Der Mahdi
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Der Mahdi

ReiseerzÀhlung Im Lande des Mahdi II, Band 17 der Gesammelten Werke

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Der Mahdi

ReiseerzÀhlung Im Lande des Mahdi II, Band 17 der Gesammelten Werke

About this book

Die Suche nach den SklavenjĂ€gern fĂŒhrt Kara Ben Nemsi und Ben Nil nach Kordofan. Nach einer aufregenden Löwenjagd sorgen der Auftritt des "Mahdi", die Gefangenschaft beim satanischen Ibn Asl, die Geschehnisse am Dschebel Arasch Kol und am "Sumpf des Fiebers" fĂŒr weitere Spannung. Die vorliegende ErzĂ€hlung spielt Ende der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts. "Der Mahdi" ist Teil der Trilogie "Im Lande des Mahdi". Weitere BĂ€nde sind: 1) "MenschenjĂ€ger" (Band 16)2) "Im Sudan" (Band 18)

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Information

Year
2011
eBook ISBN
9783780215178
Subtopic
Classics
KARL MAY’s
GESAMMELTE WERKE
BAND 17
DER MAHDI
Im Lande des Mahdi
Zweiter Band
REISEERZÄHLUNG
VON
KARL MAY
Herausgegeben von Dr. Euchar Albrecht Schmid
© 1952 Karl-May-Verlag
ISBN 978-3-7802-1517-8
KARL-MAY-VERLAG
BAMBERG ‱ RADEBEUL

Inhalt

1. Ein Spion
2. In der eigenen Falle gefangen
3. Der ,Herr mit dem dicken Kopf ‘
4. Der Mahdi
5. Ibn Asl, der SklavenjÀger
6. Ein teuflischer Anschlag vereitelt
7. An Bord des Sklavenschiffes
8. Schlingen und Netze
9. Am Dschebel Arasch Kol
10. Am ,Sumpf des Fiebers‘
11. Gerechte Vergeltung
12. Der Mudir von Dscharabub
13. Der Verschollene
14. Beim ,Vater der FĂŒnfhundert‘
15. Rechtsprechung im Sudan
16. Im Quellgebiet des Nil
17. Die Seribah Aliab
18. Das Ende der Seribah

