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Heterotopie im Kontext von Clubkultur
Eine Analyse des Techno-/Houseclubs Berghain nach Foucaults Konzept der "Anderen RĂ€ume"
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Heterotopie im Kontext von Clubkultur
Eine Analyse des Techno-/Houseclubs Berghain nach Foucaults Konzept der "Anderen RĂ€ume"
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Die Arbeit wendet das Konzept der Heterotopie oder "anderen RĂ€ume" von Michel Foucault auf den Berliner Technoclub Berghain an. Diese "anderen RĂ€ume" bezeichnen grob vereinfacht Orte, die auĂerhalb des Alltags stehen und in der besondere Regeln gelten, aber auch besondere Freiheiten bestehen können. In der Arbeit wird anhand von Interviewausschnitten, Beobachtungen im Club und anderem Material untersucht, inwiefern Foucaults Konzept hier passt.
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Information
1. EinfĂŒhrung in den Begriff der Heterotopien
Michel Foucault verwendet erstmalig im Dezember 1966 in einer Radiosendung fĂŒr den Kulturkanal France-Culture den Begriff der Heterotopien als sein Konzept der âAnderen RĂ€umeâ. Einige Monate spĂ€ter, im MĂ€rz 1967, fĂŒhrt er seine Idee einer Wissenschaft ĂŒber diese RĂ€ume, die Heterotopologie, vor einer Gruppe Architekten des Cercles dâetudes architecturales5 aus. Das Typoskript dieses Vortrags wird jedoch erst 1984, kurz vor Foucaults Tod, offiziell im Rahmen der Ausstellung Idee, Prozess, Ergebnis im Martin-Gropius-Bau in Berlin veröffentlicht. Bis zu diesem Zeitpunkt war dieser Text nahezu unbekannt. Mit der Publikation 1986 in den USA bekommt er dort eine nennenswerte Rolle in den sozialwissenschaftlichen Diskursen. Etwa seit dieser Zeit begannen queere, feministische und transkulturelle Gruppen die Heterotopologie mit Analysen von IdentitĂ€t und Körperpolitik zu verbinden.
In seinem Vortrag von 1967 analysiert Foucault die Wahrnehmung des Raums im Mittelalter als âhierarchisiertes Ensemble von Orten, das sich durch GegensĂ€tze konstituierteâ (Foucault 1999, S. 145). Er nennt hier beispielsweise heilige und profane Orte. Der mittelalterliche Raum wurde als âOrtungsraumâ begriffen, in dem die Dinge ihren festen Platz haben (Foucault 1999, S. 146). Erst durch Galileo Galilei im 17. Jahrhundert wandelte er sich in einen âunendlichen und unendlich offenen Raumâ (ebd.). FĂŒr Foucault ist die verĂ€nderte Wahrnehmung von Raum entscheidend, die sich durch Galileis Entdeckung der Erdumkreisung um die Sonne einstellte. Raum wird ab diesem Zeitpunkt als Ort der stĂ€ndigen Bewegung gesehen. Das scheinbar Feststehende wird nun als unendliche Verlangsamung verstanden. Anstelle der Ortung trat dadurch die Ausdehnung (vgl. ebd.). Anders gesagt: Das VerstĂ€ndnis der sich in stĂ€ndiger Bewegung befindenden Erde verĂ€nderte die grundlegende Einstellung zu den Dingen und ihren Orten. Sie wurden, wie die Erde, als nicht mehr feststehend, also nicht mehr âortbarâ angesehen.
In der heutigen Aufteilung und Entgegensetzung von RĂ€umen, beispielsweise in private und öffentliche RĂ€ume oder Orte der Freizeit und der Arbeit, sieht Foucault zwar Reste einer âstummen Sakralisierungâ (ebd., S. 147), aber spricht davon, dass die Lagerung, beziehungsweise die Platzierung, die Ausdehnung abgelöst habe. Die Platzierungen der RĂ€ume werden durch ihre Verbindungen, Beziehungen, Markierungen definiert und befinden sich in einer Epoche, âin der sich uns der Raum in der Form von Lagerungsbeziehungen darbietetâ (ebd.).
