Woche 1 â Wie tickt ein Multi-Entrepreneur?
1.1 Wozu das alles?
Man muss eine Aufgabe vor sich sehen und nicht ein geruhsames Leben.
âLew Nikolajewitsch Tolstoi
Jeder Multi-Entrepreneur ist auf seine Art ein Unternehmer â also das Gegenteil eines Unterlassers. DafĂŒr braucht er aber nicht zwingend einen Eintrag im Handelsregister. Doch leider ist nicht jeder Business-Unternehmer auch ein Entrepreneur.
Der Unterschied lÀsst sich am besten an der verschiedenen Zielsetzung ablesen.
Erich Sixt, GrĂŒnder der gleichnamigen Autovermietung, hat sein Ziel einmal so formuliert: »Der Auftrag des Unternehmers heiĂt, Geld zu verdienen. Und sonst nichts.« Ein Entrepreneur sieht das anders. NatĂŒrlich will auch er Geld verdienen. Er muss es sogar, um seine Unternehmungen am Laufen zu halten. Aber die RentabilitĂ€t ist nicht der Zweck seiner Bestrebungen, sondern ein Mittel zu diesem Zweck. Das eigentliche Ziel besteht darin, Nutzen zu stiften. Mutter Teresa war in diesem Sinne mehr Entrepreneur als der oben zitierte UnternehmensgrĂŒnder. Sie hat gesellschaftliche Probleme erkannt und sich der Lösung dieser Probleme verschrieben. Lebenslang hat sie alle ihr zur VerfĂŒgung stehenden Mittel genutzt, um diese Ziele zu erreichen. Viel Geld gehörte nicht dazu.
Einen Multi-Entrepreneur erkennt man nicht an der Summe seiner Bilanzen. Eine Unternehmung kann ein Unternehmen sein. Aber genauso gut auch ein privates Projekt, ein Ehrenamt, ein politisches Engagement. Multi-Entrepreneure suchen Herausforderungen. Wenn die sich als Goldgruben erweisen â umso besser.
- Denk mal
Warum brauchst du immer neue Herausforderungen? Warum löst du so gern Probleme?
- Mach mal
Widme dich heute einer tÀglichen Aufgabe nicht routiniert, sondern bewusst. Welchen tieferen Sinn hat diese Handlung?
1.2 Raus aus der Schublade
Sardinen wissen, dass Gleichmachen mit Kopfabschneiden beginnt.
âJeannine Luczak
Hast du auf den ersten Seiten dieses Quadros festgestellt, dass du ein Entrepreneur bist? Bestimmt möchtest du diese Erkenntnis mit deinem Umfeld teilen. Ich möchte dich vorwarnen: Bei manchen könntest du damit eine gewisse Irritation auslösen.
Schon mit dem Wort »Entrepreneur« tun sich viele schwer. In Deutschland ist dieser Begriff vor allem mit der Bedeutung »ExistenzgrĂŒnder« belegt. Viele stellen sich darunter Menschen vor, die nicht in die etablierte Unternehmenswelt passen. Und sich dann halt selbststĂ€ndig machen. Oder die mit verrĂŒckten Ideen versuchen, Geld zu verdienen, und das nur manchmal schaffen. Die inkompatibel sind mit einem durchstrukturierten BĂŒrojob.
Entrepreneure in den USA hingegen genieĂen hohes Ansehen. Dort gelten ihre Unternehmungen als Motoren des gesellschaftlichen Fortschritts. Bei uns kennt jeder das Manager Magazin. In den USA gibt es ein bekanntes Magazin, das Entrepreneur heiĂt.
Entrepreneure sind Menschen mit einer gestalterischen Ader. Menschen, die lieber etwas Neues wagen, als nur in bestehenden Schubladen zu denken. Also InnovaÂtion und Handeln in einem.
Und ein Multi-Entrepreneur? Das ist einer, der es versteht, seinen Gestaltungsdrang und seine FÀhigkeiten auf mehrere Unternehmungen zu verteilen. Der sich nicht auf das Denken innerhalb nur einer Box beschrÀnkt, selbst wenn er diese Box selbst erfunden hat.
- Denk mal
Wann hast du dich das letzte Mal daÂrĂŒber geĂ€rgert, dass jemand sagte: »Das geht nicht«? Warum?
- Mach mal
Oute dich heute vor jemandem, der absehbar irritiert sein wird, als Multi-Entrepreneur. ErklÀre ihm, was das bedeutet.
