1 EinfĂŒhrung â Teamsportmanagement
Die Bundesligen der groĂen Teamsportarten erlösen pro Saison dreistellige MillionenbetrĂ€ge allein durch VerwertungsvertrĂ€ge mit Medienunternehmen. Spitzensportler mit dem Status nationaler Helden âversilbernâ ihre herausragenden sportlichen Leistungen mittels hoch dotierter WerbevertrĂ€ge. Millionen Zuschauer bescheren den groĂen Sportligen in Deutschland einen Zuschauerrekord nach dem anderen. Profiteamsport ist ganz offensichtlich ein vielfĂ€ltiges, massenattraktives PhĂ€nomen. Seine AttraktivitĂ€t gewinnt der Teamsport insbesondere durch die hoch emotionalen Spielbegegnungen seiner Ligawettbewerbe, deren RegelmĂ€Ăigkeit und VerlĂ€sslichkeit dem Publikum wichtige Ankerpunkte im Trubel des Alltags geben. Gleichzeitig fungieren seine Protagonisten â Vereine, Teams, Spieler, Trainer â fĂŒr Millionen Fans als wichtige, positiv besetzte Identifikationsfiguren. Gefördert wird dies vor allem durch eine umfangreiche massenmediale Berichterstattung, die via Fernsehen, Internet, mobile Dienste und Printmedien zu einer gesellschaftlichen Daueraufmerksamkeit zugunsten des Teamsports fĂŒhrt. Gleiches gilt fĂŒr den hĂ€ufigen Einsatz von Sportstars in WerbemaĂnahmen der Wirtschaft âetwa in Form von Internet-Bannern, TV-Spots oder Plakaten. Nicht zuletzt entwickelte sich in jĂŒngerer Zeit gesellschaftsweit eine positive Grundeinstellung zum Teamsport, da internationale Erfolge der Nationalmannschaften mittlerweile von einem Millionenpublikum bei Fanfesten oder gemeinsamen TV-Abenden verfolgt und gefeiert werden.
Die wechselseitigen Erwartungshaltungen und Leistungsbeziehungen hinsichtlich der FunktionalitÀt des Profiteamsports sind dabei auf Seiten des Sports, der Massenmedien, der werbetreibenden Wirtschaft und nicht zuletzt auf Seiten des Publikums vielfÀltig:
- FĂŒr den Teamsport geht es um die ErfĂŒllung originĂ€rer Zwecke, um gesellschaftliche Aufmerksamkeit und das Einwerben finanzieller Mittel fĂŒr seine sportlichen Wettbewerbe.
- Die Massenmedien streben danach, Teamsportereignisse und deren Protagonisten zu massenattraktiven Inhalten ihrer Medienprodukte zu machen.
- Der Wirtschaft geht es darum, Teamsportereignisse und -personal fĂŒr WerbemaĂnahmen und unternehmensbezogene Ăffentlichkeitsarbeit zu nutzen.
- Das Publikum erwartet vom Teamsport spannende, emotionale Unterhaltungsgelegenheiten zur attraktiven Freizeitgestaltung sowie Möglichkeiten der Identifikation mit Teams/Stars und damit einhergehende GemeinschaftsgefĂŒhle.
Vielfalt und KomplexitĂ€t dieser ZusammenhĂ€nge fĂŒhren in der Konsequenz dazu, dass im Teamsport ein ausschlieĂlich erfahrungsbasiertes âDurchwurstelnâ den AnsprĂŒchen an ein Management mittlerweile nicht mehr genĂŒgt. Vielmehr benötigen FĂŒhrungskrĂ€fte möglichst fundierte Kenntnisse ĂŒber managementrelevante KontextzusammenhĂ€nge, z. B. im Rahmen der tĂ€glichen Gremienarbeit, der Steuerung von Organisationsentwicklung oder der strategischen und operativen Gestaltung von Partnerschaften â insbesondere mit den Massenmedien, der Wirtschaft und der Politik.
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Daraus resultieren zahlreiche bezahlte BeschĂ€ftigungsmöglichkeiten fĂŒr Absolventen von Sportmanagement-StudiengĂ€ngen, wie beispielhafte Zahlen zum ProfifuĂball zeigen (vgl. Tab. 1).
