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Sanierung und Insolvenz aus Bankensicht
About this book
das Handbuch beschäftigt sich mit der aktiven Krisenbewältigung von Firmenkunden. Das Buch unterstützt die professionelle Durchführung von Unternehmenssanierungen aus der Perspektive von Banken und Sparkassen. Dazu wird der komplette Sanierungsprozess von der Risikoerkennung bis zum Erreichen des Turnarounds analysiert. Auch die Möglichkeiten der Sanierung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens werden betrachtet. Für die 3. Auflage wurden Änderungen im Insolvenzrecht sowie der aktuelle IDW S 6 Standard für Sanierungskonzepte berücksichtigt. Die Ergebnisse einer empirischen Erhebung bei Kreditinstituten und Insolvenzverwaltern runden die überarbeitete Neuauflage ab.
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Information
1
Einleitung
Die Finanzkrise der Banken und Staaten mit den Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die Staaten in Europa haben es verdeutlicht. Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft auch aufgrund der starken Verzahnung der Sektoren und der Globalisierung in stark ausschlagenden Konjunkturzyklen des Auf- und Abschwungs. Firmen können innerhalb dieser volatilen Zyklen in wenigen Monaten in eine wirtschaftliche Krisenlage gelangen, selbst Unternehmen mit einer bislang starken Marktposition. Zusätzlich müssen Entscheidungsträger in Firmen häufig neben eigenen Krisen zusätzlich finanzielle Schieflagen von Kunden und Lieferanten meistern, um nicht selbst in eine existenzbedrohende Gefährdung zu geraten.
Dabei sind nicht allein junge und kleine Unternehmen durch wirtschaftliche Fehlentwicklungen belastet. Immer öfter sind auch alteingesessene und große Traditionsfirmen in ehemals erfolgreichen Branchen von einem wirtschaftlichen Zusammenbruch bedroht. Problematisch ist dann, dass in vielen Jahren geschaffene Werte wie der Ruf und der Kundenstamm häufig auf einen Schlag mit dem Insolvenzantrag vernichtet werden. Zudem können Zusammenbrüche großer Firmen aufgrund von wirtschaftlichen Abhängigkeiten Folgepleiten bei anderen Unternehmen in der Wertschöpfungskette nach sich ziehen. Insgesamt verursachen Insolvenzen hohe wirtschaftliche Schäden für viele Gläubigergruppen.
Positiv ist, dass viele Krisen von Firmen heilbar sind und Insolvenzen durch ein rechtzeitiges Gegensteuern vermeidbar sind. Daher gesunden zahlreiche Unternehmen in einer Übergangsphase der Sanierung. Durch die konsequente Sanierung sowie nachhaltige Restrukturierung von Krisenunternehmen mit Unterstützung der Kreditinstitute können die Insolvenzschäden für die deutsche Volkswirtschaft zumindest in Grenzen gehalten werden. Den dabei beteiligten Banken und Sparkassen kommt meist eine Sonderrolle zu. Vielfach werden wirtschaftliche Risiken der Kreditnehmer durch diese Finanzierer aufgedeckt und aktiv bearbeitet. Banken setzen professionelle Risikoerkennungsinstrumente ein und haben ein umfangreiches Spezialwissen in der außergerichtlichen Sanierung.
Ein Akteur unter den Banken steht in der Krise einer Unternehmung besonders im Fokus, die Hausbank. Dieses Institut führt die laufenden Konten und weist in der Regel das größte Kreditvolumen auf. Meist besteht eine langjährig gewachsene und von gegenseitigem Vertrauen geprägte Geschäftsbeziehung. Gerade wenn bereits die Existenzgründung über die Hausbank finanziert wurde, ist oft eine enge Verbindung vorhanden. Dann besteht auch regelmäßig eine hohe Unterstützungsbereitschaft, wenn das Hausinstitut von der Sanierungsfähigkeit und der Sanierungswürdigkeit des Krisenunternehmens überzeugt ist.
