Wer das Gras wachsen hört
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Wer das Gras wachsen hört

Wissensgeschichte(n) der pflanzlichen Ressourcen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert

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Wer das Gras wachsen hört

Wissensgeschichte(n) der pflanzlichen Ressourcen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert

About this book

In der FrĂŒhen Neuzeit entwickelte sich ein technisch-ökonomischer Blick auf die Natur. Seit dem spĂ€ten 17. Jahrhundert begannen sich naturhistorische Beschreibungen mit kameralistischen Ideen zu verbinden. In weiterer Folge intensivierte die Bewegung der Ökonomischen AufklĂ€rung den nutzenorientierten Umgang mit der Natur und machte diesen zum Gegenstand der öffentlichen Debatte. Diese spezifische Innovationskultur war von entscheidender Bedeutung fĂŒr die folgenreiche Neuordnung agrarischen Wissens im 19. und 20. Jahrhundert.Die einzelnen BeitrĂ€ge stellen je eine unterschiedliche Pflanzengruppe - GemĂŒse, Obst, Tabak, Futter-, Heil- oder Textilpflanzen - ins Zentrum. Im Fokus stehen Fragen nach der Interaktion zwischen den verschiedenen Akteuren wie Bauern, Gelehrte, Gutsbesitzer, Magistrate oder Pfarrherren. Besonders interessiert das VerhĂ€ltnis der unterschiedlichen (praktischen, administrativen, gelehrten usw.) WissensbestĂ€nde. Gerade in der Perspektive der longue durĂ©e lösen sich dabei die einfachen Dichotomien auf, vielmehr erscheinen vielfĂ€ltige Wechselbeziehungen, etwa zwischen agrarwissenschaftlicher Theorie und agrarischer Praxis.

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Information

Publisher
StudienVerlag
Year
2017
Edition
1
eBook ISBN
9783706558952
Ulrike Kruse

Von Kraut und RĂŒben

Nutzpflanzen in den GÀrten der HausvÀter

In der HausvĂ€terliteratur spielen der Garten und seine Pflanzen eine bedeutende Rolle. Der Garten ist ein wichtiger Teil des Landguts, der mit seiner klaren Form durch die Einteilung in KĂŒchengarten, Baum- und Obstgarten, KrĂ€uter-und Arzneigarten sowie Blumengarten die Natur bĂ€ndigt und als Scharnier zwischen der Kultur im Haus und der ungebĂ€ndigten Natur fungiert.1 Er ist schön und nĂŒtzlich in vielerlei Hinsicht: Er liefert Nahrung und Heilung, erfreut mit seiner Schönheit und ist ein Quell der religiösen Betrachtung.2
In diesem Beitrag steht der konkrete Nutzen des Gartens als Nahrungslieferant im Vordergrund. Die HausvĂ€terliteratur – ein Genre, das immerhin ĂŒber nahezu 200 Jahre erfolgreich war – gibt Auskunft darĂŒber, welche Pflanzen angebaut wurden und ob sich die Pflanzenzusammensetzung in den GĂ€rten im Laufe der Zeit Ă€nderte. DarĂŒber hinaus stehen folgende Fragen im Mittelpunkt dieses Beitrags: Welche Informationen ĂŒber die Pflanzen stehen in den BĂŒchern? Welche GrĂŒnde fĂŒr ihren Anbau werden angegeben? Lassen sich Tendenzen der Verwissenschaftlichung oder auch der Ökonomisierung in Bezug auf Pflanzen im Garten feststellen?
ZunĂ€chst werden die Pflanzenlisten ausgewĂ€hlter Texte vorgestellt. Es wird erlĂ€utert, wie die Autoren jeweils Pflanzen beschreiben. Daran anschließend werden die Pflanzenlisten verglichen und Überlegungen angestellt, warum es Übereinstimmungen und Abweichungen gibt. Schließlich werden die Beschreibungen dreier Pflanzenarten exemplarisch verglichen.

