Scheinwerfen
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Scheinwerfen

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Scheinwerfen

About this book

Es handelt sich sicher um einen der ungewöhnlichsten Familienbetriebe im heutigen Bern: Durch bloße BerĂŒhrung können die Weingarts verschĂŒttete Erinnerungen anderer Menschen sehen. Aber was als GeschĂ€ft gut funktioniert, wird fĂŒr die Beteiligten mehr und mehr zur persönlichen Falle. Eine Gabe wird zum Fluch, Erinnerungen werden zum VerhĂ€ngnis.Humorvoll abgrĂŒndig und mit realistischer PrĂ€gnanz erzĂ€hlt Giuliano Musio von der fatalen Macht der Erinnerung. Das "Scheinwerfen" vererbt sich in der Familie Weingart seit Generationen und wurde fĂŒr einige von ihnen inzwischen zur guten Lebensgrundlage. Julius, studierter Psychologe und in mancher Hinsicht ein SpĂ€tzĂŒnder, versucht mit trauriger Verzweiflung den AnsprĂŒchen des GeschĂ€fts gerecht zu werden und hinter das Geheimnis zu kommen, das seine Freundin Sonja in letzter Zeit immer stĂ€rker zu belasten scheint. Sonja ist gleichzeitig seine Cousine und arbeitet ebenfalls in der Praxis, genauso wie sein Bruder Toni, der mit seiner HomosexualitĂ€t hadert und sich auf eine problematische Vereinbarung mit dem Sohn eines Kunden einlĂ€sst. Nur der plötzlich auftauchende Halbbruder Res ist grundsĂ€tzlich mehr als zufrieden mit sich und der Welt, was aber vor allem an einem geistigen Manko und einer daraus resultierenden, ganz eigenen Wirklichkeit liegt. Die Geschehnisse um sie alle haben mehr miteinander zu tun, als sich die BrĂŒder zunĂ€chst vorstellen können. Ihre Gabe, fremde Erinnerungen zu sehen, wird die einzelnen FĂ€den nach und nach zusammenspinnen. Aber es werden Erinnerungen sein, die vielleicht besser weiterhin geruht hĂ€tten."Scheinwerfen" ist Kanditat fĂŒr die HOTLIST 2015 (als eines von 30 BĂŒchern aus 171 Einreichungen)Die Hotlist ist zu einem der wichtigsten Instrumente geworden, um das zu zeigen, was die unabhĂ€ngigen Verlage fĂŒr den Reichtum, die QualitĂ€t und den Erfolg der Buchkultur im deutschsprachigen Raum leisten.

