Was macht ein handwerklich perfektes PortrĂ€t aus? Welches Equipment braucht man? Wie schafft man es, die Persönlichkeit einzufangen oder zumindest die Illusion davon zu erzeugen? Welche Tipps und Kniffe haben GĂŒltigkeit? Fragen ĂŒber Fragen, auf die Ihnen dieses Buch die Antwort liefert.Das Buch versetzt jeden Amateurfotografen in die Lage, mit jedem Kamerasystem und unterschiedlicher Ausstattung unter kontrollierten Lichtbedingungen beeindruckende PortrĂ€ts zu fotografieren. Lichtsetzung, Inszenierung und bildgestalterische Grundlagen sind die tragenden SĂ€ulen, auf denen dieser Fotoratgeber steht. Technik und Trends sind wichtig, die Grundlage jeder Art von PortrĂ€tfotografie ist jedoch das kreative Handwerk. Gestaltung durch Licht und Farben, Blende, Verschlusszeit, Perspektive und Brennweite â wer davon keine Ahnung hat, erzielt nur GlĂŒckstreffer. Zu differenziert ist die Gestaltung eines PortrĂ€ts und zu wichtig sind manchmal Kleinigkeiten, die man beim Shooting kaum wahrnimmt. Ein Blick, eine Geste, ein einfallender Sonnenstrahl â das meiste ist planbar, das Salz in der Suppe sind aber situative Faktoren, die man nur mit viel Erfahrung und manchmal eben auch etwas GlĂŒck fĂŒr sein Foto nutzen kann. Je ausgeprĂ€gter die handwerkliche Erfahrung, desto kreativer kann man auf Unvorhergesehenes reagieren.Christian Haasz zeigt eindrucksvoll die vielen Gesichter der klassischen PortrĂ€tfotografie und animiert dazu, von den Standards ausgehend neue Ideen zu entwickeln und diese nach Möglichkeitspontan umzusetzen. Schauen Sie ĂŒber die Schulter eines Profis, machen Sie nach, kopieren Sie und blicken Sie dabei ĂŒber den vorgegebenen Horizont hinaus.

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Klassische PortrÀtfotografie
Effektvoll beleuchtet, modern inszeniert, meisterhaft fotografiert
- 256 pages
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Klassische PortrÀtfotografie
Effektvoll beleuchtet, modern inszeniert, meisterhaft fotografiert
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Information
1. Der Mensch und seine Abbilder

NatĂŒrlich bilden Menschhen schon seit Anbeginn ihrer evolutionĂ€ren Zeitrechnung sich selbst und andere ab. Höhlenmalereien und frĂŒhgeschichtliche skulpturale Darstellungen zeugen von Wesen und Drang des Menschen, Abbilder seiner selbst der Geschichte zu hinterlassen. Warum das so ist? Es gibt sicher viele DeutungsansĂ€tze, die man in der psychologischen oder kunsthistorischen Literatur finden kann. Aber hilft uns die Erkenntnis darĂŒber, warum wir uns selbst gern abbilden, weiter, um bessere Fotografen zu werden? Ich denke nicht. Belassen wir es also vorerst bei dem Fakt, dass Menschen sich und andere Menschen kĂŒnstlerisch konservieren. Und ĂŒberlegen wir, wie wir uns darin verbessern, unseren Bildern mehr Persönlichkeit innewohnen zu lassen.

