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Johann Joseph Fux and the Music of the Austro-Italian Baroque
About this book
Johann Joseph Fux's reputation as a theorist and the long-term influence of his theoretical and pedagogical work have ensured that his name is widely known in music circles in the West. His pre-eminence as the foremost native-born composer of the Austrian Baroque has resulted in attention being focused on his work as an exemplum of virtually every genre, sacred or secular of Austro-Italian early eighteenth-century music. The publication of the Fux Gesamtausgabe has greatly enhanced the reputation of his music and the essays in this volume will develop our understanding of Fux, his music, and his place in musical history.
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Information
Subtopic
Music1 Johann Joseph Fux und die
Gegenwart
Hellmut Federhofer
Als Johann Joseph Fux am 13. Februar 1741 im Alter von 81 Jahren seine Augen schloß, wenige Monate nachdem Maria Theresia ihrem Vater Karl VI, auf den Thron gefolgt war, ging eine für Österreich glanzvolle Epoche der Musikgeschichte zu Ende. Sie ist untrennbar mit dem Namen des Hauses Habsburg verbunden. Der Kaiserhof in Wien, an dem auf allen Gebieten der Kultur Persönlichkeiten von Rang wirkten, setzte so wie für andere Künste auch für die geistliche und weltliche Musik allgemein gültige Maßstäbe. Der Höhepunkt dieser als Zeitalter des Barocks in die Literatur eingegangenen Epoche fällt in die unmittelbar den Türkensiegen des mit Fux ungefähr gleichaltrigen Prinzen Eugen folgenden Jahre.
Noch wenige Jahrzehnte zuvor war die abendländische Kultur ernstlich bedroht. Sie hätte eine vom tatsächlichen Geschichtsverlauf völlig abweichende Entwicklung nehmen müssen, wäre es dem Großwesir Kara Mustafa gelungen, im Jahre 1683 Wien und damit die Hauptstadt des Kaiserreiches zu erobern, ähnlich wie rund 200 Jahre vorher Konstantinopel und das byzantinische Kaiserreich den Anstürmen der Osmanen zum Opfer gefallen war. Sowohl für Fux als auch für W.A. Mozart, deren beider Gedenktage in das Jahr 1991 fallen, hätten die politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für ihre künstlerische Entfaltung gefehlt. Der Höhepunkt ihres Schaffens lag nämlich in Wien. Für Fux, der seit dem Ende des 17. Jahrhunderts ohne Unterbrechung bis zu seinem Ableben drei deutschen Kaisern, nämlich Leopold L, Joseph I. und Karl VI., zunächst als Hofkomponist, dann als Vizehofkapellmeister und schließlich durch über zwei Jahrzehnte als oberster Hofkapellmeister diente, gilt dies in besonderem Maße. Denn in den rund vier Jahrzehnten seines Wirkens am kaiserlichen Hof schuf er — in Entsprechung seiner mit dem Amte verbundenen Pflichten — eine Fülle geistlicher und weltlicher Werke, die ihn als den bedeutendsten österreichischen Komponisten seiner Zeit ausweisen. Als solcher ist er in die Musikgeschichte eingegangen. Ludwig Ritter von Köchel, der seine lebenslangen musikhistorischen Forschungen auf Fux und Mozart konzentrierte, verzeichnet in seiner auch heute noch grundlegenden dokumentarischen Fux-Biographie über 400 Nummern, von denen sich allerdings etliche auf ein und dieselben Werke in verschiedener Überlieferung oder Bearbeitung beziehen.1 Einen heutigen wissenschaftlichen Erfordernissen entsprechenden thematischen Katalog, der auch die nach Köchel erfolgten Funde sowie alle mittlerweile notwendig gewordenen Berichtigungen berücksichtigen müßte, gibt es bisher nicht. Als Vorbild für einen solchen könnte Köcheis Mozart-Werkverzeichnis dienen, dessen Neuauflage derzeit geplant wird. Trotz großer Quellenverluste, die fast durchwegs einer älteren Zeit, nicht den Folgen des Zweiten Weltkriegs anzulasten sind, und des Fehlens fast aller Autographen — einschließlich von Skizzen und Entwürfen — ist noch immer ein imponierender Werkbestand vorhanden. Den größten Teil hiervon verwahrt in Handschriften von Wiener Hofkapellkopisten, die im Auftrag von Fux arbeiteten, die ehemalige Hofbibliothek und heutige Österreichische Nationalbibliothek Wien. Gleich J.S. Bach sind zu Lebzeiten von Fux nur ganz wenige Werke im Druck erschienen, nämlich der dem damaligen König und späteren Kaiser Joseph I. gewidmete Concentus musico-instrumentalis (Nürnberg, 1701, Felsecker), die Oper Elisa (Amsterdam, 1719, Roger) und das berühmte Kontrapunktlehrbuch Gradus ad Parnassum (Wien, 1725, van Ghelen).
