Lexikalischer Teil
A
Abaelard, Peter: (* 1079 in Le Pallet bei Nantes, â 21. April 1142 im Kloster Saint Marcel/Chalon sur SaĂŽne); (Peter Abaelardus, Pierre Abaelard, Pierre Abailard, Abaillard oder AbĂ©lard, Petrus Abaelardus); entstammte einem Adelsgeschlecht aus der Bretagne; als Philosoph und Theologe war er Vertreter der FrĂŒh-âScholastik. Sein Werk âSic et nonâ (âJa und neinâ) gilt als grundlegend fĂŒr die Scholastik. Er verlangt als Rationalist, dass der Glaube der Erkenntnis zu folgen habe (âintellego ut credamâ â âich verstehe, damit ich glauben kannâ). In der Ethik setzte er neue MaĂstĂ€be, indem er Gesinnung und Gewissen als die ausschlaggebenden Kriterien bezeichnete. Seine Lehre wurde 1141 beim Konzil von Sens von seinem erbitterten Feind âBernhard von Clairvaux als Ketzerei verurteilt, und Papst âInnozenz II. verbot ihm zu lehren. Bekannt auch wegen seiner verbotenen Liebe zu seiner SchĂŒlerin, der 18-jĂ€hrigen Heloise (* 1101, â 1164), der Nichte des Kanonikus Fulbert von Notre Dame, wegen der er in der Nacht von der Fulbert-Sippe in seinem Quartier ĂŒberfallen und entmannt wurde. Diesem VerhĂ€ltnis (das durch geheime Heirat legalisiert wurde) entsprang ein Sohn namens Astralagus. Seine Peiniger wurden zwar geblendet und ebenfalls entmannt, Abaelard aber war gebrochen und beschĂ€mt. Er und Heloise gingen daraufhin ins Kloster. In der Schrift âHistoria calamitatum mearumâ (1136) und in den âEpistulaeâ (Briefverkehr mit Heloise) schildert er dieses LiebesverhĂ€ltnis. Einer seiner SchĂŒler war âArnold von Brescia.
Abakus: Neben der Bedeutung als antikes Rechenbrett pythagorĂ€ischen Ursprungs (âTafel des Pythagorasâ) und der Abdeckplatte eines Kapitels, auch Stab der âGroĂmeister im Templerorden, als Zeichen der GroĂmeisterwĂŒrde; an einem Ende befand sich eine runde Platte, auf der das Templerkreuz in einem Kreis eingraviert war. Vielleicht auch symbolhaft fĂŒr den Stab Aarons aber auch fĂŒr den Stab der Meister aller Baumeister.
Abbasiden: sunnitische Kalifendynastie (750-1258); Nachkommen von Abbas (alâAbbas, * um 565 in Mekka, â 653 in Mekka), dem Onkel des Propheten âMohammed. Lösten die Omajaden ab; 762 GrĂŒndung von Bagdad als neuer Hauptstadt; BlĂŒtezeit im 9. und 10. Jhdt.; spĂ€ter waren sie Marionetten anderer Herrscher. 1258 wurde der letzte Kalif aus dieser Dynastie von den Mongolen getötet. In Kairo noch bis 1517 als Scheinkalifen (âKalifen) unter mameluckischen Sultanen. Die bedeutendsten Abbasiden-Kalifen waren: Mansur (754-775), Mahdi (775-785), Harun al-Raschid (786-809), Mutasim (833-842) und Nasir (1180-1225).
Ablass: (lateinisch âindulgentiaâ); in der katholischen Kirche seit dem 6. Jhdt. der Nachlass öffentlicher KirchenbuĂen; seit dem 11. Jhdt. auch die Tilgung zeitlicher SĂŒndenstrafen bei vorangehender BuĂgesinnung des SĂŒnders. Im SpĂ€t-Mittelalter trat an die Stelle einer nachgelassenen BuĂstrafe oft eine Almosenspende, die dann von der Kirche als Geldquelle missbraucht und theologisch missdeutet wurde (Ablasshandel). Daran entzĂŒndete sich die Kritik der Reformation, die den Ablass schlechthin verwarf.
Zur Zeit der KreuzzĂŒge wurden den Teilnehmern an den KreuzzĂŒgen Ablass all ihrer SĂŒnden und Vergehen versprochen; spĂ€ter konnten sich alle, die nicht selbst am Kreuzzug teilnehmen wollten, auch von der Teilnahme freikaufen, wenn sie an Gemeinschaften, die sich dem Kampf gegen die Muslime stellten, Spenden leisteten. Die âRitterorden konnten durch diese Option in kurzer Zeit ein riesiges Vermögen an Spendengelder ansammeln.
