Einleitung
Der Rebell
Martin Luther und die Reformation
Die Behauptung, dass Geschichte von groĂen MĂ€nnern gemacht wird, wird heute eher belĂ€chelt, sie gilt als Relikt der Historiographie des 19. Jahrhunderts. Inzwischen werden soziale Bewegungen und kulturelle Innovationen als treibende KrĂ€fte des Weltgeschehens betrachtet.
Und so wird auch die Reformation seit langem als Folge einer innerkirchlichen Reformdebatte interpretiert, die schon seit mehr als 100 Jahren auf diesen einen kritischen Punkt zusteuerte, die Kirchenspaltung zwischen den katholischen Vertretern des Status Quo und den ungeduldigen Reformern, den Protestanten.
Der Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann, ein ausgewiesener Kenner der Geschichte des 16. Jahrhunderts, hĂ€lt das allerdings fĂŒr eine âprotestantische Geschichtslegendeâ. Von einer âkrisenhaften Beschleunigungâdes innerkirchlichen Zerfalls könne nicht die Rede sein, keineswegs habe es damals eine âmit Notwendigkeit auf eine Reformation hindrĂ€ngende Situationâgegeben.
Wer oder was also hat dann die Reformation ausgelöst? War es doch der âgroĂe Mannâ Martin Luther, der mit seinen Reden, seinen Predigten und Schriften die Welt bewegte? War es doch dieser fromme Rebell des âHier stehe ich und kann nicht andersâ, der der katholischen Kirche aus eigenen KrĂ€ften den entscheidenden StoĂ versetzte?
Die Antwort muss wohl umgekehrt lauten: Ohne Martin Luther wĂ€re das alles nicht passiert, ohne dieses Genie des Wortes und des Geistes hĂ€tte die Weltgeschichte einen anderen Verlauf genommen. NatĂŒrlich hĂ€tte die Kirche sich auch ohne ihn verĂ€ndert, womöglich wĂ€re es zu anderen Abspaltungen und AusgrĂŒndungen gekommen, aber die intellektuelle Kraft, mit der dieser unglaublich beharrliche und theologisch konsequent denkende Doktor Martinus Luther den Papst und dessen Bischöfe attackierte, war schon einzigartig. Also: Ohne Luther keine Reformation.
Der SPIEGEL hat den bevorstehenden 500. Jahrestag der Reformation zum Anlass genommen, um mit einer fĂŒnfteiligen Serie die Geschichte Luthers und der von ihm ausgelösten Kirchenspaltung zu beschreiben â eine Serie, die hier vollstĂ€ndig dokumentiert und durch weitere SPIEGEL-BeitrĂ€ge ergĂ€nzt wird.
Luther steht selbstverstÀndlich im Mittelpunkt dieser Co-Produktion von sechs SPIEGEL-Redakteuren, aber sein historisches Umfeld und die Bedingungen, unter denen er sein Werk schuf, spielen ebenfalls eine zentrale Rolle.
Die Serie beginnt mit der Biographie eines zornigen jungen Mannes, der eigentlich Jurist werden sollte, dann aber seine theologische Mission entdeckte und gegen den römischen Papst zu Felde zog. Luther wollte die Kirche retten, er wollte sie erneuern und auf den Pfad der Tugend zurĂŒckfĂŒhren. Der Mensch, so predigte der Augustinermönch, werde als SĂŒnder geboren und als SĂŒnder sterben, niemand könne ihm diese SĂŒnden vergeben, auch und gerade die Kirche nicht, die den Ablasshandel zu einem schamlosen GeschĂ€ftsmodell gemacht hatte. Aus dem engagierten Reformer wurde im fortgeschrittenen Alter so etwas wie der erste WutbĂŒrger der Neuzeit: Luther verachtete die aufstĂ€ndischen Bauern, er entpuppte sich als ĂŒbler Antisemit und Feind aller Muslime â auch die Schattenseiten dieses wortgewaltigen Predigers werden nicht unterschlagen.
