Innovation in kleinen Schritten
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Innovation in kleinen Schritten

Zur sozialrÀumlichen Kooperation von KindertagesstÀtten, Hilfen zur Erziehung und Allgemeinem Sozialen Dienst

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Innovation in kleinen Schritten

Zur sozialrÀumlichen Kooperation von KindertagesstÀtten, Hilfen zur Erziehung und Allgemeinem Sozialen Dienst

About this book

Dieses Buch handelt von Versuchen, die Kooperation zwischen KindertagesstĂ€tten und Hilfen zur Erziehung zu verbessern und – in sozialrĂ€umlicher Perspektive – zu qualifizieren. In enger, sozialrĂ€umlich ausgestalteter Kooperation von Öffentlichem und Freiem TrĂ€ger sollen die Ausgangslagen fĂŒr nicht ausgrenzende Erziehungs- und UnterstĂŒtzungsleistungen verbessert werden. Im Erfolgsfall fĂŒhrt eine solche Reform durch Integration und FlexibilitĂ€t von Betreuungs- oder Hilfesettings sowie Nutzung sozialrĂ€umlicher Ressourcen - insgesamt also durch einen stĂ€rkeren Lebensweltwie Sozialraumbezug - auch zur Vermeidung formeller Hilfen zu Erziehung ("FĂ€lle") und vor allem aber zu einer verĂ€nderten Infrastruktur eines gelingenden Aufwachsens. Im vorliegenden Buch werden theo retische HintergrĂŒnde, praktische Probleme und Erfolgsbedingungen sowie methodische Hinweise zur Umsetzung einer solcherart verĂ€nderten 'Hilfephilosophie' anhand der Erfahrungen eines Projekts, das bei fĂŒnf unterschiedlichen (Freien) TrĂ€gern in fĂŒnf verschiedenen Regionen angesiedelt war, dargestellt und diskutiert.Zielgruppe: Mitarbeiter*innen in KindertagesstĂ€tten und Hilfen zur Erziehung, Praktiker*innen der Kinder- und Jugendhilfe, Politiker*innen, Studierende und Lehrende im Bereich der Sozialen Arbeit und SozialpĂ€dagogik