Der Nachruhm von Fux gründet sich vor allem auf dieses in lateinischer Sprache abgefaßte und auf Kosten Kaiser Karls VI. gedruckte Werk, das noch im 18. Jahrhundert Übersetzungen in die deutsche, französische, italienische und englische Sprache gefunden hat. Von ihnen ist die deutsche Übersetzung durch Lorenz Christoph Mizler, einen Schüler von J.S. Bach, die wichtigste und wertvollste. Sie bezeugt indirekt das Interesse, das Bach selbst für dieses Werk hegte — ein Exemplar der lateinischen Originalausgabe befand sich in seiner Bibliothek — und sie sorgte neben dieser für weite Verbreitung im gesamten deutschen Sprachraum. Sein theoretisches Vermächtnis nahmen J. Haydn, W.A. Mozart und L. van Beethoven auf. Einflußreiche Theoretiker knüpften an seine Lehre an, so daß sie bis in die Gegenwart lebendig geblieben ist.
Was aber bedeutet ihr sein umfangreiches kompositorisches Oeuvre? Oder anders gefragt: was könnte es ihr bedeuten? Es ist zwar unrichtig, daß nach seinem Ableben sein Schaffen der Vergangenheit anheimgefallen wäre. Aber eine ungebrochene, bis in das 19. Jahrhundert reichende Tradition betrifft nur einen schmalen, dem stylus antiquus verpflichteten Teil seiner geistlichen Komposition, der hauptsächlich im klösterlichen Bereich fortlebte. Während Werke von J.S. Bach in Leipzig durch Johann Gottfried Schicht und in Berlin durch Carl Friedrich Fasch und Carl Friedrich Zelter kontinuierlich gepflegt wurden, was F. Mendelssohn Bartholdy zur Wiederaufführung der Matthäus-Passion im Jahre 1829 inspirierte, lebte Fux nur als Theoretiker und Schöpfer der Kaiser Karl VI. gewidmeten Missa canonica im Gedächtnis fort. Seine Instrumentalmessen, Vespern und Litaneien, seine zahlreichen Solo-Motetten und Antiphonen, Arien und Duette aus Oratorien und Opern samt seiner Instrumentalmusik blieben dagegen weitgehend unbeachtet. Erst Köchel korrigierte das einseitig gewordene Fux-Bild. Dank seiner Forschungen im Wiener Hofkapellarchiv konnte er neben allen unbestrittenen Verdiensten des Komponisten um die Bewahrung des stylus antiquus zugleich dessen Bedeutung für Pflege und Verbreitung des stylus modernus überzeugend nachweisen. Die rund 25 noch erhaltenen Oratorien, Sepolcri und Opern von Fux brauchen einen Vergleich mit den Oratorien und Opern von G.F. Händel nicht zu scheuen. Dennoch hatte Köcheis Werk keine unmittelbare Auswirkung auf die Praxis. Ihr stand die glückliche Situation, in der sich Österreich als Musikland im 18. und 19. Jahrhundert befand, im Weg. Die Meisterwerke der Wiener Klassik erfuhren in Kopien und Drucken weiteste Verbreitung. Sie setzten neue Maßstäbe und verdrängten ungewollt älteres Musikgut, das daher dem gesellschaftlichen Bewußtsein rasch entschwand. Andere Länder erlebten in dieser Zeit keine derartigen Höhepunkte ihrer Musikentwicklung, so daß sich Altes neben Neuem leichter behaupten konnte. Beispielsweise riß in England die Pflege des Händel-Oratoriums niemals ab, sie wurde vielmehr zum nationalen Prestige, so daß in den Jahren 1787–1797 Samuel Arnold, Organist der Westminsterabtei, eine 36-bändige Händel-Ausgabe veranstalten konnte. In Österreich wirkte sich eine durch die Romantik geförderte Rückbesinnung auf das Erbe der Vergangenheit erst verhältnismäßig spät in der Praxis aus. Der Cäcilianismus war nur an älterer a-cappella-Musik interessiert. An neuzeitlicher instrumentaler Kirchenmusik bestand nicht der geringste Mangel. Es mag