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Information

eBook ISBN
9781589062498
Year
2003

Kapitel 1: Die Überwachung durch den IWF in der Praxis

Das IWF-Übereinkommen erteilt dem Internationalen WĂ€hrungsfonds den Auftrag, das internationale WĂ€hrungssystem zu beaufsichtigen, um dessen effiziente Arbeitsweise zu gewĂ€hrleisten und eine strenge Überwachung („surveillance”) der Wechselkurspolitik seiner MitgliedslĂ€nder auszuĂŒben. Die Überwachung beinhaltet Aufsicht einschließlich Beobachtung und Analyse. GemĂ€ĂŸ einem Beschluss des Exekutivdirektoriums muss sich die Bewertung der Wechselkurspolitik eines Landes auf eine umfassende Analyse der wirtschaftlichen Situation und der Wirtschaftspolitik des Landes stĂŒtzen, die sowohl die binnenwirtschaftliche als auch die außenwirtschaftliche Politik einbezieht.
Der IWF ĂŒbt seine Verantwortung fĂŒr die Überwachung - sowohl fĂŒr das System als auch die Wirtschaftspolitik der einzelnen LĂ€nder - auf verschiedene Weise aus:
  • LĂ€nderĂŒberwachung (oder bilaterale Überwachung). GemĂ€ĂŸ dem Auftrag in Artikel IV des IWF-Übereinkommens fĂŒhrt das Exekutivdirektorium mit jedem Mitgliedsland regelmĂ€ĂŸig „Artikel-IV-Konsultationen” ĂŒber dessen Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie ĂŒber die internationalen Auswirkungen dieser Politik durch. Diese Artikel-IV-Konsultationen, die sich auf Stabsberichte stĂŒtzen, sind als bilaterale oder LĂ€nderĂŒberwachung bekannt. Durch diese Formen der Überwachung kann der IWF SchwĂ€chen der Wirtschaftspolitik identifizieren, am Horizont auftauchende Gefahren anzeigen und LĂ€nder im Hinblick auf Korrekturmaßnahmen beraten. Die Konsultationen werden durch eine stĂ€ndige Beobachtung und Analyse der Wirtschafts- und Finanzentwicklungen durch den Mitarbeiterstab des IWF, durch informelle Kontakte zwischen dem Mitarbeiterstab und den nationalen Behörden sowie bei Bedarf durch informelle Aussprachen im Direktorium ergĂ€nzt.
  • Globale (oder multilaterale) Überwachung. Das Exekutivdirektorium des IWF ĂŒberprĂŒft regelmĂ€ĂŸig die wesentlichen internationalen Wirtschafts- und Finanzmarktentwicklungen. Die ÜberprĂŒfungen basieren zum Teil auf den Berichten ĂŒber die weltwirtschaftlichen Aussichten (World Economic Outlook), die gewöhnlich zweimal jĂ€hrlich vom Mitarbeiterstab des IWF erstellt werden, und auf dem Bericht zur StabilitĂ€t des globalen Finanzsystems (Global Financial Stability Report) ĂŒber die SoliditĂ€t des internationalen Finanzsystems, der ebenfalls zweimal jĂ€hrlich vorgelegt wird. DarĂŒber hinaus erörtert das Direktorium hĂ€ufig informell die internationalen Wirtschafts- und Finanzmarktentwicklungen. Alle Direktoren und Mitarbeiter erhalten zudem einen tĂ€glichen Bericht ĂŒber wichtige Finanzentwicklungen an den fortgeschrittenen und aufstrebenden MĂ€rkten.
  • Regionale Überwachung. Als ErgĂ€nzung zu den LĂ€nderkonsultationen untersucht der IWF auch die im Rahmen von regionalen Vereinbarungen verfolgte Wirtschaftspolitik. Es finden regelmĂ€ĂŸig Diskussionen mit regionalen Wirtschaftsinstitutionen wie der EuropĂ€ischen Union, der EuropĂ€ischen Zentralbank, der Westafrikanischen Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion, der Zentralafrikanischen Wirtschafts-und WĂ€hrungsgemeinschaft und der Ostkaribischen WĂ€hrungsunion statt.
Die GeschĂ€ftsleitung und der Mitarbeiterstab des IWF nehmen darĂŒber hinaus an wirtschaftpolitischen Diskussionen der Finanzminister, Zentralbankgouverneure und anderer offizieller Vertreter von LĂ€ndergruppen, wie der Gruppe der sieben großen IndustrielĂ€nder (G7), der G-24, dem Forum fĂŒr asiatischpazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit, der Neuen Partnerschaft fĂŒr die Entwicklung Afrikas, dem Golf-Kooperationsrat und den mit der EuropĂ€ischen Union assoziierten Maghreb-Staaten, teil.
Der Ansatz des IWF zur DurchfĂŒhrung der Überwachung hat sich weiterentwickelt, um mit neuen Herausforderungen Schritt zu halten. Eine umfassende Diskussion der unternommenen Schritte zur StĂ€rkung der ÜberwachungstĂ€tigkeit des IWF findet sich in Kapitel 2.

