1. Albert H. Putney, AnklÀger
Knapp fĂŒnf Monate nach der KriegserklĂ€rung der USA (7. Dezember 1917) an Ăsterreich-Ungarn, am 9. Mai 1918, lag US-AuĂenminister Robert Lansing ein umfangreiches Dossier seines Mitarbeiters Albert H. Putney, des Leiters der kleinen Nahost-Abteilung, damals auch fĂŒr Osteuropa zustĂ€ndig, vor: âSlavs in Austria-Hungaryâ. Das State Department sah zur Zeit Putneys ganz anders aus als heute, verfĂŒgte nur ĂŒber einen âwinzigen Apparatâ. Zwar verloren sich nicht mehr nur 22 Personen wie im Jahr 1850 im Amt, doch auch 50 Jahre spĂ€ter verdienten nicht mehr als 91 Mitarbeiter dort ihr Brot. Die Chefs in der Zentrale befehligten Mitte des 19. Jahrhunderts gerade 218 Personen drauĂen in den Gesandtschaften und Konsulaten (erst 1892 raffte man sich zu den ersten Botschaftern auf), 1900 auch erst 1137 Leute8. Immerhin betrug der Faktor fĂŒr den AuĂendienst damit fĂŒnf, gegenĂŒber der Zentrale mit bloĂ einer Vervierfachung der personellen KrĂ€fte.
Bis Mai 1918 galt Punkt zehn Wilsons9, der den Völkern der Monarchie Autonomie zugestanden hĂ€tte. Im April in Rom hatten sich freilich Vertreter der von Wien âunterdrĂŒcktenâ Völker zu einer Konferenz versammelt, an der auch der amerikanische Reporter Nelson Gay als Beobachter teilnahm. Offiziellen Auftrag der USA hatte er nicht, was die Slawen heftig bedauerten, aber allein die Anwesenheit half die Stimmung zu heben, so ein Bericht der amerikanischen MilitĂ€rmission in Rom10. US-Botschafter Page schrieb am 9. April an Lansing11, Gay, der einzige Amerikaner, hĂ€tte ihm versichert, er hĂ€tte kein Mandat und keine Anweisungen aus Washington. Im Ăbrigen bemerkenswert: âMany of the delegations self-apppointedâ; mit den vielen Arten von Slawen kĂ€mpfte auch Page, denn in seiner AufzĂ€hlung der Teilnehmer reihten sich âCzechs, Slavs, ⊠Poles, Jugo-Slavs âŠâ aneinander.
Auf 236 Blatt Papier verbreitete sich nun der Diplomat Putney auf recht undiplomatische Art ĂŒber die kolportierten Missetaten der Regierung in Wien gegenĂŒber den slawischen Untertanen der Habsburger. Dieses Memorandum formte die Basis, mit der Lansing seinen PrĂ€sidenten unter Zugzwang setzen konnte und dessen Meinung ĂŒber die Monarchie und deren Erhalt schlieĂlich umdrehte. Hier fasste Putney nochmals alle Argumente, die ihm seitens der Slawen (in Amerika und anderswo) zugetragen worden waren, zusammen. Dieses â man kann es nicht anders bezeichnen â Machwerk bildete das Fundament fĂŒr die Frage Lansings an Wilson (samt Empfehlung) vom 29. Mai: âIn brief, should we or should we not favor the disintegration of the Austro-Hungarian Empire into its component parts and union of these parts, or certain of them, based upon self-determination?â12 Dabei hatte Putney gar nicht mehr so sehr die nationale Befindlichkeit der Slawen im Visier denn den Willen nach Wegen zu suchen, um den Krieg â gegen Deutschland insbesondere â zu gewinnen, Befreiung der Slawen als âwar measureâ, ein simples Werkzeug also13.