Dazu fĂŒhrt er ein Beispiel aus dem Gebiet der Demographie an. Hierbei geht es ihm bei der Frage der Menschenunterbringung nicht nur um die Verteilung von LebensrĂ€umen, sondern auch darum, in welchen Nachbarschaftsbeziehungen die Menschen stehen. In der rĂ€umlichen Verteilung werden Positionierungen und Klassifizierungen aus machtpolitischen Zwecken in bestimmten Lagen beibehalten (vgl. ebd., S. 147).
FĂŒr MarĂa do Mar Castro Varela, die sich in ihrer Dissertation UnzeitgemĂ€Ăe Utopien - Migrantinnen zwischen Selbsterfindung und gelehrter Hoffnung ebenfalls mit den Heterotopien auseinandersetzt, sind komplexe Mikroanalysen der Macht in RĂ€umen und deren Positionierungen demnach bedeutsam, um zu verstehen
âwie different RĂ€ume funktionieren und mit welchen anderen RĂ€umen und Orten sie in Verbindung stehen. Welche Netzwerke sie also bilden, fĂŒr wen sie bereitstehen, sich öffnen und fĂŒr wen sie dagegen verschlossen bleibenâ (Castro Varela 2007, S. 56).
Foucault interessiert ebenfalls eine systematische Beschreibung verschiedener RĂ€ume in bestimmten Gesellschaften und dabei insbesondere die Heterotopien. Dieser Begriff wurde erstmals in den 1920er Jahren in der Medizin benutzt und beschreibt hier gesundes Gewebe, das sich aber nicht an der anatomisch richtigen Stelle befindet, beispielsweise Knorpelgewebe im Hoden.
Bei Foucault sind Heterotopien RĂ€ume, die sich durch ihre Platzierung auf alle anderen Anordnungen insofern beziehen, als dass sie deren Ordnung suspendieren, neutralisieren, reinigen oder umkehren. Er bezeichnet sie gleichsam als GegenrĂ€ume. In Heterotopie und Erfahrung - Abriss der Heterotopologie nach Michel Foucault von Marvin Chlada schreibt dieser, dass Heterotopien âeine mythische oder eine reale Negation des Raumes dar[stellen], in dem wir uns gewöhnlich bewegenâ (Chlada 2005, S. 85).
Beispiele hierfĂŒr wĂ€ren GĂ€rten, Friedhöfe, Psychiatrien, Bordelle und GefĂ€ngnisse (Foucault 2005, S. 11).
Analog zu den Heterotopien können die Utopien gesehen werden. Auch diese können beispielsweise Perfektionierungen oder Kehrseiten einer Gesellschaft sein, sich auĂerhalb dieser befinden und sich zugleich auf diese beziehen. Im Unterschied zur Heterotopie sind sie allerdings unwirkliche RĂ€ume. Die Heterotopien können in diesem Sinne als verwirklichte Utopie verstanden werden und sind somit wirkungsmĂ€chtige RĂ€ume, die Foucault auch als âWiderlagerâ bezeichnet (Foucault 1999, S. 149). Er bebildert zum VerstĂ€ndnis die Analogie zwischen Utopie und Heterotopie mit einem Spiegel:
âDer Spiegel funktioniert als eine Heterotopie in dem Sinne, daĂ er den Platz, den ich einnehme, wĂ€hrend ich mich im Glas erblicke, ganz wirklich macht und mit dem ganzen Umraum verbindet, und daĂ er ihn zugleich ganz unwirklich macht, da er nur ĂŒber den virtuellen Punkt dort wahrzunehmen istâ (Foucault 1999, S. 150).