LĂ€nderĂŒberwachung

Zur DurchfĂŒhrung der LĂ€nderĂŒberwachung im Einklang mit Artikel IV besucht ein Mitarbeiterteam des IWF das Mitgliedsland, trifft sich mit Vertretern der Regierung und der Zentralbank und sammelt Wirtschafts- und Finanzinformationen. Gegenstand dieser Konsultationen sind die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen und die in dem jeweiligen Land durchgefĂŒhrte Geld- und Finanzpolitik sowie relevante Maßnahmen im Bereich der Strukturpolitik. Der fĂŒr das Land zustĂ€ndige Exekutivdirektor nimmt in der Regel als Beobachter teil. Das Team trifft sich im Allgemeinen auch mit anderen Gruppen, wie Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen, Akademikern, Gesetzgebern und Finanzmarktakteuren. Das Mitarbeiterteam des IWF erstellt gewöhnlich eine abschließende ErklĂ€rung oder ein Memorandum, in dem die Feststellungen und wirtschaftspolitischen Empfehlungen des Mitarbeiterteams zusammengefasst werden. Diese ErklĂ€rung wird den nationalen Behörden ĂŒbergeben, die die Möglichkeit haben, es zu veröffentlichen.
Nach der RĂŒckkehr in die Zentrale verfassen die IWF-Mitarbeiter einen Bericht, in dem die wirtschaftliche Situation in dem Land und der Inhalt der wirtschaftspolitischen Diskussionen mit den Behörden des Landes beschrieben werden und eine Bewertung der Wirtschaftspolitik des Landes vorgenommen wird. Der Bericht wird dann vom Exekutivdirektorium erörtert. Die Ansichten der Behörden des betreffenden Landes werden vom jeweiligen Exekutivdirektor des Landes dargestellt. Die wĂ€hrend der Sitzung von den Exekutivdirektoren geĂ€ußerten Auffassungen werden vom Vorsitzenden oder amtierenden Vorsitzenden des Direktoriums zusammengefasst, und es wird eine schriftliche Zusammenfassung erstellt. Wenn das betreffende Land zustimmt, wird der gesamte Bericht ĂŒber die Artikel-IV-Konsultation zusammen mit einer Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN), die eine schriftliche Zusammenfassung der Direktoriumsaussprache sowie Hintergrundmaterial enthĂ€lt, veröffentlicht. Die Behörden des Landes können die Veröffentlichung einer PIN auch dann genehmigen, wenn sie die Veröffentlichung des gesamten Berichts nicht wĂŒnschen. Im GeschĂ€ftsjahr 2003 hat das Direktorium 136 Artikel-IV-Konsultationen in MitgliedslĂ€ndern durchgefĂŒhrt (siehe Tabelle 1.1). Alle PINs und die Berichte ĂŒber Artikel-IV-Konsultationen, deren Veröffentlichung die Behörden gebilligt haben, sind auf der Webseite des IWF veröffentlicht.
Tabelle 1.1 Im GeschÀftsjahr 2003 abgeschlossene Artikel-IV-Konsultationen
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1 Mit Wirksamkeit vom 4. Februar 2003 wurde der Name Bundesrepublik Jugoslawien geÀndert zu Serbien und Montenegro.
DarĂŒber hinaus nimmt das Direktorium eine Bewertung der Wirtschaftslage und -politik in MitgliedslĂ€ndern vor, die Mittel vom IWF ausleihen. Dies erfolgt im Rahmen der Diskussionen ĂŒber die Kreditvereinbarungen, mit denen die Wirtschaftsprogramme von MitgliedslĂ€ndern unterstĂŒtzt werden.

