KerleKulte
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KerleKulte

Inszenierung von MĂ€nnlichkeit

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  1. 396 pages
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KerleKulte

Inszenierung von MĂ€nnlichkeit

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About this book

"Steh deinen Mann!" - "Benimm dich mal wie ein richtiger Junge!" - "Sei ein Kerl!"- Immer wieder sieht sich das angeblich starke Geschlecht gezwungen, die eigene GeschlechtsidentitĂ€t nachweisen zu mĂŒssen.Nur: Worin besteht MaskulinitĂ€t eigentlich? Und: Wie stellt man(n) sie auf Dauer sicher? Wodurch bleibt der Kerl ein Kerl? Was muss er dafĂŒr tun, MĂ€nnlichkeit bzw. Mannhaftig- keit zugesprochen zu bekommen?Studierende der Sozialen Arbeit an der Hoch- schule Esslingen wollten es genau wissen. Über ein 3D4 Jahr hinweg schwĂ€rmten sie aus, um die Kulte der Kerle zu entdecken: im Fitnessstudio, in der Kaserne, im Kloster, im Knast und anderswo.Ergebnis ihrer Recherche ist dieses Buch voller O-Töne aus dem wahren Jungen- und MĂ€nnerleben - mit einer EinfĂŒhrung ins Thema von Prof. Dr. Kurt Möller.

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Information

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„Wir sind halt einfach Jungs von der Straße.“

BILLY THE KID (20), ABGEBROCHENE SCHREINERLEHRE, HARTZ IV-EMPFÄNGER, AUF AUSBILDUNGSSUCHE LOBO (23), GELERNTER KAROSSERIEBAUER, MOMENTAN REGALEINRÄUMER IM EINZELHANDEL, KNASTERFAHREN
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Als ich zu dem GesprĂ€ch mit euch fuhr, habe ich an der Uni gesagt, ich interviewe linke Skins. So kenne ich euch ja von frĂŒher. Stimmt das eigentlich noch so?
Billy the Kid: Also bei mir kann man das jetzt nicht unbedingt sagen. Ich wĂŒrde mich nicht subkulturell als „Skinhead“ betiteln. Ich bin jetzt schon seit acht Jahren in der Szene, also Punk-Rock, Skinheads, alles was da dazugehört. Ich hab aber ’nen großen Wandel mitgemacht: vom kleinen Straßenpunker zum Skinhead. Und hab dann auch ’ne Zeit lang nur noch Hardcore gehört. Ich hab halt immer wieder neue Sachen ausprobiert. Aber alles immer im kleinen Kreis der Linken. Und das wird sich auch nicht Ă€ndern. Aber ich selbst hab mich halt verĂ€ndert. Allein vom Aussehen her bin ich jetzt nicht mehr so. Ich zieh keine Stiefel mehr an und so. Das ist nicht mehr mein Ding. Ich bin eigentlich nur noch sportlich angezogen.
Was war der Grund, dass du dich da so durchgearbeitet hast?
Billy the Kid: Weiß nicht. Ich bin mit zwölf zu den Punks gekommen, und da war das natĂŒrlich das GrĂ¶ĂŸte. Die Straßenpunks hab ich immer angeguckt und gedacht: „So will ich auch rumlaufen.“ Bis ich das dann eben irgendwann mal selbst gemacht hab. Und dann hat man immer Neues entdeckt, je tiefer man da reingekommen ist, je mehr man auf Konzerte gefahren ist und so weiter. Und dann als kleiner Punker hab ich einen Skin kennen gelernt und dachte mir: „Oh, cool, großer Skinhead! Das gefĂ€llt mir auch!“ Und so hab ich dann eben auch meinen Wechsel durchgemacht. Ich hab aus den ganzen Erfahrungen immer das, was mir gut gefallen hat, behalten. Was mir nicht so gefallen hat, das habe ich abgelegt oder verĂ€ndert.
Und du denkst, dass man das alles gar nicht so strikt trennen sollte?
Billy the Kid: Nee, auf keinen Fall. Ich hab in meinem Freundeskreis Jungs, die kommen von ĂŒberall her. Ob das jetzt HipHopper sind oder normale Kids. Ich hab ’ne beste Freundin, die ist HipHopperin, ich hab in meinem Umfeld Punks, Skins, mir ist das egal. Ich muss mich mit den Leuten gut verstehen. Aus welcher Subkultur die kommen, ist mir eigentlich egal, solang sie eben ein politisch korrektes Denken haben. Das ist schon wichtig. Das Wichtigste.
Und wie ist das bei dir, Lobo?
Lobo: Linker Skin – diese Bezeichnung ist auf jeden Fall nicht mehr zutreffend. Ich hab auch einen Ă€hnlichen Wandel gemacht. Ich bin auch mit 13 in die Punker-Szene gekommen, wobei ich schon immer mit ’nem Haufen Linker zusammen war, weil wir viele in der Klasse hatten, die große Geschwister hatten, die auch links waren. Dementsprechend sind wir automatisch ein bisschen reingerutscht. Mit 13 bin ich dann auch einfach ins kalte Wasser gesprungen: Iro rasiert und so. Ewig hab ich den Iro gehabt, also bestimmt fĂŒnf Jahre lang 

