Das konservative Manifest
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Das konservative Manifest

Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit

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Das konservative Manifest

Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit

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Dieses Buch ist Gift für Linke und eine Zumutung für Rechte. Es zielt ins Herz aller Konservativen – und derer, die es werden wollen. Lustvoll, intelligent und provokant formuliert es das geistige Kompendium der neuen Bürgerlichkeit. Deutschland bekommt damit ein Handbuch über die tiefen Kraftquellen des Konservativseins.Dr. Wolfram Weimer, derzeit prominentester wertkonservativer Publizist, verbindet eine Analyse des Zeitgeistes mit einer Neu-Verortung von alten Werten. So entsteht ein Manufaktum des Geistes, ein positiver Leitfaden, bei dem gilt: Es gibt sie noch, die guten, alten Werte. In zehn Kapiteln werden die großen Bezugsräume des Konservativen im Stile von zehn Geboten ausformuliert. Das Geheimnis der neuen Bürgerlichkeit lautet dabei: Konservativ ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.

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I. GEBOT

PERSON WÜRDIGEN

Jeder Einzelne ist für
die Welt verantwortlich.
Hermann Alexander Graf Keyserling
Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Artikel 1 des Grundgesetzes ist zugleich Artikel 1 der konservativen Lebensmaximen. Der zweite Satz im Grundgesetz, „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, liest sich gar wie ein politisches Programm des modernen Konservativismus. Denn die Würde des Einzelnen zum Ausgangspunkt aller Überzeugungen zu setzen ist ein Widerspruch gegen alle Kollektivisten und Ideologen, aber auch gegen Utilitaristen und Materialisten.
Der Konservative denkt so: Das Individuum ist früher da als die Gesellschaft. Das Individuum ist zeitgleich der finale Bezugspunkt, um den es bei Gesellschaft immer gehen sollte – am Individuum entscheidet sich die Qualität einer Gesellschaft. Der Konservative folgt dem uralten Bild vom Menschen als eines Un-Teilbaren – eben eines In-Dividuums.
Er achtet den Wert des Einzelnen und der einzelnen Familie in besonderer Weise. Er denkt die Gesellschaft vom Einzelnen zum Ganzen, subsidiär, er steht der Masse, der Klasse oder Rasse und ihrem potenziell autoritären Charakter prinzipiell skeptisch gegenüber. Er sieht im vernünftigen Einzelnen – der „gesunde Menschenverstand“ ist eine Lieblingsvokabel aller Konservativen – gar eine Gewähr vor Extremen und Fanatismen. Ganz im Geiste Theodor Fontanes: „Ein leidlich gescheites Individuum kann eigentlich gar nicht fanatisch sein.“
Die meisten politischen Ideologen denken genau andersherum, sie betrachten das Individuum skeptisch, wähnen es egoistisch oder gefährlich und setzen auf Kollektivismus zu seiner Einhegung; sie vertrauen nicht dem gesunden Menschenverstand, sondern übergeordneten Ideen. Kommunismus, Sozialismus, Nationalismus, Nationalsozialismus oder Islamismus. Sie alle gehen von einer Gruppe, einer Klasse, Rasse, einer Umma – einem Kollektiv aus, das letztlich wichtiger sei als der Einzelne. Sie denken nicht in Kategorien von Würde des Einzelnen, sondern von Gerechtigkeit oder Erfolg oder Bestimmung einer Gesellschaft. Der Konservative hält sich also an Seneca: „Es kommt darauf an, sein Streben nach dem richtigsten Handlungsziel auszurichten, und nicht nach dem, was allgemein üblich ist. Die Masse ist der schlechteste Übersetzer der Wahrheit.“