Dann wird Luthers Welt rekonstruiert, also jener Kosmos des frĂŒhen 16. Jahrhunderts, der das Wirken des Reformators ĂŒberhaupt erst verstĂ€ndlich macht. Dazu zĂ€hlen vor allem die innerkirchlichen Verwerfungen im Vorfeld der Reformation: Nicht nur das GeschĂ€ft mit dem Ablass, sondern auch Korruption und Ămterkauf sowie Doppelmoral und Heuchelei im Klerus. Zugleich aber auch die heute unvorstellbar tiefe ReligiositĂ€t der Menschen dieser Epoche, Wunderglaube und Hexenwahn. Und schlieĂlich werden die extremen Gewalterfahrungen dieser Zeit geschildert, gepaart mit einer Gewaltbereitschaft, die in einer zivilisierten Gesellschaft undenkbar wĂ€re. Allein der Katalog der ĂŒblichen Todesstrafen ĂŒbersteigt unsere Vorstellungskraft bei weitem.
Parallel aber kam auch das Neue zum Zuge, die Neugier auf die weite Welt, die Entdeckung Amerikas und der eigenen Geschichte. Die Humanisten begeisterten sich fĂŒr die Denker der Antike und propagierten zugleich so etwas wie eine nationale IdentitĂ€t. Schon vor Luther ĂŒbersetzten sie lateinische Schriften ins Deutsche und kultivierten die Spielregeln des menschlichen Zusammenlebens. Auf diesem bildungsbĂŒrgerlichen Fundament erst konnte Luther sein Werk errichten.
Der dritte Teil der SPIEGEL-Serie konzentriert sich auf die Medien-Revolution der Zeit um 1500. Ohne die Erfindung des Buchdrucks wĂ€ren Luthers Schriften nie so wirkmĂ€chtig geworden. Als der spĂ€tere Reformator nach Wittenberg kam, existierte dort eine einzige Druckerei; mit der Nachfrage nach seinen Texten, vor allem seiner deutschen Bibel-Ăbersetzung, wurden es mehr und mehr. In den knapp drei Jahrzehnten zwischen 1517 und 1546, dem Todesjahr Luthers, produzierten allein die Wittenberger Druckereien etwa drei Millionen BĂŒcher â eine gewaltige Zahl, wenn man bedenkt, dass nicht einmal zehn Prozent der Deutschen damals lesen und schreiben konnten. Luthers PopularitĂ€t wurde zudem durch seinen Freund Lucas Cranach gefördert. Dessen Malerwerkstatt produzierte ein Luther-PortrĂ€t nach dem anderen, neben ĂlgemĂ€lden waren es besonders die Kupferstiche, die das Antlitz des Kirchenkritikers in aller Welt verbreiteten. Es gab im 16. Jahrhundert nur sehr wenige Menschen, die hĂ€ufiger als Luther abgebildet wurden.
FĂŒr den vierten Teil der Serie, einen Text ĂŒber den Theologen Luther, zeichnet ein Gastautor verantwortlich, der frĂŒher in Hamburg tĂ€tige Pfarrer Johann Hinrich Claussen, heute Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Berlin. Claussen ist fasziniert vom âwilden Denkenâ und der vorkritischen Frömmigkeit des ersten protestantischen Predigers ĂŒberhaupt. âIn Luthers radikaler Einsamkeitâ, so argumentiert der Theologe, âliegt das Geheimnis seiner Person, ein ungeheurer Schmerz, aber auch der Keim fĂŒr einen unerhörten Mut, eine ungeahnte Freiheit und eine neue Möglichkeit, ein Einzelner zu sein.â Luther habe mit sich selbst âins Reineâ kommen wollen, mit seinem persönlichen Gott, ohne Vermittlung oder gar Intervention kirchlicher Institutionen. Dabei sei er zu der Gewissheit gelangt, dass er âvor sich und vor Gott als dem absolut âGutenâ nicht bestehen konnteâ.
Dieser so moderne, individualistische Zugang zum Glauben enthĂ€lt freilich auch das, was Spötter heute die âprotestantische Selbstzerknirschungâ nennen, die Bereitschaft, sich selbst fĂŒr alles und jedes verantwortlich zu machen, den oder die anderen hingegen von jeder Schuld freizusprechen.