Die Hausbank ist eine der Kerngruppen im Rahmen der Bearbeitung von Unternehmenskrisen und wird daher in den Vordergrund dieser Untersuchung gestellt. Aber auch andere Institute und weitere Akteure sind an Firmensanierungen beteiligt und können diese fördern oder auch gefährden. So behindern Streitigkeiten unter Kreditinstituten, Lieferanten sowie Kreditversicherern über Beteiligungsquoten an Sicherheiten, geforderte vorrangige Rückführungen und persönliche Animositäten eine Sanierung oft erheblich.
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Daher ist zu versuchen möglichst alle Gläubiger zu einer Sanierungskoalition zu vereinen. Die verschiedenen Interessen sind in Einklang zu bringen, um möglichst hohe Unterstützungsbeiträge für das Unternehmen zu gewinnen und potenzielle Sanierungsgefährdungen zu vermeiden. Auf diese Weise wird ein nachhaltiger Turnaround des betrachteten Krisenunternehmens in vielen Fällen begünstigt.
Erschwert wird die Sanierung durch einen heterogenen Gesellschafterkreis. Hatten es die Risikospezialisten in den Instituten bislang oft mit klassischen Familienunternehmen zu tun, so hat sich der Kreis der Gesellschafter in mittelständischen Betrieben vielfach stark verändert. Im Rahmen der Globalisierung der Finanzmärkte sind immer häufiger Finanzinvestoren wie Hedgefonds oder Private-Equity-Geber aus ihrer Gesellschafterstellung an Sanierungen beteiligt und erschweren unter Umständen die Verhandlungen.
Neben Gläubigern und Gesellschaftern haben auch andere Unternehmensgruppen ein Interesse an der Sanierung eines Krisenunternehmens. Diese Motivationen lassen sich ausnutzen, um Sanierungsbeiträge zur Stützung der Krisenfirma einzufordern. So können die Mitarbeiter im Rahmen von Gehaltsverzichten und freiwilligen Überstunden und der Fiskus im Wege von Stundungen der Steuern oder Kunden durch Anzahlungen positive Beiträge zur Gesundung eines Unternehmens leisten. Daher erfolgt die Betrachtung des Sanierungsprozesses aus ganzheitlicher Sicht unter Einbezug aller relevanten Anspruchsgruppen eines Unternehmens. Es werden Gestaltungsempfehlungen für die Beziehung der Hausbank zur Krisenfirma und zu den übrigen Interessengruppen gegeben, um den Genesungsverlauf zu fördern. Dabei wird die Sanierungsbegleitung in Eigenregie einer Hausbank mit der Aufrechterhaltung der Kundenbeziehung betrachtet, um für das eigene Institut Wertsteigerungen aus dem Engagement und zusätzliches Geschäftspotenzial zu generieren.
Besondere Anforderungen an die Sanierungen können sich bei den Gesundungsbemühungen von Spezialfinanzierungen bei Schiffen, Immobilienobjekten und auch bei Projektfinanzierungen regenerativer Energievorhaben ergeben. Meist wird bei diesen Sanierungen mit Tilgungsaussetzungen und Verzichten in Form von Haircuts gearbeitet. Aufgrund der Spezialität wird nicht näher auf diese Geschäftsarten eingegangen.
Im Fall des Scheiterns der wirtschaftlichen Gesundungsmaßnahmen gewinnt die Sanierung auch nach dem Insolvenzantrag beziehungsweise im eröffneten Insolvenzverfahren an Wichtigkeit. Dies ist gerade dann von Bedeutung, wenn es um die Rettung von gesunden Betriebsteilen großer und bekannter Unternehmen geht. Daher wird zudem die Gestaltung des Insolvenzprozesses zur Erreichung eines wirtschaftlichen Turnarounds im Rahmen einer übertragenden Sanierung oder eines Insolvenzplanverfahrens betrachtet. Bei diesen Sanierungslösungen kommt es auf die professionelle und zielgerichtete Zusammenarbeit der Kreditinstitute mit den weiteren involvierten Interessengruppen und dem Insolvenzverwalter an. Auch die optimale Verwertungsstrategie aller Assets einer Firma wird aus der Sicht der Kreditinstitute im Rahmen des Scheiterns der Sanierung in der Insolvenz untersucht.