„Würde“ kommt aus dem althochdeutschen „wirdi“ und dem mittelhochdeutschen „wirde“, es ist dem Begriff „Wert“ verwandt. Werte schätzt der Konservative ohnedies mehr als andere. Für Konservative ist die Würde daher ein Ur-Wert. Die Geschichte des konservativen Ur-Begriffs als ethisches Konzept beginnt mit dem römischen Philosophen Cicero. Er ist der antike Vor-Denker, der dem Menschen allein aufgrund seiner Vernunftbegabung eine besondere Stellung zuweist. Allerdings meint Cicero, man müsse sich seine Würde durch sittliche Lebensführung erst erwerben. Im Mittelalter kommt ein christlicher Aspekt hinzu: Was den Menschen aus der Schöpfung heraushebt, ist seine Existenz als Ebenbild Gottes. Mit der Fähigkeit zur Selbstbestimmung bringt später das Zeitalter der Aufklärung ein weiteres Kriterium ins Spiel: die Freiheit. Immanuel Kant geht noch einen Schritt weiter und definiert die Würde als das Merkmal eines jeden Menschen, das unvergänglich, unveräußerlich und un-bedingt sei. Er meint, dass sich der Mensch durch seine ihm eigene Moralität als würdig erweise. Die Würde liege jenseits des „Reiches der Zwecke“.
Der Konservative hat ein tiefes Empfinden dafür, dass die Würde des Einzelnen weder durch ein „Reich der Zwecke“ (Kant), durch die „Maschinenwelt“ (Nietzsche) noch durch irgendwelche „Gehäuse der Hörigkeit“ (Max Weber) zerstört werden dürfe. Er vertraut mit John Stuart Mill der individuellen Kraft: „Das große, schöpferische Individuum ist zu mehr Weisheit und Tugend fähig, als es der kollektive Mensch je sein kann.“
Es gab zwar Zeiten in den letzten 300 Jahren, da Konservative der Monarchie, dem Kaisertum, dem starken Ordnungsstaat oder der religiös formierten Gesellschaft nachhingen. Heute aber halten sie sich, skeptisch geworden, ans Individuum und eine liberale Anthropologie. Die Geschichte des modernen Konservativismus hat in der Anthropologie ihr „liberales Finale” erreicht. Anders ausgedrückt – das Leben selber ist dem Konservativen der Orientierungspunkt seiner Skepsis gegenüber den Ideologen und Modernisierern geworden. So wie Thomas Mann in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ schrieb, „Leben“ sei der „im höchsten, religiösen Sinn konservative Begriff“, so neigt der Konservative zum Einzelnen, zum Lebendigen und zum Konkreten. Er misstraut der Abstraktion, der Weltverbesserung, der Gleichmacherei mit Plänen und Utopien. Er steht dem Sein näher als der Möglichkeit, dem Leben näher als der Theorie, dem Einzelnen näher als der Gesellschaft.
Indem der Konservative den Einzelnen zum Ausgangspunkt seiner Gesellschaftsidee macht, bleibt er gegenüber allen großen überpersonalen Utopien von Gesellschaft skeptisch. Er folgt lieber der sokratischen Logik vom „kleinen Übel“. Eine solche Maxime gewinnt an Plausibilität angesichts der historischen Erfahrung, dass alle menschheitsgeschichtlichen Versuche, ein vermeintlich „höchstes Gut“ politisch verbindlich zu machen, grausam ausgegangen sind. Für die politische Sphäre trifft Winston Churchill diese Einsicht mit seinem Satz, die Demokratie sei „die schlechteste aller Regierungsformen, abgesehen von allen anderen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind“.
Die neue Bürgerlichkeit kommt also aufgeklärt, nüchtern und bescheiden daher in ihrem Blick auf politische Entwürfe. Sie hält sich an die Würde und verachtet Würfe. Der französische Philosoph Jean-Claude Michéa nennt die neu-bürgerliche Gesellschaft das „Reich des kleineren Übels“. Der Konservativismus von heute steht wie der klassische Liberalismus für die Idee einer „minimalen Gesellschaft bei einer maximalen Achtung der Würde des Einzelnen“. Ihn zeichnet ein Pessimismus der Intelligenz aus.

