In den Grundlagen des populĂ€ren Films analysiert der Kulturkritiker Georg SeeĂlen detailreich und hintergrĂŒndig die stilbildenden Elemente unterschiedlicher Filmgenres und verfolgt ihren Weg durch die Filmgeschichte. Ein enzyklopĂ€disches Werk von hohem Rang, das prĂ€zise und informativ Filmwissen vermittelt ohne je oberflĂ€chlich zu sein.In Western verfolgen wir den Weg des einsamen Helden, der sich Feinden in mancherlei Gestalt gegenĂŒber sieht, der Natur, den Fremden, den Frauen, den eigenen TrĂ€umen. Die Darstellung fĂŒhrt vom Helden der Stummfilmzeit Broncho Billy ĂŒber die Klassiker von Howard Hawks und John Ford zu Clint Eastwood und lĂ€sst auch die Spaghetti-Western nicht aus.

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Subtopic
Popular Culture in ArtGeschichte des Westernfilms
Der Western der Stummfilmzeit
AnfÀnge
Die Geschichte des Western beginnt mit der Geschichte des Films, der eine Geschichte erzĂ€hlt. Die Filme der Anfangszeit des neuen Mediums waren vorwiegend kurze, dokumentarische Streifen, denen die Sensation der neuen Abbildungsform von Wirklichkeit aufregend und unterhaltsam genug war. Einer von denen, die die Idee verfolgten, in diesem Medium dramatische Handlungen zu entwickeln, war Edwin S. Porter. Sein erster Handlungsfilm war The Life on an American Fireman (1902), immer noch mit dem Anspruch, einen Teil des wirklichen Lebens wiederzugeben. 1903 drehte er dann den Film, der ihn berĂŒhmt machte als Erfinder des Western, The Great Train Robbery.
Es kann nicht ĂŒberraschen, dass die Essenz dieses Films die Bewegung ist, wie sie fĂŒr den Western bestimmend werden sollte: Bewegung von und zu der Kamera, am Horizont, von links nach rechts. Und die Geschichte ist eine wirkliche Western-Geschichte: «Der Film beginnt mit einer Innenaufnahme eines TelegrafenbĂŒros. Banditen fesseln den Telegrafisten, und als ein Zug in den Bahnhof einfĂ€hrt, erklimmen sie ihn. Sie stoppen ihn vor der Stadt und zwingen die Reisenden, ihn zu verlassen. Der Postwagen wird ausgeraubt. Die Banditen verschwinden mit ihrer Beute. Die Tochter des Telegrafisten kommt und befreit ihn. Er alarmiert die Stadtbevölkerung, und ein Trupp wird zusammengestellt. Nach einer wilden Jagd werden die Banditen vom Trupp erreicht; ein shoot-out entspinnt sich. Georges Barnes, in der Rolle eines Desperado, ist in einer Nacheinstellung zu sehen und schieĂt seinen Revolver mehrere Male in Richtung auf das Publikum ab» (Jon Tuska).
The Great Train Robbery war nicht der erste amerikanische Film, der sich mit dem Leben im Westen beschĂ€ftigte. Zu nennen wĂ€ren etwa Cripple Creek Barroom (1898, Regie: W. K. L. Dickson) oder von Edwin Porter The Life of an American Cowboy (1902). Sogar der legendĂ€re Buffalo Bill Cody war fĂŒr einen kurzen Film vor die Kamera getreten. Aber The Great Train Robbery war nicht nur der erste kreative dramatische Film (William K. Everson), sondern auch derjenige, der die grundlegenden Handlungselemente des Genres entwickelte: Ăberfall, Befreiung von Gefangenen, wilde Verfolgungen zu Pferde, shoot-out. Dem Film folgten Variationen und Nachahmungen; mit The Little Train Robbery (1905) inszenierte Porter selbst eine Parodie (alle Rollen aus dem ursprĂŒnglichen Film wurden mit Kindern besetzt, ansonsten wurde er zum Teil Einstellung fĂŒr Einstellung nachgedreht); andere Filme waren etwa Great Mail Robbery (1906) oder Pay Train Robbery (1907).
