Auf der Jagd nach dem Bernsteinzimmer
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Auf der Jagd nach dem Bernsteinzimmer

Das Geheimnis im Leinawald

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Auf der Jagd nach dem Bernsteinzimmer

Das Geheimnis im Leinawald

About this book

Das Bernsteinzimmer - Wunderwerk handwerklicher Kunst und Synonym fĂŒr die nationalsozialistische PlĂŒnderung der europĂ€ischen KunsthĂ€user im Zweiten Weltkrieg - gilt bis heute als verschollen. Im frĂŒhen 18. Jahrhundert im Auftrag des Preußenkönigs Friedrich I. gefertigt, wurde das Bernsteinzimmer Zar Peter dem Großen im Jahr 1716 zum Geschenk gemacht. Von der deutschen Wehrmacht 1941 beschlagnahmt und in Königsberg ausgestellt, verschwand das Kunstwerk in den Kriegswirren im FrĂŒhjahr 1945. Seit jener Zeit sind Historiker, SchatzjĂ€ger und Geheimdienste unablĂ€ssig auf der Suche nach dem wohl wertvollsten Kunstschatz der Menschheit.Die Autoren Mike Vogler und Mirko KĂŒhn verfolgen seit Jahren eine vielversprechende Spur des Bernsteinzimmers nach ThĂŒringen, die an einer geheimen Bunkeranlage im Raum Altenburg endet. Im hier vorliegenden Buch berichten sie neben der bis heute von offizieller Seite verschwiegenen Bunkeranlage ĂŒber die Nazi-Beutekunst, das Bernsteinzimmer und dessen Verschwinden, sowie die Suche nach 1945.

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Information

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KAPITEL I

Beutekunst im „Dritten Reich“

EinfĂŒhrung

Der Raub von KulturgĂŒtern im besetzten Europa gehört mit zu den grĂ¶ĂŸten Verbrechen, derer sich die deutschen Nationalsozialisten wĂ€hrend ihrer zwölf Jahre andauernden Herrschaft schuldig machten. Wenn auch die systematische PlĂŒnderung von europĂ€ischen Kunstsammlungen im Vergleich zu den Schrecken des Zweiten Weltkrieges und den Verbrechen in den Konzentrationslagern auf den ersten Blick relativ unbedeutend wirkt, handelt es sich dennoch um einen wichtigen Teil der nationalsozialistischen Eroberungspolitik. Das Thema „Beutekunst im Dritten Reich“ ist derart umfassend, dass man damit problemlos ganze BĂŒcherregale fĂŒllen könnte. VerstĂ€ndlicherweise wird daher im vorliegenden Werk nur in groben ZĂŒgen auf die Thematik eingegangen. Der interessierte Leser findet im Literaturverzeichnis aber verschiedene weiterfĂŒhrende Publikationen und Monographien, die sich umfassend mit dem Raub europĂ€ischer Kunstsammlungen durch die Nationalsozialisten befassen.
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Privatsammler Hitler