SchlieĂlich werden die Folgen der Lutherschen Revolution bis zur Gegenwart geschildert. Und es ist schon faszinierend, wie sehr diese Glaubensrevolte bis in die letzte Faser unserer Gesellschaft einwirken konnte. Obwohl sich die Menschen in Massen von den groĂen Kirchen abwenden, ist das Erbe der Reformation allgegenwĂ€rtig. Das gilt fĂŒr die von Max Weber beschriebene protestantische Arbeitsmoral, ohne die der Kapitalismus europĂ€ischer PrĂ€gung nie so erfolgreich geworden wĂ€re. Das gilt fĂŒr die moralisierende Politik des Verzichts und der Askese, fĂŒr die Friedensbewegung, die Anti-Atombewegung und die Partei der GrĂŒnen. Und nicht zuletzt findet sich Luthers Erbe im protestantischen Pfarrhaus, der Keimzelle karitativer und politischer Arbeit. Die ReprĂ€sentanten des deutschen Katholizismus spielen heute in der Parteiendemokratie nur eine Nebenrolle. FĂŒhrende Ămter sind mehrheitlich von Protestanten besetzt. Und an der Spitze des Gemeinwesens ist die Bindung an die evangelische Kirche besonders intensiv: BundesprĂ€sident Joachim Gauck war frĂŒher Pastor in Rostock, Bundeskanzlerin Angela Merkel stammt aus einem mĂ€rkischen Pfarrhaus.
Luthers Reformation, das zeigt dieser abschlieĂende Teil der SPIEGEL-Serie, wird auch dann noch Bestand haben, wenn die christlichen Kirchen zu FuĂnoten der Geschichte geworden sein sollten. LĂ€ngst hat sich Luthers Erbe so in das allgemeine Bewusstsein eingesenkt, dass die Existenz von Gemeinden, Pfarrern und GlĂ€ubigen zur Verbreitung des protestantischen Wertekanons kaum noch notwendig ist.
Martin Doerry
SPIEGEL-TITEL 44/2016
Der erste Rebell der Neuzeit
Der 31. Oktober 1517 gilt als Beginn der Reformation. Mit seinen 95 Thesen, seiner Frömmigkeit und seinem Hass hat Martin Luther Deutschland geprÀgt wie kein anderer. Von Georg Diez
Der eine Mann schaut mutig in die Welt, fast wie ein Krieger. Sein Blick offen und selbstbewusst, Gott ist auf seiner Seite. Er weiĂ, es gibt kein ZurĂŒck.
Der andere Mann dagegen schaut mĂŒde. Er ist mĂ€chtig, das sieht man an seiner Gestalt, an seiner Pose. Er ist sich immer noch sicher, dass Gott auf seiner Seite steht. Aber er weiĂ auch, wie viele Opfer die KĂ€mpfe gekostet haben, die er ausgelöst hat, und er weiĂ wohl auch, wie viele Opfer es noch geben wird.
Das eine Bild zeigt Luther als hageren Mönch, mit Tonsur und Kutte. Es ist das Jahr 1520, in dem einige seiner wichtigsten Schriften erscheinen. Es ist das Jahr, in dem Luther zu dem Luther wird, den wir zu kennen glauben.
Das andere Bild zeigt Luther als WĂŒrdentrĂ€ger mit feistem Gesicht. Seine Ăngste, die immer stark waren, werden fast ĂŒbermĂ€chtig in dieser Zeit. Er rechnet mit dem Ende, der Apokalypse. Es ist das Jahr 1541, in dem die TĂŒrken die StĂ€dte Buda und Pest erobern. FĂŒr Luther sind die TĂŒrken, wie er schreibt, âdes Teuffels diener, das hat keinen Zweifelâ.