Globale Überwachung

Die DurchfĂŒhrung der globalen Überwachung durch das Exekutivdirektorium stĂŒtzt sich im Wesentlichen auf zwei Berichte des Mitarbeiterstabs - den Bericht ĂŒber die weltwirtschaftlichen Aussichten und den Bericht zur StabilitĂ€t des globalen Finanzsystems - sowie regelmĂ€ĂŸige Aussprachen ĂŒber die internationalen Wirtschafts- und Marktentwicklungen.

Weltwirtschaftliche Aussichten

Die Berichte ĂŒber die weltwirtschaftlichen Aussichten (World Economic Outlook) beinhalten umfassende Analysen ĂŒber die Perspektiven und wirtschaftspolitischen Maßnahmen fĂŒr die Weltwirtschaft, fĂŒr einzelne LĂ€nder und fĂŒr Regionen. Sie untersuchen auch aktuelle Fragestellungen. Diese Berichte werden vom Mitarbeiterstab erstellt und vom Exekutivdirektorium in der Regel zweimal jĂ€hrlich erörtert (und spĂ€ter veröffentlicht). Sie können aber auch hĂ€ufiger angefertigt und erörtert werden, wenn rasche VerĂ€nderungen der weltwirtschaftlichen Lage dies notwendig erscheinen lassen.
Im GeschĂ€ftsjahr 2003 hat das Direktorium zwei Berichte ĂŒber die weltwirtschaftlichen Aussichten diskutiert. Dies geschah im September 2002 und im MĂ€rz 2003. (Siehe Kasten 1.1, der eine Chronologie von wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen im GeschĂ€ftsjahr 2003 enthĂ€lt.)

Weltwirtschaftliche Aussichten: Die Sitzung im September 2002

Bei seiner Sitzung im September 2002 stellte das Exekutivdirektorium fest, dass die wirtschaftliche Entwicklung und die Tendenzen an den FinanzmĂ€rkten seit dem FrĂŒhjahr gemischt seien. Die Direktoren sahen ungĂŒnstige Entwicklungen in verschiedenen Bereichen. Hierzu zĂ€hlten der starke KursrĂŒckgang an den internationalen AktienmĂ€rkten seit Ende MĂ€rz 2002, die Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen fĂŒr die meisten Schuldner in den aufstrebenden Volkswirtschaften, insbesondere in Lateinamerika, sowie die AbschwĂ€chung bei einer Reihe von gleichlaufenden und vorausschauenden Indikatoren in den Vereinigten Staaten, Europa und mehreren anderen Regionen. Diese Tendenzen seien besonders enttĂ€uschend vor dem Hintergrund der seit Ende 2001 zu verzeichnenden Verbesserung einer Reihe von internationalen Wirtschaftsindikatoren, einschließlich des Handels und der Industrieproduktion, und des Wachstums im ersten Quartal, das die Erwartungen in mehreren Regionen ĂŒbertroffen habe.
Die Direktoren stellten fest, dass die Weltwirtschaft und die FinanzmarktaktivitĂ€ten angesichts mehrerer Schocks eine betrĂ€chtliche WiderstandsfĂ€higkeit gezeigt hĂ€tten und dass mit Blick nach vorne verschiedene Faktoren eine stetige VerstĂ€rkung des internationalen Wachstums unterstĂŒtzen dĂŒrften. Zu nennen sei hier der anhaltende Stimulus durch die Lockerung der makroökonomischen Politik in vielen Regionen, das Auslaufen der Lageranpassungen sowie jĂŒngste Anzeichen, dass sich die internationalen FinanzmĂ€rkte stabilisierten. Ungeachtet dessen Ă€ußerten sich die Direktoren besorgt hinsichtlich der StĂ€rke und der TragfĂ€higkeit des Aufschwungs und stimmten darin ĂŒberein, dass die Aussichten fĂŒr den Rest des Jahres 2002 und fĂŒr 2003 wahrscheinlich trĂŒber sein wĂŒrden, als in dem Bericht ĂŒber die weltwirtschaftlichen Aussichten vom April vorhergesagt wurde.
Das Direktorium beurteilte die Risiken fĂŒr die kurzfristigen Aussichten als vorwiegend abwĂ€rts gerichtet. Die Direktoren wiesen insbesondere daraufhin, dass die Aktienkursverluste deutlichere Auswirkungen als erwartet auf die inlĂ€ndische Nachfrage haben könnten, insbesondere in den Vereinigten Staaten, die den globalen Aufschwung angefĂŒhrt hĂ€tten. Die Direktoren bemerkten ferner, dass die VerĂ€nderungen der Wechselkurse bei einer mittelfristigen Beurteilung angemessen seien, wenngleich auf kurze Sicht negative Folgen fĂŒr den Aufschwung in Japan und im Eurogebiet, der von der auslĂ€ndischen Nachfrage angeregt worden sei, nicht ausgeschlossen werden könnten. Viele Direktoren beurteilten das anhaltend hohe Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten und den noch immer hohen Wert des US-Dollars als mögliche Risiken fĂŒr eine plötzliche und ungeordnete Anpassung. DarĂŒber hinaus könnten die schwierigen Finanzierungsbedingungen fĂŒr aufstrebende Volkswirtschaften die Wachstumsaussichten weiter schwĂ€chen und die AnfĂ€lligkeit einer Reihe von LĂ€ndern erhöhen. Die Direktoren verwiesen auch auf eine mögliche stĂ€rkere VolatilitĂ€t der Ölpreise, wenn sich die Sicherheitslage im Nahen Osten verschlechtere.