Putneys Text, der in der Historiographie wenig gewĂŒrdigt wurde, stach einerseits hervor, nicht nur, weil er vom AuĂenamt kam, sondern auch weil er den Eindruck einer Zusammenfassung erweckte, andererseits fĂŒgte sich schon der formale Aufbau in die Reihe der Ausarbeitungen in der geheimen âInquiryâ ein. Mitte 1917 hatte Wilson seinen Vertrauten Colonel House gebeten eine Gruppe einzurichten, die Information sammeln sollte, um fĂŒr die spĂ€teren Verhandlungen gewappnet zu sein. Offen muss die Frage bleiben, inwieweit Putney ĂŒber die Dossiers der âInquiryâ informiert war. Insgesamt verfĂŒgte die Mannschaft Lansings nicht ĂŒber die Ressourcen, was mit ein Grund fĂŒr die Einrichtung der âInquiryâ war. Die Vermutung klingt plausibel, Putney hĂ€tte allein im Auftrag Lansings gehandelt, weniger aus Missgunst gegenĂŒber der âInquiryâ von House, sondern weil der AuĂenminister den zögerlichen Wilson endlich auf seine antiösterreichische Seite drĂ€ngen wollte.
Ăber das VerhĂ€ltnis zwischen Wilson, Lansing und House wurde viel gemutmaĂt. Wie funktionierte die quasi amtliche Zusammenarbeit zwischen Lansings State Department und Houseâs âInquiryâ? Civitello14 kam zum Schluss, Lansing hĂ€tte sich dem Wunsch Wilsons gefĂŒgt und wĂ€re in der Folge den Anforderungen, die von der âInquiryâ an sein Amt gestellt wurden, nachgekommen. Ăber die interne Besprechung im Juli 1918 zwischen den Mitarbeitern Carr, Phillips und Woolsey einerseits und ihrem Chef Lansing andererseits liegen einander widersprechende Notizen vor: Lansing lehnte eine noch engere Zusammenarbeit mit der âInquiryâ ab, obwohl eine solche von Phillips sogar ausdrĂŒcklich gewĂŒnscht wurde (âto benefit from its wonderful maps15â). Doch Carr schrieb in sein Tagebuch16, er und seine Kollegen im AuĂenamt hĂ€tten das GefĂŒhl gehabt, dieses âshould have the House organizationâ. Formal war dies ohnehin der Fall, weil die Experten der âInquiryâ ĂŒber das AuĂenamt selektiert, (geheimdienstlich) ĂŒberprĂŒft, angeheuert und auch abgerechnet wurden. Civitello stĂŒtzte sich hier auf âdenâ âInquiryâ-Autor Gelfand17 mit der Feststellung, zuletzt wĂ€re ein Drittel der Berichte der âInquiryâ von Leuten des AuĂenamts erstellt worden. Andererseits zitierte Civitello den âInquiryâ-Autor Clive Day, wonach das AuĂenamt nach anfĂ€nglichem Misstrauen Rat und Daten zur VerfĂŒgung gestellt hĂ€tte und âwas accepted as part of the organizationâ18. Lansing versuchte aber schon frĂŒher, die âInquiryâ auf eher exotische Gegenden und Themen wie Indien oder Lateinamerika umzulenken, entweder, weil er sich davon weitere Information erhoffte (die er mit eigenen Ressourcen nicht beschaffen hĂ€tte können) oder weil er doch ablenken und eine Einmischung in ihm wichtig erschienene Fragen auszuschlieĂen versuchte. Was bei all dem nur ĂŒberraschen musste, war das Fehlen des Namens Putney. Er kam in der umfassenden Arbeit von Civitello ĂŒberhaupt nicht vor.
Texte ĂŒber und von Putney
Ăber Albert H. Putney finden sich herzlich wenige Informationen. Die Zeitung âThe Broad Axâ in Chicago wĂŒrdigte ihn in ihrer Ausgabe vom 30. Juni 191719: Putney, einige Jahre Dekan des Illinois College of Law, wĂ€re seit drei Jahren Leiter der Nahost-Abteilung im AuĂenministerium und machte darin eine gute Figur. Die kleine Notiz erinnerte auch an seine Abhandlung ĂŒber die Philippinen, die er aus Anlass seines Aufenthaltes dort im Jahr 1901 verfertigt hatte. âThe Evening Starâ vom 7. JĂ€nner 191820 berichtete auf der âSocietyâ-Seite ĂŒber einen Empfang, den das State Department fĂŒr Dr. Vesnitch (!) und die gesamte Serbische Mission in Mount Vernon gab. Daran nahm auch das Ehepaar Putney teil, erwĂ€hnt an letzter Stelle (nicht alphabetisch gereiht).
