Das Konzept des nun in der 4. Auflage vorliegenden Lehrbuchs zur Digitaltechnik hat sich bewĂ€hrt: Die Grundkonzepte der Digitaltechnik werden Schritt fĂŒr Schritt zusammen mit den wesentlichen Sprachelementen der Hardwarebeschreibungssprache VHDL eingefĂŒhrt. Der Leser ist nach Studium dieses Lehrbuchs in der Lage, einfache digitale Systeme zu verstehen und zu entwerfen, weil er allen Komponenten Funktion, Zeitverhalten sowie ein geeignetes VHDL-Entwurfsmuster zuordnen kann. Inhaltlich wird der Bogen von der Boole'schen Algebra und den Zahlensystemen ĂŒber kombinatorische Logikschaltungen und einfache getaktete Schaltungen bis hin zu sequenziell operierenden Zustandsautomaten gespannt. WeiterfĂŒhrende Kapitel widmen sich der Synchronisation digitaler Teilsysteme, dem Aufbau und der Modellierung von Speichern, sowie der inneren Struktur von (C)PLDs und FPGAs. Der ausgezeichnete didaktische Aufbau unterstĂŒtzt den Lernprozess: Jedem Kapitel sind Lernziele vorangestellt. Immer wieder werden grafische und tabellarische Ăbersichten sowie vertiefende Beispiele verwendet. Eine Vielzahl von Ăbungsaufgaben mit Musterlösungen dient zur Lernkontrolle. Mit den Hinweisen im Anhang kann sich der Leser ein eigenes "Digitallabor" aufbauen, mit dem er die Aufgabenlösungen sowie eigene Fragestellungen selbststĂ€ndig verifizieren kann. Wesentliche Verbesserungen dieser Auflage sind neben weiter vertiefenden Abbildungen und ErlĂ€uterungen insbesondere eine Ăbersicht ĂŒber Neuerungen im aktuellen VHDL-2008 Standard sowie eine EinfĂŒhrung in die Entwicklungssoftware Vivado fĂŒr FPGAs der Fa. Xilinx.
Warum schon wieder ein neues Lehrbuch zur Digitaltechnik? Diese Frage wurde mir zu Beginn dieses Buchprojektes einige Male gestellt. Die daraus resultierenden GesprĂ€che mit Kollegen haben deutlich zu Tage gebracht, dass vielfĂ€ltige GrĂŒnde fĂŒr ein neues Buchkonzept vorliegen, die ich im Folgenden skizzieren werde.
Obwohl die Grundlagen der Digitaltechnik im letzten Jahrzehnt weitgehend unverĂ€ndert blieben, so haben sich die Vorlesungs- und Praktikumsinhalte in diesem Fach an den Hochschulen in den letzten Jahren doch erheblich verĂ€ndert. Dies liegt an neuen Methoden, die sich beim Entwurf digitaler Schaltungen und Systeme weitgehend durchgesetzt haben. Eine digitale Schaltung wird nur noch im Ausnahmefall mit diskreten Logikbausteinen aufgebaut und deren Funktion auf einer Platine nachtrĂ€glich ĂŒberprĂŒft. Die stark gestiegenen Anforderungen an die KomplexitĂ€t digitaler Systeme, zusammen mit den Anforderungen eines geringen Platzbedarfs und niedriger Stromaufnahme haben dazu gefĂŒhrt, dass in umfassendem MaĂe reprogrammierbare Bausteine zur Implementierung digitaler Logikfunktionen eingesetzt werden.
Bild 1.1: Entwicklung des Integrationsgrads digitaler Schaltungen (gestrichelte Linie) und EntwurfsproduktivitÀt der Schaltungsentwickler (durchgezogene Linie). Wesentliche VerÀnderungen der Entwurfsmethoden sind dargestellt (nach [28])
Eine wesentliche Kraft zur VerĂ€nderung der Entwurfsverfahren war und ist bis heute das unter dem Begriff âDesign Productivity Gapâ zusammengefasste Problem, dass die ProduktivitĂ€t der Schaltungsentwickler nicht mehr mit den technologischen Möglichkeiten bei der Halbleiterfertigung Schritt halten kann (vgl. Bild 1.1). WĂ€hrend durch umfangreiche technologische Innovationen der Integrationsgrad von der Medium Scale Integration MSI mit einigen 1000 Transistoren pro Chip Anfang der 1980er-Jahre ĂŒber die Very Large Scale Integration VLSI auf die heutige Ultra Large Scale Integration ULSI mit einem mittleren jĂ€hrlichen ProduktivitĂ€tszuwachs etwa 60% auf mehr als 1 Milliarde Transistoren pro Chip angestiegen ist, konnte die EntwicklerproduktivitĂ€t nicht in diesem MaĂe gesteigert werden. Obwohl damals bereits von jedem Entwickler pro Monat nur etwa hundert Transistoren entworfen und verdrahtet wurden und dies heute im Mittel mehr als Hunderttausend sind, reicht die jĂ€hrliche Steigerung der EntwicklerproduktivitĂ€t von ca. 21% bei Weitem nicht aus, um den technologischen Fortschritt ausschöpfen zu können. Wie Bild 1.1 zeigt, ist die enorme Verbesserung der EntwicklerproduktivitĂ€t auf die EinfĂŒhrung neuer Methoden des Digitalentwurfs zurĂŒckzufĂŒhren. Dabei ĂŒbernehmen Softwarewerkzeuge nicht nur die Platzierung und Verdrahtung sowie die Optimierung der Logik, sondern sie werden auch eingesetzt, um aus âProgrammierdateienâ, die das gewĂŒnschte Verhalten einer Schaltung beschreiben, weitgehend automatisch eine Schaltungsimplementierung zu generieren. FĂŒr den Entwurf moderner digitaler Systeme, die auf einem Chip mehrere miteinander kommunizierende Prozessorelemente besitzen, wurden in den letzten Jahren unter der Bezeichnung ESL (Electronic-System-Level) [52] besondere Entwurfsmethoden entwickelt bei denen die Entwurf der Hard- und Prozessorsoftware in der gleichen Entwicklungsumgebung angestrebt wird. Bild 1.1 zeigt auch, dass in Zukunft dringend weitere Innovationen bei den Entwurfsverfahren benötigt werden, wenn der Abstand zum technologischen Fortschritt bei der Halbleiterfertigungstechnik nicht noch gröĂer werden soll.
