Lernarchitekturen der Zukunft
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Von den Besten Lernen

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Lernarchitekturen der Zukunft

Von den Besten Lernen

About this book

Das Berufsbild von Schulleitung gleicht immer mehr dem eines Mangers. Dies zieht die Schlussfolgerung nach sich, dass sich die Schulleitungsausbildung an Managementtrainings orientieren muss. Welche Aspekte von FĂŒhrungskrĂ€ftetrainings sind förderlich fĂŒr Lernprozesse und auf die Schulleitungsausbildung anwendbar?Deshalb ist das Motto "Von den Besten lernen". Die Lernarchitekturen von drei sehr erfolgreichen FĂŒhrungskrĂ€ftetrainings stehen im Vergleich. Zum Ersten das Managementtraining des Management Zentrums St. Gallen von Fredmund Malik fĂŒr die DaimlerChrysler AG (seit 2007: Daimler AG), zum Zweiten das Hernstein General Manager Programm des Hernstein Instituts Wien und zum Dritten das FĂŒhrungstraining der EuropĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr Coaching, Supervision und Klienting von Karl-J. Kluge. Das Ziel ist es, die Lernarchitekturen herauszuarbeiten und die Vor- und Nachteile deutlich zu machen, um deren Wirkungsweisen kennen zu lernen. Die Frage, welche Aspekte dieser FĂŒhrungskrĂ€ftetrainings Anwendung in der Schulleitungsausbildung finden können, wird beantwortet.

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Information

Year
2013
eBook ISBN
9783980193252

1. Einleitung

1.1 Ausgangssituation

Die Schulen werden von VerĂ€nderungen des gesellschaftlichen und politischen Lebens beeinflusst. Im Blickpunkt der allgemeinen Bildungsdiskussion in Deutschland steht die QualitĂ€t von Schule. Das gesamte öffentliche Bildungssystem befindet sich auf dem PrĂŒfstand. Die QualitĂ€t von Lehrinhalten, Methoden, sowie die gesamte Lehrerschaft werden in Zweifel gezogen. Forderungen nach einer Bildungsreform werden deutlich.
Auf diese Forderung reagieren die Landesregierungen der BundeslĂ€nder mit einem politischen Umdenken. Um das höchstmögliche QualitĂ€tsniveau zu erreichen, werden einerseits neue QualitĂ€tsstandards entwickelt und andererseits neue Gesetze und Verordnungen verabschiedet; es werden QualitĂ€tsprogramme fĂŒr Schule zur Verbesserung von Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung erdacht.
Ebenso plĂ€dieren die Landesregierungen fĂŒr eine StĂ€rkung der Eigenverantwortlichkeit und SelbstĂ€ndigkeit der Schulen. Dieses beinhaltet ein Mehr an Gestaltungsmöglichkeiten und Verantwortlichkeiten fĂŒr die Schule vor Ort und ein Weniger an zentralen Vorgaben. Sie sollen schrittweise mehr Freiheit in pĂ€dagogischen, personellen, finanziellen und organisatorischen Fragen erhalten. So möchte das hessische Kultusministerium nur noch die benötigten Ressourcen zur VerfĂŒgung stellen und die Rahmenbedingungen abstecken, in denen die Schulen die bildungspolitischen Ziele und Inhalte umsetzen können. In diesem Zusammenhang kommt der Schulleitung eine zentrale Stellung zu, da sie fĂŒr die Umsetzung in den Schulen maßgeblich verantwortlich ist.
An die Schule werden neue Anforderungen gestellt:
„politisch (neue Aufgaben: Schulprogramm, Evaluation), ökonomisch (BudgetkĂŒrzungen, Einsparungen), gesellschaftlich (Image des Lehrberufs, Beamtenstatus), global (internationaler Wettbewerb, Rankings), pĂ€dagogisch (bessere Leistungen bei ungĂŒnstigeren Rahmenbedingungen), didaktisch-methodisch (Individualisierung und Dynamisierung des Unterrichts), (multi)medial (neue Medien und Kommunikationsformen).“
(Schratz 2003, 5)
Schulleitung ist der Motor der Schulentwicklung, ohne ihre innovativen und zukunftsweisenden Unternehmungen werden sich Schulen nicht qualitativ und professionell weiterentwickeln.
Daraus wird deutlich, wie vielfĂ€ltig und umfangreich die TĂ€tigkeit einer Schulleitung ist und welche umfangreichen Kompetenzen vorausgesetzt werden. Um Schulleitung soweit zu professionalisieren ist eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung erforderlich. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich mit zukunftsweisenden Lernarchitekturen der Aus- und Weiterbildung von FĂŒhrungskrĂ€ften auseinanderzusetzen.

