Sprachdidaktische Rahmenbedingungen fĂŒr den akademischen Daf-Unterricht

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Sprachdidaktische Rahmenbedingungen fĂŒr den akademischen Daf-Unterricht
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Information
Kapitel 1
Sprachdidaktik Deutsch und europÀischer Referenzrahmen
1.1. Fremdsprachenunterricht in schulischer und akademischer Sprachdidaktik. Eine Entwicklungsgeschichte
Die institutionelle Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts in deutschsprachigen LÀndern zeigt, dass sich sowohl das Publikum als auch das Personal des Fremdsprachenunterrichts in der zweiten HÀlfte des 20. Jahrhunderts grundlegend verÀndert hat. WÀhrend vor 1945[3] nur ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung Gelegenheit zum Fremdsprachenlernen[4] hatte, lernen heute tendenziell alle
Kinder[5] und Jugendlichen[6], und zudem eine bedeutende Zahl von Erwachsenen[7], Fremdsprachen: Dies hat ĂŒber die Jahre zu einer qualitativen VerĂ€nderung des Fremdsprachenunterrichts gefĂŒhrt. Auch die Zahl der Fremdsprachenlehrer hat erheblich zugenommen, und zudem hat sich diese Gruppe vielfĂ€ltig differenziert: nach Ausbildung, UnterrichtsstĂ€tten, Sprachen, Status und Arbeitsbedingungen[8]. Es gibt nicht mehr nur den Gymnasial-, Real- und Handelslehrer, sondern auch Lehrer aller Schulformen, der Volkshochschule, der Hochschulen[9] und der privaten Sprachschulen (Christ/de Cillia 2003: 619f.).
Kinder[5] und Jugendlichen[6], und zudem eine bedeutende Zahl von Erwachsenen[7], Fremdsprachen: Dies hat ĂŒber die Jahre zu einer qualitativen VerĂ€nderung des Fremdsprachenunterrichts gefĂŒhrt. Auch die Zahl der Fremdsprachenlehrer hat erheblich zugenommen, und zudem hat sich diese Gruppe vielfĂ€ltig differenziert: nach Ausbildung, UnterrichtsstĂ€tten, Sprachen, Status und Arbeitsbedingungen[8]. Es gibt nicht mehr nur den Gymnasial-, Real- und Handelslehrer, sondern auch Lehrer aller Schulformen, der Volkshochschule, der Hochschulen[9] und der privaten Sprachschulen (Christ/de Cillia 2003: 619f.).
Diese institutionelle Tendenz hat sich in den anderen LÀndern Europas ebenso weiter entwickelt, so auch in Italien, wobei hier eine spÀtere institutionelle Entwicklung stattgefunden hat (s.u.). Der Fremdsprachenunterricht wird heutzutage im 21. Jahrhundert nicht nur in den deutschsprachigen LÀndern, sondern in fast allen europÀischen Staaten prinzipiell auf allen Schulstufen und in allen Schulformen angeboten[10].
In Deutschland ist dieser Sachverhalt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein Ergebnis der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die gekennzeichnet wurde durch verstĂ€rkte internationale Zusammenarbeit, durch wachsende wirtschaftliche Verflechtungen, Migration in vielfĂ€ltigen Formen und die daraus folgende Achtung der Rechte von Minderheiten sowie durch eine zunehmende nationale und ĂŒbernationale Sprachenpolitik.