Nun wird von Studierenden, die eine Grundlagenvorlesung in Digitaltechnik absolviert haben, sicher nicht erwartet, dass sie in der Lage sind, Digitalschaltungen mit einer derartigen KomplexitÀt zu entwerfen, allerdings werden heute durchaus verbreitet im Rahmen von Diplom- oder Masterarbeiten Digitale Systeme mit mehr als 100.000 Transistoren entworfen.
Entsprechend hat dieses Lehrbuch den Anspruch, neben den unabdingbaren Grundlagen der Digitaltechnik auch eine EinfĂŒhrung in die Verhaltensbeschreibung digitaler Schaltungen mit der Hardwarebeschreibungssprache VHDL (Very High Speed Integrated Circuit Hardware Description Language) auf Register-Transfer-Abstraktionsniveau (Register-Transfer-Level, RTL) zu geben. Eine EinfĂŒhrung in die Synthese von Systemachitekturen (High-Level-Synthese) muss dagegen weiterfĂŒhrenden Lehrveranstaltungen und entsprechender Literatur zum Entwurf Digitaler Systeme ĂŒberlassen bleiben [7], [15].
FĂŒr dieses, in meiner Lehre bereits seit vielen Jahren eingesetzte Konzept existieren nach meiner Ăberzeugung bisher keine geeigneten deutschsprachigen LehrbĂŒcher. Die bisher auf dem Buchmarkt erhĂ€ltlichen LehrbĂŒcher behandeln die EinfĂŒhrung in VHDL in der Regel ĂŒberwiegend in ergĂ€nzenden Kapiteln und nicht als integralen Bestandteil bei der Vermittlung der digitaltechnischen Konzepte.
Das nun vorliegende Lehrbuch, welches sich aus den Lehrveranstaltungen Digitaltechnik und Digitale Systeme speist, die von mir seit vielen Jahren an der Hochschule fĂŒr Angewandte Wissenschaften Hamburg gehalten werden, soll diese LĂŒcke fĂŒllen: Grundkonzepte der Hardwarebeschreibungssprache VHDL werden in nur zwei speziellen Kapiteln eingefĂŒhrt, weitere syntaktische und semantische Erweiterungen dieser Sprache werden jeweils direkt im Zusammenhang mit dem Grundwissen ĂŒber die digitalen Grundbausteine vermittelt. Entsprechend kann das Lehrbuch auch nicht den Anspruch auf eine vollstĂ€ndige VHDL-Darstellung erfĂŒllen. Dazu gehört auch, dass die VHDL-Konstrukte ĂŒberwiegend mit Beispielen und nicht durch vollstĂ€ndige Syntaxbeschreibungen vorgestellt werden.
Dieses Lehrbuch kann somit als Kompromiss zwischen einem Standardlehrbuch zur Digitaltechnik und einem Lehrbuch zur EinfĂŒhrung von VHDL aufgefasst werden. Dabei musste selbstverstĂ€ndlich auf einige Vertiefungen, wie sie sich z.B. in [5] und [6] finden, verzichtet werden. Ich bin jedoch davon ĂŒberzeugt, dass die gewĂ€hlte Stoffauswahl einen guten Kompromiss darstellt.
Die im Buch gewÀhlten Anwendungsbeispiele sind durch das Symbol
herausgehoben, sie wurden unter dem Aspekt ausgewÀhlt, dass sie einen praktischen Bezug zu wichtigen Grundschaltungen der Digitaltechnik haben. Dabei konnte leider nicht in allen FÀllen vermieden werden, dass ein Vorgriff auf Lehrinhalte erfolgte, die erst an spÀterer Stelle des Lehrbuchs umfassend erlÀutert werden. In jedem Fall wurde jedoch versucht, die notwendigen Informationen bereits an dieser Stelle zu vermitteln. An einigen Stellen des Textes sind durch das Symbol
markierte Aufgaben eingebettet, mit denen das gerade Erlernte vertieft werden soll. Durch das Symbol
sind Tipps markiert, die den Lehrstoff in einem erweiterten Zusammenhang erscheinen lassen. Das Ende derartiger EinschĂŒbe ist durch das Symbol
gekennzeichnet.
1.1Die Hardwarebeschreibungssprache VHDL
Als Hardwarebeschreibun...
Table of contents
Cover
Titelseite
Impressum
Vorwort zur 4. Auflage
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Modellierung digitaler Schaltungen
3 Booleâsche Algebra
4 VHDL-EinfĂŒhrung I
5 Zahlensysteme in der Digitaltechnik
6 Logikminimierung
7 VHDL-EinfĂŒhrung II
8 Codes
9 Physikalische Implementierung und Beschaltung von Logikgattern
10 Datenpfadkomponenten
11 Latches und Flipflops in synchronen Schaltungen
12 Entwurf synchroner Zustandsautomaten
13 Entwurf von SynchronzÀhlern
14 Schieberegister
15 Kommunikation zwischen digitalen Teilsystemen
16 Digitale Halbleiterspeicher
17 Programmierbare Logik
18 Anhang
19 Literaturverzeichnis
20 Sachregister
FuĂnoten
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