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Information

Publisher
Luftschacht
Year
2015
eBook ISBN
9783902844811
Edition
1

FOLGE 1

GEBURTSTAG

Eines Abends öffnete sich in der Decke ein Loch, und Toni begriff, dass zuoberst im Haus noch gar nicht Schluss war. Eine Leiter im Flur fĂŒhrte an einen rĂ€tselhaften Ort, den seine Eltern Dachboden nannten. Toni kroch ĂŒber den Teppich, hielt sich an einer Sprosse fest und schaute hinauf in die viereckige Öffnung. Er sah in einen Raum, der ganz anders war als die Zimmer des Hauses: mit schummrigem Licht und schrĂ€gen HolzwĂ€nden. Trockene, nach Staub riechende Luft sank zu ihm herab. Er versuchte hochzuklettern, seinem Vater hinterher. Aber seine Mutter nahm ihn auf den Arm und trug ihn in sein Zimmer. Er schrie.
Lange dachte er, das gesamte Haus sei von dieser fremden Welt umgeben. Er glaubte, das Loch, das er gesehen hatte, sei nur einer von zahlreichen ZugĂ€ngen. Vor dem Einschlafen betrachtete er die WĂ€nde um sich herum. Dahinter vermutete er ein Universum aus verzweigten GĂ€ngen, verborgenen TĂŒren und vergessenen RĂ€umen. Er trĂ€umte davon, wie er durch dieses Labyrinth schlich, manchmal mit seinem Bruder, aber meistens allein, um dann am Ende unbemerkt in sein Zimmer zurĂŒckzukehren.
Als er groß genug war, dass er die Leiter selbst von der Decke herunterziehen konnte, stieg er ab und zu auf den Dachboden, um sich die Umgebung von oben anzusehen. Er rĂŒckte eine Kiste zum Dachfenster und stellte sich darauf. Dann blickte er hinunter in den Garten mit dem Mirabellenbaum und dem kleinen Teich. Hinter der Mauer lagen die Straße, das Freibad, der Fluss. Wenn er sich ans Fenster auf der anderen Seite stellte, sah er zum Bundeshaus und zur Drahtseilbahn, die von der Altstadt ins Quartier hinabfĂŒhrte. Direkt unter ihm die VorgĂ€rten der NachbarhĂ€user, Blumenbeete und WĂ€scheleinen mit flatternden Bettlaken.
Einmal kam er von der Schule nach Hause und hörte, wie in einem dieser VorgĂ€rten zwei Nachbarinnen ĂŒber seinen Vater redeten. Sie fragten sich, was er in seiner Praxis eigentlich anbot. Sie hatten die Kunden beobachtet, die ins Haus gingen: Eine stark Geschminkte sei dabei gewesen, ein Mann im Rollstuhl, eine Rentnerin, auch ein Araber oder etwas Ähnliches. Ein System sei nicht erkennbar. Sie sprachen darĂŒber, was das Wort auf dem Schild am Eingang bedeuten könnte, ob vielleicht ein Rechtschreibfehler vorliege und es eigentlich „Scheinwerfer“ heißen sollte.
Toni hatte sich bis dahin nie die Frage gestellt, warum sein Vater zu Hause arbeitete und was er mit seinen Kunden ĂŒberhaupt machte. Jetzt hakte er nach. „Das verstehst du nicht“, sagte seine Mutter, „du bist noch zu klein.“ Sein Vater aber legte ihm die Hand auf den Bauch und ließ ihn vom letzten Schulausflug erzĂ€hlen. Dann lĂ€chelte er und sagte: „Im Zug habt ihr KĂŒhe gezĂ€hlt.“
Von nun an sah sich Toni die Menschen, die ins Haus kamen, genau an. Er schaute zu, wie sein Vater mit ihnen die Treppe hochstieg, lauschte dem Knarren der zweiten und der obersten beiden Stufen und hörte schließlich, wie sich oben die TĂŒr schloss. Er versuchte zu erraten, wegen welcher Probleme die Kunden seinen Vater aufsuchten. Ob er richtig lag, erfuhr er aber nie. Denn wenn seine Eltern nach der Sitzung noch mit einem Besucher plauderten, ging es immer um Belangloses: Man vereinbarte den nĂ€chsten Termin oder redete ĂŒber FerienplĂ€ne. Einige Kunden interessierten sich fĂŒr das Haus und wollten wissen, aus welcher Zeit der Bau stammte. Tonis Vater faselte dann irgendwas von Jugendstil, worauf die Mutter ihn immer mit weitschweifigen AusfĂŒhrungen korrigierte.