Gerade Letztere hat heutzutage dazu gefĂŒhrt, im Verlauf der Schulzeit einem möglichst breiten Publikum den Fremdsprachenunterricht anzubieten (siehe Christ/de Cillia 2003: 77). Dieser wird in Schulen und Hochschulen vom Staat beaufsichtigt und geregelt, wie es im 7. Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik festgelegt ist: âDas gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staatesâ (GG Art. 7). Der Fremdsprachenunterricht ist durch Gesetze, Erlasse und Verordnungen geordnet; festgestellt vom Staat sind auch die Schulpflicht und ihre Dauer, der Aufbau des Schulwesens, die Binnenstruktur der Schulen, die SchulfĂ€cher, die Ordnung und Gliederung der Schuljahre, Zeugnisse, PrĂŒfungen und AbschlĂŒsse, die Lehrerausbildung, sowie Ziele, Inhalte und Methoden des Unterrichts. Wozu aber gelten staatliche Regelungen? Im deutschen Bereich konstituieren sie SchulfĂ€cher, sie garantieren ihre StabilitĂ€t, KontinuitĂ€t und ihr Ansehen, und sie geben inhaltliche und methodische Festlegungen in Richtlinien und LehrplĂ€nen. Nur durch sie können Fremdsprachen in den Rang ordentlicher FĂ€cher erhoben sein. Die staatliche Regelung bewirkt zudem eine rasche Konsolidierung, denn sie legt Standards fĂŒr die QualitĂ€tsentwicklung und âsicherung[11] des Fremdsprachenunterrichts fest, die ebenso in den Richtlinien und LehrplĂ€nen enthalten sind. Die Beschreibungen qualitativer Regelungen gelten als die wichtigsten staatlichen Steuerungsinstrumente fĂŒr den Unterricht[12], denn ihr Ziel ist die Orientierung von Lehrern, SchĂŒlern (und oft auch deren Eltern) und von Lehr- und Lernprozessen. Gerade die LehrplĂ€ne garantieren Ziele, Inhalte und Methode des Fremdsprachenunterrichts und einheitliche MaĂstĂ€be. WĂ€hrend aber jedes Land in Deutschland seine eigenen LehrplĂ€ne veröffentlicht (denn Kultuspolitik ist eine Sache der LĂ€nder), ist in Ăsterreich die Schulsprachenpolitik zentralistisch, indem das Bundesministerium fĂŒr Bildung, Wissenschaft und Kultur dafĂŒr verantwortlich ist. Nur in der Schweiz, wo die Landessprachen den Vorrang haben, spricht man von âUnterrichtsempfehlungenâ, welche stets die Aufgabe haben, die neuen Entwicklungen und die Lösung neuer Aufgaben zu unterstĂŒtzen (Christ 2003: 75). Geregelt ist auch die Ausbildung der LehrkrĂ€fte und die Vergleichbarkeit der Anforderungen; auch die unvermeidbaren Auswirkungen staatlicher Regelungen auf das gesamte Bildungswesen sind deutlich: Nicht unerheblich ist z.B. mit welchen Zeugnissen SchĂŒler aus der Schule an die UniversitĂ€t oder die Arbeitswelt herantreten oder wie hoch die Kosten des Studiums und der LehrkrĂ€fteausbildung sind. Insgesamt ist somit der Einfluss staatlicher Regelungen auf die anderen Hauptbereiche der Gesellschaft groĂ, d.h. auf Wissenschaft, Wirtschaft, Arbeitswelt und auf das Privatleben der BĂŒrger. Staatliche Regelungen fĂŒr den Fremdsprachenunterricht gelten jedoch nur fĂŒr den schulischen Unterricht; den Bereichen Hochschule und Erwachsenenbildung stehen keine amtlichen Texte wie Richtlinien und LehrplĂ€ne zur VerfĂŒgung. Sie stehen nicht im Mittelpunkt politischer bzw. institutioneller Betrachtung (Christ 2003: 71-77).
Wenn nun die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland sprachenpolitische Konsequenzen haben, sowie staatliche Regelungen unvermeidbare Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft haben, sollte die Sprachenpolitik des Landes genauer betrachtet werden. Die Faktoren, die wesentliche Folgen auf sie gehabt haben und immer noch haben sind zahlreich; darunter z.B. die europĂ€ische Einigung, die Erweiterung der EuropĂ€ischen Union, die Globalisierung der Wirtschaft, die Ăffnung der MĂ€rkte, die Internationalisierung der Sicherheits-, WĂ€hrungs- und Wirtschaftspolitik, die neue Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die weltweite Migration und die darausfolgenden Probleme der Integration von Migranten, wie z.B. die Entstehung neuer Sprachminderheiten und ihre Eingliederung in die autochthonen Gruppen. Sprachenpolitische Handlungen können darum alle gesellschaftlichen Bereiche betreffen, so z.B. Entscheidungen multinationaler Konzerne fĂŒr eine spezifische Konzernsprache oder die Entscheidung fĂŒr die Originalsprache eines Programms in Fernsehsendungen. Wer sind aber die sog. âAkteureâ der Sprachenpolitik? Die Ebenen, auf denen sie ver- bzw. behandelt wird, sind die politische, die wirtschaftliche, die wissenschaftliche und private Ebene. Die entsprechenden Aktionsfelder betreffen die Verwaltung im Feld der Politik, die Standardisierung im Feld der Sprachwissenschaft und âplanung, den Sprachunterricht im Feld der Didaktik, die Sprachmischung im Feld der Sprachkritik und der Sprachberatung, die Sprachreinigung im Feld der angewandten Sprachwissenschaft sowie die Politik der Sprachverbreitung und die Verwendung der Sprachen im öffentlichen Leben. Hauptziele der Sprachenpolitik sind darum die Verbesserung und die Absicherung der innersprachlichen bzw. zwischensprachlichen Kommunikation. Die Entscheidungen betreffen z.B. das Lebensalter, in welchem der Fremdsprachenunterricht eingefĂŒhrt werden soll (ob schon in Grundschulen oder spĂ€ter); sie betreffen den spezifischen Fremdsprachenunterricht, der gewĂ€hlt werden soll, sowie die Unterrichtung der Migranten (Christ 2003: 102-110)[13].