Im bescheidenen Rahmen betĂ€tigte sich Adolf Hitler schon sehr frĂŒh als privater Kunstsammler. Dabei war speziell seine GemĂ€ldesammlung besser als ihr Ruf. Hitlers vermeintlich kleinbĂŒrgerlicher Kunstgeschmack geht fĂ€lschlicherweise auf die Memoiren von Albert Speer zurĂŒck, in denen er Hitler eine Vorliebe fĂŒr rĂŒhrselige, geschmacklose GemĂ€lde bescheinigte. In seiner viel beachteten Hitler-Biografie griff der Autor Joachim C. Fest dieses Fehlurteil auf, welches sich bis heute hartnĂ€ckig hĂ€lt. Besucher in Hitlers privaten GemĂ€chern in MĂŒnchen und spĂ€ter auf dem Obersalzberg berichteten dagegen von eindrucksvollen GemĂ€lden, darunter Werke des Malers Arnold Böckling, der seine besondere WertschĂ€tzung genoss. Böckling war ein Schweizer Maler und Bildhauer, seine Arbeiten werden der Kunstströmung des Symbolismus zugerechnet. Er gilt bis heute als einer der bedeutendsten bildenden KĂŒnstler des 19. Jahrhunderts.
Wie fast alle Kunstsammler fing auch Hitler klein an. Seine ersten Erwerbungen waren kleinformatige Landschafts- und Genrebilder von wenig bekannten MĂŒnchner KĂŒnstlern. Wegweisend fĂŒr den beginnenden Aufbau seiner privaten Sammlung war sein Freund und spĂ€terer Reichsbildberichterstatter Heinrich Hoffmann, den Hitler 1922 kennenlernte. Da sich Hoffmanns private Sammlung auf Landschafts-, Tier- und Genremalerei beschrĂ€nkte, war es nicht verwunderlich, dass Hitler zunĂ€chst ebenfalls diese Richtung bevorzugte. Hoffmann war regelmĂ€ĂŸig in den MĂŒnchner Galerien unterwegs und machte seinen Freund auf Objekte aufmerksam, die möglicherweise dessen Interesse wecken könnten.
Hitler begann Ende der 1920er Jahre, genauer gesagt: nach dem Bezug seiner 300 Quadratmeter großen Wohnung am Prinzregentenplatz in MĂŒnchen, mit dem gezielten Sammeln von Werken bekannter KĂŒnstler. Durch den enormen Verkaufserfolg seines Buches „Mein Kampf“ war er in der Lage, das neue Domizil mit wertvollen GemĂ€lden auszustatten. Mit seinem wachsenden politischen Einfluss wurde auch die großbĂŒrgerliche Gesellschaft MĂŒnchens auf Hitler aufmerksam und suchte dessen NĂ€he. In Hitlers wachsendem Freundes- und Bekanntenkreis waren neben der Politik die Kunst und das Sammeln von Kunst die vorherrschenden Themen. Zu diesem illustren Kreis gehörte auch Ernst Hanfstaengl, Spross des Hanfstaengl-Kunstverlages, den Hitler lange Jahre zu seinen besten Freunden zĂ€hlte. Obwohl Hanfstaengl einer der Wegbereiter des nationalsozialistischen Deutschlands und zeitweilig Auslands-Pressechef der NSDAP war, wandte er sich 1937 von Hitler ab und verließ Deutschland.
Ab 1935 beauftragte Hitler die KunsthĂ€ndlerin Maria Almas-Dietrich mit dem Erwerb von GemĂ€lden fĂŒr seine private Sammlung. Die Dame betrieb eine gutgehende Galerie in der MĂŒnchner Ottostraße, welche sich auf europĂ€ische Malerei des 15. bis 19. Jahrhunderts spezialisiert hatte. Den Kontakt zu Dietrich hatte Heinrich Hoffmann hergestellt. Da die KunsthĂ€ndlerin zudem mit Hitlers LebensgefĂ€hrtin Eva Braun befreundet war, fasste Hitler schnell Vertrauen zu ihr, obwohl Dietrich keine akademische Ausbildung genossen hatte und als Quereinsteigerin im Kunsthandel tĂ€tig war. Da Hitler selbst keine Kunstauktionen besuchte und mittlerweile fĂŒr Galeriebesuche wenig Zeit hatte, studierte er die entsprechenden Kataloge und instruierte Dietrich, die dann die gewĂŒnschten GemĂ€lde ersteigerte bzw. erwarb. Maria Almas-Dietrich verschaffte Hitler auch das PortrĂ€tgemĂ€lde „Nanna“ von Anselm Feuerbach, einer der bedeutendsten deutschen Maler der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts. Laut Aussage von Hitlers SekretĂ€rinnen war „Nanna“ dessen absolutes Lieblingsbild. Im August 1940 endete die bis dahin fruchtbare GeschĂ€ftsbeziehung zwischen Hitler und Dietrich. Hans Posse, der Sonderbeauftragte fĂŒr das geplante „FĂŒhrermuseum“ in Linz, wo Hitler seinen Altersruhesitz plante, prĂŒfte ein Kontingent von 325 GemĂ€lden aus den Niederlanden, die Dietrich ihrem Kunden Hitler anbot. Die Bilder waren als Grundstock fĂŒr das erwĂ€hnte Museum gedacht, erwiesen sich jedoch als nur mittelmĂ€ĂŸige Werke unbekannter Maler, die sich bisher als unverkĂ€uflich herausgestellt hatten. Hitler fĂŒhlte sich betrogen und stellte auf Anraten von Hans Posen die GeschĂ€ftsbeziehungen mit Maria Almas-Dietrich ein. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die KunsthĂ€ndlerin etwa 270 Bilder an Hitler verkauft. FĂŒr die kĂŒnstlerische Ausstattung seines privaten Domizils auf dem Obersalzberg engagierte Hitler den Berliner KunsthĂ€ndler Karl Haberstock. Dieser gehörte zu den fĂŒhrenden KunsthĂ€ndlern der Reichshauptstadt und war auf deutsche Kunst spezialisiert. Die beiden MĂ€nner hatten sich ebenfalls ĂŒber Heinrich Hoffmann kennengelernt. Hitler schĂ€tzte Haberstock nicht nur als Lieferanten von Kunstwerken, sondern auch als Kenner der europĂ€ischen GemĂ€ldesammlungen. Der KunsthĂ€ndler unterhielt beste GeschĂ€ftsverbindungen zu allen großen Museen in Europa. Haberstock gilt auch als Verfasser des Privatdruckes „Meisterwerke der Malerei AH“. Hierbei handelt es sich um zwei monumentale BĂ€nde mit eingeklebten Fotografien von Hitlers privater GemĂ€ldesammlung. Die hochwertig verarbeiteten BildbĂ€nde sind in rotes Leder gebunden und tragen das Signet von Hitler in GoldprĂ€gung. Jedes der Bilder ist mit einem ausfĂŒhrlichen Kommentar versehen, deren fachliche Kompetenz auf Karl Haberstock als Verfasser hindeutet. Eines der wenigen noch erhaltenen Exemplare der „Meisterwerke“ befindet sich heute in der Bayerischen StaatsgemĂ€ldesammlung MĂŒnchen.