daher verständlich erscheinen, daß erst am Ende des 19. Jahrhunderts Instrumentalmessen von Fux im Druck zugänglich wurden. Zwei von ihnen, K 28 und E 113, eröffneten — zusammen mit der bereits erwähnten Missa canonica, K 7 und einer weiteren a-cappella-Messe, K 29 — die von Guido Adler 1894 begründete Reihe der Denkmäler der Tonkunst in Österreich. Dort veröffentlichte 1910 Egon Wellesz die berühmte Festoper Costanza e fortezza (1723). Es folgte 1916 ein Neudruck des Concentus musico-instrumentalis (1701). Jedoch erschien es unmöglich, eine auch nur repräsentative Auswahl seiner Werke im Rahmen dieser für das gesamte musikalische Erbe der Habsburgermonarchie bestimmten Denkmälerreihe zu veröffentlichen. Daher blieb auch weiterhin die Kenntnis seiner Werke beschränkt. Während 1851 mit der ersten großen Bach-Ausgabe begonnen werden konnte, ja selbst die erste Gesamtausgabe der Werke von H. Schütz bereits 1885 zu erscheinen begann, konnte erst die 1955 gegründete J.-J.-Fux-Gesellschaft (Graz) den Plan einer Gesamtausgabe, der zwar bereits früher bestand, dessen Ausführung durch den Zweiten Weltkrieg jedoch vereitelt worden war, ernstlich ins Auge fassen. Es stellte sich nämlich heraus, daß das von Köchel mitgeteilte Quellenmaterial, das sich hauptsächlich auf die Bestände der Österreichischen Nationalbibliothek Wien, ferner einiger österreichischer Klosterbibliotheken und des Nachlasses von Jan Dismas Zelenka in Dresden erstreckte, zahlreicher Ergänzungen bedürftig war. Nach den Aufsehen erregenden Funden von Andreas Liess in Prag2 ließen systematische Nachforschungen die weite Verbreitung der Fux-Werke im Habsburgerreich, vor allem in Böhmen und Mähren, erkennen.3 Erst dadurch war die Voraussetzung für eine der Wissenschaft und Praxis dienende Gesamtausgabe geschaffen.
Obwohl diese seit 1959 erscheint und umfangreichere Werke gesondert, kleinere dagegen in Einzelbänden zusammengefaßt-veröffentlicht werden, liegen bisher erst 16 Bände im Druck vor. Das schleppende Erscheinen beruht vornehmlich auf einem finanziellen Problem. Als österreichisches Forschungsunter nehmen wird diese Veröffentlichung nicht — wie jene der Musiker-Gesamtausgaben in der Bundesrepublik Deutschland — von der Konferenz der Akademien der Wissenschaften, vertreten durch die Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz, gefördert, sondern ist fast ausschließlich auf Subventionen seitens der Steiermärkischen Landesregierung in Graz angewiesen, die derzeit ungleich höhere Summen für den in seiner kulturellen Bedeutung propagandistisch überbewerteten ‘Steirischen Herbst’ als für den größten Komponisten ihres Landes aufbringt. Die Gesamtausgabe konnte daher vorläufig nur einen Bruchteil des erhaltenen Werkbestandes der Wissenschaft und Praxis zur Verfügung stellen. Der Schaden liegt auf beiden Seiten. Obwohl seit Ende des Zweiten Weltkrieges bemerkenswerte Forschungsergebnisse vorgelegt werden konnten, muß eine heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Fux-Biographie, die Leben und Werk gleichermaßen umschließen und Köchels Werk ersetzen sollte, so lange ein Desiderat der Forschung bleiben, als die Gesamtausgabe über ihr Anfangsstadium nicht hinausgelangt ist. Bleibt doch zu bedenken, daß mit Ausnahme der Oratorien und Opern — infolge Verlusts der meisten Autographe — von den sonstigen Werken fast keine Partituren, sondern nur noch Stimmen vorhanden sind, die erst spartiert