Tab. 1: ArbeitsplĂ€tze im ProfifuĂball 2011/2012 und 2012/2013 (vgl. Deutsche FuĂball Liga, 2013, S. 18; 2014a, S. 22).
Im vorliegenden Lehrbuch werden relevante Themen des Teamsportmanagements dargestellt, wobei sich das Buch als anwendungsorientierte ErgĂ€nzung und Vertiefung zum Lehrbuch âGrundlagen des Sportmanagementsâ versteht und weitgehend auf den dort dargestellten Inhalten aufbaut (vgl. Fahrner, 2014). Gleichwohl handelt es sich um eine eigenstĂ€ndige Publikation, die fĂŒr das Teamsportmanagement relevante Themen differenziert beschreibt und in ihren spezifischen ZusammenhĂ€ngen und Anforderungen erlĂ€utert. Vielfalt und KomplexitĂ€t des Sportmanagements machen dabei zwangslĂ€ufig thematische Schwerpunktsetzungen notwendig, die andere Perspektiven ausblenden â und die angesichts des verfĂŒgbaren Raums nicht alle offen gelegt oder begrĂŒndet werden können.
Mit dem ĂŒbergreifenden Ziel eines Einblicks in Bedingungen, Funktionsweisen und Mechanismen des Teamsportmanagements fĂŒhrt das Buch in zahlreiche Kernthemen ein und regt ĂŒber beispielhafte Fallkonstellationen zur kritischen Reflexion an. Auf diese Weise sollen die Leser ihr Problembewusstsein schĂ€rfen und ĂŒben, Managementwissen auf konkrete Entscheidungssituationen des Teamsports anzuwenden. Die Inhalte sind in fĂŒnf groĂen Kapiteln dargestellt:
- Das Hauptaugenmerk von Kapitel 1 liegt auf einer EinfĂŒhrung in das Teamsportmanagement, die neben einer Auseinandersetzung mit dem Teamsportbegriff auch eine Kennzeichnung von Management als organisationsbezogener Funktion verfolgt.
- Im Anschluss daran folgt in Kapitel 2 eine Auseinandersetzung mit organisationsbezogenen Managementthemen, wobei insbesondere die Gestaltung der Organisationsstrukturen von Spielbetriebsgesellschaften und die interorganisationalen Relationen in Ligakontexten aufgegriffen werden.
- Kapitel 3 fokussiert spielbetriebsbezogene Managementthemen, u. a. wird auf Fragen der Lizenzierung, der Spielformate sowie der Regulierung einer Einflussnahme Dritter auf Teamsportorganisationen eingegangen.
- Verwertungsbezogene Managementthemen greift Kapitel 4 auf. Dabei werden u. a. generelle Fragen der Eigen- und Fremdvermarktung sowie spezifische Themen der medialen und werblichen Verwertung von Teamsport diskutiert.
- AbschlieĂend geht Kapitel 5 zusammenfassend auf die zentralen Inhalte des Lehrbuchs ein und gibt einen Ausblick auf weitere Managementthemen, die hier ausgeklammert oder eher am Rande diskutiert werden.
1.1 Teamsport
Mit Ligawettbewerben, Meisterschaften und Turnieren des Teamsports ist eine Vielzahl spannender Managementthemen und -fragestellungen verbunden. Sie markieren auch ökonomisch wichtige AnwendungsfĂ€lle des Sportmanagements. Gleichwohl steht der Teamsportbegriff fĂŒr eine Vielzahl unterschiedlicher Sportarten, Disziplinen und Ereignisse, weshalb an dieser Stelle fĂŒr die weitere Auseinandersetzung ein möglichst tragfĂ€higes begriffliches Fundament zu schaffen ist.
Lernziele des Kapitels
Die Leser erfahren, welche Sportarten, Disziplinen und Ereignisse im Folgenden unter dem Teamsportbegriff erfasst und thematisiert werden.
Sie erfahren, inwiefern im Folgenden der Begriff des âProfiâ-Teamsports verwendet wird.