Absolution: Nachlass von SĂŒnden, Kirchenstrafen und Strafen fĂŒr begangene SĂŒnden; eng mit der BuĂdisziplin der Kirche verbunden; Absolution wird in der Regel vom Priester im Zuge der Beichte ausgesprochen.
Abt: (griechisch-lateinische Kirchensprache âAbbasâ, französisch âAbbĂ©â); Vorsteher einer klösterlichen Gemeinschaft (âAbtei) mit Jurisdiktionsgewalt; im frĂŒhen orientalischen Mönchtum war der Abbas die geistige AutoritĂ€t der Mönchssiedlung; er war keinem Bischof unterstellt und besaĂ die Gerichtsbarkeit ĂŒber die Angehörigenseiner Abtei. Die Wahl des Abtes erfolgte durch den Ordenskonvent.
Abtei: (lateinisch âabbatiaâ); ein von einem âAbt oder Ăbtissin geleitetes Kloster; auch die nach auĂen streng abgeschlossene Wohn- und Lebensgemeinschaft von Mönchen oder Nonnen.
Abu, l-Feda: FĂŒrst von Hama; (Abulmahassen); muslimischer Geschichtsschreiber; schreibt ĂŒber den Fall von âAkkon:
âAm Freitag, dem 17. des ersten Dschumadi (Mitte Mai) bei Tagesanbruch, als alles fĂŒr den allgemeinen Angriff bereit war, stieg der Sultan mit seinen Truppen zu Pferde; man hörte den LĂ€rm der Trommeln, vermischt mit entsetzlichem Geschrei. Der Angriff begann schon vor Sonnenaufgang. Bald ergriffen die Christen die Flucht, und mit dem Schwert in der Hand drangen die Muslime in die Stadt ein. Es war um die dritte Stunde des Tages. Die Christen eilten zum Hafen, die Muslime verfolgten sie, töteten sie und machten Gefangene. Sehr wenige retteten sich. Die Stadt wurde der PlĂŒnderung preisgegeben, alle Einwohner wurden umgebracht oder in die Sklaverei gefĂŒhrt. Mitten in Akkon ragten vier TĂŒrme, die den Templern, den Spitalrittern und den Deutschen oder teutonischen Rittern gehörten; dort versuchten sich die christlichen Ritter zu verteidigen. Als jedoch am nĂ€chsten Tag, dem Sonnabend, einige muslimische Soldaten und Freiwillige sich an das feste Haus der Templer und an den Turm herangearbeitet hatten, boten diese von selber an, sich zu ergeben. Ihrem Verlangen wurde stattgegeben, und der Sultan versprach ihnen Sicherheit; es wurde ihnen eine Fahne gegeben als Schutz und sie pflanzten sie oben auf dem Turm auf. Als aber die Tore geöffnet wurden, stĂŒrzten die Muselmanen in Unordnung hinein und begannen, den Turm zu plĂŒndern und den Frauen, die sich dorthin geflĂŒchtet hatten, Gewalt anzutun; da schlossen die Templer wieder ihre Tore, fielen ĂŒber die Muslime, die im Turm waren, her und machten sie nieder.â
Acardus de Arroasia: (Achard dâArrouaise); (â Ende 1136); Augustiner in St. Nikolas dâArrouaise. Begleitete den Legaten Kuno (Bischof von PrĂ€neste) 1108/09 ins Heilige Land; wird 1112-36 als Prior des Tempels von Jerusalem bezeugt; verfasste das Gedicht âSuper templo Salomonisâ in dem er die Geschichte des Tempels von Jerusalem seit der Zeit König âSalomons beschreibt.
Acht: in alten Rechtssystemen (besonders im mittelalterlichen Recht) eine weltliche Strafe (Reichs-, Landes-, Stadt- Acht), die den Betroffenen (GeĂ€chteten) in den Zustand der absoluten Rechtlosigkeit setzte. Er wurde fĂŒr vogelfrei (ex lege) erklĂ€rt, es durfte ihn niemand unterstĂŒtzen, speisen oder aufnehmen, jeder konnte ihn buĂlos töten. Die Acht erstreckte sich zunĂ€chst auf den Gerichtsbezirk, konnte aber auf das ganze Land ausgedehnt werden (Landes-Acht). Die Reichs-Acht konnte nur vom Kaiser ausgesprochen werden. Der GeĂ€chtete war vermögensunfĂ€hig (erbunfĂ€hig) und rechtlos; seine Frau wurde zur Witwe, seine Kinder zu Waisen. Die Acht wurde fĂŒr Vergehen ausgesprochen, die eine niedere Gesinnung des Bestraften erkennen lassen: Hausfriedensbruch, Mord, Mordbrand, widernatĂŒrliche Unzucht, Bruch des Königsfriedens; die Acht stand oft auch neben dem kirchlichen Bann.
