Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers.Der Roman spielt in China am Ende des 19. Jahrhunderts. ErzĂ€hlt wird die Geschichte des jungen, reichen Chinesen Kin-Fo, der das Leben als solches nicht zu schĂ€tzen weiĂ. Dank seines Reichtums musste er nie erfahren, was es bedeutet, glĂŒcklich oder unglĂŒcklich zu sein. Er kennt den Unterschied nicht. Als er jedoch bei Spekulationen sein gesamtes Vermögen verloren glaubt, schlieĂt er bei einer amerikanischen Versicherungsgesellschaft eine Lebensversicherung ab, die auch das Ableben durch Selbstmord mit einschlieĂt. Dadurch möchte er seine geliebte Freundin und seinen besten Freund, den Philosophen Wang, nach seinem Tode finanziell absichern. Wang, der in frĂŒheren Zeiten einst ein Mörder und Rebell war, solle ihm das Leben nehmen, damit die Versicherungssumme ausgezahlt werden könne. Als Kin-Fo nach der Erteilung dieses Mordauftrags plötzlich erfĂ€hrt, dass er gar nicht bankrott sei, beginnen seine persönlichen Drangsale. Plötzlich möchte er nicht mehr sterben und deshalb verhindern, durch seinen treuen und zuverlĂ€ssigen Freund ins Jenseits befördert zu werden. Doch Wang ist unauffindbar... (aus wikipedia.de)

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Die Leiden eines Chinesen in China
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LiteratureDie Leiden eines Chinesen in China

Erstes Capitel. In dem der Charakter und die NationalitÀt der handelnden Personen nach und nach zu Tage treten.
»Man muĂ doch zugeben, daĂ das Leben seine guten Seiten hat! rief der eine Theilnehmer einer Tafelrunde aus, der sich mit dem Arme gegen die Marmorlehne seines Sessels stĂŒtzte und seelenvergnĂŒgt eine ĂŒberzuckerte Wasserlilienwurzel verzehrte.
â Aber auch seine schlechten! bemerkte ein Anderer, unterbrochen von HustenanfĂ€llen, da ihn die Spitze einer delicaten Haifischflosse zu ersticken drohte.
â Werdet nur endlich Philosophen! mischte sich da eine Ă€ltere Persönlichkeit ein, auf deren Nase eine ungeheure Brille mit runden, in Holz gefaĂten GlĂ€sern ruhte. Heute denkt man zu ersticken und morgen geht Alles so glatt ab, wie ein Schluck von diesem Nektar durch die Gurgel rinnt! Das ist das Bild des Menschenlebens!«
Mit diesen Worten leerte der sich in Alles schickende EpikurÀer ein Glas des herrlichen erwÀrmten Weines, dessen leichte Dampfwölkchen aus einem blitzenden, metallenen Theekessel aufwirbelten.
»Was mich betrifft, lieĂ sich ein vierter Tischgenosse vernehmen, so erscheint mir unser Erdenwallen nur dann beachtenswerth, wenn man nichts thut und auch die Mittel besitzt, der sĂŒĂen MuĂe zu fröhnen!
â Falsch! Grundfalsch! warf da der FĂŒnfte ein. Das wahre GlĂŒck gewĂ€hrt nur die Arbeit. Wer die gröĂte Summe von Kenntnissen erwirbt, der ist damit auf dem Wege, wirklich glĂŒcklich zu sein....
â Und zu lernen, daĂ er, bei Lichte besehen, doch nichts weiĂ.
â Ist das nicht der Weisheit Anfang?
â GewiĂ, doch wo ist deren Ende?
â Die Weisheit hat kein Ende! erwiderte philosophisch der Mann mit der Brille. Gesunden Menschenverstand zu besitzen, bleibt doch die höchste Befriedigung!«
Nun wendete sich der erste Tafelgast direct an den Amphitryo, der das obere Ende des Tisches, das heiĂt den untergeordnetsten Platz einnahm, wie es die landesĂŒblichen Gesetze der Höflichkeit erheischten. Theilnahmslos und etwas zerstreut, hörte dieser, ohne ein Wort dazu zu sagen, obigem Meinungsaustausche inter pocula zu.
â Was denkt wohl unser liebenswĂŒrdiger Gastgeber ĂŒber diese Auseinandersetzungen bei vollem Glase? HĂ€lt er das Menschenleben heutzutage fĂŒr gut oder schlecht? Ist er ein Freund oder Feind desselben?
â Pah!« antwortete der Angeredete.
Das ist so recht eigentlich das beliebteste Wort aller gleichgiltigen Seelen. Es sagt sowohl Alles als gar nichts. Es gehört allen Sprachen an und sollte sich in jedem Wörterbuche der Erdkugel finden. Es ist etwa das »artikulirte Mundaufthun«.
Die fĂŒnf GĂ€ste, welche jener Gelangweilte bewirthete, stĂŒrmten jetzt aber, jeder fĂŒr seine Ansicht, mit Argumenten aller Art auf ihn ein. Man wollte mit aller Gewalt seine Meinung hören. AnfĂ€nglich verweigerte er jede Antwort und sagte zuletzt nur, daĂ das Leben im Grunde weder gut, noch schlecht zu nennen sei. Seiner Meinung nach wĂ€re es eine ziemlich zwecklose, im Ganzen genommen etwas unerquickliche »Erfindung«.
»Nun da habt Ihr ganz unseren alten Freund!
â Wie kann er nur so sprechen, da noch nicht die Falte eines Rosenblattes seine Ruhe gestört hat?
â Und wo er noch so jung ist!
â Jung und kerngesund!
â Gesund und reich!
â Sehr reich!
â Mehr als reich!
â Vielleicht nur zu reich!«
Diese Ausrufe kreuzten sich wie die Raketen eines Feuerwerkes, ohne auf dem unerregbaren Gesichte des Amphitryonen auch nur ein leises LĂ€cheln hervorzurufen. Er begnĂŒgte sich, mit den Achseln zu zucken, wie ein Mensch, der noch niemals, nicht einmal eine kurze Stunde lang, im Buche seines Lebens geblĂ€ttert, ja, der noch nicht einmal dessen erste Bogen aufgeschnitten hat.
Und doch zĂ€hlte dieses Muster von Indifferentismus erst einunddreiĂig Sommer, erfreute sich der besten Gesundheit, besaĂ ein groĂes Vermögen, einen nicht ungebildeten Geist und natĂŒrliche Anlagen, die ihn weit ĂŒber den Mittelschlag der Menschheit erhoben â mit einem Worte, er hatte Alles, was so manchem Anderen fehlt, um der GlĂŒcklichste unter der Sonne zu sein. Warum war er das nicht?
Warum?
Da lieĂ sich die ernste Stimme des Philosophen vernehmen, der gemessen sprach wie der FĂŒhrer des altgriechischen Chors.

»Wenn Du hiernieden nicht glĂŒcklich bist, mein Freund, sagte er, so kommt das nur daher, daĂ Dein GlĂŒck stets ein rein negatives war. Mit dem GlĂŒcke verhĂ€lt sich's wie mit der Gesundheit. Um sie zu genieĂen, muĂ man sie einmal entbehrt haben. Du bist niemals krank.... oder richtiger, niemals unglĂŒcklich gewesen! Das ist's, was Deinem Leben fehlt. Wer vermag wohl das GlĂŒck zu schĂ€tzen, wenn ihn nicht, auch nur einen Augenblick lang, das ...
Table of contents
- Jules Verne â Biografie und Bibliografie
- Die Leiden eines Chinesen in China
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