Offizielle Hinweise zur Arbeit Putneys versteckten sich in Korrespondenzen Dritter oder in der Beschaffung von Dokumenten fĂŒr die eigentlichen LeistungstrĂ€ger der âInquiryâ. So ĂŒbermittelte der Beamte im AuĂenamt an Kerner in der âInquiryâ (ĂŒber dessen Ersuchen) am 10. September 1918 (âInquiryâ Document 332) eine Kopie mit dem langen Titel âA Note submitted to the Checkâs National Soviet and the Slavenian League for the Liberation of Carpatho-Russia and the Board of the Carpatho-Russian National Soviet of Americaâ21. Blieb zu hoffen, dass die âChecksâ und die âSlavenianâ zumindest im Original richtig geschrieben worden waren.
Ein geringfĂŒgiger Hinweis auf Putney fand sich in einem Schreiben des Senators James Hamilton Lewis vom 6. Juni 1918 an AuĂenminister Lansing22. Der demokratische Senator aus Illinois, zweimal erfolgloser Kandidat fĂŒr das Amt des VizeprĂ€sidenten, ersuchte Lansing um die Hilfe von dessen Mitarbeiter Putney. Er wollte lediglich Kopien der Elaborate Putneys, somit keine extra Arbeiten. Lewis dachte sich das als spĂ€te Belohnung dafĂŒr, dass er seinerseits Putney beim Zusammentragen von Informationen geholfen hatte. Die (Jugo-)Slawen stellten in Illinois und Umgebung eine starke WĂ€hlergruppe, deshalb engagierte er sich bei diesem Thema. Nun arbeitete Lewis an einem Buch (das aber offenbar nie zustande kam, zumindest fehlt ein Eintrag in der Kongressbibliothek), an dem er nichts verdienen, das er aber als politische Werbung unter den slawischen WĂ€hlern verwenden wollte. NaturgemÀà wĂŒrde er politisch nicht von Lansings Meinungen abweichen, so die Versicherung Lewisâ.
Die Fachliteratur nahm nur selten Notiz von Putney. Eine der wenigen Ausnahmen bildete Biskupski, der selbst auf eine andere â Mamatey â verwies. FĂŒr den polnischen Historiker23 war es natĂŒrlich schmerzlich, dass âLansingâs special adviser on Slavic and Eastern European questions24â nicht nur Ostgalizien, sondern auch den westlichen Teil der österreichischen Provinz den Ruthenen (sprich Ukrainern) zusprechen wollte. Daraufhin bezeichnete Biskupski âPutneyâs interpretations of Polish history ⊠bizarreâ25. Immerhin billigte Putney den Polen einen Zugang zum Meer zu, wenngleich die BegrĂŒndung nicht ĂŒberzeugen konnte: â⊠a race numbering as many millions as the Poles are clearly entitled to some outlet to the seaâ26. Ein Aufschrei Biskupskis galt einem Memo Lansings an Wilson vom 21. September 1918, in dem der AuĂenminister unter 29 Punkten zwei davon Polen widmete27: Nach Punkt vier sollten die drei Teile, die seit rund 140 Jahren bei Ăsterreich, PreuĂen und Russland waren, wieder zusammenfinden; Punkt sechs reduzierte dieses Gebiet um jene Gegenden, die hauptsĂ€chlich von Ruthenen bevölkert wurden. Der Historiker fĂŒhrte diese Textierung Lansings auf den Einfluss seines Mitarbeiters Putney zurĂŒck. Der slowakische Historiker Mamatey28, der Putney auf internationale Finanzfragen reduzierte, ordnete dessen serbische Kontakte anders ein â nicht Vesnic (Vesnitch), sondern Mihajlovic (frĂŒherer GeschĂ€ftstrĂ€ger in Rom, jetzt Vertreter seines Landes in Washington) und rĂŒckte die ruthenische Angelegenheit etwas zurecht: Putney wollte den Ukrainern zwar die von ihnen bewohnten Gebiete in Galizien ĂŒberlassen, lehnte aber eine unabhĂ€ngige Ukraine als österreichische Erfindung ab und sah das Land weiter mit Russland verbunden, fĂŒr den Polen Biskupski möglicherweise eine noch Ă€rgere Bedrohung.