FrĂŒher machten KĂŒnstler SelbstportrĂ€ts â heute macht jeder stĂ€ndig Selfies. NatĂŒrlich geht es nicht bei jedem Schnappschuss um Kunst. Aber wenn man ĂŒber die reine Dokumentation momentanen SpaĂes hinausgeht, kann man mit SelbstportrĂ€ts eine Menge lernen.
105 mm | f/8 | 1/100 s | ISO 100 | Sonstiges: rechteckig aufgehĂ€ngte Softbox, Aufheller weiĂe Wand
Wir als Fotografen im digitalen Zeitalter haben gegenĂŒber einem Höhlenmaler, einem Bildhauer der Antike oder einem Maler der Renaissance ein paar entscheidende Vorteile. Wir haben zum Beispiel ĂŒber das Internet unendlich viele Lernquellen zur VerfĂŒgung und mĂŒssen unser Handwerk nicht zwangslĂ€ufig von einem oder einigen wenigen Meistern erlernen. Wir können unser Werk schnell der ganzen Welt zugĂ€nglich machen. Und wir können uns in extrem kurzer Zeit weiterentwickeln. Es dĂŒrfte klar sein, dass all diese vermeintlichen Errungenschaften tiefschwarze Schattenseiten haben. Und leider gibt es darĂŒber hinaus auch noch einen gravierenden Nachteil gegenĂŒber den alten Meistern: die VerfĂŒhrung durch Schnelllebigkeit und dadurch letztlich kĂŒnstlerische OberflĂ€chlichkeit.
Selfies
Seit einigen Jahren ist ein PhĂ€nomen zu beobachten, das das BedĂŒrfnis des Menschen nach Abbildungen seiner selbst auf die absolute Spitze treibt: Selfies. In jeder noch so verrĂŒckten und nicht auszudenkenden Lebenslage kommt irgendwer auf die Idee, mit seinem Handy ein SelbstportrĂ€t zu schieĂen und es mit der Welt zu teilen. Gerade der zweite Aspekt erweitert den alten Begriff des SelbstportrĂ€ts ganz entscheidend, da die Verbreitung eines SelbstportrĂ€ts in den sozialen Netzwerken immer auch ein Statement und ein Status-Update ist. Aber ebenso wie ein Maler im 19. Jahrhundert mit einem SelbstportrĂ€t etwas von sich zeigen und der Nachwelt hinterlassen wollte, ist auch ein Selfie im Prinzip dazu geeignet, einen Aspekt der Persönlichkeit zu erfassen und quasi zu konservieren. Die Frage ist nur: Welcher der tĂ€glich millionenfach veröffentlichen Selfies hat eine echte Bedeutung fĂŒr die kulturell interessierte Menschheit? Andererseits, wie konnte Andy Warhol so viel Bedeutung aus etwas so Banalem wie einer Suppendose herausholen?
Problem Internet, Problem Kommentar
Ein groĂes Problem des Internets und diverser sozialer Netzwerke und Fotoforen ist, dass solche Netzwerke vor allem durch simple LĂŒgen am Laufen gehalten werden. Schreib ich bei dir was Nettes, schreibst du bei mir was Nettes. Ehrliche und fundierte Kritik â wer von den ganzen Fotografen da drauĂen kann schon fundiert kritisieren? â ist nicht gerade eine Ware, mit der man seinen sozialen Status im Web erhöht. Betrachtet man die vielen Kommentare und die vielen Fotos in den vielen Foren, kommt man zwangslĂ€ufig zu dem Schluss, dass diese Wertungen ebenso sinnlos sind wie die meisten Bewertungen bei Amazon.
Es ist geradezu lĂ€cherlich, zu glauben, dass die lobhudelnden Kommentare unter grottenschlechten Fotos auch nur im Ansatz dazu beitragen wĂŒrden, dass der das Machwerk verbrechende Fotograf sich weiterentwickelt. Im Gegenteil. Es wird ihm eine vermeintliche QualitĂ€t seiner Aufnahmen vorgegaukelt, die ihn davon abhĂ€lt, sich objektiv mit seinen Bildern auseinanderzusetzen. Sollte man daher komplett auf die Veröffentlichung in der Fotocommunity, in der Model-Kartei und so weiter verzichten?
Nein, natĂŒrlich nicht. Aber man sollte versuchen, sich vom Wohlwollen der anderen Fotografen unabhĂ€ngig zu machen. Und man sollte lieber mal um einen gezielten Kommentar oder um eine Meinung von jemandem bitten, dessen darstellerische QualitĂ€t man selbst beeindruckend findet.