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Information

Publisher
Hirnkost
Year
2018
eBook ISBN
9783947380176

Teil III

Anregungen zur Praxisentwicklung

Anregungen zur Praxisentwicklung

Diana DĂŒring, Valentin Kannicht, Friedhelm Peters

1.Sich auf den Weg machen 


Bei der Kindertagesbetreuung (Kita), den Hilfen zur Erziehung (HzE) wie auch beim Allgemeinen Sozialdienst (ASD) handelt es sich um Praxen, die immer schon in einer spezifischen Art und Weise strukturiert sind: u. a. durch ihre historischen und aktuellen sozialpolitischen Vorgaben und Zielsetzungen, ihre sich wandelnden gesetzlichen Rahmungen, spezifische und sich ggfs. verÀndernde Adressierungen ihrer Zielgruppen, z. T. unterschiedliche professionelle Traditionen, Methoden und Zielsetzungen ihrer FachkrÀfte. Des Weiteren zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie einem sozialpÀdagogischen oder sozialarbeiterischen Sinnzusammenhang verpflichtet und stets auch territorial verankert und sozialrÀumlich organisiert sind.
Gehen wir ferner davon aus, dass sich sozialpĂ€dagogisches Handeln immer vermittels Interaktionen von Individuen realisiert und in bestimmten Kontexten stattfindet, gelangen wir zur Vorstellung von vier zusammenhĂ€ngenden und die angesprochenen Felder (Kita, HzE, ASD) konstituierenden PhĂ€nomenen, die zugleich als Ausgangspunkte möglicher VerĂ€nderungen fungieren können: Interaktion – Organisation sowie Individuum – Sozialraum. Diese Sichtweise folgt einem typischen, selbst sozialpĂ€dagogischen „Blick, der zwischen Feld- und Bildungsbezug, zwischen Subjekt- und Strukturperspektive, zwischen institutionellen und personellen Aspekten seinen Horizont entwickelt“ (Rauschenbach/Thole 1998: 20).
Praxisentwicklung
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Mit verstehen, kooperieren, öffnen und flexibilisieren sind die zentralen Handlungsmodi benannt, die in unserem Modell als relevant fĂŒr VerĂ€nderungen gelten können: PĂ€dagogisches Handeln, sprich INTERAKTIONEN, verĂ€ndern sich durch ein verĂ€ndertes Verstehen von INDIVIDUEN und ein Mehr an Kooperation mit anderen Personen und Institutionen im SOZIALRAUM; ORGANISATIONEN verĂ€ndern sich, indem sie sich, bezogen auf die Interessen und Bedarfe von Individuen (in erster Linie Adressat*innen, aber auch Mitarbeiter*innen), flexibilisieren und sich gegenĂŒber dem Sozialraum und in den Sozialraum hinein (als aktiver Bestandteil einer sozialisationsrelevanten Infrastruktur) öffnen und sich niedrigschwellig als Gelegenheitsraum zu VerfĂŒgung stellen. Durch diese VerĂ€nderungen verĂ€ndern sich wiederum auch die Individuen und der soziale Raum entlang folgender Dimensionen:
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die materielle (Ausstattungs-)Dimension
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die symbolische Dimension als „Zeichen-, Symbol- und ReprĂ€sentationssystem“
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die Raumnutzung (Aneignung) und Raumherstellung von Individuen und Gruppen
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die politische Dimension als Betrachtung der relevanten rechtlichen und normativen Regulationen, die strukturieren, wie und durch wen Raum hergestellt und genutzt werden kann (vgl. LĂ€pple 1991: 196, zit. nach Gestring/Janssen 2002: 149).
Die schematische Anordnung und die Wechselwirkungspfeile in der obigen Abbildung zeigen an, dass sich alle vier Entwicklungspfade gegenseitig bedingen und einander beeinflussen. FĂŒr eine gelingende Praxisentwicklung mĂŒssten idealiter in allen vier Feldern zugleich Entwicklungen und AktivitĂ€ten initiiert und stabilisiert werden. Es geht dabei u. a. um die praktische Beantwortung folgender Fragen:
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Wie können sich Einrichtungen (Kita, HzE, ASD) in den Sozialraum öffnen?
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Wie können sich Einrichtungen (Kita, HzE, ASD) flexibilisieren?
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Wie können FachkrÀfte (Kita, HzE, ASD) ihr (Fall-)Verstehen weiterentwickeln?
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Wie kann eine verbesserte sozialrÀumliche Kooperation entwickelt werden?
Mit den folgenden Anregungen zur Praxisentwicklung wollen wir einige ausgewĂ€hlte Strategien, Methoden und Techniken vorstellen, die sich im Projektkontext fĂŒr einen VerĂ€nderungsprozess als hilfreich und unterstĂŒtzend erwiesen haben.
SozialrÀumliche Analysen, die sozialstrukturelle Merkmale als auch die subjekt- und aneignungsbezogenen Aspekte umfassen, können mit Hilfe eines breiten Methodenspektrums vorgenommen werden.
Grob lassen sich hier strukturorientierte AnsĂ€tze, die vor allem die soziale und demographische Zusammensetzung der Bewohner*innen sowie (quantifizierbare) Merkmale der baulichen und infrastrukturellen Ausstattung erfassen, von eher interaktions- oder subjektorientierten AnsĂ€tzen unterscheiden. Letztere zielen v. a. darauf ab, „objektive Gegebenheiten“ aus der Perspektive von Menschen zu erfassen und darĂŒber RĂŒckschlĂŒsse auf Handlungsrelevanzen und subjektive Bedeutungen zuzulassen (vgl. Boettner 2009: 262ff.)
Wichtige und hilfreiche MethodenbĂŒcher bzw. Links:
Deinet, U. (Hrsg.) (2009): Methodenbuch Sozialraum. Wiesbaden
BBS-EHS-Trier/Fachschule Sozialwesen/Fachrichtung SozialpĂ€dagogik: Methodenpool. 55 Beispielmethoden mit KurzerlĂ€uterungen fĂŒr unterschiedliche Erziehungsbereiche in SozialpĂ€dagogischen Einrichtungen (www.bbs-ehs-trier.de/schulformen/fs/fss/fss*Methodenpool*SozialpĂ€dagogik.pdf)
FrĂŒchtel, F./Budde, W./Cyprian, G. (32013): Sozialer Raum und Soziale Arbeit Fieldbook: Methoden und Techniken, Wiesbaden (Orig. 2007)
Eine Vielzahl von zwar primĂ€r an Unterricht/Schule orientierten, aber durchaus ĂŒbertragbaren Methoden in Kurzbeschreibung und mit kurzen ErlĂ€uterungen findet man unter: http://methodenpool.uni-koeln.de/download.html