1. Ein Spion

KordofĂąn, dieses eigenartige Land, ist von jeher das Durchzugsland vieler wandernder StĂ€mme gewesen, und darum war seine Bevölkerung schon vor der Eroberung durch Mehemed Ali bunt gemischt. Dann brachten die FellahĂźn und die Baschibosuks des Vizekönigs das Blut aller kleinasiatischen Rassen unter das Volk. Griechen, Levantiner, Armenier, Arnauten haben sich mit den schwarzen StĂ€mmen des SĂŒdens vermischt, und zwischen ihren Abkömmlingen wohnen wieder die reinblĂŒtigen Enkel ganzer NomadenstĂ€mme, die aus dem Hedschas herĂŒberwanderten.
KordofĂąn gehört zu den SudanlĂ€ndern. Es bildet in seinem nördlichen und westlichen Teil eine ungeheure Grassteppe, die in der trockenen Jahreszeit einer dĂŒrren WĂŒste gleicht, sich aber wĂ€hrend der Regenzeit mit ĂŒppigem Pflanzenwuchs bedeckt. Die weiten, grasigen Strecken werden von MimosenwĂ€ldern unterbrochen. In dieser Steppe gibt es ungefĂ€hr neunhundert Brunnen mit Dörfern in der NĂ€he. Dort weiden wĂ€hrend der Regenzeit die vielen wandernden StĂ€mme ihre Herden, um zu Beginn der trockenen Jahreszeit wieder fortzuziehen. Man trifft da Giraffen, Strauße, ĂŒberhaupt Vögel der verschiedensten Arten, und ungeheure Antilopenherden.
Der sĂŒdliche Teil des Landes hat mehr tonigen Boden, der das Wasser hĂ€lt, woraus eine wahrhaft bewundernswerte FĂŒlle und Großartigkeit des Pflanzenwuchses folgt. Riesige Strecken sind mit Palmen, GewĂŒrzbĂ€umen, Adansonien und DattelbĂ€umen bedeckt. Die Tiere, die diese WĂ€lder bewohnen, werden von den Leoparden und dem Panther gejagt, und hĂ€ufig hört man hier auch die Stimme des Löwen, des ,alles Beherrschenden‘.
Das Wadi Melk wird schon mit zu KordofĂąn gerechnet, und da wir uns zwischen diesem und Es Safih befanden, hatten wir Nubien hinter uns. Wie man sich erinnern wird, hatte ich dem SklavenjĂ€ger Ibn Asl die geraubten Beduininnen abgenommen und in ihre Heimat zum Bir es Serir zurĂŒckgebracht. Zwanzig Asaker[1] begleiteten mich. Wir waren von den Angehörigen der Frauen und MĂ€dchen mit Jubel aufgenommen und nach ihren VerhĂ€ltnissen reich bewirtet und beschenkt worden. Nach unserem Aufbruch hatten die Fessarah uns das Geleit bis zum Ende der zweiten Tagereise gegeben, und nun wollten wir auf dem kĂŒrzesten Weg nach Khartum, wo ich meine Asaker ihrem Befehlshaber, dem ReĂŻs Effendina Achmed Abd el Insaf, zu ĂŒbergeben gedachte.
Es war noch nicht allzu spĂ€t nach der Regenzeit, darum stand die Grasflur noch in saftigem GrĂŒn. WĂ€re ich nicht auf einem Hedschihn[2], sondern auf einem Pferd gesessen, so hĂ€tte ich leicht denken können, der Ritt ginge durch eine amerikanische PrĂ€rie. Wenn in der trockenen Jahreszeit das Gras verdorrt ist, muss man den Weg möglichst so legen, dass man Brunnen berĂŒhrt. Jetzt aber war das nicht nötig. Das Wandern von einem Brunnen zum anderen kostet viel Zeit. GegenwĂ€rtig, bei der saftigen Grasweide, brauchten wir fĂŒr unsere Tiere kein Wasser, und fĂŒr uns waren die SchlĂ€uche gefĂŒllt. Darum konnten wir eine schnurgerade Richtung einhalten, bis das Wasser fĂŒr die Menschen zur Neige ging und wir dadurch doch gezwungen waren, wieder einen Brunnen aufzusuchen.
Auf diese Weise gelangten wir immer noch einen vollen Tag eher an den Bir Atschahn. Dieser Name bedeutet der ,durstige Brunnen‘, denn er enthĂ€lt wĂ€hrend der heißen Jahreszeit kein Wasser. Jetzt aber hatte er mehr, als nötig war, um unsere SchlĂ€uche von neuem zu fĂŒllen. Er lag inmitten der ebenen Steppe, ohne von einem Felsen, einem Baum oder Strauch gekennzeichnet zu werden. Ich hĂ€tte 'ihn gewiss nicht gefunden, wĂ€re uns nicht von unseren Gastfreunden ein FĂŒhrer mitgegeben worden, der uns nach Khartum bringen sollte und die Gegend hier ebenso genau kannte wie die schlechten Eigenschaften seiner langen arabischen Flinte.
Diese Flinte war Abdullahs Herzeleid, und doch schien er sie ĂŒber alle Maßen zu lieben. Er hatte sie stets in der Hand und sprach gern von ihr. Auch jetzt, als er neben mir beim Brunnen saß, hielt er sie liebevoll fest, ließ seinen Blick freundlich ĂŒber sie gleiten und sagte:
„Hast du schon einmal so eine Arbeit gesehen, Effendi? Ist sie nicht bewundernswert?“
Der Kolben des Gewehrs war nÀmlich mit Elfenbein stark ausgelegt. Die Zeichnung bildete eine Gestalt, die mir unverstÀndlich war. Darum entsprach meine Antwort nicht ganz seinem Wunsch.
„Äußerst geschmackvoll, ja geradezu prĂ€chtig! Aber was soll die Zeichnung vorstellen?“
„Was sie vorstellen soll? Welche Frage! Siehst du das nicht?“
Abdullah hielt mir den Kolben vor die Nase.
„Da, sieh genauer hin! Nun, was ist’s?“
Ich gab mir alle MĂŒhe, das Ding zu entrĂ€tseln, doch vergeblich. Das war keine Schrift, kein Bild, ĂŒberhaupt nichts Erkennbares.
„Du bist blind“, meinte er. „Möge Allah dein Auge erleuchten! Aber da du ein Christ bist, so ist es gar nicht zu verwundern, dass du die Zeichnung nicht erkennst. Ein glĂ€ubiger Muslim sieht beim ersten Blick, was sie zu bedeuten hat. Erkennst du nicht, dass es ein Kopf ist?“
Ein Kopf? Keine Spur davon! Man hÀtte es...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. 3. Der ,Herr mit dem dicken Kopf ‘
  4. 4. Der Mahdi
  5. 5. Ibn Asl, der SklavenjÀger
  6. 6. Ein teuflischer Anschlag vereitelt
  7. 7. An Bord des Sklavenschiffes
  8. 8. Schlingen und Netze
  9. 9. Am Dschebel Arasch Kol
  10. 10. Am ,Sumpf des Fiebers‘
  11. 12. Der Mudir von Dscharabub
  12. 13. Der Verschollene
  13. 14. Beim ,Vater der FĂŒnfhundert‘
  14. 15. Rechtsprechung im Sudan
  15. 16. Im Quellgebiet des Nil
  16. 17. Die Seribah Aliab

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