INTERNATIONALER WÄHRUNGSFONDS : Jahresbericht 2004
eBook - ePub

INTERNATIONALER WÄHRUNGSFONDS : Jahresbericht 2004

  1. English
  2. ePUB (mobile friendly)
  3. Available on iOS & Android
eBook - ePub

INTERNATIONALER WÄHRUNGSFONDS : Jahresbericht 2004

About this book

NONE

Trusted by 375,005 students

Access to over 1.5 million titles for a fair monthly price.

Study more efficiently using our study tools.

Information

eBook ISBN
9781589063747
Year
2004

1. IWF-Überwachung: Förderung von Wachstum und StabilitĂ€t

Eine der Hauptaufgaben des Internationalen WĂ€hrungsfonds besteht darin, mit den MitgliedslĂ€ndern einen Dialog ĂŒber die nationalen und internationalen Auswirkungen ihrer Wirtschafts-und Finanzpolitik zu fĂŒhren. Dieser Prozess der Beobachtung und Beratung, der als Überwachung („surveillance”) bezeichnet wird, basiert auf dem in Artikel IV des IWF-Übereinkommens enthaltenen Auftrag und stellt den Kern der BemĂŒhungen des IWF dar, Krisen zu verhindern.
Der IWF ĂŒbt seine Verantwortung im Bereich der Überwachung auf verschiedene Weisen aus (siehe Kasten 1.1). Zu den Höhepunkten der ÜberwachungstĂ€tigkeiten im GeschĂ€ftsjahr 2004 gehören die Folgenden:
  • Im August 2003 und im MĂ€rz 2004 fĂŒhrte das Exekutivdirektorium im Rahmen der Überwachung der Weltwirtschaft durch den IWF seine zweimal jĂ€hrlich stattfindende umfassende Beurteilung des Weltwirtschaftsausblicks (World Economic Outlook) durch. Angesichts der Aussichten fĂŒr eine schrittweise, wenn auch mĂ€ĂŸige Erholung der Weltkonjunktur sprachen sich die Direktoren im August 2003 fĂŒr einen weiterhin angemessenen unterstĂŒtzenden wirtschaftspolitischen Kurs und fĂŒr eine VerstĂ€rkung der strukturpolitischen Maßnahmen aus. Im MĂ€rz hatte sich der einsetzende Aufschwung gefestigt und an Breite gewonnen, und die Direktoren kamen ĂŒberein, dass sich die Wirtschaftspolitik auf mittelfristige Maßnahmen konzentrieren sollte, die einen dauerhaften Aufschwung unterstĂŒtzen und gleichzeitig Spielraum fĂŒr Reaktionen auf mögliche zukĂŒnftige Schocks schaffen. Des Weiteren verwiesen sie auf die zentrale Herausforderung, den Übergang zu einem Umfeld mit höheren ZinssĂ€tzen zu bewerkstelligen.
  • Im August 2003 und im MĂ€rz 2004 erörterte das Direktorium außerdem die Entwicklungen auf den weltweiten FinanzmĂ€rkten. Es stĂŒtzte sich dabei auf den vom Stab erstellten Bericht zur StabilitĂ€t des globalen Finanzsystems (Global Financial Stability Report). Im August 2003 stellten die Direktoren fest, dass die FinanzmĂ€rkte trotz der andauernden WachstumsschwĂ€che robust geblieben sind, sie Ă€ußerten sich jedoch besorgt ĂŒber mehrere AbwĂ€rtsrisiken und betonten die wirtschaftspolitischen Auswirkungen dieser Marktentwicklungen. Im MĂ€rz 2004 hatten sich die Aussichten fĂŒr FinanzstabilitĂ€t aufgehellt und die Direktoren wiesen unter anderem darauf hin, dass das relativ gĂŒnstige Umfeld in den entwickelten und aufstrebenden MĂ€rkten eine gute Gelegenheit bietet, den Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik auf einige wesentliche Strukturreformen zu legen.
  • Nach Maßgabe von Artikel IV des IWF-Übereinkommens fĂŒhrte das Direktorium 115 Konsultationen mit einzelnen MitgliedslĂ€ndern durch.
  • Die Exekutivdirektoren erörterten mehrfach die regionalen Entwicklungen. Sie diskutierten dabei insbesondere ĂŒber die Politikmaßnahmen im Euroraum (September 2003), die EinfĂŒhrung des Euro in einigen EU-MitgliedslĂ€ndern in Mitteleuropa (Februar 2004) sowie ĂŒber die Entwicklungen und Politikmaßnahmen in der Zentralafrikanischen Wirtschafts-und WĂ€hrungsgemeinschaft (November 2003).