2.ÖFFNEN – Wie können sich Einrichtungen (Kita, HzE, ASD) sozialrĂ€umlich verstehen und in den Sozialraum öffnen?

2.1SozialraumverstÀndnis und Grundprinzipien

Auf der Handlungsebene einer konzeptionell hergeleiteten Sozialraumorientierung sind insbesondere folgende methodische Prinzipien zentral: die Konzentration auf die Ressourcen der im Quartier bzw. im Sozialraum lebenden Menschen in ihrer empirischen Vielfalt, die materielle Struktur des Quartiers sowie ein zielgruppen- und bereichsĂŒbergreifender Ansatz. Damit geht es um eine methodische Orientierung, die an den StĂ€rken, Ressourcen und Bedarfen von Adressat*innen ansetzt. Gelingen kann dies dann, wenn Organisationen (und Steuerungssysteme) entsprechend umgebaut werden (vgl. u. a. Fehren/Hinte 2013).
Um diese methodischen Orientierungen einordnen zu können, wird nachfolgend kurz das unterliegende Sozialraum verstĂ€ndnis skizziert. Das Wort Sozial vor dem Wort Raum verdeutlicht, dass hier von einer Raumvorstellung ausgegangen wird, mit der die Herstellung und Aneignung von RĂ€umen in den Fokus gerĂŒckt wird. Aspekte wie nahrĂ€umliche Beziehungsstrukturen, professionelle und bĂŒrgerschaftliche Hilfsangebote sowie sozioökonomische und kulturelle Rahmenbedingungen werden in (sozial)pĂ€dagogisches Handeln einbezogen (vgl. Kessl/Reutlinger 2010: 247).
ÜbertrĂ€gt man die vorgenannten Dimensionen – die materielle (Ausstattungs-)Dimension, die symbolische Dimension, die Aneignungsdimension, die politische Dimension – z. B. auf Kitas, will man also Kita ĂŒber ein sozialwissenschaftliches RaumverstĂ€ndnis beschreiben, fĂ€llt der Blick in der materiellen Dimension auf die materielle Ausstattung, z. B. SpielgerĂ€te im Innen- und Außenbereich; vorhandene SpielflĂ€chen/Garten, GebĂ€ude etc.
Die symbolische Dimension zeigt sich in einer spezifischen Gestaltu...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhaltsverzeichnis
  5. EinfĂŒhrung
  6. Teil I. Kita und Hilfen zur Erziehung: Eine sozialwissenschaftliche Verortung im Licht der Projekterkenntnisse
  7. Teil II. Abschlussberichte aus Sicht der beteiligten Standorte und TrÀger
  8. Teil III. Anregungen zur Praxisentwicklung
  9. Teil IV. AK HzE und Kita: Forderungen aus Erkenntnissen des Projekts
  10. Der Arbeitskreis Hilfen zur Erziehung und Kindertagesbetreuung (AK HzE/Kita)
  11. Mitglieder des AK
  12. Literatur
  13. Die Autor*innen

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