Der Papst und die Freimaurer
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Der Papst und die Freimaurer

Ein wissenschaftlicher Diskurs

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Der Papst und die Freimaurer

Ein wissenschaftlicher Diskurs

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Seit den ersten Logengründungen im 18. Jahrhundert bekämpft die katholische Kirche die Bruderschaft der Freimaurer. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Auch der derzeitige Papst Benedikt XVI., der ehemalige Kardinal Ratzinger (von 1981 bis 2005 Vorsitzender - Präfekt - der Kongregation für die Glaubenslehre und damit auch "moderner Großinquisitor" am Heiligen Stuhl bzw. der vatikanischen Römischen Kurie) hält nicht viel von der toleranten, humanitären Vereinigung der Freimaurer. Warum diese Angst, warum diese Feindschaft? Wie sehen Kirchenfürsten und prominente Freimaurer diese Entwicklungen? Das untersucht Harald Schrefler, promovierter Historiker, Soziologe und Religionswissenschaftler, in dem vorliegenden Buch.

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Information

1 Einleitung und Forschungsfrage

1.1 Forschungsfrage

Wesentlichstes Ziel (und damit Forschungsfrage) ist die Darstellung des Verhältnisses zwischen katholischer Kirche und Freimaurerei in den letzten Jahrzehnten des 20. und vor allem im 21. Jahrhundert.
Das der Öffentlichkeit nicht zugängliche Ritual der Freimaurer, ihr „Geheimnis“ und ihr Nimbus als Geheimgesellschaft brachte bereits knapp nach ihrer Gründung die Verurteilung durch die absolutistischen europäischen Herrscher und vor allem durch die katholische Kirche. Waren die Rituale bzw. deren Inhalte damals wirklich geheim, sind nunmehr heute viele Informationen vorhanden. Deren Wahrheitsgehalt, Richtigkeit und vor allem die symbolische Bedeutung etwa des Großen Baumeisters aller Welten oder der Alten Pflichten kann aber nur mit großer Nähe zu den Brüdern (so nennen sich die Freimaurer) beurteilt und beschrieben werden.
Ebenso sind der Religionsbegriff und die Philosophie der Freimaurer, die Gedanken zu Glaubensfreiheit, Humanität und Toleranz für das Verständnis der Verurteilung zu beschreiben.
Natürlich sind auch die päpstlichen Bullen des 17., 18. und 19. Jahrhunderts zu skizzieren. Die Enzykliken „In eminenti“ und „Humanum genus“ sind wesentliche Grundlagen der Verurteilung und gelten im Prinzip auch heute noch. Selbst wenn sie ihrer damals aktuellen Bezüge entkleidet werden, legen sie die weitgehend unveränderte Gedankenwelt der katholischen Kirche fest.
Wesentlichen Umfang dieser Arbeit soll dann der Dialog im 20. Jahrhundert einnehmen. Vor allem das 2. Vatikanische Konzil löste eine neue Diskussionskultur aus. Einzelne Konzilsdokumente (wie „Gaudium et spes“ und „Dignitatis humanae“) werden diesbezüglich zu behandeln sein.
Der Dialog zwischen Kardinal DDDr. Franz König und Großmeister Dr. Kurt Baresch sollte aus heutiger Sicht betrachtet werden. Mein Interview mit Dr. Baresch im Jänner 2008 zeigte einige Hintergründe auf. Ebenso war es interessant das Archiv der Großloge von Österreich nach Unterlagen zu diesen Jahrzehnten der Diskussion zu durchforschen.
Trotz dankenswerter Unterstützung durch Prof. DDr. Figl gelang es nicht, in das Privatarchiv Franz Kardinal Königs Einsicht zu nehmen. Der Nachlass wird – laut Auskunft des Erzbischöflichen Ordinariats – erst in 50 Jahren, Teile davon vielleicht in fünf Jahren zugänglich sein. Vorher aber müssen die „Kisten und Kartons des Nachlasses erst katalogisiert“ werden.
Der Schriftverkehr zwischen Kardinal König und Dr. Baresch liegt mir aber in Faksimile vor (von dieser Publikation gibt es nur ganz wenige Privatdrucke, einen hat meines Wissens Papst Benedikt XVI., einen Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und einen das Archiv der Großloge von Österreich). Die meines Erachtens wesentlichsten Briefe werde ich in dieser Dissertation abbilden.
Da der Dialog in Deutschland sich letztendlich ganz anders als in Österreich entwickelte, muss auch kurz darauf eingegangen werden. Die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz aus 1980 enthält – nach jahrelanger kommissioneller Arbeit – alle Begründungen für die Haltung der katholischen Kirche, auch aus heutiger, aktueller Sicht.