Teamsport â oder auch Mannschaftssport â ist ein Sammelbegriff fĂŒr zahlreiche Sportarten und Disziplinen. Diese sind grundsĂ€tzlich dadurch charakterisiert, dass mehr oder weniger viele individuelle Einzelspieler gleichzeitig eine gemeinsame Leistung als Mannschaft erbringen â und zwar in unmittelbarer Konkurrenz zu einem anderen Team. Da ohne gegnerisches
Team kein Spiel möglich ist, wird diese besondere Form der Interaktion auch als Kooperenz bezeichnet. Typischerweise besteht die Spielidee von Teamsportarten darin, als Mannschaft im Wettstreit mehr Tore, Körbe etc. als die gegnerische Mannschaft zu erzielen â und somit das Spiel zu gewinnen. Die Addition sukzessiv erbrachter Leistungen in Individualsportarten zu einer Gruppenwertung, z. B. bei Staffelwettbewerben in der Leichtathletik, im Biathlon oder im Schwimmen, wird hingegen im Folgenden vom TeamsportverstĂ€ndnis ausgeklammert (vgl. Anders, 2003, S. 354).
Teamsport ist mittels differenzierter Regelwerke weltweit einheitlich und detailliert geregelt. Konstitutive Regeln definieren dabei invariante Merkmale des Spiels, z. B. Spielerzahl, Zeit und Raum. Innerhalb dieses generellen Rahmens ergeben sich allerdings variante Ausgestaltungsoptionen von Spielhandlungen in Form spezifischer Spielsysteme oder Taktiken. Damit ist letztlich enorme Spannung verbunden, denn der sportliche Erfolg hĂ€ngt nicht allein von der eigenen (Mannschafts-)Leistung ab, sondern auch von der Leistung des jeweiligen gegnerischen Teams (vgl. Schmidt, 2003, S. 538â539; König, 2013, S. 554).
In der Gunst der deutschen Sportvereinsmitglieder stehen Teamsportarten hoch im Kurs. Insbesondere FuĂball, Handball und Volleyball zeichnen sich ĂŒber sehr hohe Organisationsgrade aus (vgl. Tab. 2). Mit Ausnahme von American Football und Base-/Softball zĂ€hlen alle in Tabelle 2 aufgefĂŒhrten Sportarten auch zum Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele.
Tab. 2: Teamsportarten mit den meisten Sportvereinen und Sportvereinsmitgliedern 2008 und 2013 (vgl. Deutscher Olympischer Sportbund, 2009, S. 7, 9; 2013, S. 5, 7).
Der vereinsbasierte Organisationsgrad ist allerdings nur eine Möglichkeit, gesellschaftliche Relevanz von Sportarten zu erfassen. Ein weiterer Aspekt ergibt sich aus den typischen Wettbewerbsserien des Teamsports, den hierarchischen Ligawettbewerben mit jeweils der (1.) Bundesliga als hochwertigstem Wettbewerb. In Deutschland haben dabei die Ligen der âgroĂenâ Teamsportarten FuĂball (Deutsche FuĂball Liga, DFL), Handball (Handball-Bundesliga, HBL), Basketball (Basketball Bundesliga, BBL), Volleyball (Deutsche Volleyball Liga, DVL) und Eishockey (Deutsche Eishockey Liga, DEL) höchste wirtschaftliche Bedeutung, wie die Umsatzerlöse der Ligawettbewerbe beispielhaft zeigen (vgl. Abb. 1). Im vorliegenden Lehrbuch stehen insbesondere diese Sportarten mit ihren (nationalen) Ligawettbewerben und Wettbewerbsserien im Fokus. An ihnen werden zentrale Managementthemen und -aufgaben sowie charakteristische Bedingungen und Mechanismen des Teamsports exemplarisch dargestellt. Gerade international haben allerdings auch andere Teamsportarten hohe gesellschaftliche, sportkulturelle und ökonomische Bedeutung, z. B.
- American Football in den USA.
- Baseball in den USA, Mexiko, Japan.
- Cricket in SĂŒdafrika, Pakistan, Indien, England, Australien, Neuseeland.
- Curling in Kanada, Schweden, Norwegen, Schweiz, England.