LĂ€nderĂŒberwachung

Zur DurchfĂŒhrung der LĂ€nderĂŒberwachung auf der Basis des Artikels IV besucht ein Mitarbeiterteam des IWF jedes Mitgliedsland und trifft sich mit Vertretern der Regierung und der Zentralbank, um Wirtschaftsund Finanzinformationen zu sammeln und zu analysieren. Gegenstand dieser Konsultationen sind die aktuelle Wirtschaftsentwicklung und die in dem jeweiligen Land durchgefĂŒhrte Geld-, Wechselkurs-und Finanzpolitik sowie relevante Maßnahmen im Bereich der Strukturpolitik. Der fĂŒr das Land zustĂ€ndige Exekutivdirektor nimmt in der Regel als Beobachter teil. Das Team trifft sich im Allgemeinen auch mit anderen Gruppen wie Mitgliedern von Gremien der Legislative, Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen, Wissenschaftlern und Finanzmarktteilnehmern. Das Mitarbeiterteam des IWF fertigt gewöhnlich eine abschließende ErklĂ€rung oder ein Memorandum an, in dem die Feststellungen und wirtschaftspolitischen Empfehlungen des Mitarbeiterteams zusammengefasst werden. Diese ErklĂ€rung wird den nationalen Behörden ĂŒbergeben, die die Möglichkeit haben, sie zu veröffentlichen.
Kasten 1.1 Formen der IWF-Überwachung
Mit seiner nahezu den ganzen Globus abdeckenden Mitgliedschaft von 184 LĂ€ndern dient der IWF den Mitgliedern als internationales Forum zur Beobachtung der wirtschaftlichen Entwicklung auf globaler, lĂ€nderbezogener und regionaler Ebene. Die IWF-Überwachung hat drei Hauptformen:
  • LĂŁnderbezogene (oder bilaterale) Überwachung. GemĂ€ĂŸ dem Auftrag in Artikel IV des Übereinkommens fĂŒhrt der IWF mit jedem Mitgliedsland regelmĂ€ĂŸig Konsultationen ĂŒber dessen Wirtschafts-und Finanzpolitik sowie ĂŒber die internationalen Auswirkungen dieser Politik durch. Im Rahmen dieser „Artikel-IV-Konsultationen”, die sich auf Berichte des Mitarbeiterstabs stĂŒtzen, zielt der IWF darauf ab, StĂ€rken und Schwachstellen der Wirtschaftspolitik festzustellen, mögliche AnfĂ€lligkeiten anzuzeigen und die LĂ€nder im Hinblick auf angemessene Korrekturen ihrer Wirtschaftspolitik zu beraten. Der IWF fĂŒhrt die bilaterale Überwachung außerdem im Rahmen seines Programms zur Bewertung des Finanzsektors (Financial Sector Assessment Program -FSAP) durch (siehe Kapitel 2).
  • Globale (oder multilaterale) Überwachung. Das Exekutivdirektorium des IWF ĂŒberprĂŒft regelmĂ€ĂŸig die wesentlichen internationalen Wirtschafts-und Finanzmarktentwicklungen. Die ÜberprĂŒfungen basieren zum Teil auf den Berichten ĂŒber die weltwirt schaftlichen Aussichten und den Berichten zur StabilitĂ€t des globalen Finanzsystems, die jeweils zweimal jĂ€hrlich vom Mitarbeiterstab des IWF erstellt werden. DarĂŒber hinaus erörtert das Direktorium hĂ€ufiger auf informeller Basis die Entwicklung der Weltwirtschaft und der internationalen FinanzmĂ€rkte. Die Tendenzen an den entwickelten und aufstrebenden FinanzmĂ€rkten werden stĂ€ndig beobachtet und u. a. in einem tĂ€glichen internen Bericht des Mitarbeiterstabs dargestellt.