Ein wesentlicher Schritt als Ergebnis all dieser Dialoge ist die Änderung des Codex Iuris Canonici, nämlich keine Erwähnung der Freimaurerei mehr. Kardinal Ratzinger – nunmehr Papst Benedikt XVI. – erklärte aber unverändert den katholischen Freimaurer als im Stand der schweren Sünde. Diese Canones des CIC 1983 werden zu reflektieren sein.
Viele Jahre war dann wenig Bewegung in der Diskussion zu bemerken. Erst das Buch „Die Freimaurer“ (2007) von Großmeister Dr. Michael Kraus brachte neue Akzente. TV-Sendungen und Diskussionen mit Abt Gregor Henckel-Donnersmarck zeigten der Öffentlichkeit ein neues Bild.
Das Archiv der Großloge von Österreich ist seit Kurzem für akademische Arbeiten geöffnet und war mir zugänglich. Der genannte Dialog im 21. Jahrhundert liegt mir ebenfalls bereits im gesprochenen Wort und als Mitschrift vor.
Natürlich wird die vorhandene Literatur – pro und kontra – zu bearbeiten und zu zitieren sein. Über die üblichen Bibliotheken des Österreichischen Bibliotheksverbundes hinaus, war die Bibliothek der Großloge von Österreich natürlich masonisch gut bestückt und deren Betreuer sehr hilfreich.
Die ursprüngliche Vermutung im Allgemeinen Verwaltungsarchiv (z. B. unter Kultus) oder im Archiv der Republik (z. B. bei den Bundesministerien für Unterricht oder Inneres) Akten zur Freimaurerei zu finden, erfüllten sich trotz langer Suche in den Sach- und Personenindizes vieler Jahre nicht.
Die persönlichen Kontakte mit Brüdern der Großloge von Österreich waren dagegen äußerst wertvoll und brachten mir neue Aspekte. Die Gedanken und Kommentare zur aktuellen Entwicklung waren sehr inspirierend.
Daher entstand im Laufe der Arbeit der Gedanke, eine kleine Umfrage unter einigen Brüdern hinsichtlich des Dialogs mit der katholischen Kirche zu machen. Meines Erachtens bisher einmalig, ist das Ergebnis und die Kommentare von über 60 Brüdern (die z. B. 15 Prozent der Mitglieder eines Hochgrad-Systems und 70 Prozent einer Loge abdecken) äußerst interessant.
Eingeschränkt muss noch werden, dass die vorliegende Arbeit sich im Detail nur mit der angelsächsischen („blauen“, von der Großloge von England anerkannten) Richtung der Freimaurerei (der Johannisfreimaurerei) und deren Grundlagen auseinandersetzt.
Die Hochgrad-Systeme werden skizziert, die Entwicklung zum und im Grand Orient de France oder des Droit Humain werden nicht behandelt.

1.2 „Universitäten und Königliche Kunst“– universitäre Arbeiten zur Freimaurerei

Mit dem Untertitel „Habilitationen, Dissertationen und Diplomarbeiten zum Thema Freimaurerei“, nannte Bernhard Göller einen Vortrag am 9.5.2007 in Wien.4
17 Diplomarbeiten, 52 Dissertationen und 4 Habilitationen recherchierte er im deutschsprachigen Raum.
Interessanterweise ist der Anteil der Autorinnen (19) in Österreich größer als der der männlichen Verfasser, wobei das wesentlich kleinere Österreich mit 34 Arbeiten versus 35 Arbeiten in Deutschland vertreten ist.
Die sehr unterschiedliche Entwicklung des Freimaurerbundes in Österreich (eher prosperierend und diskret) und Deutschland (eher anzahlmäßig zurückgehend und sehr öffentlich) könnte eine Ursache sein.
Historische Arbeiten sind die größte Gruppe, allein das 18. Jahrhundert wurde in 23 Arbeiten behandelt. Das Thema Freimaurerei und Nationalsozialismus wurde bis jetzt nur in Deutschland bearbeitet.
Das vorliegende Thema mit Bezug auf die katholische Kirche wurde noch in keiner Dissertation behandelt. Lediglich zwei Diplomarbeiten aus dem Jahr 1995 nehmen auf die Entwicklung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil Bezug.
Göller meint aus seiner Kenntnis der Arbeiten: „Ein viel zu kleiner Teil der Verfasser hatte Kontakt mit Freimaurern und nur ein Bruchteil der Arbeiten wurde in Österreich maurerisch betreut.“5
Das vorliegende Thema mit der aktuellen Entwicklung im 21. Jahrhundert (die meines Wissens noch nie öffentlich dokumentiert wurde) und der Diskussion des Gottesbegriffes erweitert die Literatur des Themas Freimaurerei.
Durch die persönlichen Interviews und die Hilfe der Gesprächspartner aus der Großloge von Österreich sollten auch kaum „freimaurerische“ Fehler enthalten sein.