Edwin S. Porter hatte selbst nie so recht begriffen, was er eigentlich mit seinem Film, mit seiner Technik und seiner Story, initiiert hatte. Seine folgenden Filme fielen praktisch hinter das in The Great Train Robbery erreichte MaĂ an filmischer Grammatik zurĂŒck, und es war anderen ĂŒberlassen, seine AnsĂ€tze weiterzufĂŒhren. Der Erfolg seines Film brachte ihm den Posten eines Produktionsleiters bei Edison ein, wo er weniger durch seine eigenen Filme als durch die Förderung so verschiedener Talente wie David Wark Griffith, der in Porters Rescued from an Eagleâs Nest (1907) seine erste Filmrolle spielte, und Max Aronson, dem spĂ€teren Broncho Billy, die Filmgeschichte und insbesondere die Geschichte des Western beeinflusste.
David Wark Griffith und der Western
Griffith, der ursprĂŒnglich Theaterschauspieler war und eine Karriere als BĂŒhnenautor angestrebt hatte, wurde bald mit dem Beruf des Schauspielers unzufrieden. 1908 drehte er seinen ersten Film als Regisseur fĂŒr Biograf Co., The Adventures of Dolly, und in den nĂ€chsten Jahren realisierte er an die 190 Filme. Sein erster Western ist The Redman and the Child (1908), und schon im Titel deutet sich an, welche gleichsam viktorianischen GefĂŒhlswerte Griffith in seinen Filmen anzusprechen versuchte. Auf der einen Seite stehen Jungfrauen und Kinder, im Zustand stĂ€ndiger Bedrohung und SchutzbedĂŒrftigkeit, auf der anderen Indianer und Banditen, von denen, latent oder manifest, neben der materiellen auch eine erotische Gefahr ausgeht. Die bedrohte (erotische, moralische) Unschuld steht in seinen Western, wie in vielen seiner anderen Filme, hĂ€ufig im Mittelpunkt der Handlung, kontrastiert von den edlen GefĂŒhlen, dem Patriotismus und auch der SentimentalitĂ€t seiner Helden.
Wie er spĂ€ter in Birth of a Nation (1915) ein etwas fragwĂŒrdiges Bild von der Einigung Amerikas nach dem BĂŒrgerkrieg durch den Zusammenschluss der ehemaligen Kriegsgegner im Ku-Klux-Klan gegen «vergewaltigende und mordende Neger» in die Welt setzte, so waren auch seine Western gelegentlich von ausgesprochen rassistischer FĂ€rbung: Der Indianer ist in seinen Filmen ein grausames, unzivilisiertes Wesen ohne Seele; in anderen taucht er als edler, entrĂŒckter Wilder auf, schutzbedĂŒrftig gegen die EinflĂŒsse böser WeiĂer, wie etwa Mary Pickford als Indianerprinzessin in Ramona (1910). Allerdings war Griffith alles andere als ein in erster Linie ideologischer Regisseur; er hat zum Beispiel in The Massacre (1912), einer filmischen Rekonstruktion von Custerâs Last Stand, auch die Gefahren der MilitĂ€rmacht gezeigt und den Aufstand der Indianer als verstĂ€ndliche Reaktion auf eine Abfolge von Verrat und nicht eingehaltenen Versprechungen geschildert.
Griffith drehte eine Reihe von Western-Melodramen, in denen hĂ€ufig die Situation einer belagerten BlockhĂŒtte den Höhepunkt einer erotischen Symbolhandlung bildete: Die Geschichte, die Zivilisation, der Friede, der aus der Verteidigung der Unschuld der Frau resultiert, ist die historische Aufgabe seiner Helden. Manche dieser Filme waren von ungewöhnlichem Aufwand in der Gestaltung und in den Produktionsbedingungen (von Griffiths Film-«Kunst» einmal ganz zu schweigen), und sie sind in diesem Sinne VorlĂ€ufer der groĂen Western-Epen aus den zwanziger Jahren, die im Schicksal Einzelner das Schicksal der Epoche oder einer historischen Bewegung zu spiegeln versuchen.
