Post aus Chile
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Die Korrespondenz mit Margot Honecker

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Die Korrespondenz mit Margot Honecker

About this book

Margot Honecker lebte seit 1992 in Südamerika und verfolgte bis zuletzt aufmerksam die Vorgänge in der Welt und insbesondere die Entwicklung in Deutschland. Das geht aus ihrer umfangreichen Korrespondenz mit Frank Schumann hervor. Seit der Jahrtausendwende kommunizierten beide per E-Mail, Schumann besuchte sie in ihrem Haus in Santiago de Chile. Er war der deutsche Journalist, den sie bis zuletzt am meisten schätzte. Anlässlich ihres Todes wird die Korrespondenz zwischen Margot Honecker und Frank Schumann erstmals veröffentlicht. Beide diskutierten die deutsch-deutsche Geschichte, die politischen Kämpfe des 20. Jahrhunderts, aber vor allem die brennenden Fragen und Aufgaben der Gegenwart. In ihren Mails gibt Margot Honecker nicht nur unbekannte Details ihres Lebens preis, sie reflektiert auch selbstkritisch Vorgänge der Vergangenheit und wird sehr persönlich. Es ist, wenn man so will, ihr politisches Vermächtnis.

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Brief Margot Honeckers an Schumann vom 10. August 1994
Von: Frank Schumann <editio[email protected]>
Datum: 13. September 2010, 15:50
Betreff: Bücher
Liebe Margot Hon­ecker,
vielen Dank für die Nachricht über den »Sonderbotschafter« Klaus Huhn. Ich hatte diesen Weg nicht gewählt, um damit zu signalisieren, dass ich keinen Briefkasten für bestimmte Post besäße, sondern weil es schließlich Klaus war, der sich engagiert hatte, diesen Kanal überhaupt zu öffnen. Es sollte nicht der gänzlich unbegründete Eindruck entstehen, wir trieben es hinter seinem Rücken. Natürlich können wir gern direkt kommunizieren, was ich sehr begrüße. Und dass es auch problemlos per »Du« geht, finde ich auch sympathisch – schließlich gehörten wir Jahrzehnte der gleichen Partei an, wo es üblich war, dass man vertraulich auf diese Weise mit­­einander umging.
Nun sind wir beide, vermutlich, in keiner Partei mehr, und auf die gelegentlich an mich gerichtete Frage, welchem Verein ich meinen Beitrag überweise, antwortete ich wahrheitsgemäß: keinem. Gleichwohl verstehe ich mich als parteiloser Kommunist, weshalb ich vor etwa zehn Jahren jener Partei den Rücken kehrte, die sich heute »Die Linke« nennt und angepasst ist wie ein Bettvorleger, dass es einen graust. Wie will man die Gesellschaft verändern, wenn man den Herrschenden nach dem Munde redet in der illusionären Hoffnung, man würde »von denen« akzeptiert werden und dürfe mitspielen? Nun, einige Plätze an den Fleischtöpfen fallen für Opportunisten immer ab, aber das ist keine sonderlich günstige Position, um von dort den Topf umzustoßen. Zumal man sich an die Suppe schnell gewöhnen kann, die man dort löffelt. Wer verzichtet schon freiwillig auf die Diäten, wenn man selbst einem Parteivorsitzenden sagen muss, dass es unanständig ist, einen besonders großen Löffel zu benutzen, wenn es gleichzeitig sehr viele Menschen gibt – deren Interessen man doch angeblich vertritt –, die nicht mal über einen rettenden Strohhalm verfügen, um etwas von dieser Suppe abzubekommen?
Ich freue mich, dass nun auf dem einfachen Wege die »Moabiter Notizen« in Chile eingehen. Ich werde es künftig immer so handhaben, erst ein Buch zu schicken, und dann das nächste, sobald die Eingangsbestätigung kommt. Ich werde morgen das dritte Exemplar auf den Weg bringen, und dann ab und an auch mal ein anderes. Zum Beispiel das von Gerhard Beil, welches ich bereits annoncierte. Am Freitag fand die Trauerfeier in Grünau auf dem Waldfriedhof statt, im kleinen Verwandten- und Freundeskreis, aber wenn ich mich so umschaute, waren wir wohl weit über 100 Personen, die vom einstigen Außenhandelsminister Abschied nahmen. Ex-Außenminister Oskar Fischer war da, den seine Frau und Tochter führen mussten, weil er selbst nicht mehr sehr gesund ist, Werner Großmann, der letzte Chef der Auslands­aufklärung, ging am Stock, und auch Hans Modrow war zugegen, der die Schleife des Parteivorstandes trug. Nun ja, er tat es wohl im Selbstauftrag, denn alles, was irgendwie nach DDR riecht, scheint man im Karl-Liebknecht-Haus nicht sonderlich zu mögen, nicht einmal ihren Ex-Ehrenvorsitzenden, dem man jetzt ein Kämmerchen hoch über dem Hof zugewiesen hat.