Der „FĂŒhrervorbehalt“

Mit dem sogenannten „FĂŒhrervorbehalt“ vom 18. Juni 1938 begann das wohl dunkelste Kapitel der europĂ€ischen Kunstgeschichte. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich begann die systematische Beschlagnahme jĂŒdischen Vermögens, die auch WertgegenstĂ€nde und Kunstwerke aus dem Besitz von Privatpersonen einschloss. Mit dem „FĂŒhrervorbehalt“ sollte die weitere Verwendung der beschlagnahmten KunstgegenstĂ€nde eindeutig geregelt werden.
Im Folgenden der detaillierte Wortlaut des von Dr. Hans Heinrich Lammers, damals „Reichsminister und Chef der Reichskanzlei“, verfassten Schreibens:
„An den Herrn ReichsfĂŒhrer-SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern
Berlin, den 18. Juni 1938 Geheim!
Betreff: Beschlagnahme staatsfeindlichen Vermögens in Österreich
Bei der Beschlagnahme staatsfeindlichen, im Besonderen auch jĂŒdischen Vermögens in Österreich sind u. a. auch Bilder und sonstige Kunstwerke von hohem Wert beschlagnahmt worden. Der FĂŒhrer wĂŒnscht, dass diese zum großen Teil aus jĂŒdischen HĂ€nden stammenden Kunstwerke weder zur Ausstattung von DienstrĂ€umen der Behörden oder Dienstwohnungen leitender Beamten verwendet, noch von leitenden Persönlichkeiten des Staates und der Partei erworben werden. Der FĂŒhrer beabsichtigt, nach Einziehung der beschlagnahmten VermögensgegenstĂ€nde die Entscheidung ĂŒber ihre Verwendung persönlich zu treffen. Er erwĂ€gt dabei, Kunstwerke in erster Linie den kleineren StĂ€dten in Österreich fĂŒr ihre Sammlungen zur VerfĂŒgung zu stellen.
Indem ich Ihnen hiervon Kenntnis gebe, bitte ich im Auftrag des FĂŒhrers, die erforderlichen Anordnungen zu treffen, damit eine VerfĂŒgung ĂŒber das in Österreich beschlagnahmte Vermögen bis auf weiteres unterbleibt. Ich wĂ€re Ihnen ferner dankbar, wenn Sie bereits jetzt die erforderlichen Maßnahmen treffen wĂŒrden, um dem FĂŒhrer eine Übersicht ĂŒber die beschlagnahmten Vermögenswerte zu ermöglichen, und mir ĂŒber das Ergebnis Ihrer Feststellungen nĂ€here Mitteilung machen wĂŒrden.
Die Herren Reichsminister des Inneren, fĂŒr VolksaufklĂ€rung und Propaganda und fĂŒr Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung sowie der Herr Reichskommissar fĂŒr die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich und der Herr Reichsstatthalter in Österreich haben Abschriften dieses Schreibens erhalten.
gez. Dr. Lammers“1
Der zunĂ€chst nur fĂŒr jĂŒdisches Vermögen geltende „FĂŒhrervorbehalt“ wurde am 24. Juli 1939 auf Kunstwerke erweitert, die auf Grund des österreichischen Denkmalschutzgesetztes sichergestellt wurden. Zudem waren nun auch die Kunstsammlungen der österreichischen Klöster und Stifte betroffen. Am 9. Oktober wurde der „FĂŒhrervorbehalt“ mit einem Rundschreiben auf das gesamte Reichsgebiet ausgedehnt und schließlich am 18. November 1940 auf die bis zu diesem Zeitpunkt von der Wehrmacht besetzten LĂ€nder erweitert. Im Zuge des Russlandfeldzuges galten die Anweisungen ab dem 24. Juli 1941 auch fĂŒr die besetzten sowjetischen Gebiete.
Wie im „FĂŒhrervorbehalt“ explizit erwĂ€hnt, oblag es Reichskanzler Adolf Hitler, ĂŒber die Verwendung der geraubten KunstgegenstĂ€nde persönlich zu entscheiden. In der Folgezeit entwickelte der verhinderte KĂŒnstler Hitler mit Hilfe seiner Schergen eine Sammelwut, die unstillbar schien. Hitler war die zentrale Figur des NS-Kunstraubes in den von der Wehrmacht besetzten LĂ€ndern. Er beeinflusst damit bis heute die europĂ€ische Kunstwelt! FĂŒr das in Linz geplante Museum durchforsteten speziell eingesetzte Kommissionen die Museen der besetzten LĂ€nder und beraubten diese ihrer einzigartigen SchĂ€tze.