FĂŒr Griffiths Helden sind noch nicht die ungeschriebenen Gesetze und die Werte des Westerners spĂ€terer PrĂ€gung maĂgebend: Freundschaft, Ehre, Autonomie. Es sind oft Helden, nicht weil sie sich behaupten, sondern weil sie sich hingeben, wie etwa der Held in The Last Drop of Water (1911): Ein Siedlerzug ist von Indianern ĂŒberfallen worden. Ein Mann wird ausgeschickt, die Kavallerie zu alarmieren, die WĂŒste hĂ€lt ihn auf. Ein anderer, der Nebenbuhler um die Gunst eines MĂ€dchens, wird ihm nachgeschickt und findet ihn, dem Verdursten nahe. Nur kurz ist sein Zögern, dann ĂŒbergibt er seinem Rivalen den Wasservorrat und stirbt fĂŒr ihn. SpĂ€ter in einem Western wird man wissen: Es ist wichtig, dass einer durchkommt, fĂŒr die Gemeinschaft. Bei Griffith ist wichtig, wer und wie er durchkommt, weil nicht die Besiedlung die Moral, sondern umgekehrt die Moral die Besiedlung bestimmen soll.
Melodramatische Verwicklungen stehen oft am Beginn der Konflikte, das heiĂt, MissverstĂ€ndnisse, Fehlinterpretationen, der falsche Schein der Dinge, die bloĂ vermeintliche Bedrohung oder das betrogene GefĂŒhl lösen die Gewalt aus. So geschieht es in einem der aufwendigsten Westernfilme von Griffith, The Battle of Elderbush Gulch (1913).
«Zwei MĂ€dchen, die mit einer Postkutsche in den Westen reisen, um einen Onkel zu besuchen, schlieĂen Bekanntschaft mit einem jungen Paar, das das gleiche Reiseziel hat. In Elderbush Gulch werden die Reisenden herzlich willkommen geheiĂen. Die beiden MĂ€dchen treffen im Hause ihres Onkels ein und teilen ihm mit, dass sie zwei junge Hunde mitgebracht haben. Der Onkel will sie nicht im Hause behalten, deshalb werden die beiden Tiere aus der TĂŒr gelassen; die jungen Hunde laufen davon und flĂŒchten sich schlieĂlich in die Arme von zwei Indianern. Abends geht das Ă€ltere der beiden MĂ€dchen hinaus, um die Hunde hereinzuholen und sie zu sich ins Bett zu nehmen; sie findet sie nicht und beginnt zu suchen. Sie begegnet den beiden Indianern, will ihnen die beiden Hunde wegnehmen, aber die Indianer widersetzen sich; der Onkel kommt hinzu, glaubt an einen Ăberfall und schieĂt auf die Indianer, wobei er den Sohn des HĂ€uptlings tötet. Dies fordert den Hass der RothĂ€ute heraus, die Elderbush Gulch belagern. Das junge Paar, das die MĂ€dchen in der Postkutsche kennengelernt hatten, wird voneinander getrennt: Der Ehemann hat das Kind einem Nachbarn ĂŒbergeben und liegt zu Beginn des Angriffs verwundet im Wald. Die Frau hat sich in die HĂŒtte des Onkels geflĂŒchtet und fleht ihn an, den Mann und das Kind hereinzuholen. Der Siedler, der das kleine Kind bei sich hat, wird beim Versuch, die HĂŒtte zu erreichen, getötet, aber das Kind bleibt unverletzt neben ihm liegen. Das Ă€ltere der beiden MĂ€dchen sieht es und riskiert sein Leben, um ihm zu Hilfe zu kommen; es gelingt ihr das Kind zu retten. SchlieĂlich kommen Truppen zum Einsatz, alarmiert von einem Mexikaner, der den Indianern entflohen ist. Sie befreien die Siedler: Der verletzte junge Mann wird wieder mit Frau und Kind vereint, die gesund und munter sind» (Eileen Bowser).