Der Vorteil von Fotocommunitys liegt darin, dass man schnell Gleichgesinnte und Models findet, mit denen man arbeiten kann. Der Nachteil: Die meisten Kommentare drehen sich um SelbstbeweihrÀucherung und Lobhudelei.
Fotografie als schlechte Malerei
Vermutlich haben sich zu der Zeit, als die Fotografie die Malerei zu konkurrieren begann, manche KĂŒnstler Ă€hnliche Gedanken gemacht und ihre Gegenwart ebenso skeptisch gesehen, wie ich das nun tue. Wie kann eine Fotografie den gleichen kĂŒnstlerischen Wert haben wie ein handwerklich und konzeptuell perfekt ausgearbeitetes PortrĂ€t in der Malerei? Nun, zuerst einmal sind nicht alle gemalten PortrĂ€ts nur deswegen bemerkenswert, weil sie gemalt wurden. Und dementsprechend sind nicht alle fotografischen PortrĂ€ts grundsĂ€tzlich weniger wert als ein ĂlgemĂ€lde oder ein Aquarell, nur weil die Fotografie schneller und unmittelbarer entsteht.
Denkt man den Gedanken der kĂŒnstlerischen QualitĂ€t konsequent weiter, ergeben sich fĂŒr das eine wie fĂŒr das andere bestimmte Merkmale, die erfĂŒllt sein mĂŒssen, um aus dem Bild eines Menschen ein beeindruckendes PortrĂ€t zu machen â unabhĂ€ngig vom jeweiligen Medium. Insofern braucht sich niemand mit seinen PortrĂ€ts zu verstecken, nur weil die Bilder mit einer Digitalkamera entstanden sind.
PixelqualitÀt vs. konzeptuelle QualitÀt
WĂ€hrend die PixelzĂ€hler unter den Fotografen, von denen es ĂŒbrigens unzĂ€hlige gibt, in der Regel kein vernĂŒnftiges PortrĂ€t zustande bringen â es liegt in der Natur der Sache, dass ein Blinder keine Farben erklĂ€ren kann â, stellt sich fĂŒr den nicht pixelzĂ€hlenden Fotografen die Frage, ob und wie viel Einfluss die rein technische BildqualitĂ€t auf seine Arbeit haben darf.
Konkret: Wenn man ein Foto unter miesen Lichtbedingungen aufnimmt, das Bild gerade so nicht verwackelt, in den Farben und Kontrasten flau und auf Pixelebene furchtbar verrauscht ist, stellt sich die Frage, ob man das Foto noch als groĂes Werk feiern kann, wenn Ausdruck und Bildkomposition perfekt waren. Klare Antwort: Nein! AuĂer, die mangelhafte technische BildqualitĂ€t war Teil eines schlĂŒssigen und nachvollziehbaren Konzepts.
Im Fall technischer UnzulÀnglichkeiten sollten Sie durchaus mal bei einem PixelzÀhler nachfragen/nachlesen, was man gegen Bildrauschen, flaue Farben und schlecht differenzierten Kontrast tun kann. Aber vermeiden Sie es auf jeden Fall, technische Daten und das neueste Zubehör zu einem Fetisch zu erheben. Die Fixierung auf das neueste Kameramodell, den tollsten Kameragurt, das praktischste FernauslösegerÀt lenkt Sie davon ab, worum es in der PortrÀtfotografie eigentlich geht: um Menschen.


Wer glaubt, eine mordsteure Kamera samt kompletter StudioausrĂŒstung sei die einzige Grundlage fĂŒr gute PortrĂ€ts, hat keine Ahnung von Fotografie. Und wer glaubt, ohne vernĂŒnftiges Equipment könnte man jederzeit nur mit dem Sinn fĂŒr Bildgestaltung und KreativitĂ€t High-End-PortrĂ€ts schaffen, irrt auf Ă€hnliche Weise. Erst das Zusammenspiel von Technik und KreativitĂ€t auf hohem Niveau fĂŒhrt zu herausragenden Bildern, und auch das nicht beliebig und zu jeder Zeit.
2. Eine echte Persönlichkeit oder die Illusion davon?

Es ist immer dieser eine Blick, der fasziniert. Wenn jemand tiefgrĂŒndige Blicke beliebig produzieren kann, kann in der PortrĂ€tsession fast nichts schiefgehen. Anna ist vor der Kamera Profi und konnte fast nach Belieben die Emotionen zeigen, die ich mir wĂ€hrend der Fotosession gewĂŒnscht hatte.
100 mm | f/8 | 1/160 s | ISO 100 | Sonstiges: groĂe, runde Softbox ohne Frontdiffusor fĂŒr hartes Licht, ein Effektlicht fĂŒr die Haare (Normalreflektor), Spot fĂŒr den Hintergrund
Ist ein PortrĂ€t nicht grundsĂ€tzlich eine groĂe LĂŒge? Man könnte argumentieren, dass eine Fotografie in einem Bruchteil einer Sekunde entsteht, man also nur einen Augenblick der Wirklichkeit quasi einfriert. Was lĂ€sst sich in einer hundertstel Sekunde schon zeigen? Emotionen, die Seele? Oder einfach nur eine zuvor fĂŒr den Zweck vorbereitete OberflĂ€che? Im Grunde arbeiten alle Fotografen, die sich mit Menschen beschĂ€ftigen, auf Augenblicke hin und hoffen darauf, dass einer der Augenblicke beim PortrĂ€tieren genau der eine, entscheidende Augenblick ist und sie im richtigen Moment auf den Auslöser drĂŒcken. Was macht dann aber ein gutes PortrĂ€t aus, bei dem man als Betrachter das GefĂŒhl hat, etwas von dem Menschen vor der Kamera zu erfahren?