Devasias RumĂ€nien-Studie29 spĂŒrte Putney im Mai/Juni 1917 und im Juli 1918 auf. Mit Datum 26. Mai 191730 unterbreitete Putney seinem Chef das Memorandum âNationalistic Aspirations in the Near Eastâ, worin er sich mit rumĂ€nischen GebietswĂŒnschen befasste. Am 5. Juni lieĂ Putney dem Memo eine ErgĂ€nzung folgen, aus der das Dilemma deutlich hervorging, in dem man sich befand, denn einerseits gehörten Bessarabien und Transsylvanien ethnisch zu einem gröĂeren RumĂ€nien, andererseits sprĂ€chen politische und wirtschaftliche GrĂŒnde dagegen. Das Supplement besprach in sechs weiteren Abschnitten31 Fragen von Jugo-Slawien bis Persien (Putney war fĂŒr den âNahen Ostenâ zustĂ€ndig). Das Papier identifizierte im sĂŒdslawischen Streit mit Habsburg den wahren Kern des Weltkrieges, weshalb man diesem Zwist die gröĂte Aufmerksamkeit schenken mĂŒsste, um kĂŒnftig Frieden zu haben. Interessanterweise belieĂ Putney hier die Slowenen bei Ăsterreich, zu dem deren Bindungen zu langanhaltend und zu stark wĂ€ren, als dass sie dem neuen Jugo-Slawien zugeschlagen werden sollten, von dem sie sich auch sprachlich unterschieden. WĂ€hrend Triest und Istrien Italien gehörten, sollte (das an sich ungarische) Fiume zu Ăsterreich kommen, um dem Land seinen Meerzugang zu erhalten (!). Mamatey erwĂ€hnte Putneys groĂes Memo vom 9. Mai 1918 eher kursorisch32, lieĂ hinter der offiziellen ErklĂ€rung Lansings vom 29. Mai 1918 eher den Beamten Phillips als Minister Lansing stehen und auch zur Vorbereitung der nĂ€chsten (28. Juni) nicht nur den regional zustĂ€ndigen Putney zu sich rufen, sondern auch Phillips, der in diese heikle (tschechische) Angelegenheit viel intensiver eingeschaltet zu werden schien. Hierzu lieferte nun Putney ein weiteres Memo ab, das in den drei Behauptungen gipfelte, als Wahlmonarchie wĂ€re Böhmen ein unabhĂ€ngiger Staat, die gegenwĂ€rtige Regierung dort verfassungswidrig (!) und mangels einer rechtmĂ€Ăigen der Nationalrat in Paris fĂŒr eine solche geeignet33. Ende August ĂŒberrumpelte ihn Masaryk, indem er nochmals seine Argumente fĂŒr eine unabhĂ€ngige Tschechoslowakei zusammenfasste und sich dabei auf das böhmische Staatsrecht berief, und zwar auch bezĂŒglich der Slowakei, was Putney als unrichtig hĂ€tte auffallen mĂŒssen, monierte Mamatey nicht zu Unrecht, auch wenn er ihn in einer FuĂnote etwas entlastete, Masaryk hĂ€tte den Anspruch auf die Slowakei âpresumablyâ mit dem mĂ€hrischen GroĂreich im 9. Jahrhundert begrĂŒndet34. Auch die in der letzten ErwĂ€hnung seines Namens in Mamateys Schrift gefundene Rolle von Putney (hier wieder gemeinsam mit Phillips) als âfather-confessorsâ fĂŒr die ârepresentatives of the Austrian nationalities in Washingtonâ35 sollte einerseits nicht ĂŒberbewertet werden, warf jedoch andererseits einen starken Schatten auf die fĂŒr seine Funktion eigentlich nötig gewesene Ăberparteilichkeit. Drei Tage nach dem erwĂ€hnten Supplement beauftragte Lansing Putney mit weiteren Studien zu gerechten Grenzen âalong nationalistic linesâ, was wie Punkt neun Wilsons (zu Italien) klang. Das gerade erstellte und ergĂ€nzte Papier legte Lansing â so Devasia â Wilson nicht vor, der gerade daran arbeitete, Ăsterreich von Deutschland weg und zu einem Sonderfrieden zu bewegen, gegen GewĂ€hr, sein Territorium möglichst ungeschmĂ€lert behalten zu dĂŒrfen. Ein solcher Zeitpunkt wĂ€re daher fĂŒr ein Programm, das der Monarchie Gebiete wegnahm, ungeeignet.
