Der syrische Christ Rami lebt nach seiner Flucht mit seiner Familie in Jordanien. Eines Tages hat er dort eine beklemmende Begegnung mit einem anderen GeflĂŒchteten aus Syrien. Noch nie vorher hat Rami in so kalte, hasserfĂŒllte Augen gesehen. Er hat das GefĂŒhl, dass der andere ihn bis ins Innerste durchschaut. Der Mann soll Mitarbeiter der syrischen Geheimpolizei gewesen sein. Aber warum ist er dann aus Damaskus geflohen? Ist er zum IS ĂŒbergelaufen?Zu seiner groĂen Ăberraschung erhĂ€lt Rami kurz darauf einen Hilferuf ausgerechnet von diesem Muslim. Rami sei der einzige Freund, den er in Jordanien habe. Was hat das zu bedeuten? Rami entschlieĂt sich, trotz des Risikos sich mit dem Anrufer zu treffen. Dieser Tag wird zum Anfang eines Wunders âŠChristen in Syrien, im Irak, im Gazastreifen? in Aleppo, Homs, Mosul: Sie geben die Liebe von Jesus aktiv an Menschen weiter, die keine Hoffnung mehr haben. Gottes Kraft trĂ€gt und motiviert sie. Sie sind jederzeit vom Tod bedroht, machen aber dennoch viele Menschen glĂŒcklich. Diese Christen erleben, dass Jesus sie im Sturm bewahrt. Acht aktuelle, authentische Lebensberichte.

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Im Sturm der Verfolgung
Sie erleben Gottes Kraft - Christen im Nahen Osten
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Das syrische Exekutionskommando
Das syrische Exekutionskommando
Osama kannte die Exekutionsposition gut â der Todeskandidat kniet, den Kopf leicht vornĂŒbergebeugt, die HĂ€nde hinter dem RĂŒcken. Er hatte selbst immer wieder Geiseln und Gefangene auf die sandige Kuppe gefĂŒhrt, acht Kilometer östlich der von Rebellen gehaltenen Stadt Idlib in Nordsyrien. Aber diesmal rang er selbst unter einer schwarzen Kapuze nach Luft, die sie ihm trotz der unbarmherzigen WĂŒstensonne fest ĂŒber den Kopf gezogen hatten.
Kommandeur Mahmoud Ramadan, der hinter dem dreiköpfigen Exekutionskommando stand, verlas mit dröhnender Stimme die Liste der Verbrechen, die Osama al-Dschihadi gegen den Islam begangen habe. Jeden der Punkte kommentierte er mit gehĂ€ssigem Lachen. Hohn und Spott waren ĂŒblich bei der Hinrichtung eines âAbtrĂŒnnigenâ. Mahmoud sprach so laut, dass Osamas Cousins auf der anderen Seite der Stadt es noch hören konnten. So kam es Osama jedenfalls vor. Noch vor einem Jahr hĂ€tte er sich nicht im Traum vorstellen können, dass er eines Tages selbst als Hinrichtungskandidat im Sand knien wĂŒrde.
Der Monolog des Kommandeurs endete abrupt. Ein Schuss ertönte und Osama sank zu Boden. Dann ein Stakkato aus einem halben Dutzend weiterer SchĂŒsse, und einmal mehr trĂ€nkte Blut die sandige Kuppe.
Aber es war nicht Osamas Blut.
Drei Uhr in einer Nacht des Jahres 2015, im Keller eines gerĂ€umigen Wohnhauses in einem Vorort, nicht weit von dem BluthĂŒgel. Dort hatte ein junger Mann in den Zwanzigern, der vor einer Gruppe gleichaltriger MĂ€nner stand, die Hand gehoben. Alle Augen richteten sich auf ihn.
âWenn Baschar al-Assad tot ist, werden wir die Alawiten vernichten und alle Christen abschlachten!â Der junge Mann klang entschlossen und siegesgewiss.
Dschabhat al-Nusra1 (bisher die syrische Version von al-Kaida) hatte sich zu einem gefĂŒrchteten Gegner des Assad-Regimes entwickelt, das noch vor ein paar Monaten als unbesiegbar gegolten hatte. Doch noch agierte die Gruppe im Untergrund und plante ihre Aktionen sichere siebzig Kilometer von ihrem Hauptziel â einer der Ă€ltesten StĂ€dte der Welt â entfernt. Seit etwa 4000 Jahren stĂ€ndig bewohnt, hat Aleppo mehr Einwohner als die Hauptstadt Damaskus.