1.2 Zielsetzung

Die Rahmenbedingungen von Schule und Schulleitung haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Im Zuge dessen, dass immer mehr Schulen selbstverantwortlich arbeiten, haben sich auch das Profil und der Umfang der TĂ€tigkeiten eines Schulleiters (Zum vereinfachten Lesen wird die mĂ€nnliche Schreibweise verwendet. Wenn im Text die mĂ€nnliche Schreibweise zu finden ist, schließt diese die weibliche Schreibweise ein.)sehr verĂ€ndert. Die Aufgaben gleichen denen eines Managers. Diese Entwicklung muss auch in der Schulleiterausbildung BerĂŒcksichtigung finden.
Das Ziel der Arbeit ist es von den Besten zu lernen. Aus diesem Grund stelle ich in dieser Arbeit drei sehr erfolgreiche FĂŒhrungskrĂ€ftetrainings vor. Zum Ersten das Managementtraining des Management Zentrums St. Gallen von Fredmund Malik fĂŒr die DaimlerChrysler AG (seit 2007: Daimler AG), zum Zweiten das Hernstein General Manager Programm des Hernstein Instituts Wien und zum Dritten das FĂŒhrungstraining der EuropĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr Coaching, Supervision und Klienting von Karl-J. Kluge. Das Ziel ist es, die Lernarchitekturen herauszuarbeiten und die Vor- und Nachteile deutlich zu machen, um deren Wirkungsweisen kennen zu lernen. Dies soll zur PrĂŒfung dienen, ob und welche Aspekte dieser FĂŒhrungskrĂ€ftetrainings Anwendung in der Schulleitungsausbildung finden können.
Da ich selbst aus dem hessischen Schulsystem komme nehme ich bei der Schilderung des Berufsbilds Schulleitung und den Kompetenzen von Schulleitung Bezug auf Veröffentlichungen des hessischen Kultusministeriums, die aber inhaltlich auf andere BundeslĂ€nder ĂŒbertragbar sind.

2. Rahmenbedingungen fĂŒr Schule und Schulleitung

In diesem Kapitel soll aufzeigt werden, wie sich die Rahmenbedingungen fĂŒr Schule und Schulleitung im Laufe der Zeit verĂ€ndert haben.

2.1 Entwicklung der Rahmenbedingungen

1972 bemerkte Scharnberg, dass Schulleitung nicht eine bĂŒrokratische Nebenfunktion im Schulbetrieb ist, sondern dass die Schulleitung das zentrale pĂ€dagogische Steuerungsorgan darstellt. Die AusĂŒbung dieser Funktion hat Form und Rang eines pĂ€dagogischen Spezialberufs. (Vgl. Scharnberg 1972, 487) ErgĂ€nzend Ă€ußerte Wirries, dass Schulleitung zum „Steuern“ auch „Steuerungsinstrumente“ (FĂŒhrungsinstrumente) und „Steuerungszeit“ (Leitungszeit) benötigt. (Vgl. Wirries 1986, 76) Wirries fĂŒhrt weiter aus, dass, obwohl sich der „Arbeitsplatz Schule“ ArbeitsplĂ€tzen in der freien Wirtschaft angenĂ€hert hat, unterschiedliche MaßstĂ€be angesetzt werden. Aber zum Vorteil einer erkennbaren Weiterentwicklung sollte auch der Arbeitsplatz Schule unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet und der Faktor Mensch vergleichbar der Wirtschaft eingesetzt und gesteuert werden. (Vgl. Wirries 1986, 77) In den 80er Jahren findet auch auf ministerialer Ebene ein Umdenken statt. So hat unter anderem Hans Maier, seinerzeit Bayerischer Staatsminister fĂŒr Unterricht und Kultus, 1983 Parallelen zwischen den FĂŒhrungsaufgaben in einer Schule und in einem Wirtschaftsunternehmen erlĂ€utert:
„Spricht man von einem Manager, so fallen einem die Schlagwörter Organisation, Planung, FĂŒhrung, Konferenz, ProduktivitĂ€t, RentabilitĂ€t, EffektivitĂ€t, Leistung, Marketing ein. ÜbertrĂ€gt man diese Begriffe auf den schulischen Alltag , so bemerkt man rasch, daß der Schulleiter heute in der Tat so etwas wie ein Manager geworden ist: Organisation, Planung, FĂŒhrung, Konferenz, Umsetzen von Stundentafeln und Lehrerzuweisung in einen Stundenplan, Erreichung grĂ¶ĂŸtmöglicher Ausstattung mit möglichst geringem finanziellen Aufwand, Auswahl aus den in vielfĂ€ltigstem Angebot vorhandenen Lehr- und Lernmitteln, Pflege des Erscheinungsbildes, des Images seiner Schule in der Öffentlichkeit [
]“
(Meier 1983, 4)
1985 möchte der niedersĂ€chsische Kultusminister Oschatz mit einem neuen Trainingsprogramm fĂŒr Schulleitung, MaßstĂ€be setzten, in dem er die MitarbeiterfĂŒhrung in den Mittelpunkt stellt. (Vgl. Wirries 1986, 77)
Schule ist in mancher Hinsicht ein Ort, an dem Traditionen bewahrt werden aber auch VerĂ€nderungen stattfinden. Dies ist das Spannungsfeld, in dem die Schulleitung und die Lehrerschaft agieren mĂŒssen:
„Eine gut funktionierende Schule war bislang diejenige, die als bĂŒrokratische Organisationseinheit nach der Vorgabe ĂŒbergeordneter Kenn- und Grenzwerte klaglos arbeitete. Als Schulleitung bewĂ€hrte sich vorwiegend, wer ein guter „BefehlsempfĂ€nger“ und „-weitergeber“ mit dem Ziel einer reibungslosen Verwaltung von Schule war. Die Rahmenbedingungen der zentral gesteuerten Schule waren klar (d. i. hierarchisch) strukturiert und ĂŒber den Verordnungsweg „von oben nach unten“ reguliert.“
(Schratz 2003, 1)