Der Themenkomplex zur Bewältigung einer Unternehmenskrise wird in diesem Buch umfassend analysiert. Es erfolgt eine integrierte Betrachtung des Sanierungs- und Insolvenzprozesses auf Basis einer Theorie, einer durchgehenden Praxisfallstudie und den Ergebnissen einer empirischen Studie. Vorrangig wird die Sichtweise der Hausbank eingenommen. Im Folgenden wird der Aufbau des Buches mit den einzelnen Kapiteln beschrieben.
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Aufbau des Buches
Bei diesem Werk handelt es sich um ein Praxishandbuch für Anwender, die Sanierungsfälle im operativen Geschäft in einem Kreditinstitut bearbeiten. Es wird primär die Sichtweise der Gläubigerbanken eingenommen. Aber auch andere Parteien im Sanierungsprozess, ihre Interessen und Verhaltensweisen werden betrachtet, um ein möglichst umfassendes Bild zu gewinnen. Aus Sicht der Kreditinstitute sind bei einem Gesundungsversuch alle Kräfte zu bündeln und daher die Ziele und Meinungen der übrigen Parteien im Vorfeld zu analysieren. Gelingt es die Unterstützungsbeiträge vieler im Sanierungsprozess direkt und indirekt beteiligter Akteure in Übereinstimmung zu bringen, steigt die Wahrscheinlichkeit diese schwierige Unternehmenssituation erfolgreich zu meistern.
Die Sanierung wird als Prozess angesehen, in dem idealtypisch verschiedene Phasen durchlaufen werden. Auch wenn einige Leser aus der Praxis heraus wissen, dass Sanierungen im Detail unterschiedlich verlaufen, so lassen sich Kernphasen bei der Krisenentstehung und deren Bewältigung ausmachen. Daher wird der Sanierungsprozess in diesem Buch der Übersichtlichkeit halber in wichtige Schritte zergliedert. Dies bietet den großen Vorteil, dass sich bestimmte Eckpunkte im Sanierungsverlauf erkennen lassen, an denen bestimmte Maßnahmen zu ergreifen sind. Es ermöglicht zudem eine strukturierte sowie gleichartige Vorgehensweise bei der Bearbeitung von Krisenfällen, damit zum einen effizient vorgegangen und zum anderen objektiv geurteilt wird. Zudem wird die Kommunikation mit den Anspruchsgruppen über den Sanierungsverlauf betrachtet, denn die optimale Informationsallokation ist meist ein kritischer Erfolgsfaktor im Gesundungsprozess.
Das Buch ist wie zusammenfassend wie folgt aufgebaut: Im Anschluss an die Einleitung in Kapitel 1 und dem Aufbau in Kapitel 2 wird in Kapitel 3 eine ganzheitliche Theorie erarbeitet, auf die in späteren Abschnitten des Buches Bezug genommen wird. Das Stakeholder-Modell und die Agency-Theorie erlauben es die relevanten Akteure in einer Firmensanierung und Insolvenz zu identifizieren, ihre Interessen zu analysieren und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen für die Bearbeitung von Krisenfällen zu geben.
Ein Schwerpunkt des Buches Arbeit liegt in Kapitel 4, in dem die wesentlichen Phasen einer Sanierung untersucht werden. In jedem Abschnitt des vierten Kapitels wird ein Prozessschritt detailliert analysiert. Zu der Veranschaulichung wird ein Praxisfall über den gesamten Sanierungsprozess betrachtet. Vorausgeschickt wird in jedem Abschnitt ein Theorieteil, in dem die Grundlage für den nachfolgenden Bearbeitungsschritt in der Fallstudie geschaffen wird. Es folgen die Aufgabenstellung sowie die Lösung des Praxisfallbeispiels. Den Abschluss eines Abschnitts bildet jeweils eine Sanierungsregel als Erfolgsfaktor einer erfolgreichen Sanierung. Unterlegt werden diese Prozessphasen durch die Ergebnisse einer empirischen Studie in der gezeigt wird, wie Kreditinstitute über alle Institutsgrößen und Banksektoren hinweg die Sanierung ihrer Problemkreditengagements derzeit vorantreiben.