Betrachtet man einmal die erotische Mythologie dieser HandlungsfĂŒhrung, so wird deutlich, dass noch bis in die BlĂŒtezeit des adult western Ă€hnliche Strukturen anzutreffen sind. Es gibt das unschuldige MĂ€dchen (hier in der spezifischen Verdoppelung), das durch den kleinen Ungehorsam aus einer Zuneigung heraus den Konflikt heraufbeschwört. (Die weiĂe Frau macht in der Vorstellung des puritanischen Kolonialisten den Indianer den Neger, den fremden Mann zur Bestie.) Es gibt den Gegensatz zwischen der Stadt und dem Land, wobei eher das Land (die BlockhĂŒtte als Symbol der Verbundenheit mit der Natur) als die Stadt zur sicheren ZufluchtsstĂ€tte wird. Es gibt die Familie, die durch das Opfer eines anderen Mannes erhalten wird (man denke an Shane) und durch die Tat einer Frau; die Regelung persönlicher Beziehungen inmitten des Kampfes zwischen WeiĂen als Individuen und den Indianern als Masse. Ansatzweise ist sogar auch die Bewegung nach dem Westen, die Suche nach der neuen Heimat vorgegeben.
Die Begegnung mit der Wildnis, mit dem Indianer, wird zum PrĂŒfstein der Beziehung zwischen Mann und Frau, die sich erst im Sieg ĂŒber jene patriarchalisch-zivilisiert konsolidieren kann. Seit Griffiths Western steckt in jedem epischen Film des Genres ein Melodram verborgen. Griffith hat, neben bedeutenden technischen und erzĂ€hlerischen Innovationen, auch dies dem Western hinzugefĂŒgt: dass hĂ€ufig finstere, verstörte paternalistische TrĂ€ume den Weg der Protagonisten vorschreiben.
Der erste Cowboystar: Broncho Billy
Gilbert M. Anderson (eigentlich: Max Aronson) hatte eine kleine Rolle in Porters The Great Train Robbery gespielt (eigentlich war er sogar fĂŒr eine Hauptrolle als einer der Banditen vorgesehen, aber als sich herausstellte, dass er kaum reiten konnte, ĂŒbertrug man ihm nur noch einen bit part). Bei Vitagraph wurde er Schauspieler und Regisseur, und er drehte fĂŒr diese Firma im Jahr 1907 eine Reihe von one reel western wie Bandit King, The Girl from Montana und Western Justice, denen das Verdienst zukommt, die ersten wirklich im «Westen» gedrehten Filme des Genres zu sein. Als MitbegrĂŒnder der Firma Essanay versuchte sich Anderson an einem Konzept, eine mehr oder weniger feststehende Heldenfigur in den Western einzufĂŒhren, um so das Publikum an eine Serie von Filmen zu binden, Ă€hnlich wie dies bei den erfolgreichen Slapstick-Komikern der Fall war. (Auch die in dime novels publizierten Western-ErzĂ€hlungen wiesen zum Teil ja wiederkehrende Heldenfiguren auf.) Erst als seine Suche nach einem geeigneten Darsteller fĂŒr solche Filme keinen Erfolg gezeigt hatte, entschloss sich Anderson dazu, den Part selbst zu ĂŒbernehmen.
Der erste eigentliche Broncho Billy-Film war Broncho Billy and the Baby (1908), der nach der ErzĂ€hlung «Three Godfathers» von Peter B. Kyne entstand. (Diese Geschichte wurde spĂ€ter noch mehrmals verfilmt, unter anderem zweimal von John Ford und einmal von William Wyler.) Die Geschichte von Banditen, die in der WĂŒste ein todgeweihtes neugeborenes Kind annehmen, um es unter groĂen Opfern in die Sicherheit der Zivilisation zu bringen, veranschaulicht den Charakter, den Broncho Billy auch in vielen seiner spĂ€teren Western darstellen sollte: den good bad man, den Banditen oder Outlaw, der in einer extremen Situation groĂe Menschlichkeit zeigt und fĂŒr eine aufopfernde Tat wieder in den Kreis der Gesellschaft aufgenommen wird. Zwischen 1908 und 1915 drehte Anderson, als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller, mindestens 376 Broncho Billy-Western (einige Quellen sprechen sogar von ungefĂ€hr 500).