2.2 Rahmenbedingungen heute

Die Schule der Zukunft ist durch mehr SelbstĂ€ndigkeit und Eigenverantwortung geprĂ€gt. Sie muss sich stĂ€ndig neuen Herausforderungen stellen und dem immer wĂ€hrenden Wandel von Gesellschaft, Wirtschaft und Forschung anpassen. SchlĂŒsselkompetenzen und selbstĂ€ndiges Lernen stehen im Mittelpunkt, welches ganz neue Herausforderungen an die Gestaltung der Unterrichtsinhalten und -formen stellt.
„Es geht um eine gute Balance zwischen den Zielen der Persönlichkeitsbildung junger Menschen auf der einen, und neuen Herausforderungen einer im Umbruch begriffenen gesellschaftlichen Wirklichkeit auf der anderen Seite. Reformen und Innovationen bleiben dabei an den Bildungs- und Erziehungsauftrag gebunden, wie er in Grundgesetz und Landesverfassung vorgegeben ist.“ (Abschlussbericht GesprĂ€chskreis „Berufsbild Schulleitung“ 2008, 6)
Die Bildungspolitik muss fĂŒr die neuen Entwicklungen die entsprechenden Weichen stellen, die wiederum von den Schulleitungen und Schulen umgesetzt werden. Man geht davon aus, dass eine erhöhte SelbstĂ€ndigkeit positive EinflĂŒsse auf die UnterrichtsqualitĂ€t hat. Wo Menschen substanziell Einfluss auf die Inhalte ihrer Arbeit, auf die Arbeitsweise und die Arbeitsorganisation ihrer Einrichtung nehmen können, steigen Motivation, Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft. (Vgl. Abschlussbericht GesprĂ€chskreis „Berufsbild Schulleitung“ 2008, 7) Aus diesem Grund gibt es Bestrebungen der Bildungspolitik, dass die GestaltungsspielrĂ€ume der Einzelschulen erweitert werden. Schulen befinden sich in einem kontinuierlichen zirkulĂ€ren Prozess der erweiterten SelbstĂ€ndigkeit, dies bedeutet Selbststeuerung, Selbstverantwortung und bestĂ€ndige QualitĂ€tsverbesserung. (Vgl. Abschlussbericht GesprĂ€chskreis „Berufsbild Schulleitung“ 2008, 8)
Dieser Wandel beeinflusst auch die Zusammenarbeit der Schule und der Schulaufsicht. Das Aufgabenprofil der Schulaufsicht muss sich dem Wandel anpassen. Die Zusammenarbeit lĂ€uft auf einer anderen Grundlage ab. Schule und Schulaufsicht arbeiten ergebnisorientiert, das bedeutet, dass man gemeinsam an Zielvereinbarungen arbeitet, die dann ebenfalls gemeinsam evaluiert werden. Die Schulaufsicht berĂ€t, unterstĂŒtzt und begleitet die Schulen in ihrer Entwicklung und verleiht den Schulen z.B. grĂ¶ĂŸeres Mitsprachrecht bei Personalentscheidungen. Bei all dem hat die Schulleitung eine SchlĂŒsselrolle inne. (Vgl. Abschlussbericht GesprĂ€chskreis „Berufsbild Schulleitung“ 2008, 10)
„Autonomisierung von Schulen und Regionalisierung von Entscheidungen sind europaweite Entwicklungen in den staatlichen Bildungssystemen. Dies bedeutet aber nicht automatisch einen RĂŒckgang an zentralem Verwaltungseinfluss. Es entwickeln sich vielmehr neue Aufgaben und Einflussmuster zwischen Schule, regionaler Schulverwaltung und zentraler Verwaltung. Dies hat deutliche Auswirkungen auf die Leitung von Schulen.“