In den Jahren, die zwischen den beiden Bildern liegen, die Lucas Cranach der Ăltere von Martin Luther machte, war die Welt eine andere geworden. Sie war brĂŒchiger geworden, komplizierter, gröĂer, moderner. Schon in den Jahrzehnten zuvor hatte sie groĂe Fortschritte gemacht. Johannes Gutenberg hatte um 1450 die Druckerpresse mit beweglichen Metalllettern erfunden und damit eine mediale Revolution hervorgerufen, die Luthers Wirkung erst möglich machte. Christoph Kolumbus hatte 1492 Amerika entdeckt und eine frĂŒhe Globalisierung in Gang gesetzt. In Italien arbeiteten KĂŒnstler und Gelehrte der Renaissance wie Leonardo da Vinci daran, den Menschen ins Zentrum des Denkens zu stellen, was Luther auf seine Weise bekĂ€mpfte. Und Luthers Zeitgenosse Nikolaus Kopernikus stellte fest, dass sich die Erde um sich selbst und um die Sonne dreht. Es waren bewegte, verwirrende Zeiten, fĂŒr alle.
Der Mensch wurde sich seiner Möglichkeiten bewusst, der Weg der Freiheit zeichnete sich ab â das alles steigerte die Angst derjenigen, die diesen Weg nicht mitgehen wollten. Es war ein Zeitalter im Umbruch, ganz Ă€hnlich wie heute. Die technischen, naturwissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen UmwĂ€lzungen erzeugten einen Druck, dem das gesellschaftliche GefĂŒge nicht lĂ€nger standhalten konnte. Und Martin Luther war mittendrin, er war der Mann auf der Schwelle, er war es, der das Alte mit dem Neuen verband, auf eine so einmalige Art, dass er noch heute als Modell dienen kann, der erste Rebell der Neuzeit.
Er war der Mann, der die Kirche nicht spalten wollte und schon gar nicht die Welt, denn Welt und Kirche waren eins im Mittelalter â aber der Bruch, der von ihm ausging, setzte die KrĂ€fte frei, die Europa in die Neuzeit vorantrieben.
Er formulierte den Zweifel an Teilen der herrschenden Lehre, und weil der Zweifel dem Menschen eigen ist, stĂ€rkte er den Einzelnen gegenĂŒber der Institution, das war sein Widerstand. Er bot dem Papst die Stirn und dem Kaiser und der Korruption, die die weltliche und die geistliche Macht verband, er war ein moralischer Krieger, und etwas von diesem Fanatismus ist bis heute geblieben.
Er wollte die Kirche retten, die er teilte, das ist der Widerspruch Luthers, der aus einem tiefen Glauben heraus handelte, weil er sah, dass dieser Glaube in Rom verraten wurde. Die Reformation also, die âWiederherstellungâ oder âErneuerungâ, das ist die eigentliche Bedeutung dieses Wortes, war tatsĂ€chlich eine Revolution. Die Folge von Luthers Tat waren neue Institutionen, er verĂ€nderte die konfessionelle Landkarte in Deutschland, er setzte einen Prozess in Gang, der das Denken, den Glauben und die abendlĂ€ndische Kirche grundlegend umstĂŒrzte.
Ein halbes Jahrtausend danach sind die Folgen noch immer spĂŒrbar, kulturell und politisch, sie betreffen Alltag wie Kunst, Essen wie Musik. Luther wurde zum Erfinder der Deutschen. Wie so oft in der Geschichte ist es schwierig, Folge, Wirkungen und Zufall auseinanderzuhalten â aber etwas war in ihm, Luther, diesem groben, genialen, ehrgeizigen, volksnahen Mönch und Professor, das ihn zum wĂŒtenden WeltenstĂŒrzer werden lieĂ.
Weil auch das deutsche Reich in einer Krise war, agierte er in einem hochpolitischen Umfeld, er baute seine Macht auf die UnterstĂŒtzung einiger FĂŒrsten, die ihn beschĂŒtzten, weil sie ihre Macht gegenĂŒber dem deutschen Kaiser stĂ€rken wollten, die ihm 1518 die Flucht ermöglichten und ihn 1521 sich auf der Wartburg verstecken halfen. Er war und ist fĂŒr viele eine deutsche Sehnsuchts- und Schicksalsgestalt und eine Figur auf dem Schachbrett der europĂ€ischen Geschichte â jede Zeit sieht einen anderen Luther, jeder hat seinen eigenen Luther.
