss.Die deutsche Autorinfröschin Edit Engelmann hat ihren FamilientĂŒmpel selbst in Athen. Dort hat sie beobachtet, wie die Frösche unter den Bruchstrich gerutscht sind, und meint: Auch der deutsche Frosch sollte wissen, was der griechische Frosch denkt - und erleidet. Direkt. Ohne Umwege. Von Frosch zu Frosch.Darum erzĂ€hlt sie in ihrem Froschtagebuch, was nicht in den Zeitungen steht. Und wie sich die Meinung des kleinen Frosches von dem unterscheidet, was die Affen auf Geheiß von Wolf und BĂ€r durch den Urwald kreischen.Das erste Jahr der Griechenland-Krise: VerblĂŒfft und entsetzt verfolgen die Frösche, wie BĂ€r und Wolf ihr TĂŒmpelbiotop auseinandernehmen und dann auch noch Reparationszahlungen von ihnen verlangen. Da sagen sie doch lieber: "Ich zahle nicht! Quaak! - Den plirĂłno! Quaak!"Ein Buch ĂŒber Geld, Politik und Medienmacht, mit Humoreske inszeniert und liebevoll geschrieben. Das beigefĂŒgte Froschglossar ist nicht nur ein Hilfsmittel fĂŒr die ErklĂ€rung der Fremdwörter, die tĂ€glich im Bezug zur Eurokrise durch den Medienurwald gerufen werden. Es dient dem VerstĂ€ndnis unserer Zeit. Am Tag, an dem Sie das hier lesen...

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Information

Year
2013
eBook ISBN
9783942223447
1. Mai 2010
EU UND GRIECHENLAND AUS DER VOGELPERSPEKTIVEZ
Advena Avis, der gefiederte Berichterstatter der LĂŒfte, hat eine Runde ĂŒber Berlin und BrĂŒssel gedreht und kam in seiner Kolumne zu folgenden Schluss:
»Der griechische Premierminister gab letzte Woche seine Entscheidung bekannt, dass er das Eurozonenrettungspaket von 30 Milliarden Euro mit weiteren 10 bis 15 Milliarden vom IWF aktivieren wolle.
Aber die EU zankt derweil noch ĂŒber Details, und Angela Merkel versucht, die Entscheidung fĂŒr Griechenland hinauszuzögern, zumindest einmal, bis die nĂ€chsten wichtigen Wahlen Anfang Mai in Deutschland gelaufen sind.
In Griechenland verstĂ€rken sich derweil die sozialen Unruhen. Beinahe tĂ€glich verschlechtert sich die Situation. Die Zinsraten fĂŒr griechische Darlehen wachsen in dem Maße, wie die Spekulanten mit den griechischen Obligationen Spielchen treiben. Derweil wird das Land von Ratingagenturen weiter heruntergestuft.
Sicherlich hat Griechenland seinen Anteil Schuld an dem jetzigen Drama. Aber den weitaus schlimmeren Anteil hat die menschliche Dummheit auf globaler Basis sowie des Menschen unstillbare Habgier.
Was wir Vögel nun gar nicht verstehen können, ist die Tatsache, dass alle auf das hören, was Ratingagenturen flĂŒstern. Nehmen Sie zum Beispiel die Ratingagentur Moody. Der Vorstandsvorsitzende dieses Unternehmens gab einem Senatsausschuss gegenĂŒber am 23. April zu Besten, dass man komplett damit gescheitert sei, die Immobilienblase in den USA richtig einzuschĂ€tzen, die letztendlich zur Finanzkrise gefĂŒhrt habe. Das sollte euch doch in ausreichendem Maße beweisen, dass diese Rating-Agenturen komplett unzuverlĂ€ssig sind. Warum löst ihr die nicht einfach auf?