Gegen Ende des 13. Jhdts. wurden viele der GeĂ€chteten von Stand in âRitterorden (Templer) aufgenommen, um dadurch den fehlenden Nachschub der kĂ€mpfenden Truppe zu verbessern. Ein Umstand, der den moralischen Verfall speziell innerhalb des Templerordens verdeutlicht.
Acht (-Zahl): In der Zahlensymbolik Zeichen der Auferstehung und des ewigen Lebens (acht Seligpreisungen); der achte Tag der Passionswoche ist der Auferstehungstag.
Achterkommission: (7. August 1309 â 26. Mai 1310); pĂ€pstliche EnquĂȘte ĂŒber die Schuld des Templerordens; die Kommission trat im August 1309 in Paris im Kloster der Heiligen Genoveva (S. GeneviĂšve) das erste Mal zusammen. Die Kommission bestand aus acht Mitgliedern: 1. dem Erzbischof Gilles âAycelin aus Narbonne, 2. Bischof Wilhelm Duran von Mende, 3. und 4. den Bischöfen von Limoges und Bayeux 5., 6. und 7. den Archediakonen von Rouen MatthĂ€us aus Neapel von Trient Johann aus Mantua und Johann aus Montelauro und 8. dem Probst Wilhelm Agarni. Den Vorsitz sollte der dem Papst nahestehende Gilles Aycelin ĂŒbernehmen. König âPhilipp IV. konnte dies verhindern und seinen Getreuen, den Bischof von Mende, einsetzen. Ebenso konnte der König verhindern, dass die Kommission auch in anderen StĂ€dten tagen konnte und er so möglicherweise seinen Einfluss auf die Mitglieder der Kommission einbĂŒĂen hĂ€tte können. Am 9. August wurden die GefĂ€ngnisse darĂŒber informiert, dass alle Inhaftierten am 12. November in Paris vorzufĂŒhren seien. Nachdem die Kommission aber keinerlei Zwangsrechte fĂŒr eine VorfĂŒhrung hatte, erschien zum vorgeschriebenen Zeitpunkt kein Templer. Am 22. November wiederholte âHugo de Pairaud seine frĂŒheren Aussagen vor den Kommissaren, und am 26. November erschien âMolay durch Jean de âJoinville vorgefĂŒhrt, vor der Kommission, um den Orden zu verteidigen. Er wollte jedoch nur unter Anwesenheit des Papstes aussagen und erklĂ€rte sich auĂerstande, den Orden alleine zu verteidigen. Am 27. November widerrief âPonsard de Gisy seine frĂŒher gemachten Aussagen. Als Verteidiger des Ordens vor der Kommission wurden von den Templern die rechtskundigen Peter von Boulogne (âPierre de Bologne) âReginald von Provins (KaplanbrĂŒder), Bertrand von Sartiges und Wilhelm von Chambonnet (Ritter) bestimmt. Im April 1310 begannen die BrĂŒder mit der Verteidigung. Sie forderten die Entlassung aller Templer aus der königlichen Gefangenschaft. Mit allen erdenklichen Mitteln versuchte der König die Untersuchung zu beeinflussen und zu behindern. So wurden Renegaten und durch Folter eingeschĂŒchterte oder gekaufte Zeugen vorgefĂŒhrt. Bei der Verteidigung wird auf diese Beeinflussungen hingewiesen:
â...Es seien den BrĂŒdern, um sie leichter und besser zur LĂŒge und zum Zeugnis gegen sich und den Orden zu bewegen, Briefe des Königs vorgelegt worden, versehen mit dem Siegel desselben, worin den GestĂ€ndigen Freiheit und Erlass jeglicher Strafe zugesichert und gute Versorgung und groĂe jĂ€hrliche Rente auf Lebenszeit aus den EinkĂŒnften des Ordens, der noch einmal verdammt sei, versprochen worden. (...) Auf solchem Wege seien die Zeugen erkauft worden...â.
Am 11. April begann das Verhör der ersten Zeugen, die im Sinne der Anklage aussagten. 54 Ordensmitglieder, die frĂŒhere Aussagen vor der Kommissi...