Billy the Kid: 
 mit Stolz getragen!
Immer hoch gemacht auch?
Lobo: Ja, aber zum Schluss nicht mehr so, denn zum Schluss hab ich dann auch keine Lust mehr dazu gehabt. Ich wollte aber immer mit meinem Aussehen provozieren, und dann lag’s nahe, dass ich mir ’ne Glatze rasier, und so bin ich dann auch in den Skinhead-Kult reingerutscht wie Billy. Ich habe eigentlich auch immer Ă€ltere Kumpels gehabt. Seit ich 13 war, war ich immer in der Punk-Rock-Szene unterwegs. Und ich sag Punk-Rock-Szene, weil das ist fĂŒr mich einfach der Überbegriff fĂŒr die Subkultur. Mir ist das eigentlich scheißegal, ob jetzt jemand HipHopper, Metaller, Skinhead, Punker oder Rock’n’Roller ist, solange die Einstellung stimmt. Solang der Typ cool ist und ich keinen Stress mit dem hab, ist mir das eigentlich wurst. Ich persönlich bezeichne mich jetzt aber nicht mehr als Skinhead. Ich hab mich verĂ€ndert. Ich hab jetzt auch andere Styles erfahren 

Billy the Kid: 
 und alles ein bisschen lockerer genommen.
Lobo: Ja, schon. Man muss nicht mehr in die Schublade reinpassen. Z. B. dadurch, dass man sich nur solche Schuhe kauft, die ein Skinhead sich kauft. Ich kann mir auch Sneakers kaufen, ohne dass ich eine auf’n Deckel krieg, weißt du. Die Frisur bei mir ist einfach geblieben, weil ich find: Glatze steht mir und ist auch praktisch.
Du bist ja frĂŒher relativ klassisch skinmĂ€ĂŸig rumgelaufen. Du hast immer Stiefel und HosentrĂ€ger angehabt. Wie wĂ€re das denn gewesen, wenn da ein Kumpel angekommen wĂ€re und ’ne Jogginghose angehabt hĂ€tte?
Lobo: Am Anfang war’s schon so, dass das nicht gegangen wĂ€re. Billy the Kid hat dann aber angefangen mit diesem 

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Billy the Kid: 
 mit diesem ganzen Quatsch! (Beide lachen.)
Mann, Alter! Du kannst doch keine Jogginghose anziehn. Wie sieht denn das aus?
Lobo: 
 damit, dass man auch andere Klamotten tragen kann. Am Anfang war ich ein bisschen engstirnig und hab gesagt: „Mann, Alter! Du kannst doch keine Jogginghose auf die Gass’ anziehn. Wie sieht denn das aus?“ Aber mittlerweile hab ich festgestellt: Das ist eigentlich auch schon ziemlich cool. Und jetzt seh ich das nicht mehr so eng. Ich zieh das an, was mir gefĂ€llt. Bei anderen Leuten tut man natĂŒrlich noch drĂŒber reden, ist ja klar! (Lacht.)
Billy the Kid: Ich denk mal, das hĂ€ngt auch damit zusammen: Am Anfang, wenn du da frisch reinrutschst, einfach wenn du jĂŒnger bist, denkst du, du musst den anderen Leuten unbedingt beweisen, dass du so drauf bist. Und du drĂŒckst das eben meistens anfĂ€nglich nur ĂŒber dein Äußeres aus.
Lobo: Man hat ja auch gar nicht so das Wissen.
Billy the Kid: Genau. Und zum anderen: Die Leute kennen dich vielleicht noch nicht. So willst du denen gefallen, du willst da reinpassen. Das war eben immer so ein Ding: Du musstest mithalten mit den Großen. NatĂŒrlich hast du da erst mal auf das Äußere geguckt. Nur mittlerweile, ich bin ja jetzt acht Jahre dabei, er schon ein bisschen lĂ€nger, da sieht man das alles nicht mehr so eng. Dann hat man seine Jungs, da braucht man nicht mehr. Also fĂŒr mich ist das so: Ich hab hier meinen festen Freundeskreis. Den hab ich jetzt schon seit einigen Jahren, mit denen bin ich durch dick und dĂŒnn gegangen grĂ¶ĂŸtenteils. Da ist einfach egal, was du trĂ€gst. Ich kenn die Jungs, die Jungs kennen mich 