Wenn wir uns also im Spiegel sehen, ist das ein Ort ohne Ort, eine Utopie, an der wir uns vielleicht gerne sehen möchten, aber nicht sind. Das Spiegelbild als Heterotopie verstanden macht den Ort, an dem wir stehen, âganz wirklichâ und verbindet ihn mit dem Umraum. Gleichzeitig wird der Raum aber âganz unwirklichâ, da er nur ĂŒber den virtuellen Punkt, das Glas, sichtbar wird.
Die von Foucault beschriebenen Heterotopien, die zu Raum gewordenen Utopien, unterscheidet er nach ihrer Funktion in zwei Pole: Die Kompensationsheterotopien und die Illusionsheterotopien. Erstere erfĂŒllen die Funktion, den Restraum als missraten, ungeordnet und wirr zu verwerfen. Zur Kompensation dieser ungeordneten RĂ€ume wird ein neuer geschaffen âder im Gegensatz zur wirren Unordnung unseres Raumes eine vollkommene Ordnung aufweistâ (Foucault 2005, S. 20). Foucault nimmt hier auf die Kolonisationswelle im 17. Jahrhundert Bezug und nennt den Aufbau von Jesuiten-Kolonien in Paraguay als Beispiel. In diesen war die Existenz in jedem Punkt geregelt. Durch eine strenge Architektur, in der sich durch die Positionierung der GebĂ€ude das Zeichen Christi in der Dorfmitte fand, war das Grundzeichen der Kolonisator_innen6 immer sichtbar. Der strikt festgelegte Tagesplan fĂŒr alle Erwachsenen wurde durch GlockenschlĂ€ge geregelt. Da die Jesuiten sich eine groĂe Menge an Kindern in den Kolonien wĂŒnschten, regelte die Glocke sogar den Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs (vgl. Foucault 1999, S. 156). Die Kolonien als verwirklichte Utopie standen unter anderem fĂŒr die Konstituierung von UnterdrĂŒckung und Ausbeutung.
Die Illusionsheterotopien verwerfen âden Realraum auĂerhalb der Heterotopie, in den das Leben normalerweise gesperrt ist, als noch illusorischerâ (Chlada 2005, S. 86) und wollen âdie Wirklichkeit durch die Kraft der Illusion zerstreuenâ (Foucault 2005, S. 21). Chlada zĂ€hlt dazu RĂ€ume der homosexuellen (Sub-)Kulturen oder den Freistaat Christiania in Kopenhagen. In seiner Interpretation von Foucaults Heterotopologie sind Illusionsheterotopien Orte, an denen es möglich sein kann, ânicht dermaĂen regiert zu werdenâ und in denen bzw. durch diese oppositionelle Standpunkte sichtbar werden7. Zum Teil zeichnet Chlada hier ein recht kitschiges Bild der Heterotopien, die fĂŒr ihn immer Orte zu sein scheinen, die sich der herrschenden Norm entziehen oder in denen âdie gĂ€ngigen Vorstellungen vom normalen Leben auf den Kopf gestelltâ werden (Chlada 2005, S. 8). Aber er erkennt an, dass es nicht âdort, wo es anders ist, gleichsam besser zugehen magâ (ebd.).
Foucault selbst fĂŒhrt als Beispiel fĂŒr die Illusionsheterotopien das Schiff an und verweist damit wiederum auf die Kolonialzeit. Das Schiff bot die Möglichkeit im Kontakt mit den Kolonien zu stehen, vor allem um wirtschaftliche GĂŒter zu transportieren. Gleichzeitig stellt das Schiff ebenso wie die Kolonie ein groĂes Imaginationsarsenal fĂŒr die Projektionen der Kolonisator_innen in Bezug auf ihre Vorherrschaft und deren machtvollen Umsetzung dar. FĂŒr Foucault ist das Schiff âdie Heterotopie schlechthinâ (Foucault 1999, S. 156).