âAmerika wird uns helfen, diesen Teufel zu stĂŒrzen! Sie hassen Assad. Aber wir sind diejenigen, die eine Rechnung mit ihm und seinem Vater offen haben, fĂŒr das, was sie unseren Familien in Hama angetan haben. Ich werde nicht aufhören, fĂŒr die Befreiung Syriens von diesem UnglĂ€ubigen zu kĂ€mpfen. Ich werde sterben in diesem Kampf, denn dafĂŒr â das weiĂ ich genau â hat Allah mich erschaffen!â
Seine Zuhörer nickten. Er nickte mit. Alle in dem Raum hassten Assad. Der groĂe Tyrann der Levante hatte sie zu lange niedergehalten mit seinem riesigen MilitĂ€r- und Sicherheitsapparat und seinen widerlichen BĂŒndnissen mit Russland und dem Iran. Je mehr er seine Machtmuskeln spielen lieĂ, umso mehr hassten sie ihn.
Es lieĂ sich gut leben in Syrien â nun ja, wenn man zum Clan von Baschar al-Assad gehörte. Die Ehefrau des PrĂ€sidenten sah aus, als wĂ€re sie direkt von einer Modenschau in Paris in den Palast gekommen. Die Assads liebten das Luxusleben in Damaskus. Der PrĂ€sident erfreute sich eines gesunden Schlafs. Bis der BĂŒrgerkrieg losbrach.
âUnd jetzt wird der zu euch reden, der den Plan zum Sturz der Regierung gemacht hat.â Der junge Mann lĂ€chelte und wies mit einer groĂen Geste des rechten Armes zum Seiteneingang des Kellergeschosses hin. âDas ist eine Ăberraschung, nicht? Das hĂ€ttet ihr nicht gedacht, dass heute Abend unser geistlicher FĂŒhrer zu uns spricht, oder?â
FĂŒnfzig junge MĂ€nner sprangen auf die FĂŒĂe, als Osama al-Dschihadi durch die SeitentĂŒr hereinkam. Hochaufgerichtet stand er da, die krĂ€ftigen Schultern hin und her drehend. Eine halbe Minute musterte er schweigend die Versammlung, dann begann er zu sprechen.
âIhr seid also meine KĂ€mpfer?â Die Spur eines LĂ€chelns spielte um Osamas Gesicht. âEs gefĂ€llt mir, was ich heute sehe â nicht nur in diesem Raum, sondern in Syriens Zukunft. Wir werden uns das nehmen, was uns als sunnitischen Muslimen von Rechts wegen gehört. Wir sind fast fĂŒnfzig Mal so viele wie Assad und seine Alawitenschweine.
Könnt ihr mir sagen, warum wir uns so lange von diesem alawitischen GeschwĂŒr haben krank machen lassen? Wie konnte er es fertigbringen, dass wir in unserem eigenen Land als Fremde leben?â Osama funkelte die jungen MĂ€nner an.
âIch werdâs euch sagen: Weil wir uns von Feiglingen haben fĂŒhren lassen! Aber damit ist es jetzt vorbei. Viele von uns hier werden in diesem heiligen Krieg sterben. Aber, so wahr Allah lebt, auch Baschar al-Assad wird sterben! Wir werden dafĂŒr sorgen, dass er kriegt, was er verdient hat.â
Reglos wie ein Fels stand Osama al-Dschihadi da. Sein Blick wanderte von einem Gesicht im Raum zum nÀchsten, bis er fast jeden persönlich angeschaut hatte. Dann nickte er zu dem jungen Mann hin, der ihn der Versammlung vorgestellt hatte, und das Treffen war zu Ende.
Einer der MĂ€nner, die da langsam durch die TĂŒr in die Nacht hinausgingen, war Jamal al-Dschihadi. Einen kurzen Augenblick lang traf sich sein Blick mit dem seines Ă€lteren Cousins Osama. Er lĂ€chelte und nickte zu seinem FĂŒhrer, dem starken Mann der al-Nusra, hin. Der ahnte nicht, dass sein junger Cousin jedes Mal, wenn er ihn so angrinste, fĂŒr ihn betete.