Tonis Mutter bezeichnete das Haus manchmal als ihr drittes Kind – eine Formulierung, die sie fĂŒr Ă€ußerst schöpferisch hielt. Immer wieder erwĂ€hnte sie das GlĂŒck ihrer Familie, im schönsten Stadtteil von Bern zu leben. Je Ă€lter Toni wurde, desto weniger konnte er ihr Urteil nachvollziehen. Er glaubte die Beobachtung zu machen, dass die Menschen in der Nachbarschaft fleischigere Gesichter hatten als anderswo. Vielleicht war es eine Folge von zu ausgewogener ErnĂ€hrung, zu vielen GrĂŒnflĂ€chen, zu verkehrsberuhigten Straßen, schlicht zu viel davon, was man LebensqualitĂ€t nannte. In diesen Sumpf aus Gesundheit und Wohlbefinden passte er nicht rein. Und obwohl er nun im Haus am Erlenweg derselben Arbeit nachging wie einst sein Vater, mietete er eine Wohnung in einem nördlichen Außenquartier der Stadt, wo ihm alles etwas schmutziger vorkam.
Heute redete man in der Nachbarschaft lĂ€ngst nicht mehr so viel ĂŒber die Praxis wie noch wĂ€hrend Tonis Kindheit. Denn in den Jahren, seit er ausgezogen war, waren an den HĂ€usern der Umgebung etliche weitere Schilder wie Popups hervorgeschossen. Die Angebote reichten von Shiatsu, Reiki und Qigong ĂŒber Tanz-, Mal- und Edelsteintherapie bis zu Fußreflexzonenmassage und Schröpfen. Der Familienbetrieb der Weingarts fiel zwischen all den anderen Praxen gar nicht mehr auf. Inzwischen hatte sich Tonis Mutter im obersten Stock ihren Wohnbereich eingerichtet, in der Mitte lagen die drei BehandlungsrĂ€ume, im Erdgeschoss die Diele mit dem Empfang sowie die KĂŒche und der Salon, der auch als Wartezimmer diente.
Toni war es nun schon ein paar Jahre gewohnt, tĂ€glich kurz nach neun Uhr im Erlenweg einzutreffen. Eines Morgens im FrĂŒhherbst saß ein alter Mann mit graugelbem Haar auf den Stufen vor der EingangstĂŒr. Toni warf die Zigarette weg und verlangsamte seinen Schritt. Der Alte hatte dĂŒnne Arme und Beine, aber einen runden Bauch. Er hatte die HĂ€nde auf die Knie gelegt und lĂ€chelte Toni an. Toni grĂŒĂŸte knapp und versuchte, an ihm vorbei zur TĂŒr zu kommen.
„Sie sind ziemlich unverschĂ€mt“, sagte der Alte, immer noch lĂ€chelnd.
„Sie versperren mir den Weg. Ich arbeite hier.“
„Gestern klang das aber ganz anders“, entgegnete der Mann. Er betrachtete Toni und versuchte offenbar, ein GĂ€hnen zu unterdrĂŒcken.
Toni wollte gerade erwidern, dass sie sich ja ĂŒberhaupt noch nie gesehen hatten, als sich die TĂŒr öffnete und seine Mutter heraustrat. „Hier sind Sie also“, sagte sie freundlich zu dem Alten. „Haben Sie die Toilette nicht gefunden? Kommen Sie, ich zeige Ihnen den Weg.“ Sie griff nach seinem Arm und fĂŒhrte ihn hinein. Kurz schaute sie Toni an und flĂŒsterte: „Du bist bleich, geh mal frĂŒher ins Bett.“
Er betrat die Diele. Nebenan, im Salon, knarrte der Boden. Toni neigte den Kopf etwas zur Seite, um hineinzuspĂ€hen. Ein junger Mann mit roten Haaren stand vor einem der Bilder an der Wand. Sein Blick war trĂŒb, um die Lider blĂ€uliche Schatten. Er ging weiter zum nĂ€chsten Bild und blieb schließlich vor der Kommode stehen. Er griff nach dem Kerzenlöscher auf der AblageflĂ€che, betrachtete ihn von allen Seiten, betastete die Löschkappe. Nach einer Weile schien er endlich darauf gekommen zu sein, wofĂŒr das Ding gut war. Er spielte den Vorgang durch, indem er die Kappe ĂŒber den unbenutzten Docht einer Kerze auf der Kommode stĂŒlpte. Dabei stellte er sich so ungeschickt an, dass der KerzenstĂ€nder beinahe umfiel. Er konnte ihn gerade noch mit der freien Hand festhalten. Dann schaute er sich um. Toni kratzte sich am Kopf und ging in die KĂŒche.