  • Regionale Überwachung. Als ErgĂ€nzung zu den LĂ€nderkonsultationen untersucht der IWF auch die im Rahmen von regionalen Vereinbarungen verfolgte Wirtschaftspolitik. Es finden regelmĂ€ĂŸig Diskussionen mit regionalen Wirtschaftsinstitutionen wie der EuropĂ€ischen Kommission, der EuropĂ€ischen Zentralbank, der Zentralafrikanischen Wirtschafts-und WĂ€hrungsunion, der Ostkaribischen WĂ€hrungsunion und der Westafrikanischen Wirtschafts-und WĂ€hrungsgemeinschaft statt.
Der IWF ist darĂŒber hinaus beteiligt an wirtschaftspolitischen Diskussionen von Finanzministern. Zentralbankgouverneuren und anderen offiziellen Vertretern in verschiedenen Gruppen wie der Gruppe der sieben fĂŒhrenden IndustrielĂ€nder, der Gruppe der 24 und dem Forum fĂŒr asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (siehe auch Kapitel 6 zu Fragen der FĂŒhrung des IWF).
Nach der RĂŒckkehr in die Zentrale verfassen die IWF-Mitarbeiter einen Bericht, in dem die wirtschaftliche Situation in dem betreffenden Land und der Inhalt der wirtschaftspolitischen Diskussionen mit den Behörden des Landes beschrieben werden und eine Bewertung der Wirtschaftspolitik vorgenommen wird. Der Bericht wird dann vom Exekutivdirektorium erörtert. Die Standpunkte der Behörden werden vom Exekutivdirektor des jeweiligen Landes vertreten. Die Äußerungen der Exekutivdirektoren wĂ€hrend der Sitzung werden vom Vorsitzenden (oder dem amtierenden Vorsitzenden) des Direktoriums zusammengefasst und es wird ein schriftliches ResĂŒmee erstellt. Wenn das betreffende Land zustimmt, wird der gesamte Bericht ĂŒber die Artikel-IV-Konsultation zusammen mit einer Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) veröffentlicht. Diese enthĂ€lt eine schriftliche Zusammenfassung der Direktoriumsaussprache und Hintergrundmaterial. Die Behörden des Landes können die Veröffentlichung einer PIN auch dann genehmigen, wenn sie die Veröffentlichung des gesamten Berichts nicht wĂŒnschen. Im GeschĂ€ftsjahr 2004 hat das Direktorium 115 Artikel-IV-Konsultationen mit den MitgliedslĂ€ndern durchgefĂŒhrt (siehe Tabelle 1.1). Alle PINs und die Berichte ĂŒber Artikel-IV-Konsultationen, deren Veröffentlichung die Behörden gebilligt haben, werden auf der Webseite des IWF veröffentlicht.
Tabelle 1.1 Im GeschÀftsjahr 2004 abgeschlossene Artikel-IV-Konsultationen
images
images
DarĂŒber hinaus bewertet das Direktorium die Wirtschaftslage und die Wirtschaftspolitik der MitgliedslĂ€nder, die Finanzmittel vom IWF ausleihen. Dies erfolgt im Rahmen der Diskussionen ĂŒber die Kreditvereinbarungen, mit denen die Wirtschaftsprogramme von MitgliedslĂ€ndern unterstĂŒtzt werden. Das Direktorium setzt auch hĂ€ufig informelle Treffen an, um die Entwicklungen in einzelnen LĂ€ndern zu erörtern.