HausvÀterliteratur als normative Sachliteratur

Die HausvĂ€terliteratur hatte ihre BlĂŒtezeit vom spĂ€ten 16. Jahrhundert bis um 1800. Sie behandelt Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Jagd, Baukunde, Ökonomie und vieles mehr. Die Texte richteten sich an den adligen Landbesitzer als Hausvater.3 Die oft mehrbĂ€ndigen Werke sind Kompilationen antiker Werke und des gelehrten Schrifttums der Zeit wie GartenbĂŒcher, arzneikundliche Texte oder EnzyklopĂ€dien. HausvĂ€terliteratur kann als normative Sachliteratur4 ĂŒber Haus- und Landwirtschaft verstanden werden, die dem Leser „pragmatisch und handlungsanleitend einen Orientierungsrahmen in Bezug auf seine eigene adlige Lebenswelt“5 bietet. Sie enthĂ€lt Anweisungen fĂŒr das Handeln in und an der Natur zur Nutzbarmachung derselben. Gleichzeitig vermittelt sie bestimmte Sichtweisen auf die Natur und Kausalsetzungen bezĂŒglich natĂŒrlicher PhĂ€nomene.6
In diesem Beitrag werden drei Texte auf Gartennutzpflanzen hin befragt: die Oeconomia (1593–1601) von Johann Coler, die Georgica Curiosa (Ausgabe 1695) von Wolf Helmhardt von Hohberg und Der Hausvater in systematischer Ordnung (1783–1786) von Christian...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Copyright
  4. Inhalt
  5. Simona Boscani Leoni/Martin Stuber: Wissensgeschichte(n) der pflanzlichen Ressourcen in der longue durée
  6. Dorothee Rippmann Tauber: Aneignung von „Wildem“ und Neuem durch Sprache – im Lichte von Agrarschriften und KrĂ€uterbĂŒchern
  7. Ulrike Kruse: Von Kraut und RĂŒben.: Nutzpflanzen in den GĂ€rten der HausvĂ€ter
  8. Sophie Ruppel: Von der Phythotheologie zur Ökologie.: Kreislauf, Gleichgewicht und die Netzwerke der Natur in Beschreibungen der Oeconomia naturé im 18. Jahrhundert
  9. Simona Boscani Leoni: Die Debatte um den Torfabbau im 18. Jahrhundert.: Die GebrĂŒder Scheuchzer zwischen Johannes von Muralt und Johann I. Bernoulli
  10. Meike Knittel: „Dominus creavit ex Terra Medicamenta“.: Heilpflanzenwissen in Johannes Gessners Phytographia sacra
  11. Regina Dauser: Konkurrierendes Wissen.: Debatten ĂŒber den Tabakanbau in der Zeit der Ökonomischen AufklĂ€rung
  12. Sarah Baumgartner: „NĂŒtzliche Gras-Arten und KrĂ€uter“.: Die ZĂŒrcher Ökonomische Kommission und das Wissen vom Klee- und Wiesenbau
  13. Gerrendina Gerber-Visser: Hanf – Flachs – Brennnessel.: Wie die Oekonomische Gesellschaft Bern die Kultur der Textilpflanzen förderte
  14. Martin Stuber: Von der patrizischen Gartenkultur zum systematischen Sortenkatalog.: Bernischer Obstbau in der longue durée
  15. Juri Auderset/Peter Moser: Metamorphosen der ZĂŒchterblicke.: Zur Interaktion bĂ€uerlicher und wissenschaftlicher Paradigmen in der GetreidezĂŒchtung der agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft, 1850–1920
  16. Marcus Popplow: Wissensgeschichte der pflanzlichen Ressourcen in der longue durée.: Kommentar
  17. Dorothee Rippmann Tauber: Das Herbarium des Felix Platter.: Die Àlteste wissenschaftliche Pflanzensammlung der Schweiz
  18. Martin Bauer: Die SchÀtzungsoperate des Franziszeischen Katasters als agrarhistorische Quelle
  19. Abstracts
  20. Autorinnen und Autoren

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