Und die EU? Sie war bereit eine Rettungsleine von 30 Milliarden Euro zu werfen, wohl eher, um den Euro zu schĂŒtzen und nicht in erster Linie Griechenland. Und die deutsche Regierung, die vor den Wahlen am 2. Mai in Nordrheinwestfalen bibbert, verspĂ€tet sich mit ihrer Zusage sicherlich, bis diese gelaufen sind. Anscheinend ist die Griechenland-Krise zu einem innerdeutschen Problem geworden. Die Freie Demokratische Partei, der Koalitionspartner, steht der griechischen Bitte noch kritischer gegenĂŒber als Merkel. Sein Vize gab unlĂ€ngst bekannt, dass es ein Schlag ins Gesicht der Deutschen wĂ€re, wenn man den Griechen jetzt Geld gĂ€be. Als ob die 8 Milliarden Euro, die Deutschland beitragen wĂŒrde, einen spĂŒrbaren Unterschied fĂŒr den deutschen Steuerzahler machten, deren Land mit einem Defizit von 1,8 Billionen Euro kĂ€mpft. Die Partei der Bayern, CSU, plĂ€diert gleich fĂŒr einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone.
Aber die Deutschen könnten in diesem Zusammenhang eigentlich auch an den kleinen Beitrag denken, den Griechenland fĂŒr die deutsche Wirtschaft geleistet hat. Sie vergessen leicht, dass es eigentlich Griechenland war, das 5 % der deutschen BeschĂ€ftigten in Lohn und Brot gehalten hat, die in den letzten 25 Jahren in der deutschen Waffenindustrie gearbeitet haben. Griechenland hat der deutschen Waffenindustrie in den Jahren seit 1874 jĂ€hrlich 300 Millionen Euro eingebracht und ungefĂ€hr 2,6 Milliarden allein in den Jahren 2005 bis 2009.
Trotz der derzeitigen Situation Griechenlands besteht Deutschland darauf, dass Griechenland weiterhin Eurofighter kauft.
Und sprechen wir nicht davon, dass deutsche Gesellschaften den Athener Flughafen bauten und auch von anderen in Griechenland gemachten Investitionen profitierten. Wie viele Mercedes, Audi und Volkswagen zirkulieren in Griechenland?
Merkel sollte auch wissen, dass Deutschland von dem jetzigen Darlehen an Griechenland profitieren wird, und zwar mit einem 5%igen Zinssatz. Vielleicht fiele es ihr leichter, die Wahl am 9. Mai zu gewinnen, wenn sie diesen Verdienst auch wahrheitsgemĂ€ĂŸ bekanntgeben wĂŒrde. Aber sie zeigt, dass sie nur ein Politiker ist, wie alle anderen auch.
Wie dem auch sei, die derzeitigen Handlungsweisen lassen das Licht in der Eurozone nicht gerade leuchten. WĂ€re es nicht eine wunderbare Demonstration von europĂ€ischer SolidaritĂ€t, wenn die deutsche Regierung wegen der griechischen Wirtschaft zusammenbrechen wĂŒrde? Vielleicht wĂ€re das dann eine Vorablektion fĂŒr die TĂŒrkei, sozusagen ein LehrstĂŒck, wie europĂ€ische SolidaritĂ€t wirklich funktioniert.«15
So ist das also mit dem Globalisierungszeugs. Wenn in Griechenland keiner mehr kauft, kommen in Deutschland einige RĂ€der ins Trudeln. Und wenn die trudeln, dann wird es auch den BĂ€ren und Wölfen schwindlig. Und zwar befĂ€llt die dann gleich ein globaler Schwindel. Nein – stopp, da waren wir schon. Damit hat es ja angefangen, mit dem globalen Schwindel.
Wie dem auch sei. Jedenfalls ist es jetzt wohl so, dass die Wahlen in Deutschland von den Schulden in Griechenland abhĂ€ngen. Wenn wir Frösche jetzt noch begreifen, was wir damit fĂŒr einen gewaltigen Einfluss haben, dann startet eine neue Internationale. Ich schlage vor, dass jeder Frosch, der sich als solcher fĂŒhlt, in Zukunft ein grĂŒnes BĂ€ndel am rechten Vorderschenkel befestigt. Dann können wir zumindest schon einmal sehen, wie viele wir eigentlich sind.
Frösche, hört die Signale!
4. Mai 2010
DIE STREIKWELLE ROLLT AN
Auf der Akropolis haben sie sich versammelt und rufen alle Frösche Europas zum Widerstand auf. Große SpruchbĂ€nder hĂ€ngen von den Mauern und das Parthenon thront darĂŒber wie zu antiken Zeiten. Die öffentlichen Angestellten Griechenlands haben zum Widerstand geblasen. 48 Stunden Streik sind die Antwort auf die AnkĂŒndigungen der Sparmaßnahmen, die Grundvoraussetzung fĂŒr das sogenannte Hilfspaket von EU und IMF waren.