(Rauch; Biott 2003, 9)
Die Schule, insbesondere die Leitung, wird zu einem Ort, an dem immer mehr die Auseinandersetzung mit komplexer Vielfalt und HeterogenitĂ€t stattfindet. Sie ist ein Lernort, der an KomplexitĂ€t sowohl innerhalb als auch bezĂŒglich seines Umfelds zugenommen hat. (Vgl. Schratz 2003, 9) Diese Entwicklung stellt hohe Anforderungen an die Schulleitung und die Qualifizierung von Schulleitung. Um einer verstĂ€rkten Eigenverantwortlichkeit der Schulleitung Rechnung zu tragen und alle damit verbundenen Aufgaben erfĂŒllen zu können,
„[
] benötigt Schulleitung erweiterte Entscheidungs-, Durchsetzungs- und Delegationsmöglichkeiten, die [z.B.] im Hessischen Schulgesetz, in der Dienstordnung und in der Konferenzordnung festzulegen sind. Es ist dabei ĂŒber die Ausstattung der Schulleiterinnen und Schulleiter mit den vollen Eigenschaften als Dienstvorgesetzte fĂŒr alle an der Schule BeschĂ€ftigten zu entscheiden. [
]Schulleitungen in Schulen mit grĂ¶ĂŸerer SelbstĂ€ndigkeit verĂ€nderte FĂŒhrungsaufgaben zu bewĂ€ltigen sind. Dazu sind die RechtsfĂ€higkeit der Schule und die Budgetverantwortung zu klĂ€ren.“
(Hessisches Kultusministerium 2010, 9)

3. Berufsbild bzw. RollenverstÀndnis von Schulleitung

In diesem Kapitel soll der Wandel des Berufsbildes der Schulleitung dargestellt werden und wie sich das RollenverstĂ€ndnis den heutigen Gegebenheiten angepasst hat. Wie sich die KomplexitĂ€t der Rollen und Aufgaben entwickelt haben, zeigt das folgende Zitat: „Neben den klassischen Aufgaben der Verwaltung sind im Gefolge zunehmender Autonomisierung von Schulen Finanzmanagement und Personalentwicklung, pĂ€dagogische FĂŒhrung sowie QualitĂ€tsentwicklung und QualitĂ€tsevaluation hinzu gekommen.“ (Rauch 2003, 14)

3.1 Herkömmliches Berufsbild der Schulleitung

Schull...

Table of contents

  1. Cover
  2. Von den Besten Lernen
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Inhaltsverzeichnis
  6. Abbildungsverzeichnis
  7. Tabellenverzeichnis
  8. AbkĂŒrzungsverzeichniss
  9. Danksagung
  10. 1. Einleitung
  11. 2. Rahmenbedingungen fĂŒr Schule und Schulleitung
  12. 3. Berufsbild bzw. RollenverstÀndnis von Schulleitung
  13. 4. Kompetenzen
  14. 5. Lernarchitekturen von Managementtrainings
  15. 6. Transfer in den Berufsalltag und Nachhaltigkeit der FĂŒhrungskrĂ€fteausbildung
  16. 7. ResĂŒmee fĂŒr die Anwendung in der Schulleitungsausbildung
  17. 8. Literaturliste
  18. Über die Autorin
  19. Über Fleet Street Press
  20. PĂ€dagogik bei Fleet Street Press

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