2. GEBOT

FAMILIE LIEBEN

Die Familie ist das
Vaterland des Herzens.
Giuseppe Mazzini
Für den Konservativen ist die Familie „das Erste, das der Mensch im Leben vorfindet, das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt, das Kostbarste, das er im Leben besitzt.“ Diese Sentenz von Adolph Kolping beschreibt den überragenden Wert, den konservative Menschen der Familie beimessen. Modernisierer und Linke des 20. Jahrhunderts haben die Familie kritisch hinterfragt, dekonstruiert, als Unterdrückungs- oder Entfremdungsstruktur oder als Leitbild der bürgerlichen Gesellschaft bekämpft. Doch sie hatten keinen nachhaltigen Erfolg damit. Für die Generation der Achtundsechziger ist die Rückkehr der Familie eine große Verblüffung. Sie hatten zeitlebens Familienkritik betrieben, auf Emanzipation und Distanz gesetzt. „Antiautorität“ war das Schlagwort seit den Sechzigerjahren, und eine ewige Pubertät wurde proklamiert. Familie sei ein Hort der latenten Repression, dagegen brauche die Jugend „Kritikfähigkeit“, „Selbstbestimmung“, „Ich-Stärke“.
Nun passiert freilich das glatte Gegenteil. Die neue Jugend des 21. Jahrhunderts wendet sich in der Familienfrage massiv konservativen Werten zu. Sie sucht vor allem Einvernehmen mit den Eltern. Wir-Stärke statt Ich-Stärke ist angesagt. In der Shell-Jugendstudie stellen die Forscher verblüfft fest: „Im Unterschied zur Generation der Eltern selbst, die meist eine kritische Einstellung zum Lebensstil ihrer Väter und Mütter pflegen oder pflegten, haben junge Leute ein überwiegend entspanntes und zugewandtes Verhältnis.“
Kaum eine andere soziale Institution hat in den letzten 20 Jahren einen solch hohen Zustimmungszuwachs erhalten wie die Familie. Für 80 bis 90 Prozent der jungen Menschen ist Familie wichtig bis sehr wichtig. Ebenso viele wollen selbst eine Familie gründen und auf Dauer mit einem Partner zusammenleben, und die meisten wollen Kinder.
Der Studie zufolge kommen 92 Prozent der deutschen Jugendlichen derzeit gut oder sogar bestens mit ihren Eltern aus. Die Werte sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Sagten im Jahr 2002 immerhin 32 Prozent der Jugendlichen, ihr Verhältnis zu den Eltern sei „bestens“ so sind es heute gar 40 Prozent.
Interessant ist auch, dass der Erziehungsstil der Eltern große Zustimmung erfährt. Auf die Frage „Würdest du dein Kind einmal genauso erziehen, wie deine Eltern dich erzogen haben?“ sagen heute 74 Prozent der Jugendlichen Ja. Das ist ein Rekordwert. Die Forscher resümieren: „Damit ist seit 2002 der Anteil der Jugendlichen, die die Erziehung der eigenen Eltern zum Vorbild nehmen, kontinuierlich angestiegen.“
Kurzum: Das Verhältnis von Eltern und Kindern ist so gut wie lange nicht mehr.
Damit sind nicht nur die Ideologen der kritischen Theorie widerlegt. Auch Kulturpessimisten und Zerfallspropheten dürften staunen. Denn trotz hoher Scheidungsraten, Patchwork-Familien und schwerer Belastungen durch die moderne Arbeitswelt ist die Familie stark wie nie.
Das vierte Gebot trägt gewissermaßen einen Sieg davon. Christen wussten schon immer, dass das Ehren der Eltern nicht einfach Gehorsam bedeutet. Vielmehr ist das Geb...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Widmung
  5. INHALT
  6. VORWORT
  7. 1. PERSON WÜRDIGEN
  8. 2. FAMILIE LIEBEN
  9. 3. HEIMAT LEBEN
  10. 4. NATION EHREN
  11. 5. KULTURKREIS KENNEN
  12. 6. TRADITION HEGEN
  13. 7. RECHT UND ORDNUNG RESPEKTIEREN
  14. 8. EIGENTUM UND WOHLFAHRT STÄRKEN
  15. 9. TUGEND PFLEGEN
  16. 10. GOTT ACHTEN