1.3 Chancen statt SchwÀchen
Machâ dir keine Sorgen wegen deiner Schwierigkeiten mit der Mathematik. Ich kann dir versichern, dass meine noch gröĂer sind.
âAlbert Einstein
Ein Multi-Entrepreneur muss nicht frei von SchwĂ€chen sein. »Eine gute SchwĂ€che ist besser als eine schlechte StĂ€rke«, hat Charles Aznavour einmal gesagt. Es kommt immer auf den Kontext an. AnpassungsfĂ€higkeit zum Beispiel kann eine StĂ€rke sein, aber auch eine SchwĂ€che. WĂŒrdest du jemanden als schwach bezeichnen, weil er Grenzen und BeschrĂ€nkungen nicht einfach akzeptiert? FĂŒr einen Multi-Entrepreneur ist das eine StĂ€rke. Der Mut zur GrenzĂŒberschreitung erlaubt es ihm, Chancen zu sehen und zu nutzen. GlaubenssĂ€tze können ihn nicht aufhalten.
Genau das tun wir als Multi-Entrepreneure: Wir saugen Chancen auf, anstatt SchwÀchen zu beseitigen. SchwÀchen auszumerzen kostet viel Zeit und Energie. Es ist weit effektiver, Chancen zu ergreifen, als dauernd SchwÀchen zu bekÀmpfen.
Beim Coaching von SchĂŒlerunternehmen höre ich oft: »Ich kann doch nicht einfach ein Unternehmen grĂŒnden. Vorher muss ich BWL studieren.«
Wenn das so wÀre, gÀbe es viele der erfolgreichsten Unternehmen nicht.
Ein Multi-Entrepreneur ist Multi-Tasker â er versucht verschiedene Disziplinen parallel gut zu meistern. Auch er braucht Spezialkenntnisse. Doch die Festlegung auf eine einzelne Kompetenz wĂ€re fĂŒr den Multi-Entrepreneur eine hinderliche EinschrĂ€nkung. Vielmehr kombiniert er seine Talente geschickt.
Wenn du dich von deinen SchwÀchen aufhalten lÀsst, unterschÀtzt du deine StÀrken. Gehe nicht von dem aus, was du (noch) nicht kannst.
- Denk mal
Welche Aufgaben bĂŒrdest du dir auf, obwohl du nicht gut darin bist?
- Mach mal
Lasse heute eine lÀstige Pflichtaufgabe weg, in der du nicht gut bist. Ersetze sie durch eine TÀtigkeit, die dir liegt.
1.4 Du kannst auch anders
Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem ĂŒberholt werden.
âMarlon Brando
Als Carl Benz 1886 den ersten Motorwagen vorstellte, wurde er von vielen seiner Zeitgenossen belĂ€chelt. FĂŒr den Transport von Menschen gab es doch Pferde â wozu also Autos bauen? Die Spötter taten seine Erfindung als flĂŒchtige Modeerscheinung ab. Was sie wollten, waren schnellere Pferde. Keine Autos. Carl Benz war ein VisionĂ€r, weil er die Chance ergriff, etwas anders zu machen. Von Vorbehalten lieĂ er sich nicht einschĂŒchtern.
Multi-Entrepreneure suchen ihre Ziele nicht danach aus, ob die StraĂe dorthin komfortabel ausgebaut ist. Sie fahren lieber Luftlinie querfeldein, um zwischen ihren verschiedenen Baustellen schneller unterwegs zu sein.
Dass Menschen sich manchmal FlĂŒgel wĂŒnschen, hat auch Dietrich Mateschitz, der GrĂŒnder von Red Bull, erkannt. Im Leistungssport fand er die passenden TrĂ€ger fĂŒr seine Botschaft. Das ist Chancenintelligenz: Einen Bedarf zu erkennen und zu sehen, wie du diesen Bedarf anders bedienen kannst als deine Mitbewerber.
Ein Multi-Entrepreneur ist selbst seine beste Ressource. Er ist bereit, etwas auf seine Art zu machen, und fragt sich immer zuerst: Wer bin ich, was kann ich, wen kenne ich? Diese Grundhaltung trĂ€gt all seine AktivitĂ€ten und befĂ€higt ihn zu unterschiedlichen Unternehmungen. Wie das Salz in der Suppe ist sie eine Zutat, die zu vielen Rezepten passt. Pack die Dinge so an, wie nur du sie anpacken kannst. Dein eigenes SĂŒppchen zu kochen ist der Einstieg ins FĂŒnf-GĂ€nge-MenĂŒ.
- Denk mal
Passen deine Projektideen zu dir ...