Weltwirtschaftliche Aussichten: Die Sitzung im MĂ€rz 2003

Das Tempo der globalen Erholung hatte sich bis zum Zeitpunkt der zweiten Sitzung ĂŒber die Weltwirtschaftlichen Aussichten im MĂ€rz 2003 verlangsamt. Hierzu trugen die zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Irak, die anhaltend ungĂŒnstigen Auswirkungen der Folgen des Platzens der Blase an den AktienmĂ€rkten sowie die sich rasch verĂ€ndernden wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse bei.
Die Direktoren stellten fest, dass sich die Weltwirtschaft als widerstandsfĂ€hig erwiesen habe und dass die Fundamentalfaktoren in vielen IndustrielĂ€ndern solide geblieben seien. Die Direktoren stimmten darin ĂŒberein, dass sich der globale Aufschwung langsam festigen werde und dass das globale Wachstum des BIP ausgehend vom Basisszenario der Weltwirtschaftlichen Aussichten im Jahr 2003 eine Rate von etwas ĂŒber 3 % erreichen werde. Ein solches Ergebnis werde unterstĂŒtzt durch eine Zunahme des Vertrauens, das Nachlassen der durch das Platzen der Aktienkursblase ausgelösten Bremswirkungen auf das Wachstum, die Wirkung der bevorstehenden wirtschaftspolitischen Impulse sowie durch den Lagerzyklus. DarĂŒber hinaus könnten Investitionen vor dem Hintergrund des relativ hohen Bestands an liquiden Mitteln bei den Unternehmen in den Vereinigten Staaten und in Europa relativ rasch erfolgen. Ungeachtet dessen rĂ€umten die Direktoren ein, dass erhebliche Unsicherheiten und Risiken Anlass zur Sorge hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten böten, wenn man die LabilitĂ€t des globalen Aufschwungs und die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass die WiderstandsfĂ€higkeit der Weltwirtschaft gegenĂŒber Schocks nachgelassen haben könnte. Besonders aufmerksam mĂŒssten die Entwicklungen an den ErdölmĂ€rkten beobachtet werden.
Die Direktoren stellten fest, dass eine Quantifizierung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts im Irak sehr schwierig sei. Sie gingen davon aus, dass bei einer AbwĂ€gung aller ĂŒbrigen Risiken die Risikobalance fĂŒr die wirtschaftlichen Aussichten grundsĂ€tzlich abwĂ€rts gerichtet sei und dass die WachstumsschwĂ€che auch ohne einen Krieg anhalten könne. Drei Elemente stĂŒtzten diese vorsichtige EinschĂ€tzung: Erstens sei der globale Aufschwung nach wie vor stark von den Vereinigten Staaten abhĂ€ngig und es gebe keinen eindeutigen Kandidaten, der diese Rolle ĂŒbernehmen könnte, wenn das Wachstum in den Vereinigten Staaten ins Stocken gerate. Eine ungeordnete Anpassung als Reaktion auf die globalen Ungleichgewichte mit einer starken Abwertung des US-Dollars stelle nach wie vor ein Risiko dar. Zweitens könne die Möglichkeit weiterer KursrĂŒckgĂ€nge an den entwickelten AktienmĂ€rkten nicht ausgeschlossen werden, da die Gewinnerwartungen relativ optimistisch seien und eine Anpassung der Immobilienpreise in verschiedenen IndustrielĂ€ndern ebenfalls möglich sei. Drittens bleibe eine Reihe von aufstrebenden Volkswirtschaften trotz Fortschritten anfĂ€llig fĂŒr eine Verschlechterung des weltwirtschaftlichen Umfelds. Trotz dieser AbwĂ€rtsrisiken sahen die Direktoren eine anhaltende globale Deflation als unwahrscheinlich an, obwohl sie PreisniveaurĂŒckgĂ€nge in einzelnen LĂ€ndern nicht ausschlossen.