Globale Überwachung

Die DurchfĂŒhrung der globalen Überwachung durch das Exekutivdirektorium stĂŒtzt sich im Wesentlichen auf zwei Berichte des Mitarbeiterstabs – den Weltwirtschaftsausblick und den Bericht zur StabilitĂ€t des globalen Finanzsystems – sowie auf regelmĂ€ĂŸige Aussprachen ĂŒber die Weltwirtschaftund ĂŒber die Entwicklungen an den FinanzmĂ€rkten.

Weltwirtschaftsausblick

Die zweimal pro Jahr stattfindenden ÜberprĂŒfungen im Rahmen des Weltwirtschaftsausblicks sind integraler Bestandteil der Überwachung der Wirtschaftsentwicklung und -politik in den MitgliedslĂ€ndern sowie des Weltwirtschaftssystems durch den IWF. Diese Untersuchungen ĂŒber die Aussichten und Politikmaßnahmen sind das Ergebnis einer umfassenden ÜberprĂŒfung der weltwirtschaftlichen Entwicklungen und sie analysieren die kurz-und mittelfristigen Aussichten der Weltwirtschaft sowie der einzelnen LĂ€nder und LĂ€ndergruppen. Sie stĂŒtzen sich im Wesentlichen auf die Informationen, die in den Stabskonsultationen mit den MitgliedslĂ€ndern gesammelt werden, und bieten einen Rahmen fĂŒr die Beurteilung der Auswirkungen der wirtschaftspolitischen Maßnahmen der IWF-Mitglieder.
Im GeschĂ€ftsjahr 2004 hat das Direktorium zwei Berichte ĂŒber die weltwirtschaftlichen Aussichten diskutiert. Dies geschah im August 2003 und im MĂ€rz 2004. (Siehe Kasten 1.2, der eine Chronologie von wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen im GeschĂ€ftsjahr 2004 enthĂ€lt.)

Weltwirtschaftsausblick -August 2003

Zum Zeitpunkt der Erörterung des Berichts ĂŒber die weltwirtschaftlichen Aussichten im August 2003 deuteten Konjunkturdaten in verschiedenen LĂ€ndern und vorausschauende Indikatoren, insbesondere an den FinanzmĂ€rkten, auf eine StĂ€rkung des globalen Wachstums in der zweiten JahreshĂ€lfte von 2003 und im Jahr 2004 hin. Die Exekutivdirektoren stellten fest, dass Aussichten auf einen graduellen, wenngleich moderaten Aufschwung bestĂŒnden.
Vor diesem Hintergrund sprachen sich die Direktoren fĂŒr einen weiterhin angemessen unterstĂŒtzenden wirtschaftspolitischen Kurs und fĂŒr eine VerstĂ€rkung der strukturpolitischen Maßnahmen aus, um das Vertrauen zu verbessern und auf mittlere Sicht die AnfĂ€lligkeiten zu vermindern. Dabei solle insbesondere die Geldpolitik in den IndustrielĂ€ndern vorlĂ€ufig akkommodierend bleiben. Die Direktoren waren zudem der Meinung, dass in den meisten Regionen angesichts des sehr moderaten Inflationsdrucks Spielraum fĂŒr weitere Lockerungen vorhanden sei, falls der Aufschwung ins Stocken gerate oder der Preisanstieg die Inflationsziele deutlich unterschreite. Die geordnete Abwertung des US-Dollars wurde allgemein begrĂŒĂŸt. Des Weiteren stimmten die meisten Direktoren darin ĂŒberein, dass der kooperative Ansatz, der zur UnterstĂŒtzung des globalen Anpassungsprozesses erforderlich sei, durch Wechselkursanpassungen auf breiter Basis erleichtert wĂŒrde und dass einige aufstrebende asiatische Volkswirtschaften eine grĂ¶ĂŸere WechselkursflexibilitĂ€t nach oben vergleichsweise gut verkraften könnten.
Die Direktoren stimmten darin ĂŒberein, dass die Fiskalpolitik ĂŒber einen sehr viel kleineren Handlungsspielraum verfĂŒgt. Sie betonten, dass die automatischen Stabilisatoren zwar allgemein zur Wirkung kommen sollten, dass jedoch einer glaubwĂŒrdigen und effektiven Haushaltskonsolidierung eine höhere PrioritĂ€t eingerĂ€umt werden mĂŒsse, um der jĂŒngsten Verschlechterung der Haushaltsperspektiven in den grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften und den bevorstehenden Belastungen durch die Alterung der Gesellschaften zu begegnen. Die Direktoren riefen ferner die IndustrielĂ€nder und die aufstrebenden Volkswirtschaften dazu auf, weitere Fortschritte bei der energischen Umsetzung von laufenden Strukturreformen anzustreben.
Die Direktoren hoben die besondere Bedeutung eines erfolgreichen Abschlusses der WTO-Konferenz auf Ministerebene in CancĂșn im September 2003 hervor, um protektionistische Bestrebungen einzudĂ€mmen und eine weiter gehende Handelsliberalisierung zu erreichen. Dies wĂŒrde dazu beitragen, das Vertrauen in die wirtschaftliche Erholung zu stĂ€rken. Fortschritte bei Agrarreformen, insbesondere in den grĂ¶ĂŸten Industriestaaten, seien besonders wichtig, um die Wachstumsperspektiven der EntwicklungslĂ€nder zu verbessern und Fortschritte bei der Armutsverringerung zu erzielen. Die Direktoren betonten in diesem Zusammenhang ihre entschlossene UnterstĂŒtzung fĂŒr die Initiativen von IWF und Weltbank, die darauf abzielen, die Anstrengungen der EntwicklungslĂ€nder zur Liberalisierung ihrer Handelssysteme stĂ€rker zu fördern.