Im Hinblick auf die institutionelle Geschichte des Fremdsprachenunterrichts in deutschsprachigen LĂ€ndern haben Deutschland und Ăsterreich eine Ă€hnliche Entwicklung erlebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg beeinflusste die Teilung Deutschlands in vier Besatzungszonen die Ordnung des Fremdsprachenunterrichts. Nur Berlin hatte einen Sonderstatus, wĂ€hrend jede Zone den Fremdsprachenunterricht nach ihren Vorstellungen[14] und je nach MaĂgabe der zur VerfĂŒgung stehenden Fachlehrer ordnete. Auch Ăsterreich war bis 1955 von der Aufteilung des Landes in vier alliierte Zonen beeinflusst (siehe Christ/de Cillia 2003: 617f.). Die Schweiz ist dagegen seit immer ein viersprachiges Land, in welchem das (sprachliche) Territorialprinzip herrscht. Allerdings sind fast alle Kantone nicht nur einsprachig, wie dieselbe (allen bekannte) diglosse Situation vom Schweizerdeutsch und Standarddeutsch beweist (das jedoch Unterschiede zu dem Hochdeutsch Deutschlands hat); trotz â und wahrscheinlich auch dank â der Mehrsprachigkeit der Schweiz hat die ganze Eidgenossenschaft ein eigenes und gemeinsames Schulsystem[15] eingefĂŒhrt.
Auch in Italien ist heutzutage der Fremdsprachenunterricht prinzipiell auf allen Schulstufen und in allen Schulformen angeboten, aber dies ist eher ein Ergebnis des Einflusses der Zugehörigkeit Italiens zur EU. Laut der EuropĂ€ischen Kommission sollte jeder BĂŒrger âdrei Gemeinschaftssprachen beherrschenâ (EuropĂ€ische Kommission 1995: 72; Empfehlungen des Ministerrats an die MitgliedslĂ€nder des Europarats zum Sprachenunterricht vom 17.3.1998[16]). Und sowohl die EuropĂ€ische Kommission als auch der Europarat[17] verlangen seit Jahren, dass alle SchĂŒler schon in der Schule zwei Fremdsprachen neben ihrer Muttersprache lernen. DarĂŒber hinaus gibt das EuropĂ€ische Portfolio der Sprachen sowohl Jugendlichen als auch Erwachsenen die Möglichkeit, die eigenen Sprachkenntnisse und FĂ€higkeiten einzuschĂ€tzen (siehe Abschn. 1.2.).
Im schulischen Fremdsprachenunterricht Italiens werden verschiedene Sprachen unterrichtet, allerdings in unterschiedlicher QuantitĂ€t und mit unterschiedlichem curricularem Stellenwert. Die am hĂ€ufigsten unterrichteten Fremdsprachen sind jedenfalls immer noch Englisch, Französisch und, seitdem eine zweite Fremdsprache in die Mittelschule eingefĂŒhrt werden musste, hat Spanisch[18] seine BlĂŒtezeit in Italien erreicht: Deutsch gehört leider nicht zu den heutzutage meist gewĂ€hlten Fremdsprachen. In den Sekundarstufen (die in Deutschland den Schuljahren 5.-13. entsprechen) wird Deutsch eher als dritte Fremdsprache gewĂ€hlt. Dies geschieht jedoch nur fĂŒr eine geringe Zahl von spezialisierten Schulen wie z.B. dem Neusprachlichen Gymnasium. Deutsch ist ein akademisches Fach geblieben: Es wird eher an den UniversitĂ€ten und besonders in den FakultĂ€ten fĂŒr Fremdsprachen unterrichtet; in den anderen FakultĂ€ten gilt Deutsch als curriculare aber einjĂ€hrige zweite Fremdsprache.
1.1.1. Neue Rolle der deutschen Linguistik in der italienischen akademischen Sprachdidaktik
In der italienischen Kulturpolitik der letzten Jahre hat sich die Tendenz verstÀrkt, Sprache und Literatur voneinander zu trennen: Nach der UniversitÀtsreform des Jahr...
Table of contents
- InhaltsĂŒbersicht
- Einleitung
- Kapitel 1 Sprachdidaktik Deutsch und europÀischer Referenzrahmen
- Kapitel 2 Theoretische Grundlage und praktische Gestaltung des akademischen DaF-Unterrichts
- Zusammenfassung
- Literaturverzeichnis
Frequently asked questions
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