FĂŒr Adams36 umfasste das Memo Putneys vom Mai 1917 auch die Möglichkeit, nationale Unruhen in Ăsterreich fĂŒr eigene Zwecke auszunĂŒtzen und die Empfehlung, aus der Erbmasse der Monarchie unabhĂ€ngige Staaten zu schaffen (âYugoslav, Polish and Bohemian statesâ). Glidden37 erwĂ€hnte ein weiteres Memo aus der Werkstatt Putneys, erstellt im Dezember 1917, offensichtlich aus Anlass der KriegserklĂ€rung Washingtons an Wien. Ausgehend von der Frage des Status der Einwanderer aus der Doppelmonarchie fand Putney zu aufschlussreichen Kategorisierungen: Ungarn und âtrue Austrians (i. e., Germans)â stufte er als âenemy aliens in every sense of the termâ ein; Juden teilten ihre Sympathien; uneingeschrĂ€nkt hassten die Tschechen und RumĂ€nen Ăsterreich, bei den Jugoslawen wĂ€re das Ă€hnlich bis auf ein paar Kroaten, die freilich von Berlin und Wien bezahlt wĂŒrden; zehn Prozent der Polen klassifizierte das Memorandum als deutschfreundlich, und die Ukrainer wĂ€ren âdifficult to analyzeâ. Von Bell38 war zu Putney Biographisches zu erfahren (aus Boston, Dekan der University of Illinois, Rechtsanwalt in Boston und Chicago). Die Auslandserfahrung Putneys beschrĂ€nkte sich auf ein Jahr im Dienst der US-Verwaltung der Philippinen. Die Aufmerksamkeit von Borgeson39 galt den guten Kontakten des Nationalrates der Tschechen in den USA zu Politikern und Beamten der Administration, zu denen eben auch Putney zĂ€hlte.
Literarisch engagierte sich Putney bei (völker-)rechtlichen und politischen Fragen. Aus 1915 stammten Kommentare zu Gerichtsentscheidungen im Seerecht, aus 1916 eine Stellungnahme zur damals in den USA brennenden Frage der NeutralitĂ€t, noch 1926 weigerte er sich, an eine Schuld Serbiens zu glauben, und 1927 beschĂ€ftigte sich Putney mit der Auflösung ungleicher VertrĂ€ge40. Gegenstand der Arbeit aus 191541 war das Prisenrecht, also was mit aufgebrachten Schiffen rechtlich zu geschehen hatte. Heikler war dann die Darstellung zur NeutralitĂ€t42, wo Putney zunĂ€chst angeblich verschiedene Formen unterschied, er selbst jedoch an deren Absolutheit festhielt, somit Varianten wie âqualifizierteâ, âgutwilligeâ oder âbewaffneteâ NeutralitĂ€t ablehnte. Putney schloss sich der in Amerika herrschenden Meinung an, der Neutrale hĂ€tte sich weiter so zu verhalten, wie er es bei Ausbruch eines Konfliktes gehandhabt hĂ€tte. Zusammenfassend verlangte der Autor drei GrundsĂ€tze im Verhalten des Neutralen gegenĂŒber den kriegfĂŒhrenden MĂ€chten: Wo immer das Völkerrecht bereits eine Regel aufgestellt hĂ€tte, wĂ€re sie zu befolgen, unabhĂ€ngig davon, wie sich dies auf die KampfhĂ€hne auswirkte. Zweitens maĂ man den Neutralen daran, wie er sich selbst bisher in vergleichbar gelagerten (PrĂ€zedenz-)FĂ€llen verhalten hĂ€tte. Es ging Putney somit um Berechenbarkeit. Drittens aber wĂ€re der neutrale Staat nur dort zu handeln frei, wo weder aner...