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In Kapitel 5 wird zunächst der Verlauf eines Insolvenzverfahrens erläutert. Begonnen wird mit dem Eröffnungsverfahren und den wichtigen Handlungsschritten direkt nach dem Insolvenzantrag. Es wird auf die Stellung der Kreditinstitute im Rahmen der Entwicklung eines Abwicklungskonzeptes Bezug genommen und auf die Prozesse und die Herangehensweisen der Banken und Sparkassen in diesem Bereich eingegangen. Dazu werden auch auf die Neuerungen des Insolvenzrechts durch das ESUG berücksichtigt, wie unter anderem die Einsetzung eines vorläufigen Gläubigerausschusses und die Vorbereitungen der Kreditinstitute auf dieses Gremium insbesondere zur Auswahl eines Insolvenzverwalters. Es folgt die Darstellung von Sanierungsalternativen im Insolvenzplanverfahren. Beispielsweise wird der Prozess der übertragenden Sanierung aus der Sicht von Banken untersucht. Des Weiteren wird die Konzeption einer optimalen Verwertungsstrategie beschrieben, falls die Gesundungsanstrengungen im Insolvenzverfahren scheitern. Abschließend wird ein Messkonzept erarbeitet, um die Ergebnisse aus der Abwicklungsarbeit zu ermitteln.
In Kapitel 6 schließt das Buch mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Erfolgsfaktoren der Sanierung und Insolvenz aus Bankensicht ab. Die theoretischen Sanierungsregeln werden mit den Ergebnissen aus der empirischen Studie zusammengeführt. Zudem werden Erfordernisse der prozessualen Behandlung von Insolvenzen in der Praxis der Banken aufgezeigt. Der Aufbau des Buches wird in nachfolgender Abbildung 2.1 grafisch dargestellt.

Abb. 2.1 Aufbau des Buches
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Stakeholder-Modell und Agency-Theorie

Abb. 3.1 Aufbau und Lernziele in Kapitel 3
Im Folgenden werden zunächst die begrifflichen Grundlagen erarbeitet. Es wird auf die Krisenphasen und den Sanierungsprozess eingegangen. Dabei ist der Begriff der Sanierung von der Restrukturierung deutlich abzugrenzen. So erfordert eine Sanierung gemäß der gewählten Definition die Unterstützung externer Gruppen, während die Restrukturierung auch allein aus dem Unternehmen heraus mit eigenen Mitteln erfolgen kann. Im Anschluss an diese Erläuterungen werden betriebswirtschaftliche Theorien für die späteren Abschnitte dargestellt. Die Auswahl der Modelle erfolgt in Bezug auf die prägenden Eigenschaften einer Sanierung.
Basis der Untersuchungen bildet zum einen die Agency-Theorie, denn in der Krise bestehen meist starke Informationsasymmetrien zwischen den beteiligten Akteuren. Diese lassen sich mit dem Agency-Ansatz untersuchen. Aus diesem Theoriemodell werden wichtige Elemente im Sanierungsprozess deutlich und es können meist praxisnahe Lösungen zur Bewältigung der Krise erarbeitet werden. Des Weiteren wird das Stakeholder-Modell vorgestellt, denn in einer Sanierung ist es typisch, dass sich eine Vielzahl von Akteuren zu einer Sanierungskoalition zusammenschließen. Diese Gruppen haben jedoch meist unterschiedliche Interessenlagen. Die verschiedenen Ziele und Handlungsweisen dieser Stakeholder sind zu analysieren, um auf die bedrohenden Handlungen im Sanierungsprozess reagieren und die unterstützenden Entscheidungen fördern zu können. Gleichermaßen gelten die Rahmenbedingungen auch für die Abwicklung im Rahmen einer sanierenden oder verwertenden Insolvenz. Werden die Erwartungen dieser internen und externen Akteure durch die Geschäftsführung des Unternehmens oder den Insolvenzverwalter angemessen berücksichtigt, dann steigen die Chancen, den Sanierungsprozess oder den Abwicklungsprozess in der Insolvenz aus Sicht der Kreditinstitute erfolgreich abzuschließen.
