Hobbits, Elben, Zauberringe
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Hobbits, Elben, Zauberringe

Die Welt des J.R.R. Tolkien

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Hobbits, Elben, Zauberringe

Die Welt des J.R.R. Tolkien

About this book

In diesem Buch wollen wir die Werkgeschichte sowohl der BĂŒcher als auch der Filme Revue passieren lassen. Die Rezensionen und ErlĂ€uterungen der F.A.Z.-Autoren werden dabei ergĂ€nzt und untermalt von Interviews mit den Darstellern der Filme und des Regisseurs. Interessant ist da beispielsweise eine Aussage des Frodo-Darstellers Elijah Wood, der schon 2001 Peter Jackson bei den Dreharbeiten zum ersten Teil des Herrn der Ringe auf ein sogenanntes Prequel auf der Basis des "Hobbit"-Romans angesprochen hatte. Ihm wurde beschieden, dass dieses BĂ€ndchen doch ein wenig dĂŒnn fĂŒr einen ganzen Spielfilm sei. Unnötig zu erwĂ€hnen, dass Jackson dem "BĂ€ndchen" nun ganze drei Spielfilme mit ÜberlĂ€nge abgerungen hat. Der Linguist Tolkien schafft es mit einer bespiellosen Liebe zum Detail, seine Leser in die Geschichte einzuspinnen und zu fesseln. Liest man den "Herrn der Ringe" nach lĂ€ngerer Zeit wieder, lassen sich eine FĂŒlle vom Einzelheiten und szenischen Miniaturen entdecken, teilweise versteckt in Liedern und Gedichten, die sowohl die lang zurĂŒckliegende Vorgeschichte des Ringkriegs erklĂ€ren als auch unmissverstĂ€ndliche Hinweise auf den Ausgang geben. Die Sprachen, denen wir hier ein eigenes Kapitel gewidmet haben, sind der SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis eines komplexen Werkes. Die hier zum Teil wieder veröffentlichen Texte aus ĂŒber 40 Jahren geben zudem einen Einblick in die Rezeptionsgeschichte.

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Information

Tolkiens Welt im Film

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Tolkiens Zwerge mögen Höhlen und SchĂ€tze. Ihre wachsende Gier – ausgelöst durch Saurons Ringe – wird ihnen zum VerhĂ€ngnis. In ihren unterirdischen Reichen Erebor und Moria werden sie von ĂŒbermĂ€chtigen Feinden ĂŒberrannt, besiegt und beraubt. Ihre verlorene Heimat mĂŒssen sie mĂŒhsam zurĂŒck gewinnen. Foto: ©YUN / Photocase.com

WichtelwĂŒrde in Wehr und Waffen

Peter Jackson eröffnet nach »Der Herr der Ringe« seine zweite Tolkien-Filmtrilogie: »Der Hobbit: Eine unerwartete Reise« ist eine neue TĂŒr in einen Kosmos, den das Kino und das Publikum erst zu entdecken begonnen haben.