Wenn ich mich so unter den griechischen Froschmassen umhöre, werden dies nicht die letzten Streiks und AufstĂ€nde sein. Die Griechen möchten hiermit ein Zeichen setzen – ein Zeichen, dass es so nicht geht. Man (bzw. die Regierung) kann nicht erst alles in den Sand setzen und dann verlangen, dass alle anderen außer man selbst fĂŒr den Schaden aufkommen.
In Deutschland soll derweil geklagt werden. Da die Eurorettung komplett kontrĂ€r zum Lissabonner Vertrag steht und somit gegen die Gesetze, wollen einige deutsche Ökonomen und Staatsrechtler zu Gerichte ziehen. Und zwar zum Bundesverfassungsgericht. Dabei haben die Deutschen gar keine Verfassung, sondern nur ein Grundgesetz. Nach reiner Froschlogik mĂŒsste es also ein Grundgesetzgericht sein. Wie es auch heißt, helfen wird das wohl doch nicht. Und sicherlich nicht den Griechen. Und den Deutschen wohl auch nicht. Denn Recht haben und Recht kriegen sind schon von alters her zwei verschiedene Dinge. Dummerweise zwei, die nicht oft zusammenfallen.
Dabei kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es dem kleinen deutschen Michel darum geht, jetzt absolut niemandem aus der Patsche helfen zu wollen. Vielmehr denke ich, dass der deutsche Michel und der griechische Kostas sich völlig darĂŒber einig sind: Die, die’s verbockt haben, sollen es jetzt auch bezahlen. Und das waren weder Michel noch Kostas.
8. Mai 2010
RATINGAGENTUREN AUS DER VOGELPERSPEKTIVE
Advena Avis hat mal den Ratingagenturen auf die Finger geschaut. Wir sehen ja leider immer nur die FĂŒĂŸe und können deshalb vieles gar nicht so richtig verstehen. Deshalb lesen wir uns mal genau durch, wie der Vogel das beschreibt:
»Es ist uns Vögeln immer ein ausgesprochenes VergnĂŒgen, wenn wir feststellen können, dass sich Politiker Anregungen unserer Spatzenhirne zu Herzen nehmen. Wir hatten darĂŒber gezwitschert, warum sie an diese selbsternannten Ratingagenturen glauben, anstatt sie schlichtweg auf Grund ihrer UnzuverlĂ€ssigkeit abzuschaffen und ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
Diese Frage wurde sofort von einigen Politikern gestellt, nachdem die Ratingagentur Standard & Poors (oder vielleicht „standardly poor“, also arm per Definition) Griechenland finanztechnisch gesehen zu MĂŒll deklarierte und damit Aktien und Euros zum Absturz brachte. Rufe wurden laut, dass diese Ratingagenturen verantwortungsbewusst handeln sollten. IMF-Direktor Dominique Strauss-Kahn verkĂŒndete, dass dieses Rating lediglich die Wahrnehmung der Kapitalanleger ĂŒber die finanzielle Gesundheit einer Nation widerspiegeln wĂŒrde und man dem Ganzen demzufolge nicht allzuviel Glauben schenken solle. Der deutsche Außenminister hingegen forderte die sofortige Einrichtung einer europĂ€ischen Ratingagentur. Er war der Meinung, dass Ratingagenturen nicht gleichzeitig Finanzprodukte entwickeln, verkaufen und bewerten dĂŒrften. Seine Idee, eine europĂ€ische Ratingagentur zu grĂŒnden, klingt eigentlich ganz gut, aber nur, wenn es auch noch eine EU gibt, die es dann zu bewerten gilt.
Neue EU-Regeln, die im Dezember in Kraft treten werden, könnten bei bereits bestehenden Agenturen Anwendung finden, aber nur insofern, als diese in der EU operieren. Sie wĂŒrden jedoch nicht diejenigen betreffen, die aus den USA heraus agieren. Es waren aber genau Letztere, die diesen ganzen Schlamassel verursacht haben. Warum? Höchstwahrscheinlich, um den Euro zugunsten des Dollar auf MĂŒllstatus abgewertet zu sehen. Ob EU-Politiker das wohl alles verstanden haben?