Seine Mutter bediente die Kaffeemaschine. „Ich hoffe, du warst freundlich zu Herrn Ott“, sagte sie. „Wir haben morgen eine Probesitzung mit ihm, und wenn ihm die Behandlung guttut, will er regelmĂ€ĂŸig vorbeikommen.“
„Und der Typ im Salon?“, fragte Toni.
Sie stellte drei volle Tassen auf ein Tablett, nahm die Milch aus dem KĂŒhlschrank. „Das ist sein Sohn. Sieht man doch. Der Arme muss ihn wahrscheinlich ĂŒberallhin begleiten. Herr Ott kann ja keine drei Schritte mehr gehen, ohne sich zu verirren.“ Mit dem Tablett in den HĂ€nden ging sie an Toni vorbei.
Er rief sie zurĂŒck. „Darf ich den Alten behandeln?“
„Wieso?“, fragte sie.
„Nur so. Teilst du ihn bitte mir zu?“
„Das ist ein anspruchsloser Fall.“ Sie drehte sich ab und sagte im Gehen noch: „Etwas fĂŒr Julius.“
Julius hatte alle Einladungen fĂŒr FlĂŒcks Geburtstagsfeier verschickt, die Nachbarn waren informiert, die Lautsprecher und die Lichtanlage hatte er abgeholt. Ihm blieb noch Zeit, um sich um ein Geschenk fĂŒr Sonjas RĂŒckkehr zu kĂŒmmern. Er kaufte ihr einen Indischen Lorbeer, den er neben ihr Bett stellte, und klebte GegenstĂ€nde an den Stamm, die er mit ihr in Verbindung brachte: ein winziges StĂŒck eines Wespennests, eine versteinerte Schnecke, einen Papagei aus Plastik.
„Vergiss es“, hatte sie am Telefon zu ihm gesagt, „ich bin nicht so eine.“ Er stand trotzdem rechtzeitig am Bahnsteig. Sie stieg aus dem Zug aus und wiederholte, sie gehöre nicht zu den Frauen, die gern abgeholt wĂŒrden. „Ich hĂ€tte den Bus nehmen können“, sagte sie. „Mein Rucksack ist nicht schwer, und den Weg nach Hause finde ich auch.“ Sie war braungebrannt, trug die Kopfhörer um den Hals, das Haar darunter, sodass es eng anlag, die Sonnenbrille in der Hand. Im Zug hatte sie sich offenbar noch geschminkt. Sie freute sich, dass er gekommen war. Er sah es ihr an.
Im Auto erzĂ€hlte Sonja von einem Haus auf dem Vulkan, das wegen des Windes mit Stahlseilen befestigt war, von einem Rumoren unter der Erde, von schwarzem Sand. Wahrscheinlich ahnte sie, dass Julius ihre Rundmails nur flĂŒchtig gelesen hatte.
„FrĂŒher hab ich mir nach jeder Ferienreise eingeredet, ich hĂ€tte mich verĂ€ndert“, sagte sie, als sie das LĂ€nggassquartier erreichten. „Und eigentlich habe ich mir vorgenommen, das diesmal nicht zu tun. Aber drei Wochen unter dem Eindruck von solchen Naturgewalten – so was geht nicht spurlos an dir vorbei.“
Er hĂ€tte Lavagestein nehmen sollen, dachte er, als er ihr das BĂ€umchen zeigte, das er fĂŒr sie besorgt hatte. Das wĂ€re besser gewesen; ein paar verschiedenartige Vulkanite um den Stamm herum. Doch sie lachte ĂŒber jede einzelne Idee und gab ihm einen Kuss. Dann ging sie duschen.
„Ich will nicht mehr fĂŒr deine Mutter arbeiten“, sagte sie beim Abendessen. „Inzwischen verbringen wir in ihrem Haus mehr Zeit zusammen als hier. Und von den ganzen Kunden mit ihren Sorgen und Problemen habe ich auch genug. Zwei Jahre mache ich das jetzt schon. Das reicht.“ Sie drehte Nudeln auf die Gabel und hielt sie vor den Mund, wĂ€hrend sie weitersprach: „Ich möchte wieder was Seriöses arbeiten. Geht’s dir nicht auch so? Wenn mich Leute wĂ€hrend der Reise nach meinem Beruf gefragt haben, musste ich immer ausweichen. Manchmal habe ich einfach behauptet, ich sei immer noch Exportsachbearbeiterin. Obwohl mir das fast genauso peinlich ist.“