Gerhard Beil entstammt dem Jahrgang meiner Mutter, 1926, und wir hatten uns für Montag verabredet, als Hannelore am Freitagmorgen im Verlag anrief und mir mitteilte, dass er tot sei. Nach dem Frühstück hatte er sich vom Stuhl erhoben und war umgefallen. Herzversagen. Nun gab es nicht wenige, denen ich die Nachricht übermittelte, die darauf sagten, dass sei doch ein »schöner Tod«. Ich weiß nicht, was am Tod »schön« sein soll. Vielleicht für den Betreffenden, dem das Martyrium eines langen Leidens erspart bleibt. Aber für die Zurückbleibenden offenbart sich die Lücke, die einer zurücklässt, wenn er denn nicht mehr ist. Und das ist hässlich und bitter.
Am Samstag war ich in Pinnow, wo zu DDR-Zeiten rund 1200 Menschen aus der Uckermark Arbeit und Auskommen fanden, indem sie NVA-Technik warteten. Sie waren in jenem speziellen Sektor der DDR-Volkswirtschaft tätig, der mit der Verteidigung zusammenhing. Wir haben nunmehr ein Buch herausgebracht (»Waffenschmiede DDR«), für das ein ehemaliger Panzerkommandant einige Jahre recherchiert hatte, um herauszufinden, was wir auf diesem Felde leisteten. Herausgekommen ist genau das, was wir immer vermuteten: Wir haben unsere Bündnisverpflichtungen getreu erfüllt, aber nie mehr getan, als unbedingt nötig. Vor allem aber haben wir mit Geist und Leidenschaft und guter Arbeit in solchen Betrieben dafür gesorgt, dass das militärstrategische Gleichgewicht und damit der Frieden erhalten blieb.
Es war berührend zu sehen, wie dankbar diese Menschen die Würdigung ihrer Lebensleistung zur Kenntnis nahmen, diese gedruckte Bestätigung, dass sie nicht nur ordentlich gearbeitet, sondern auch Wichtiges geleistet hatten. Seit zwanzig Jahren hören sie das Gegenteil.
Du wirst sicherlich über Internet, Satellitenfernsehen, Nachrichten und durch Freunde mitbekommen, was sich hierzulande zuträgt und wie sich der Unmut entwickelt. Das meiste findet nicht den Weg in die Medien, aber die Unzufriedenheit ist da und es gärt. Der emanzipatorische Impuls, den die DDR gesetzt hat, wirkt nicht nach – er wirkt. Selbst wenn es bald keine Generationen mehr geben wird, die diese Republik bewusst erlebt haben.
Lass uns darüber gelegentlich austauschen.
Sei herzlich gegrüßt aus Berlin, in welchem es seit heute morgen wie aus Kannen gießt. Es wird Herbst.
Frank
Von: Frank Schumann <editio[email protected]>
Datum: 23. September 2010, 20:00
Betreff: Wir werden immer weniger
Liebe Margot Hon­ecker,
vermutlich hat es sich bereits bis Chile herumgesprochen, dass wir einen gemeinsamen Freund verloren haben. Walter Womacka ist am Samstag in Berlin-Buch verstorben, die Beisetzung wird voraussichtlich am 7. Oktober in Friedrichsfelde stattfinden.
Walter war am 8. August in Loddin auf seinem Grundstück gestürzt und hatte sich den Arm gebrochen. Er wurde in Wolgast operiert und dann nach Greifswald verlegt, wo sein Bett auf dem Flur stand, was ein Skandal sondergleichen ist. Hanni hat ihn von dort nach Buch verlegen lassen. Aber inzwischen war eine Sepsis dazugekommen, schließlich eine Lungenentzündung, Intensivstation – aus.
Einige Tage zuvor war bereits Siggi Hähnel verstorben, der letzte Chef der Berliner Bezirksverwaltung des MfS, auch ein sympathischer, verlässlicher ...

Table of contents

  1. Impressum
  2. Titel
  3. Über das Buch
  4. Vorbemerkungen
  5. Inhalt