Weltwirtschaftsausblick -MĂ€rz 2004

Zum Zeitpunkt der zweiten Aussprache des Exekutivdirektoriums ĂŒber den Weltwirtschaftsausblick hatte der Mitte 2003 einsetzende Aufschwung begonnen sich auszuweiten Die Direktoren begrĂŒĂŸten die VerstĂ€rkung und Verbreiterung der globalen Konjunkturerholung und verwiesen insbesondere auf den raschen Aufschwung in den Vereinigten Staaten und in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften, den krĂ€ftigen Anstieg der Industrieproduktion und des Welthandels, das gestĂ€rkte Vertrauen von Unternehmen und Konsumenten sowie auf das Wachstum der Investitionen in den meisten Regionen. Dieser Aufschwung werde unterstĂŒtzt durch breit angelegte Kursgewinne an den FinanzmĂ€rkten, einschließlich eines Anstiegs der Aktienkurse, einen RĂŒckgang der Anleihespreads und durch einen Wiederanstieg der privaten Kapitalströme in die aufstrebenden MĂ€rkte. Das Wachstum habe zwar zugenommen und die Erdöl-und Rohstoffpreise seien gestiegen, die weltweite Inflation bleibe jedoch verhalten. Dies sei zurĂŒckzufĂŒhren auf nach wie vor bestehende ÜberkapazitĂ€ten, unausgelastete ArbeitsmĂ€rkte und eine wettbewerbsorientierte Preisgestaltung auf den inlĂ€ndischen und globalen MĂ€rkten.
Kasten 1.2 Wichtige Wirtschafts-und Finanzentwicklungen im Zeitraum Mai 2003 -April 2004
Im Verlauf des Jahres 2003 verstĂ€rkte sich die Erholung der Weltwirtschaft und das Wachstum erreichte nahezu seine langfristige Trendrate (siehe Schaubild 1.1). Durch den unterstĂŒtzenden wirtschaftspolitischen Kurs in den IndustrielĂ€ndern und die Aufhellung des Vertrauens seit Beginn des zweiten Quartals 2003 beschleunigte und verbreiterte sich das Wachstum. Die Expansion des Welthandelsvolumens erreichte ebenfalls ein höheres Tempo, gestĂŒtzt auf den zunehmenden intraregionalen Handel in Asien. Dazu trugen besonders China und Japan bei. Die NettokapitalzuflĂŒsse in die aufstrebenden MĂ€rkte und die EntwicklungslĂ€nder nahmen zu. da Portfolioinvestitionen wieder anstiegen und auch die auslĂ€ndischen Direktinvestitionen (FDI) zulegten. Die ZinsaufschlĂ€ge fĂŒr Anleihen aus den aufstrebenden MĂ€rkten gingen zurĂŒck, und viele Regierungen aus diesen LĂ€ndern nutzten die angesichts der niedrigen ZinssĂ€tze gĂŒnstige Gelegenheit Anleihen zu begeben.
Schaubild 1.1 Reales Wachstum des Welt-BIP und Handelsvolumen
(GĂŒter und Dienstleistungen)
images
Die Basis des Aufschwungs verbreiterte sich zwar zunehmend, es gab jedoch deutliche Unterschiede im Hinblick auf Tempo und Struktur. Im Verlauf des GeschĂ€ftsjahres fiel das Wachstum in den aufstrebenden marktwirtschaftlichen LĂ€ndern Asiens, insbesondere in China, sowie in den Vereinigten Staaten am stĂ€rksten aus. Im Eurogebiet war es am schwĂ€chsten. Die Erholung in den Vereinigten Staaten und in Japan beschleunigte sich. Dies war zurĂŒckzufĂŒhren auf eine Zunahme des privaten Verbrauchs und einen Anstieg der Unternehmensinvestitionen in den Vereinigten Staaten sowie auf eine Zunahme der Nettoexporte, der Untemehmensinvestitionen und des Verbrauchs in Japan. Das Wachstum der BeschĂ€ftigung verlief in den Vereinigten Staaten jedoch ĂŒber weite Strecken des GeschĂ€ftsjahres gedĂ€mpfter als in vergleichbaren Phasen