Dabei ist dieser Mann immer noch nah, in seinen WidersprĂŒchen, in seinem Wollen, in seinen eigenen Worten. Er ist der Mann zwischen Mittelalter und Neuzeit.
Martin Luder, mit diesem Namen wurde er geboren, am 10. November 1483 in Eisleben, der erste oder zweite Sohn, ganz sicher ist das nicht, von insgesamt wohl neun Kindern â mitten im damals boomenden mitteldeutschen Bergbaugebiet, wo der Vater vom Bergmann zum HĂŒttenpĂ€chter aufstieg. Seine Familie war den ZwĂ€ngen der Herkunft enthoben und doch dem Druck der Erwartungen verpflichtet. Sie war nicht arm und nicht bĂ€uerlich, wie es manche Lutherlegende wollte, sondern Teil des im 16. Jahrhundert entstehenden BĂŒrgertums und durchaus wohlhabend â Martin sollte den Aufstieg fortsetzen, er sollte Jura studieren, das war der Plan des Vaters.
Hans Luder hieĂ der Vater, streng guckt er auf dem Bild, das Cranach auch von ihm gemalt hat, breite Stirn, wuchtige Nase, der Blick in die Ferne â seine Frau Margarete dagegen, hager, fast bĂ€uerlich karg in ihrem Aussehen, hat ihren Blick nach innen gewendet.
Der Vater lieĂ den Sohn in verschiedenen Dom- und Pfarrschulen erziehen â schon Ă€uĂerlich unterschied sich der junge Martin damals von seinen Altersgenossen durch die Uniform, die er trug, die Uniform des LateinschĂŒlers. Die Erziehung war streng und auf Strafen und Ordnung angelegt. Der junge Luther galt als zurĂŒckhaltend und auch etwas eingeschĂŒchtert von dem harten Regiment, aber seine intellektuelle Begabung war frĂŒh deutlich.
1501 begann er sein Studium in Erfurt, einer der bedeutendsten UniversitĂ€ten des Landes. Das vom Vater gewĂŒnschte Jurastudium im Jahr 1505 aber dauerte nur wenige Wochen, bis zu einem Ereignis, das durch Luther selbst zur Legende geworden ist.
Es war ein Gewitter, das alles verĂ€nderte, am 2. Juli 1505, in der NĂ€he des Dorfes Stotternheim. In Todesangst ĂŒbergab Luther sein Leben Gott: âHilff du, S. Anna, ich wil ein monch werdenâ, so schilderte er es spĂ€ter selbst. Die eigentĂŒmliche Wechselwirkung von Altem und Neuem, die Luthers Wesen und Werk prĂ€gte, wird hier deutlich â er wendet sich zurĂŒck, zum Aberglauben, zum Mittelalter, und forciert gerade dadurch den Gang in die Neuzeit.
Noch im selben Monat trat er gegen den Willen des Vaters ins Kloster der Augustinereremiten in Erfurt ein, wo es zu dieser Zeit Diskussionen ĂŒber den Zusammenschluss verschiedener Konvente des Ordens gab. Luther wurde von diesen Diskussionen geprĂ€gt, er wurde hier zum Diakon und Priester und schlieĂlich zum Professor in Wittenberg, wo es erst seit ein paar Jahren eine UniversitĂ€t gab. Er war der Mann des Neuen.
Unter dem Einfluss seines Mentors Johannes von Staupitz formte er in dieser Zeit sein theologisches Weltbild: Gottes Barmherzigkeit, so erkannte er, offenbart sich in Christus â der leidende Jesus, das war seine theologische Revolution, ist ein Zeichen der Hoffnung und des Heils. Es war die antike Tradition, die Luther dabei vor allem in seinem Denken beeinflusste, die Gnadentheologie des lateinischen Kirchenlehrers Augustinus, der im 4. und 5. Jahrh...