2 Rituelles in der Freimaurerei

2.1 „Weil wir als freie Männer bauen am Tempel der allgemeinen Menschenliebe“

2.1.1 Der Versuch einer kurzen Definition

Auch wenn es bereits Tausende von Büchern über die Freimaurerei gibt, muss auch hier am Anfang eine kurze Definition stehen.
In der Verfassung der Großloge von England und auch der Großloge von Österreich werden dafür die „Alten Pflichten“ angeführt. In Deutschland wird in den „Leitgedanken der Freimaurerei“ definiert: „Das Wesen des Freimaurerbundes besteht in der Einheit von leitender Idee, tragender brüderlicher Gemeinschaft und vertiefendem symbolischem Erlebnis. Als Glieder eines ethischen Bundes treten die Freimaurer für Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz, Friedensliebe und soziale Gerechtigkeit ein. Als Gemeinschaft brüderlich verbundener Menschen ist die Loge Übungsstätte dieser Werte. Als Symbolbund dient die Freimaurerei der Verinnerlichung von Idee und Gemeinschaft.“6
Und Friedrich Ludwig Schröder7 definiert: „Die Freimaurerei soll das Band der Eintracht und des gegenseitigen Wohlwollens zwischen Menschen werden, welche sonst durch Religionsbegriffe, Erziehungsvorurteile oder Nationalverhältnisse in einer ewigen Entfernung leben würden.“8
Letztlich geht es darum, dass „freie Männer bauen am Tempel der allgemeinen Menschenliebe.“ In einem deutschen/österreichischen Lehrlingsritual heißt es:
deutsches
österreichisches
„Bruder Erster Aufseher, warum nennen wir uns Freimaurer?
Weil wir als freie Männer an dem großen Bau arbeiten.
An welchem Bau, mein Bruder?
Wir bauen den Tempel der Humanität.
Bruder Zweiter Aufseher, welche Bausteine brauchen wir dazu?
Die Steine, deren wir bedürfen, sind die Menschen.
Was ist notwendig, um sie fest miteinander zu verbinden?
Menschliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Mörtel des Tempelbaus.“9
„Bruder Zweiter Aufseher, warum nennen wir uns Freimaurer?
Weil wir als freie Männer bauen am Tempel der allgemeinen Menschenliebe.
Mit welchen Steinen bauen wir diesen Tempel?
Unsere Bausteine sind die Menschen.
Bruder Erster Aufseher, was bindet diese Steine zu einem Ganzen?
Die Brüderlichkeit.“10
In dieser deutschen Ritualkunde heißt es weiter: „Der Freimaurer erkennt im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen das Wirken eines göttlichen Schöpfergeistes und verehrt ihn als den Großen Baumeister der Welten. … Er (d...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Vorwort
  6. 1 Einleitung und Forschungsfrage
  7. 2 Rituelles in der Freimaurerei
  8. 3 Philosophie und Ethik in der Freimaurerei
  9. 4 Die Bullen (Enzykliken) der Päpste im 17., 18. und 19. Jahrhundert
  10. 5 Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts
  11. 6 Die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts
  12. 7 Der Dialog im 21. Jahrhundert
  13. 8 Resümee
  14. 9 Glossar (inklusive freimaurerischer Begriffe)
  15. 10 Anhang
  16. 11 Verzeichnisse
  17. 12 Abstract