FĂŒr Castro Varela steht das Schiff ebenfalls als Metapher fĂŒr Ausbeutung und UnterdrĂŒckung der Kolonien. âDie Verherrlichung der Heterotopienâ, merkt sie kritisch an, âreduziert sie zu einem schöngeistigen VergnĂŒgen, beraubt sie ihrer politischen PotentialitĂ€tâ (Castro Varela 2007, S. 56). In ihrer Interpretation können Heterotopien ohnehin nicht nur als WiderstandsrĂ€ume gelesen werden, da âsie fĂŒr Foucault auch RĂ€ume der totalen Ordnung sind, deren Produktion als Teil der Subjektivierungsprozesse verstanden werden kannâ (Castro Varela 2007, S. 57), und sie stellt sich somit gegen eine VerklĂ€rung der Heterotopologie.
In Teilen ist es jedoch Foucault selbst, der zur VerklÀrung einlÀdt. Beispielsweise, wenn er das elterliche Ehebett als Heterotopie der Kinder beschreibt, welche diese im lustvollen Spiel in das Meer, den Wald, den Himmel und die Nacht verwandeln (vgl. Foucault 2005, S. 10). So ist Chladas Interpretation, dass Heterotopien unter anderem Orte sein können, die sich der Lust, dem Spiel und der Schönheit verschrieben haben, nachvollziehbar (vgl. Chlada 2005, S. 8).
1.1 Die fĂŒnf Kriterien der Heterotopie
Neben der Unterscheidung in Kompensationsheterotopien und Illusionsheterotopien stellt Foucault, um von Heterotopien sprechen zu können, fĂŒnf GrundsĂ€tze ĂŒber die Eigenschaften der RĂ€ume auf. Er skizziert damit eine erste AnnĂ€herung an die Heterotopologie, einer Wissenschaft, die die Heterotopien untersucht.
1.1.1 Die Etablierung durch Kulturen
Jede Kultur richtet spezifische Heterotopien ein. Diese können ĂŒberaus unterschiedlich sein und sich im gesellschaftlichen Kontext verĂ€ndern (vgl. Foucault 2005, S. 11). Krisenheterotopien waren ĂŒberwiegend Menschen in einer physischen Krise vorbehalten. Foucault gibt hier als Beispiel Schulen an, in denen Jugendliche in der PubertĂ€t nach Geschlecht gesondert unterrichtet werden. Auch Hospize und das Wochenbett fĂŒr Frauen nach der Geburt können als Heterotopien gedeutet werden. Ebenso die traditionelle Hochzeitsreise, in der die Entjungferung in ein Nirgendwo, den Zug oder das Hotel (vgl. Foucault 2005, S. 12) verlegt wird und nicht zu Hause stattfinden soll. Krisenheterotopien können also als âOrte der Passage, Platzierungen des Ăbergangsâ (Castro Varela 2007, S. 59) verstanden werden.
Die Heterotopien der Krise werden von den Abweichungsheterotopien ergĂ€nzt. Darunter sind Orte zu verstehen, die fĂŒr Menschen vorgesehen sind, die vom Durchschnitt abweichen, sich also nicht normal verhalten. GefĂ€ngnisse, Kliniken oder auch Erholungsheime können dazugezĂ€hlt werden. Durch diese Orte wird das âNicht-Normaleâ separiert und somit Normalisierung stabilisiert. Zwischen Krisen- und Abweichungsheterotopie ist in der Gegenwart das Altenheim gelagert. Einerseits kann es durch physisch bedingte EinschrĂ€nkungen der Bewohner_innen zu den Krisenheterotopien gezĂ€hlt werden, andererseits gilt in âeiner so beschĂ€ftigten Gesellschaft wie der unsrigen Nichtstun fast schon als abweichendes Verhaltenâ (Foucault 2005, S. 13) und das Altenheim wĂ€re somit eine Abweichungsheterotopie. Die Krisen- beziehungsweise Abweichungsheterotopien bewegen dich zwischen den Illusions- und Kompensationsheterotopien.