âJamal, du musst fliehen! Meine Schwester im Libanon erwartet uns.â Jamals temperamentvolle Frau Safa schlug mit beiden HĂ€nden auf die Tischplatte, ihr Blick so flehend wie ihre Worte. âEs ist mir egal, dass Osama dein Cousin ist. Du spielst mit dem Feuer. Der schöpft bestimmt schon Verdacht! Osama hat dich in seine Gruppe geholt, um dich zu einem âFreiheitskĂ€mpferâ zu machen, aber was sind seine Leute denn? Eiskalte Terroristen! Wie kannst du es mit deinem Gewissen vereinbaren, in diese Versammlungen zu gehen? Du glaubst doch an Jesus!â
Jamal al-Dschihadi schloss nachdenklich die Augen. Die Angst seiner geliebten Frau und Mutter seiner drei kleinen Kinder war ihm nicht egal. Die zierliche, gerade einmal 1,50 Meter groĂe Safa war nicht nur voller Energie, sondern auch die mit Abstand beste Köchin in der ganzen Verwandtschaft. Mit ihrer libanesischen Kochkunst gab sie jedem Familientreffen genau die richtige WĂŒrze, im wörtlichen wie im ĂŒbertragenen Sinne.
Safas flammende Rede hatte in dem Augenblick begonnen, als der von der Kellerversammlung ĂŒbernĂ€chtigte Jamal in die KĂŒche gekommen war. Jamal hörte vor allem zu; nach zehn Minuten hatte er das GefĂŒhl, als ob seine Frau schon seit Stunden auf ihn einredete.
Er nahm sich einen Teller vom Tisch und kratzte den Rest Favabohnen auf ein StĂŒck Pitabrot. Er musterte die blassgrĂŒnen Bohnen, lĂ€chelte und hob eine Hand, wie ein braver Schuljunge, der sich im Unterricht in der Koranschule meldete. âIch möchte etwas sagen.â
Safa legte mit einer theatralischen Geste die rechte Hand auf ihren Mund.
âMeine liebe Safa, als Jesus in mein Leben kam, wusste ich, dass ich zuallererst sein Bote in unserer wunderbaren Familie sein sollte. Aber mein Herz brennt auch fĂŒr meine Verwandten bei den al-Dschihadis. Manche Menschen sind dazu berufen, anderen LĂ€ndern Jesus zu bringen, aber ich soll hierbleiben, das weiĂ ich. Das ist meine Berufung und sie beginnt hier in meinem eigenen Haus, aber ich bin bereit, auch allen anderen von Jesus zu erzĂ€hlen.â
âDas weiĂ ich doch, Jamal, und ich finde es toll, dass du so ein mutiger Mann bist. Aber du bist als Muslim groĂ geworden, wie ich auch, und viele in deiner Familie sind als Terroristen aktiv. Glaubst du im Ernst, die merken nicht, dass du anders geworden bist? Der Heilige Geist steht dir doch geradezu ins Gesicht geschrieben! Bitte lass jemand anderes sich um Osama kĂŒmmern; das ist nichts fĂŒr dich!
Wir können noch so unschuldig tun, die wissen, was mit dir los ist, ich sagâs dir, die wissen das! Und die Scharia ist so grausam, ich halte das nicht mehr aus! Können wir nicht in den Libanon gehen? Bitte!â
âLiebes âŠâ Jamal schĂŒttelte fast unmerklich den Kopf. âDu kannst mir glauben ⊠Die ahnen nichts. Noch nicht mal Osama. Seit wir fĂŒnf Jahre alt waren, ist er mein bester Freund. Ich liebe ihn wie einen Bruder. Ich weiĂ alles ĂŒber ihn. Und er ĂŒber mich â bis auf das Allerwichtigste, aber das kommt noch. Bald.
Osama als Christ â das wird ein zweiter Paulus werden. Es wird noch Gutes aus Syrien kommen. Wenn Osama sich zu unserem Herrn bekehrt, wird er die ganze Welt verĂ€ndern, das weiĂ ich in meinem Herzen.â
Jamal schob seinen Stuhl zurĂŒck und schlug die Beine ĂŒbereinander. âWas machen die Kinder?â
Safa funkelte ihn an. âHabibi, Schatz, du bist ein Meister darin, das Thema zu wechseln, wenn ich dich in die Ecke gedrĂ€ngt habe. Das brauchst du mir nicht noch extra zu zeigen!â
âNatĂŒr...
Table of contents
- Einleitung Zeit fĂŒr einen Richtungswechsel
- 1 Das syrische Exekutionskommando
- 2 Homs bleibt Homs
- 3 âIch bin mit einem Imam verheiratetâ
- 4 Die Frau am Jakobsbrunnen
- 5 âWer den Missionar erschieĂt, bekommt 10000 Dollarâ
- 6 Der IS-KĂ€mpfer aus Mosul
- 7 Das Geheimnis des Geheimpolizisten
- 8 Der Jerusalemer Friedensplan
- Nachwort: Und wir?
- Danke!
- Der Dienst von Open Doors
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