Vor dem Hintergrund des insgesamt geringen Inflationsdrucks stimmten die Direktoren darin ĂŒberein, dass es notwendig sei, dass die Geldpolitik in den großen IndustrielĂ€ndern weiterhin einen akkommodierenden Kurs verfolge. Im Hinblick auf die Haushaltspolitik sei dagegen die Situation in verschiedenen LĂ€ndern unterschiedlich. Auf kurze Sicht sei der Spielraum fĂŒr eine Straffung der Haushaltspolitik durch die konjunkturelle Lage eingeschrĂ€nkt, so die Direktoren. Die automatischen Stabilisatoren bei den öffentlichen Finanzen solle man im Allgemeinen wirken lassen, wenngleich die Haushaltskonsolidierung auf mittlere Sicht in vielen IndustrielĂ€ndern mit hoher öffentlicher Verschuldung und zunehmenden, auf die alternde Bevölkerung zurĂŒckzufĂŒhrenden Belastungen weiterhin PrioritĂ€t habe. Die Direktoren mahnten eine Beschleunigung der Strukturreformen an, damit das Vertrauen und das Wachstum der inlĂ€ndischen Nachfrage angeregt werde, insbesondere in Europa und in Japan, um die weltweite AbhĂ€ngigkeit von den Vereinigten Staaten abzubauen und eine geordnete Verringerung der globalen Ungleichgewichte zu fördern.
Kasten 1.1 Wichtige Wirtschafts- und Finanzentwicklungen im Zeitraum April 2002 bis Mai 2003
Das Wachstum der Weltwirtschaft lag im Jahr 2002 nur geringfĂŒgig ĂŒber dem des Jahres 2001. Einem relativ starken Wachstum im ersten Quartal 2002 folgte eine graduelle AbschwĂ€chung, die bis zum Ende des GeschĂ€ftsjahres 2003 anhielt. Das Volumen des Welthandels nahm wieder zu, nachdem es im Jahr 2001 stagniert hatte, gleichwohl wurde das schwĂ€chste Wachstum seit der weltweiten Rezession zu Beginn der achtziger Jahre verzeichnet (siehe Schaubild 1.1). Der Zufluss an auslĂ€ndischen Direktinvestitionen in die EntwicklungslĂ€nder ging im Jahr 2002 zurĂŒck. Allerdings war gleichzeitig eine Verlangsamung bei den AbflĂŒssen von Portfolioinvestitionen und Bankfinanzierungen aus den EntwicklungslĂ€ndern festzustellen, was zu einem Nettoanstieg der privaten KapitalzuflĂŒsse in die EntwicklungslĂ€nder fĂŒhrte. Mehrere aufstrebende Volkswirtschaften nutzten die sich verbessernden Marktbedingungen und den RĂŒckgang der ZinsaufschlĂ€ge in der zweiten HĂ€lfte des GeschĂ€ftsjahres 2003, um öffentliche Anleihen zu begeben.
Unter den IndustrielĂ€ndern zeigte sich anfangs eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in den Vereinigten Staaten, im Eurogebiet und in Japan, die in den Vereinigten Staaten auf dem privaten Konsum, im Eurogebiet auf den Nettoexporten und in Japan auf der Kombination dieser beiden Faktoren basierte. Allerdings nahmen die Unternehmensinvestitionen nicht zu und konnten daher den Aufschwung nicht unterstĂŒtzen. Die Folgeerscheinungen der Blase an den AktienmĂ€rkten belasteten weiterhin die Real Wirtschaft. Wegen des nahenden Krieges im Irak gegen