1.1.2 Die VerÀnderung innerhalb der Kulturen
Im zweiten Grundsatz beschreibt Foucault, dass sich die Funktionen einer Heterotopie sowie die damit verbundenen Bewertungen Ă€ndern können. Er nimmt hier den Friedhof als Beispiel, den er als âabsolut anderen Ortâ (Foucault 2005, S. 13) bezeichnet. Mit der AufklĂ€rung hat sich ein Kult um die Toten entwickelt und die Sorge wurde gröĂer, dass die Seele der Menschen möglicherweise doch nicht existiere und auch der Körper nicht auferstehen wĂŒrde. Umso mehr Aufwand wurde um die Knochen betrieben. Zuvor wurde den Leichnamen und ihrer Verwesung keine besondere Bedeutung zugeschrieben. Der Friedhof als Heterotopie wurde also erst Ende des 18. Jahrhunderts geschaffen. DarĂŒber hinaus Ă€nderte sich auch die Platzierung der Friedhöfe. Immer hĂ€ufiger wurden diese aus dem Stadtkern an den Stadtrand verlegt, so als hĂ€tten die Menschen Angst, sich am Tod wie an einer Krankheit infizieren zu können.
Heterotopien können im Laufe ihrer Geschichte aber ebenso wieder ganz aufgelöst und zum Verschwinden gebracht werden. Foucault beschreibt hier die Bordelle und die Versuche in vielen europĂ€ischen LĂ€ndern diese abzuschaffen. FĂŒr Chlada wĂ€re dies ein Beispiel dafĂŒr, dass Heterotopien Orte sind âdie nur solange toleriert werden, wie sie kein öffentliches Ărgernis oder gar eine Gefahr fĂŒr die Allgemeinheit darstellenâ (Chlada 2005, S. 8).
1.1.3 Die Vereinigung verschiedener Orte
Der dritte Grundsatz erklĂ€rt: âIn aller Regel bringen Heterotopien an ein und demselben Ort mehrere RĂ€ume zusammenâ (Foucault 2005, S. 14). So gesehen sind die GĂ€rten der Perser im Orient ein altes Beispiel fĂŒr eine Heterotopie. In ihrer viereckigen Anordnung, Bebauung und Bepflanzung brachten sie verschiedene, auch widersprĂŒchliche, Elemente der Welt zusammen. Heterotopien
âstrĂ€uben sich gewissermaĂen gegen Systematisierungsversuche. Es ist ihr Vermögen Unmögliches zusammenzubringen, zu verbinden, in Austausch zu bringen, was sie gegenĂŒber den Homotopien auszeichnetâ (Castro Varela 2007, S. 59).
So kann auch das Rechteck einer TheaterbĂŒhne als Heterotopie gesehen werden, da es hier möglich ist âeine ganze Reihe von Orten darzustellen, die sich gĂ€nzlich fremd sindâ (Foucault 2005, S. 14).
1.1.4. Das Brechen der Zeit
Im vierten Grundsatz beschreibt Foucault den Zusammenhang von Heterotopien und Heterochronien8.
âDie Heterotopie erreicht ihr volles Funktionieren, wenn die Menschen mit ihrer herkömmlichen Zeit brechenâ (Foucault 1999, S. 153), zum Beispiel an Orten, an denen Zeit gespeichert wird, wie Bibliotheken und Museen. Hier wird der Wunsch erkennbar, Zeit zu akkumulieren. In einem Archiv werden zudem Dinge aus unterschiedlichen ZeitrĂ€umen in einem Raum platziert. Diesen Orten, die in einem âModus der Ewigkeitâ (Foucault 2005, S. 16) verbunden sind, st...
Table of contents
- Cover
- Impressum
- Titel
- Inhalt
- EinfĂŒhrung
- 1. EinfĂŒhrung in den Begriff der Heterotopien
- 2. Methoden
- 3. Heterotopie im Clubkontext
- 4. Fazit
- 5. Literaturverzeichnis
- 6. Anlagen
- ErklÀrung
- Danksagung