Etwas recht Niedliches geschah auch in den USA am 29. April. Tausende Demonstranten sammelten sich in der Innenstadt von New York, um ihrer Wut auf die Wall Street Ausdruck zu verleihen und die Rolle zu verdammen, die die Großbanken in Amerikas Wirtschaftskrise spielen. Vom Rathaus bis in die Wall Street marschierten sie und sangen â€șGute Jobs fĂŒr alleâ€č. Die Protestierenden hielten ...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. IMPRESSUM
  4. VORWORT
  5. 29. Januar 2010
  6. 15. Februar 2010
  7. 23. Februar 2010
  8. 24. Februar 2010
  9. 25. Februar 2010
  10. 27. Februar 2010
  11. 26. MĂ€rz 2010
  12. 19. April 2010
  13. 30. April 2010
  14. 1. Mai 2010
  15. 4. Mai 2010
  16. 8. Mai 2010
  17. 15. Mai 2010
  18. 4. Juli 2010
  19. 12. Juli 2010
  20. 16. Juli 2010
  21. 23. Juli 2010
  22. 24. Juli 2010
  23. 2. August 2010
  24. 6. August 2010
  25. 6. September 2010
  26. 7. September 2010
  27. 21. September 2010
  28. 22. September 2010
  29. 23. September 2010
  30. 24. September 2010
  31. 25. September 2010
  32. 29. September 2010
  33. 7. Oktober 2010
  34. 10. Oktober 2010
  35. 16. Oktober 2010
  36. 17. Oktober 2010
  37. 18. Oktober 2010
  38. 28. Oktober 2010
  39. 30. Oktober 2010
  40. 31. Oktober 2010
  41. 1. November 2010
  42. 2. November 2010
  43. 3. November 2010
  44. 4. November 2010
  45. 5. November 2010
  46. 6. November 2010
  47. 7. November 2010
  48. 8. November 2010
  49. 9. November 2010
  50. 10. November 2010
  51. 11. November 2010
  52. 12. November 2010
  53. 15. November 2010
  54. 17. November 2010
  55. 18. November 2010
  56. 19. November 2010
  57. 22. November 2010
  58. 26. November 2010
  59. 1. Dezember 2010
  60. 4. Dezember 2010
  61. 6. Dezember 2010
  62. 9. Dezember 2010
  63. 10. Dezember 2010
  64. 11. Dezember 2010
  65. 12. Dezember 2010
  66. 13. Dezember 2010
  67. 14. Dezember 2010
  68. 15. Dezember 2010
  69. 16. Dezember 2010
  70. 17. Dezember 2010
  71. 18. Dezember 2010
  72. 19. Dezember 2010
  73. 28. Dezember 2010
  74. 1. Januar 2011
  75. 4. Januar 2011
  76. 5. Januar 2011
  77. 7. Januar 2011
  78. 6. Januar 2011
  79. 10. Januar 2011
  80. 15. Januar 2011
  81. 17. Januar 2011
  82. 18. Januar 2011
  83. 19. Januar 2011
  84. 20. Januar 2011
  85. 21. Januar 2011
  86. 24. Januar 2011
  87. 25. Januar 2011
  88. 26. Januar 2011
  89. 28. Januar 2011
  90. 1. Februar 2011
  91. 2. Februar 2011
  92. 3. Februar 2011
  93. 4. Februar 2011
  94. 5. Februar 2011
  95. 6. Februar 2011
  96. 7. Februar 2011
  97. 8. Februar 2011
  98. 9. Februar 2011
  99. 10. Februar 2011
  100. 11. Februar 2011
  101. 12. Februar 2011
  102. 13. Februar 2011
  103. 15. Februar 2011
  104. 23. Februar 2011
  105. 25. Februar 2011
  106. 26. Februar 2011
  107. 27. Februar 2011
  108. Der Tag, an dem Sie das hier lesen 

  109. Froschglossar
  110. QUELLEN
  111. BIOGRAPHISCHES

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