frĂŒherer Konjunkturzyklen und zog erst zum Ende des GeschĂ€ftsjahres an. Im Eurogebiet waren erstmals im zweiten Halbjahr 2003 Anzeichen fĂŒr einen Aufschwung erkennbar. Das Wachstum blieb aber deutlich unter der Potenzialrate und die Zunahme der inlĂ€ndischen Nachfrage war schwach. Der kon junkturbedingte Verlust von ArbeitsplĂ€tzen war im Eurogebiet zwar weniger ausgeprĂ€gt, der graduelle Aufschwung reichte jedoch nicht aus. um die Arbeitslosenquote unter den Stand von fast 9 % sinken zu lassen.
Im GeschÀftsjahr 2004 verbreiterte sich die Erholung, und das Wirtschaftswachstum erhöhte sich in allen Regionen mit aufstrebenden Marktwirtschaften. In vielen FÀllen wurde der Aufschwung zunÀchst vom Export getragen, allmÀhlich nahm jedoch auch die inlÀndische Nachfrage zu und trug zum Wachstum bei.
In den meisten LĂ€ndern Lateinamerikas verstĂ€rkte sich das Wachstum. In Argentinien war nach der tiefsten Rezession seit 20 Jahren eine krĂ€ftige Erholung des Wachstums zu verzeichnen. Die Expansion in Brasilien belebte sich wĂ€hrend des GeschĂ€ftsjahres, aber in einer Reihe anderer Staaten, insbesondere in Venezuela und Bolivien, beeintrĂ€chtigten politische Unsicherheiten weiterhin das Wachstum. Zum Ende des GeschĂ€ftsjahres 2004 wurde die wirtschaftliche Entwicklung, die anfangs vom Export getragen wurde, zunehmend von der inlĂ€ndischen Nachfrage gestĂŒtzt.
Die aufstrebenden Marktwirtschaften in Asien verzeichneten nach wie vor das stĂ€rkste Wachstum, wobei sich diejenigen LĂ€nder, die zu Beginn des GeschĂ€ftsjahres von der Epidemie des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (Severe Acute Respiratory Syndrom -SARS) betroffen waren, rasch erholten. Der Region ist etwa die HĂ€lfte der globalen Produktionssteigerung im Jahr 2003 zuzurechnen. Dies verdeutlicht ihre Rolle als Motor der Weltkonjunktur. In China hielt die starke Expansion an, wobei zum Ende des GeschĂ€ftsjahres erste Anzeichen fĂŒr eine Überhitzung erkennbar wurden. Das Wachstum in Indien beschleunigte sich, was sowohl auf konjunkturelle als auch auf strukturelle Faktoren zurĂŒckzufĂŒhren war.
Mittel-und Osteuropa verzeichnete trotz der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung des grĂ¶ĂŸten Handelspartners, nĂ€mlich desEuro raums, ein relativ krĂ€ftiges Wachstum. Inein zelnen LĂ€ndern stiegen die Leistungsbilanzdefizite an, da ein starkes Kreditwachstum und eine expansive Haushaltspolitik die Importe stimulierten. Die Netto-FDI-ZuflĂŒsse trugen weniger als in frĂŒheren Jahren zum Wachstum bei, die Risiken fĂŒr eine Umkehr der Kapitalströme blieben jedoch in d...

Table of contents

  1. Cover Page
  2. Title Page
  3. Copyright
  4. Contents
  5. Höhepunkte
  6. Botschaft des GeschĂ€ftsfĂŒhrenden Direktors
  7. Exekutivdirektorium
  8. 1 IWF-Überwachung: Förderung von Wachstum und StabilitĂ€t
  9. 2 StÀrkung des internationalen Finanzsystems
  10. 3 IWF-Kredite: Verbesserung von Politiken und Praktiken
  11. 4 ArmutsbekÀmpfung in einkommensschwachen LÀndern
  12. 5 Technische Hilfe und Ausbildung
  13. 6 FĂŒhrung, Zusammenarbeit und Transparenz
  14. 7 FinanzaktivitÀten und GeschÀftspolitik
  15. 8 Haushalt, Personalwesen und Organisation
  16. Anhang
  17. Footnotes