„Sonderauftrag Linz“ – das „FĂŒhrermuseum“

Zur oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz hatte Hitler schon immer eine besondere Verbindung. Hier war er zur Schule gegangen und hatte prĂ€gende Jugendjahre verbracht. Auch sein Freund August Kubizek stammte aus Linz. Gemeinsam mit Kubizek sah Hitler 1906 in Linz seine erste Wagner-Oper, ein einschneidendes Erlebnis fĂŒr den zukĂŒnftigen FĂŒhrer des „Dritten Reiches“. Wagner wurde zu seinem Idol, an seiner Musik berauschte er sich, seine opulenten BĂŒhnenbilder prĂ€gten sein kĂŒnftiges Weltbild. Kubizek berichtet in seinem Buch „Adolf Hitler, mein Jugendfreund“, dass Hitler von der AuffĂŒhrung von „Rienzi“ im Linzer Stadttheater tief beeindruckt war. Nach dem Ende der AuffĂŒhrung wanderten die beiden jungen MĂ€nner auf den nahegelegen Freinberg, wo Hitler wie besessen auf seinen Freund einredete. Er sprach von seinen hochtrabenden Zukunftsvisionen, von seiner glĂ€nzenden Zukunft und der unvorstellbaren Macht, die ihm einst zur VerfĂŒgung stehen wĂŒrde.
SpĂ€ter reifte in Hitler die Idee, in Linz seinen Lebensabend verbringen zu wollen. Um die Bedeutung der Stadt zu betonen, verlieh er ihr den offiziellen Titel „Heimstadt des FĂŒhrers“. Hitler hatte fĂŒr Linz weitreichende PlĂ€ne. Bis 1950 wollte er aus der barocken Kleinstadt an der Donau eine Kulturmetropole machen, vergleichbar mit Budapest, wie er einmal erwĂ€hnte. Als Zentrum sah Hitler sein „FĂŒhrermuseum“, in dem die bedeutenden KunstschĂ€tze Europas vereint werden sollten.
WĂ€hrend eines Besuchs des Oberösterreichischen Landesmuseums in Linz am 8. April 1938 Ă€ußerte sich Hitler erstmals gegenĂŒber dem Museumsdirektor Dr. Theodor Kerschner ĂŒber einen groß angelegten Museumskomplex, der ihm vorschwebte. WĂ€hrend des gemeinsamen Rundgangs mit Kerschner sprach Hitler vom Ausbau der Linzer Museumslandschaft. Ihm schwebten ein reprĂ€sentatives Gaumuseum sowie ein großangelegtes Volkskundemuseum vor. Zudem dachte er daran, das Oberösterreichische Landesmuseum mit einem ErgĂ€nzungsbau zu erweitern. Dr. Kerschner, der sich in Gedanken schon als der Leiter dieser Museen sah, stimmte Hitler verstĂ€ndlicherweise natĂŒrlich ĂŒberschwĂ€nglich in all seinen Ideen zu.
Die Besichtigung der Galerie der Uffizien in Florenz im Mai 1938 bestĂ€rkte Hitler in seinen PlĂ€nen fĂŒr ein zentrales Museum im Deutschen Reich. Der offizielle Staatsbesuch in Italien wurde zu einer regelrechten Kunstreise. Neben Florenz besuchte Hitler auch die KunststĂ€dte Rom und Neapel. Sein Gastgeber Benito Mussolini, der selbst wenig kunstinteressiert war, drĂ€ngte bei den Museumsbesichtigungen immer aufs Weitergehen, doch Hitler verlor sich regelrecht in den besichtigten Kunstwerken. Noch Jahre spĂ€ter schwĂ€rmte er von seiner Italienreise.
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Hans Posse im Jahr 1939