Von Dietmar Dath
Man muss Leute nicht von unten filmen, wenn man zeigen will, dass ihre KĂ€mpfe und Leiden GrĂ¶ĂŸe haben. Aber wenn man’s kann, darf man’s auch – selbst bei Zwergen.
»Der Hobbit: Eine unerwartete Reise« verlĂ€sst sich ganz auf J. R. Tolkiens Nase fĂŒr breitwandtaugliche Stoffe: Ein Drache hat die Zwerge aus ihrer Felsenfestung vertrieben. Seither sind sie in Mittelerde weit verstreut, verdingen sich als Handwerker oder irren unstet umher – bis die Vorzeichen sich mehren, wonach der Drache langsam mĂŒde wird und man ihn verjagen könnte. Ein Streitlustiger aus der Zwergenkönigslinie lĂ€sst sich vom Zauberer Gandalf ermutigen, mit einer Handvoll Getreuer in die Drachenburg einzudringen, um das besetzte Zuhause zurĂŒckzuerobern. Auch ein Hobbit wird fĂŒr die Mission gewonnen, weil seinesgleichen sich aufs Anschleichen, Einbrechen und Entwischen versteht.
Was das denn sei, ein Hobbit, will Peter Jackson, der mit seiner »Herr der Ringe«-Trilogie bereits die umfangreichste bebilderte Taxonomie erfundener Geschöpfe in der Geschichte des Kinos gestemmt hat, jetzt abermals drei abendfĂŒllende Werke lang ganz genau wissen.
Das letzte Mal hat er ein dreibĂ€ndiges Epos bearbeitet, diesmal ist es ein Kinderbuch. Interessanterweise kehrt seine Besetzungspolitik dieses QuellenverhĂ€ltnis um: Elijah Wood als Frodo war Kind in einer Welt der ĂŒbermĂ€chtigen Erwachsenen, Martin Freeman als Bilbo ist nun ein Erwachsener in einer von infantilen MonstrositĂ€ten und ihren Leidenschaften zerrissenen Landschaft. »Kleine Leute« sind alle beide, jener wie dieser.
Der neue Film lĂ€sst sich zunĂ€chst Zeit, am Rouletterad der ethnisch-medizinisch-mythischen Bedeutungsfelder zu drehen, die man rund ums Sinnbild »kleine Leute« arrangieren kann: Wichtel, Gnome, Pimpfe, Zwockel, midgets, SchlĂŒmpfe, Kobolde, PygmĂ€en, Liliputaner dĂŒrfen dem Publikum einfallen, bis es schließlich auf eine quasisoziologische Lesart festgelegt wird: Kleine Leute, Hobbits und Zwerge, sind hier einfach die gesellschaftlich zu kurz Gekommenen, die UnterdrĂŒckten, Ausgebeuteten, Ausgeschlossenen, Gejagten, die underdogs.
Klugerweise setzt Jackson, damit aus der Parteinahme fĂŒrs knuffig Antimonumentale ein Film wird, der sich sehen lassen kann, durchweg auf den grĂ¶ĂŸtmöglichen Kontrast zwischen der bescheidenen Erscheinung seiner sympathisch verbauten Helden einerseits und dem Äußersten, was sich an Wucht, Glanz und Dröhnen aus den Apparaten holen lĂ€sst, andererseits.
Allein seine verschwenderische Farbregie reicht hin, Kunsthistoriker in epileptische ZusammenbrĂŒche zu stoßen: Das Rubin-, Beryll-, Smaragd- und Goldrauschflirren der Drachenburg wird durch fieberheiße Kristallfilter angestaunt, dann flammen die Polarlichtblitze des Krieges auf, gefolgt von den Elmsfeuern des Heimwehs und einigen mal in knochenweiße NebeltĂŒnche, mal in bronzierten Patinadunst getauchten RĂŒckblenden. Die höchste schwarzromantische Verfeinerung schließlich perlt in den windbewegten Schleiern sprĂŒhender WasserfĂ€lle, wo sich der Schimmer einer fahlen kosmischen Leselampe bricht, mit deren Hilfe Mondrunen entziffert sein wollen.
Nicht weniger ausgefeilt als dieser selbstbewusste Palettengebrauch ist das Sound-Design, vom klirrenden und krachenden SchlachtenlĂ€rm bis zum Summen und Murmeln des Mormonenchors der Zwerge, wenn deren Kehlköpfe vom ganz Alten, lĂ€ngst VerschĂŒtteten kĂŒnden.
Einmal mehr wird derlei technischer Aufwand bei Jackson dazu eingesetzt, die dargestellte Archaik mit einer Medienwirklichkeit zu verschrĂ€nken, die dem Publikum außerhalb der Höhle namens Kino tĂ€gliche sinnliche Heimat ist: Blendwerk, Radau und Krach wissen im Hobbitfilm all das ĂŒber Fukushima, »Desert Storm« und Occupy-Theater, was die Zuschauerschaft auch weiß. Die Zerstörung der Zwergenheimat durch Drachenfeuer vom Himmel ist hier daher so unentrinnbarer Prolog, wie die AnschlĂ€ge vom 11. September 2001 auf die Twin Towers in New York die Vorgeschichte aller Kriegs- und Bedrohungsmythen der Gegenwartsöffentlichkeit sind. Der Hobbit unterschreibt einen Vertrag, der die Zwerge aus der Verantwortung fĂŒr VerstĂŒmmelungen und Verbrennungen entlĂ€sst, die er sich auf der Reise zuziehen könnte, als wĂ€re das Abenteuer eine Show im Dschungelcamp.
Jackson hat Tolkiens Vorlage allerdings nicht nur mit solchen Anachronismen, sondern auch mit allerlei Marginalem aus Tolkiens eigenen TextbestĂ€nden rund um die »Herr der Ringe«-Trilogie angereichert – und ist dabei gewitzter als die Kritik, die ihm jetzt vorwirft, seine Quellen zu verwĂ€ssern. Auf den Vorwurf, Gandalf habe eine Anekdote ausgeschmĂŒckt, die er erzĂ€hlt, lĂ€sst sein Regisseur ihn erkennbar pro domo antworten: »All good stories deserve embellishment.« So clever das klingt, es ist nicht wahr. Denn kein allgemeines Gesetz des ErzĂ€hlens wird befolgt, wo jemand die spezifische Ereignisdichte einer literarischen Fantasy-Vorlage im Kino absichtlich erhöht und deren Körnigkeit verĂ€ndert. Jackson pariert vielmehr einen sehr spezifischen genregeschichtlichen Zugzwang: High Fantasy, Sword-and-Sorcery-Epik, ja Phantastik ĂŒberhaupt, auch Horror und Science-Fiction sind heute nicht mehr nur von der EntrĂŒckung aus dem Alltag, sondern auch von der Tiefe und FĂŒlle dessen geprĂ€gt, wohin man da jeweils entrĂŒckt wird. Fernsehserien wie »Game of Thrones«, Filmreihen im Hypertextraum der Marvel-Comics sowie interaktive Spiele, in die man immer wieder zurĂŒckkehren kann, um sich dem potentiell unendlichen Wechselspiel von Variation und Wiederholung auszusetzen, bestimmen die MaßstĂ€be. Deren oberstes Gesetz heißt: Mehr ist mehr.
Sehr selten tut Jackson, von diesem Imperativ genötigt, des Guten tatsĂ€chlich zu viel: Ein zitternder SchnuppernĂ€schen-Igel im Todeskampf weckt das Verlangen nach der Insulinspritze, und Steinriesen, die sich mit ihren Köpfen ihre Köpfe einrennen, treiben den Gigantismus ins LĂ€cherliche. Auch patscht ein ziemlich stumpfer Körperhumor – es wird gerotzt und gerĂŒlpst, wie sich das weder Bud Spencer noch Louis de FunĂšs in ihren einfallslosesten Momenten getraut hĂ€tten – zu oft und zu gern im Matsch.
Der Quatsch findet sich allerdings ausbalanciert durch unĂŒbersehbare Hinweise darauf, dass Jackson den Menschen, die er unterhalten will, Intelligenz zutraut: Sosehr zum Beispiel physischer Horror zwischen Blutspritzern und Ungeheuern...

Table of contents

  1. Vorwort
  2. Hintergrund und Entstehungsgeschichte der Ring-Saga
  3. Philologie des Elbischen: Die Sprachen Mittelerdes
  4. Mittelerde im Buch
  5. Tolkiens Welt im Film
  6. Literatur
  7. Internet

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