Julius fragte sie, ob sie sich wirklich wieder an einen Schreibtisch setzen wolle, sagte, dass sie im BĂŒro nie glĂŒcklich gewesen sei und dass sie nirgendwo so hĂ€ufig Urlaub nehmen könne wie bei seiner Mutter.
„Dir wĂŒrde ein bisschen Abstand von ihr auch guttun“, sagte sie. „Ich habe es ja auch geschafft, mich von meiner Familie zu lösen.“
Er aß schweigend weiter, Sonja erzĂ€hlte wieder von Aschewolken und Lavaströmen. Wenn sie nicht schon so lange ein Paar gewesen wĂ€ren, dann hĂ€tten sie wohl als Erstes miteinander geschlafen. Noch bevor geredet, geduscht oder gegessen wurde. Vielleicht hatte sie wĂ€hrend ihrer Wanderungen ja MĂ€nner getroffen. Abenteurer. Italiener. Typen, die sich als LebenskĂŒnstler bezeichneten.
„Es war besser, dass du nicht dabei warst“, meinte sie. „Mit Steffi hĂ€ttest du dich sowieso nicht verstanden.“
Am nĂ€chsten Tag hatte der neue Kunde seine erste Sitzung. Kaspar Otts rosiges Gesicht ließ Julius vermuten, dass er noch keine siebzig war. Ein junger Mann mit auffĂ€llig roten Haaren begleitete ihn und sprach an seiner Stelle. Julius’ Mutter lĂ€chelte ernst. Man werde alles tun, um Herrn Ott zu helfen. Julius stellte sich den beiden vor. Sonja stand daneben, reichte ihnen nach einem kurzen Zögern auch die Hand und sagte leise: „Sonja Laurent.“
Julius fĂŒhrte Kaspar Ott hinauf in sein Behandlungszimmer. Dort half er ihm, auf dem Ledersofa Platz zu nehmen, und sagte: „Dann schauen wir mal.“ Der Alte strich mit einer Hand ein paar Mal ĂŒber die Armlehne. Julius hatte seiner Mutter nie gesagt, wie ungern er Ă€ltere Menschen berĂŒhrte. Manchmal wĂŒnschte er sich, er dĂŒrfte Handschuhe benutzen.
Gerade als er beginnen wollte, klopfte es. Die TĂŒr öffnete sich einen Spaltbreit und Sonja schaute mit einem fordernden Schweigen herein. Julius entschuldigte sich bei dem Alten, trat auf den Flur und zog die TĂŒr hinter sich zu. „Was denn?“, flĂŒsterte er.
„ÜberlĂ€sst du mir den Kunden?“, fragte sie leise. „Ich wĂŒnsche mir schon lange so jemanden.“
„Einen alten Mann?“
„Einen Dementen. Jemanden mit Alzheimer zu behandeln, muss wie eine Art Drogentrip sein, nur ohne Suchtgefahr und Nebenwirkungen: intensiv, farbenfroh, temporeich.“
„Ich dachte, du willst kĂŒndigen.“
„Du hörst mir nie richtig zu, aber wenn ich mal dumm daherrede, nimmst du es gleich ernst.“
Hinter der TĂŒr hatte der Alte zu summen begonnen. Tonleiter rauf, Tonleiter runter.
„Bitte“, sagte Sonja.
Er kĂŒsste sie auf die Wange. „Schön, dass du hierbleibst.“ Dann öffnete er ihr die TĂŒr zu seinem Zimmer. Sie umarmte ihn kurz und trat ein.
Julius ĂŒbernahm um halb zehn den Kunden von Sonja. Danach suchte er sie. Er wollte wissen, ob ihr die Sitzung gefallen hatte. „War es so, wie du es dir vorgestellt hast?“, fragte er, als er sie im Garten fand.
„Sicher“, antwortete sie nur.
Es ĂŒberr...

Table of contents

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Titel
  4. Folge 1: Geburtstag
  5. Folge 2: VĂ€ter
  6. Folge 3: Straßen
  7. Folge 4: Besuch
  8. Folge 5: Superman
  9. Folge 6: Mauern
  10. Folge 7: Todesarten
  11. Folge 8: Norden
  12. Folge 9: Rausch
  13. Folge 10: Kilometer
  14. Folge 11: RĂŒckwĂ€rts
  15. Folge 12: Tiere
  16. INHALT