werden müssen. Auch Echtheitsprobleme harren noch der Lösung, gibt es doch noch andere Träger gleichen Namens, wie Vinzenz Fux im 17. und Peter Fux am Ende des 18. Jahrhunderts, ohne daß die Quellen stets die Vornamen der Autoren angeben, so daß Zweifel über die Urheberschaft entstehen können. Aber auch Verwechslungen mit anderen Komponisten lassen sich mehrfach nachweisen, ohne daß eine eindeutige Zuschreibung bisher möglich war. Als bemerkenswertes Beispiel sei auf die Triosonate K 330 hingewiesen, die Erich Schenk nach einer Quelle in Kremsmünster als Werk von J. J. Fux, dagegen Günter Haußwald nach einer Vorlage in Dresden als Komposition von G.Ph. Telemann veröffentlichten, während Rudolf Flotzinger nachweisen konnte, daß dieses Werk von keinem der beiden Meister stammt, da die Kremsmünsterer Quelle bereits vor 1675 entstanden sein muß.4
Den bisherigen Ausführungen zufolge ist es verständlich, daß die Fux-Forschung — anknüpfend an Köchel und Adler — von Wien aus ihren Ausgang nahm. Im Umkreis der Wiener Adler-Schule entstanden die ersten größeren Studien, wie von Heinrich Rietsch, Viktor Halpern, Franz Brenn und Egon Wellesz. Diese Arbeiten werden in der dem vorliegenden Band beigefügten Bibliographie von Ingrid Schubert angeführt. Auch A. Liess, der nach 1930 die Fux-Forschung tatkräftig vorantrieb und die Editionsleitung der damals bereits geplanten Gesamtausgabe übernehmen sollte, gehört als Adler-Schüler dem genannten Kreis an. Mit dem Aufblühen der Musikwissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und dem zunehmenden Interesse der Praxis an der Musik vor und zur Zeit von J.S. Bach begannen auch ausländische Forscher sich mit dem Werk von Fux näher zu beschäftigen. Insbesondere ist auf das dreibändige Werk von John Henry van der Meer, J.J. Fux als Opernkomponist (Bilthoven, 1961) hinzuweisen, in dem erstmals einer von Fux durch drei Jahrzehnte gepflegten Gattung eine umfangreiche Monographie gewidmet worden ist: Detaillierte Analyse gipfelt in einer systematischen Darstellung von Operntext, Inszenierung, Instrumentaleinleitung, Rezitativ, Nummerntypus, Arien- und Ensembleform, Chor, Ballett, Orchester und musikalischer Oratorie. Die Publikation ist auch für die Praxis von Belang, da der dritte Band mit über 90 Notenbeispielen vollständige Arien mitenthält. Der unfreiwilligen Emigration von E. Wellesz ist die erste, in e...
Table of contents
- Cover
- Half Title
- Title Page
- Copyright Page
- Table of Contents
- Acknowledgements
- Notes on Contributors
- Introduction
- 1 Johann Joseph Fux und die Gegenwart
- 2 The Fux Tradition and the Mystery of the Music Archive at Melk Abbey
- 3 Johann Joseph Fux’s Theoretical Writings: a Classical Legacy
- 4 Zur Unvollständigkeit und denkbaren Anlage der Gradus von Fux
- 5 The Chalumeau in the Works of Fux
- 6 The Use of Wind Instruments (excluding Chalumeau) in Fux’s Music
- 7 Zur Datierung der Triosonaten und Anderer Werke von Fux
- 8 The Secular-Dramatic Compositions of Fux: a General Survey
- 9 The Literary and Dramaturgical Aspects of the Viennese Sepolcro Oratorio, with Particular Reference to Fux
- 10 The Sepolcro Oratorios of Fux: an Assessment
- 11 Bemerkungen zu den Kompositionen von Johann Joseph Fux zum Offertorium
- 12 Bibliographie des Fux-Schrifttums/A Fux Bibliography
- Index
- Index of works of Johann Joseph Fux cited in the text.
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