Sieht man hier die Frau oder ein Stereotyp? Wie schafft man es, den Menschen vor der Kamera zu zeigen und nicht bloĂe Maske und Abziehbild?
70 mm | f/4 | 1/100 s | ISO 160 | Sonstiges: Striplight vorn links (aus Kamerasicht), Aufheller (Striplight) mit minimaler Leistung von rechts hinten
Als Fotograf hat man einige Mittel an der Hand, um bestimmte Stimmungen und Illusionen zu erzeugen. Das beginnt bei der Kleidung des Menschen, geht weiter ĂŒber Make-up und Frisur, den Hintergrund bzw. die Kulisse und endet natĂŒrlich beim Licht.
Aber auch die Wahl der Kamera sowie die der technischen Merkmale wie Brennweite, Empfindlichkeit und Verschlusszeit tragen zur Gestaltung eines PortrÀts bei. Wenn der Fotograf mit seinem Handwerkszeug nun aber bewusst gestalten und im Prinzip beliebig festlegen kann, was vor seiner Kamera geschieht, bedeutet das aber auch, dass man keinem PortrÀt vertrauen darf. Man kann den Menschen vor der Kamera im Grunde als leere Leinwand sehen, die der Fotograf mit seinen Mitteln bearbeitet, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Immer vorausgesetzt, der portrÀtierte Mensch spielt mit und macht, was der Fotograf verlangt.
Lach doch mal!
Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis: Eine Mutter kommt mit ihrem sĂŒĂen, blond gelockten MĂ€dchen kurz vor Weihnachten ins Studio. Es geht natĂŒrlich um PortrĂ€ts, die fĂŒr Oma und Opa gedacht sind. Die Mittel des Fotografen bestehen nun darin, einen hellen, himmels- oder wolkengleichen Hintergrund zu verwenden, viel Licht von vorn aufs Gesicht sowie von hinten auf die Haare zu setzen, das MĂ€dchen dazu zu bringen, vertrĂ€umt in die Kamera zu sehen.
Die RealitĂ€t sieht jedoch fernab des â letztlich doch alle zufriedenstellenden â PortrĂ€ts völlig anders aus. Das MĂ€dchen war genervt, war offensichtlich ĂŒberfordert mit der schrecklichen Situation. Mama war ebenso genervt, da man fĂŒr den PortrĂ€ttermin nur eine halbe Stunde Zeit eingeplant hatte, sich das MĂ€dchen aber bereits beim Hairstyling nicht sonderlich kooperativ verhielt. Die Stimmung wurde also immer angespannter und hektischer.
Und dann der Klassiker: »Jetzt lach doch mal! Ist doch fĂŒr Oma und Opa. Die wollen dich doch lieb lachen sehen!« Es ist ein Segen, dass meine StudioblitzgerĂ€te in diesem Fall nur rund 1/1000 Sekunde aufleuchten. Denn hĂ€tte ich PortrĂ€ts gemacht, die eine Zeitspanne von 10 Sekunden oder ein paar Minuten zeigen wĂŒrden, wĂ€ren Oma und Opa an diesem Weihnachten sicher nicht so glĂŒcklich und zufrieden gewesen beim Anblick ihrer sĂŒĂen Enkelin. Als Fotograf muss man mit seiner Zeit haushalten und die richtigen Augenblicke erwischen. Und ab und zu muss man die Mama bitten, drauĂen vor der TĂŒr zu warten. Dann klapptâs auch mit dem Engelchen zu Weihnachten.

Die beiden hatten SpaĂ beim Fotografieren, was man auch deutlich sieht. WĂŒrde man versuchen, zwei Kinder gleichzeitig zu einem gekĂŒnstelten LĂ€cheln zu bewegen, mĂŒsste man schon viel GlĂŒck oder groĂe FĂ€higkeiten in Photoshop...
Table of contents
- Pure PortrÀts
- 1. Der Mensch und seine Abbilder
- 2. Eine echte Persönlichkeit oder die Illusion davon?
- 3. Interessante Gesichter finden
- 4. Gear Basics fĂŒr PortrĂ€ts
- 5. Das Kamera-Set-up fĂŒr PortrĂ€ts
- 6. Im PortrÀtstudio
- 7. Licht outdoor und on location
- 8. Bildgestaltung und -aussage
- 9. Den Fluss finden
- 10. Das systematische Posing
- 11. Kleidung, Accessoires, Make-up
- 12. Markante MĂ€nner
- 13. Ehrliche FrauenportrÀts
- 14. Das Kind im Bilde
- 15. Skurrile WeitwinkelportrÀts
- 16. PortrÀts optimieren mit Lightroom
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