Lobo: Ich muss auch sagen: Ich hab mein Aussehen und meine Klamotten immer so gewĂ€hlt, weil ich richtig provozieren wollte. Das war immer schon mein Ding. Und dann irgendwann hat’s halt angefangen, dass man auch mal ein paar illegale Sachen gemacht hat und so was. Jetzt mittlerweile schau ich dagegen, dass meine Klamotten immer noch schön aussehen und immer noch schön provozieren, aber dass man, wenn’s dann mal sein muss, auch untertauchen kann.
Du hast dich ja nicht nur von den Klamotten her ein bisschen verĂ€ndert, sondern auch körperlich. Du hast ganz schön abgenommen 

Lobo: Also angefangen hat das alles mit meiner Drogenkur. (lacht.) Bei uns gab’s nĂ€mlich ’ne Zeit, da haben wir ziemlich viele Drogen genommen, da haben wir ziemlich viel gezogen.
Billy the Kid: Wenn du das jetzt erzÀhlst, dann kannst du das Buch ja nie deinen Eltern zeigen. Oder deinen Kindern 

Lobo: Ist doch egal 
 Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass ich dadurch komplett abgenommen habe, und ich hab dann wieder aufgehört damit. Beziehungsweise wir haben beide aufgehört damit. Und ich hab dann Zwangsurlaub gemacht: Letzten Sommer fĂŒr sechs Wochen war ich in U-Haft. Und in den sechs Wochen hab ich jeden Tag außer samstags und sonntags trainiert. Es gab ja auch keinen Alkohol und nichts, wo man sagen könnte: „Okay, du nimmst jetzt zu oder wirst fett dadurch“, sondern da kriegst du ja eh immer viel zu wenig zu essen. Und dann hat sich das mit der Figur halt so ergeben.
Und machst du jetzt momentan auch Sport, um das zu halten?
Lobo: Nee, momentan mach ich nichts. Aber ich hab frĂŒher Sport gemacht. Ich hab mal MMA getestet, zwei Monate lang.
MMA – was ist das?
Lobo: Kampfsport.
Billy the Kid: Mixed Martial Arts. Also das in diesem KĂ€fig. Aus Amerika. Das sind halt verschiedene KampfkĂŒnste, also auch am Boden und man hat nur so Handschuhe an, damit die Finger geschĂŒtzt sind. Da sind auch Sachen vom Judo dabei, da ist eben alles Mögliche dabei.
Lobo: Ja, das hab ich zwei Monate gemacht, dann hab ich ein Jahr lang aktiv Football gespielt, und ja, das war eigentlich alles, was ich an Sport gemacht hab.
Billy the Kid: Ich hab von klein auf Sport gemacht. Das war immer wichtig fĂŒr mich. Das war auch das Einzige, was ich immer konsequent durchgezogen hab in meinem Leben. FrĂŒher hab ich mal Trampolinspringen gemacht. Und dann hab ich mit 13 Jahren auch angefangen, Football zu spielen. Hab das dann auch sechs Jahre lang gemacht. Hab dann aber auf Grund von verschiedenen Verletzungen aufgehört damit. Musste dann aber was Neues machen. Also ich konnte nicht ohne Sport, das ging nicht. Football ist ja auch ein sehr kontaktfreudiger Sport, also hab ich wieder was gebraucht, wo’s auf jeden Fall was auf die Zwölf gibt. Und dann hab ich das MMA damals fĂŒr mich entdeckt. Und hab damit angefangen. Ich hab das ein Jahr lang trainiert, dann hat mein Trainer leider aufgehört und i...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Wann IST der Mann 

  6. Wie bleibt der Kerl ein Kerl?
  7. AUFM KIEZ
  8. SÜDBAHNHOF
  9. CORPORALIENMARKT
  10. GEFÄNGNIS
  11. ST. MANNFRIED
  12. KASERNE AM WESTBAHNHOF
  13. VERGNÜGUNGS- UND KULTURVIERTEL
  14. FREI BIKEN / FREI ROCKEN
  15. ARTHEMIS-VIERTEL
  16. SPORTGELÄNDE AM NORDBAHNHOF
  17. SILICON HILL
  18. GEHE IN DAS GEFÄNGNIS 

  19. VOR DEM STADTTOR
  20. POLIZEI- UND FEUERWACHE AM HAUPTBAHNHOF
  21. CHRISTOPHER STREET VILLAGE