Ende 2002 und Anfang 2003 nahmen die geopolitischen Besorgnisse zu, und die Ölpreise verzeichneten einen starken Anstieg. Das Verbraucher- und Unternehmensvertrauen ging wĂ€hrend des ersten Quartals 2003 bis zum Beginn des Krieges am 20. MĂ€rz 2003 stetig zurĂŒck. Das BIP-Wachstum war im ersten Quartal 2003 in allen drei Wirtschaftsgebieten schwach, wobei die WirtschaftsaktivitĂ€ten im Eurogebiet und in Japan praktisch stagnierten. Auch die Lage an den ArbeitsmĂ€rkten verschlechterte sich; die Arbeitslosigkeit stieg in allen drei Gebieten an. Die Beendigung des militĂ€rischen Konflikts Mitte April 2003 fĂŒhrte zu einer Verringerung der geopolitischen Unsicherheiten, und die Ölpreise gingen deutlich zurĂŒck. Dennoch gab es zum Ende des GeschĂ€ftsjahres 2003 nur wenige Anzeichen fĂŒr eine VerstĂ€rkung des Aufschwungs.
Die aufstrebenden Volkswirtschaften wuchsen in recht uneinheitlichem Tempo. Im Allgemeinen war das Wachstum im Vergleich zu den IndustrielÀndern höher, die AbschwÀchung trat etwas spÀter ein und war weniger stark ausgeprÀgt.
Das Wachstum in Lateinamerika war sehr unterschiedlich. Argentinien begann, die tiefste Rezession seit 20 Jahren zu ĂŒberwinden, wĂ€hrend politische Unruhen in Venezuela im SpĂ€tjahr 2002 zu einem RĂŒckgang der Produktion fĂŒhrten. Am Ende des GeschĂ€ftsjahres 2003 war das Wachstum im Allgemeinen niedrig, die Finanzierungsbedingungen waren jedoch in der gesamten Region etwas stabiler.
Die aufstrebenden Marktwirtschaften in Asien stellten einen Lichtblick dar - sie verzeichneten ĂŒber das ganze Jahr 2002 hin ein robustes Wachstum, das im Wesentlichen von der Exportentwicklung getragen wurde. Insbesondere China expandierte erneut krĂ€ftig und stellte in zunehmendem Maße ein wichtiges Abnehmerland fĂŒr Exporte aus anderen Volkswirtschaften in der Region dar. Die Ausbreitung des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS), die Anfang 2003 festgestellt wurde, hatte jedoch negative Folgen fĂŒr die Region; dies gilt vor allem fĂŒr die Volkswirtschaften, die von Tourismusdienstleistungen und den Ausgaben der Touristen abhĂ€ngig sind. Bis zum Ende des GeschĂ€ftsjahres 2003 hatte sich die Zunahme von neuen SARS-FĂ€llen ver...

Table of contents

  1. Cover Page
  2. Title Page
  3. Copyright Page
  4. Contents
  5. Höhepunkte
  6. Botschaft des GeschĂ€ftsfĂŒhrenden Direktors
  7. Exekutivdirektorium
  8. Leitendes Personal
  9. FĂŒhrung des IWF und Jahresbericht
  10. Begleitschreiben
  11. 1. Die Überwachung durch den IWF in der Praxis
  12. 2. StĂ€rkung der Überwachung und der KrisenprĂ€vention
  13. 3. Ein besseres Regelwerk fĂŒr die Überwindung von Krisen
  14. 4. Verbesserung der Kreditpolitik und -praktiken
  15. 5. ArmutsbekÀmpfung in einkommensschwachen LÀndern
  16. 6. Technische Hilfe und Ausbildung
  17. 7. Transparenz, Rechenschaftspflicht und Zusammenarbeit
  18. 8. Finanzielle AktivitĂ€ten und Politikmaßnahmen im GeschĂ€ftsjahr 2003
  19. 9. Organisation, Haushalt und Humanressourcen
  20. AbkĂŒrzungsverzeichnis
  21. KĂ€sten
  22. Footnotes