ZurĂŒck in Deutschland begann Hitler unverzĂŒglich mit der Planung seines mittlerweile umgangssprachlich als „FĂŒhrermuseum“ bezeichneten Projektes. Offiziell trug die Planung fĂŒr den großangelegten Museumskomplex die Bezeichnung „Sonderauftrag Linz“. Die passende Örtlichkeit war mit Linz gefunden, jetzt fehlte nur noch ein kompetenter Kunstexperte, der Hitlers PlĂ€ne verwirklichte. Dieser betraute seinen KunsthĂ€ndler Karl Haberstock mit der Aufgabe, den geeigneten Mann zu finden. Haberstock, der alle Kunstexperten und Museumsdirektoren im deutschsprachigen Raum kannte, empfahl Hitler den Direktor der Dresdner GemĂ€ldegalerie, Hans Posse. Hitler und Posse waren sich bereits 1934 begegnet, als der „FĂŒhrer“ in Dresden weilte und die dortige GemĂ€ldegalerie besichtigte. Hitler war mit der Wahl einverstanden, beabsichtigte jedoch, Hans Posse einer persönlichen PrĂŒfung zu unterziehen.
Posse galt in der Kunstszene Deutschlands als Ă€ußerst umstritten. Der gebĂŒrtige Dresdner war im Jahr 1910 im Alter von erst 31 Jahren zum Leiter der Staatlichen GemĂ€ldegalerie berufen worden. Das trug ihm viele Neider ein. Sein augenscheinliches Interesse fĂŒr die sogenannte entartete Kunst rĂŒckte ihn bald in den Blickwinkel nationalistisch gesinnter Kreise. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war völkisches Gedankengut in Deutschland endgĂŒltig salonfĂ€hig geworden und hatte auch in der Kunstszene Einzug gehalten. Abstrakte Kunst war hier verpönt. KĂŒnstler wie Otto Dix oder Wassily Kandinsky galten als nicht mehr gesellschaftsfĂ€hig. Unter „entartete Kunst“ fielen auch zunehmend die Arbeiten aller jĂŒdischen KĂŒnstler. Hans Posse ließ sich von solchem Gedankengut jedoch nicht beeindrucken und kaufte speziell GemĂ€lde der vermeintlich „entarteten Kunst“, um sie in verschiedenen Ausstellungen dem Publikum sozusagen als Avantgarde der deutschen Kunst zu prĂ€sentieren.
Mit der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten in Deutschland wurde die Lage fĂŒr Posse zunehmend prekĂ€r. ZunĂ€chst hielten ihn noch sein Sachverstand und gute Beziehungen zu hochrangigen Mitgliedern der NSDAP auf seiner Stelle als Museumsdirektor, doch spĂ€testens nach der Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ 1937 in MĂŒnchen war sein Stand gefĂ€hrdet. Im Rahmen der Ausstellung hatte Hitler klargestellt, welche Kunstwerke er in deutschen Museen sehen wollte. Die Bilder abstrakter und vor allem jĂŒdischer KĂŒnstler gehörten nicht dazu. Am 7. MĂ€rz 1938 legte das SĂ€chsische Ministerium fĂŒr Volksbildung Hans Posse nahe, seine Versetzung in den dauerhaften Ruhestand zu beantragen. Das war eine ĂŒbliche Methode, renommierten Personen eine Entlassung zu ersparen. Posse fĂŒgte sich und reichte nur wenige Tage spĂ€ter den entsprechenden Antrag ein, der umgehend bewilligt wurde.
Obwohl Hitler durchaus bewusst war, dass er durch eine mögliche Berufung von Hans Posse fĂŒr einigen Wirbel in der deutschen Kunstszene sorgen wĂŒrde, war er doch von dessen Kunstverstand und seinen Verbindungen zur europĂ€ischen Kunst...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. IMPRESSUM
  4. Über den Autor
  5. INHALT
  6. Einleitung
  7. TEIL I
  8. TEIL II
  9. TEIL III
  10. Literatur- und Quellenverzeichnis
  11. Endnoten
  12. Bildnachweis