dp n="20" folio="6" ? 3.1 Begriffliche Abgrenzungen
Das Wort Krise stammt aus dem Altgriechischen (crisis) und steht für die kritische Entwicklungsphase einer Krankheit oder die Zuspitzung einer kritischen Situation (vgl. Müller, 1985, S. 398). Betriebswirtschaftlich gesehen lässt sich dieser Begriff im Rahmen einer einzelwirtschaftlichen Betrachtung auf Unternehmen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten anwenden (vgl. David, 2001, S. 22). Um den Begriff der Krise transparent zu beschreiben, lässt sich die Fehlentwicklung als Prozess ansehen, der:
- zu Umsatzeinbußen, Ertragsrückgängen und Liquiditätsproblemen führen kann.
- die grundlegende Ziele des Unternehmens und die Kapitaldienstfähigkeit bedroht.
- die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit der handelnden Personen bewirkt.
Der Begriff der Krise eines Unternehmens beziehungsweise Firmenkunden soll hier prozessual, bezogen auf den zeitlichen Krisenentstehungsprozess, und in Anlehnung an den Untersuchungsgegenstand, der Sanierung aus Bankensicht, wie folgt verstanden werden.
Definition: Die Krise eines Unternehmens wird als Prozess angesehen, der die Marktstellung und Ertragskraft einer Firma nachhaltig schwächt. Gefährdet werden die Zahlungen an die Interessengruppen, wie die vertragsgerechte Bedienung des Kapitaldienstes in Form von Zins- und Tilgungsleistungen oder Provisionen an die Kreditinstitute beziehungsweise die Leistungen an die Lieferanten und die sonstigen Gläubiger. Die Wettbewerbsfähigkeit im relevanten Markt ist durch die wirtschaftliche Schieflage nur noch eingeschränkt vorhanden und eine branchenübliche Rendite wird nicht erzielt.
Zeitlich gesehen lässt sich der Krisenprozess in verschiedene Phasen zergliedern. Es lassen sich drei typische Krisenphasen und als vierte Phase die Insolvenz unterscheiden. Diese Krisenstadien können sich überlappen und es können Interdependenzen zu zeitlich vorgelagerten Zeitabschnitten bestehen (vgl. Müller, 1986, S. 25 ff.). Der Regelkreis, der die Verschärfung der Gefährdungslage anzeigt ist nachhaltig zu durchbrechen.
Die Strategiekrise ist in der Regel die erste Phase einer Unternehmenskrise. Sie setzt bereits ein, wenn eine Gefährdung der langfristigen Erfolgspotenziale eines Unternehmens möglich erscheint. Erfolgspotenziale sind alle produkt- und marktspezifischen Faktoren einer Unternehmung, um dauerhaft am Markt bestehen zu können.
Die relevanten Merkmale können von der Qualität der Produkte über den Standort bis hin zur Preispolitik oder dem Aufbau eines Markennamens reichen. Folgende Beispiele zeigen Gefährdungen der wichtigen Erfolgsmerkmale eines Unternehmens auf:
- Nichterreichen notwendiger Unternehmensgröße und erforder...
Table of contents
- Sanierung und Insolvenz aus Bankensicht
- Titel
- Impressum
- Vorwort
- Danksagung
- Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 - Einleitung
- 2 - Aufbau des Buches
- 3 - Stakeholder-Modell und Agency-Theorie
- 4 - Sanierung aus Bankensicht
- 5 - Insolvenz aus Bankensicht
- 6 - Erfolgsfaktoren der Sanierung und Insolvenz aus Bankensicht
- Literaturverzeichnis
- Stichwortverzeichnis