- Hockey in den Niederlanden, Neuseeland, England, Australien, Indien, Argentinien.
- Rugby in England, Italien, Frankreich, SĂŒdafrika, Australien, Neuseeland.
- Wasserball in Italien, Ungarn, Spanien, Serbien, Kroatien.
Abb.1: Umsatzerlöse deutscher Ligen des Profiteamsports, Angaben in Mio. Euro (vgl. Deloitte Sport Business Gruppe, 2013, S. 8; Deutsche FuĂball Liga, 2013, S. 8, 32; 2014a, S. 8, 13).
Der ökonomisch relevante Profiteamsport kann heute durchaus als spezifische Unterhaltungsindustrie bezeichnet werden, als âeine Massenkultur, ⊠[die; M. F.] fĂŒr einen gleichbleibenden Geschmack eine konstante Ware in Serie fĂŒr den Konsum durch eine breite Masse produziertâ (Heinemann, 1986, S. 120). In diesem Zusammenhang sind spezifische Berufsfelder entstanden, z. B. fĂŒr Spieler, Trainer und Manager, die sich weitgehend von der Freiwilligkeit des Amateursports gelöst haben. Gerade in der Alltagssprache ist hierfĂŒr die Bezeichnung âprofessionellerâ Teamsport gelĂ€ufig, auch wenn damit kein explizites professionstheoretisches VerstĂ€ndnis verbunden ist. Wird im Folgenden auf diese Begrifflichkeit zurĂŒckgegriffen, erfolgt dies in Anlehnung an das englische BegriffsverstĂ€ndnis des âprofessionalâ als hauptberuflichem, fachlich qualifiziertem Experten, der fĂŒr die BewĂ€ltigung seiner hochgradig spezialisierten Managementaufgaben ĂŒber hohe Qualifikation und spezifisches Expertenwissen verfĂŒgen muss (vgl. Kastrup, 2009, S. 23â28).
1.2 Management
Der Managementbegriff ist in der Alltagskommunikation heute allgegenwĂ€rtig, bleibt aber regelmĂ€Ăig unbestimmt. Dies erschwert eine angemessene Auseinandersetzung mit ManagementphĂ€nomenen des Teamsports, denn diese erfordert ein möglichst tragfĂ€higes begriffliches Fundament.
Zur Abgrenzung des Managementbegriffs wird der in den âGrundlagen des Sportmanagementsâ ausfĂŒhrlich erlĂ€uterte, fĂŒr Studium und Berufspraxis des Sportmanagements gleichermaĂen anschlussfĂ€hige Zugang aufgegriffen â und Management als organisationsbezogene Funktion verstanden (vgl. Fahrner, 2014, S. 18â25).
Lernziele des Kapitels
Die Leser lernen ein fĂŒr Studium und Berufspraxis anschlussfĂ€higes VerstĂ€ndnis des Managementbegriffs kennen.
Sie setzen sich mit charakteristischen Aufgabenstellungen des normativen, strategischen und operativen Managements auseinander.
Dieses VerstĂ€ndnis von Management rĂŒckt organisationale PhĂ€nomene und Sachverhalte in den Blick, die auch als Planung, Steuerung, FĂŒhrung oder (Corporate) Governance erfasst werden. Ausgehend vom englischen Wortsinn des âto manage somethingâ â etwas bewĂ€ltigen, bewerkstelligen oder schaffen â lassen sich folgende generelle Bedingungen und Aufgaben von Management identifizieren:
- Management erfordert konkrete Zielsetzungen, die Anreize schaffen und die Beteiligten unter Druck setzen, diese Ziele erreichen zu wollen, z. B. den Gewinn der Meisterschaft, den Aufstieg in die nÀchst höhere Liga.
- HierfĂŒr benötigt Management Kennzahlen/Kriterien, die Soll- und Ist-ZustĂ€nde messbar und vergleichbar machen, z. B. TabellenplĂ€tze im Ligawettbewerb, QualitĂ€tskriterien der TrainertĂ€tigkeit und
- erfordert Soll-Ist-Vergleiche anhand der definierten Kennzahlen/Kriterien. Dabei sind bestehende Differenzen und der...