Dieser Broncho Billy war die erste Identifikationsfigur des Genres, sein erster Star. Dass dies gerade einem Darsteller gelingen konnte, der nicht mehr der jĂŒngste, kein athletischer und auch kein gutaussehender Mann war, verwundert nur, wenn man ihn mehr mit seinen Nachfolgern wie Tom Mix vergleicht als mit dem MĂ€nnlichkeitsideal des amerikanischen Viktorianismus, das auch in Griffiths Filmen dominiert (und gegen das sich erst in Rudolph Valentino ein Gegenbild behauptete). Broncho Billy ist paradoxerweise ein Action-Star, der eigentlich nur vor dem Hintergrund des Melodrams seine IdentitĂ€t findet, wie ein Westerner, der in seinen Bewegungen all die seelischen VerkrĂŒppelungen puritanischer Moral vor sich her trĂ€gt, die durch die ZufĂ€lle und Intrigen der Handlung zu einer gewissen Lösung gebracht und zugleich bestĂ€tigt werden. Schon die Titel seiner Filme weisen darauf hin, dass er viel weniger den Kampf mit Banditen und Indianern als die Verwirrungen der GefĂŒhle zu fĂŒrchten hat, die sich durch seine familiĂ€ren und emotionalen Beziehungen ergeben. Broncho Billy and the Sisters, Broncho Billyâs Brother, Broncho Billyâs Mexican Wife, Broncho Billyâs Word of Honor â so heiĂen die Filme, in denen der Held oft verschlungene Wege gehen muss, bevor er durch den Einfluss einer Frau, gelegentlich auch durch das Aufschlagen der richtigen Bibelstelle, seine Entscheidung trifft.
Es gibt, zumindest anfÀnglich, noch keine KontinuitÀt in den Broncho Billy- Filmen; der Held ist das erste Mal ein Sheriff, das andere Mal ein Farmer und wieder ein anderes Mal ein bekehrter Bandit. Das Ende des einen Films sah ihn heiraten und sich zur Ruhe setzen, am Beginn des nÀchsten war er wieder als einsamer Westerner unterwegs; einige Filme verzeichnen sogar den Tod des Helden, ohne dass dies das Publikum davon abgehalten hÀtte, sein nÀchstes Abenteuer zu erwarten. (Zur Zeit des Höhepunktes seines Ruhmes kam jede Woche mindestens ein neuer Broncho Billy-Western auf den Markt.)
Mit dem authentischen Westen hatten Anderson-Filme nur sehr wenig zu tun; das Land seiner Abenteuer ist als dime novel-west bezeichnet worden. Es ist ein Westen der Rekonstruktion ohne den «historischen» Mythos der Landnahme. Die Broncho Billy-Western erinnern in ihrer Mischung aus Abenteuer und Romantik an die Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts, gleichsam versetzt mit einer puritanischen Moral, die noch nicht verinnerlicht oder gar reflektiert war, sondern ganz naiv und direkt zum Ausdruck kam. Als Beispiel hierfĂŒr soll, nach einer zeitgenössischen Quelle referiert, die Inhaltsangabe eines typischen Broncho Billy-Western dienen (A Mexicanâs Gratitude; 1914, Regie: Gilbert M. Anderson).
Ein Mexikaner wird von einem Sheriff davor bewahrt, als Pferdedieb gelyncht zu werden. Er zieht eine Spielkarte aus der Tasche, schreibt das Wort gratitude (Dankbarkeit) darauf, zerreiĂt die Karte in zwei HĂ€lften und ĂŒberreicht die eine seinem Retter. Jahre spĂ€ter: Der Sheriff hat sich in ein Western-MĂ€dchen (also das Gegenteil eines BĂŒrgermĂ€dchens aus dem Osten) verliebt. Dem aber wird von einem Cowboy der Hof gemacht, der in der Wahl seiner Mittel nicht eben zimperlich ist. Er arrangiert ein Zusammentreffen des Sheriffs mit einem anderen MĂ€dchen, um seiner Angebeteten dessen Treulosigkeit zu beweisen. Das MĂ€dchen glaubt dem Cowboy und geht mit ihm fort. Etwas spĂ€ter verprĂŒgelt aber der Sheriff den Cowboy und zwingt ihn, seinen Verrat zu bekennen; die Sache scheint geregelt. Doch der rachedurstige Cowboy ve...
Table of contents
- Inhalt
- Stichworte zum historischen Mythos des Westerns
- Geschichte des Westernfilms
- Bibliografie
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