"Was muss ich tun, damit der Zustand weiter so bleibt, wie er ist?", fragten sich die Mitarbeiter einer Firma, mit der es bergab ging."Noch unfreundlicher zu unseren Kunden sein!", "Weitere Mitarbeiter auf Posten setzen, auf denen sie inkompetent sind.", "Das Betriebsklima verschlechtern", waren unter anderem die Antworten der Mitarbeiter auf der Personalversammlung.Diese Hinweise wurden dann in genau umgedrehter Form umgesetzt und der Firma ging es wieder besser."Und genau das soll dieser nicht ganz ernst gemeinte satirische Ratgeber bewirken. Er ist bissig-zynisch geschrieben und beinhaltet in kürzester Form all das, was man beachten sollte, wenn man einen Job garantiert NICHT will. Wir wissen schließlich alle, dass es ein "richtiges bewerben", die alles entscheidende Form oder genau das Vorgehen nicht gibt.

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Information
III.I.Das spontane in die Firma schneien
Das erfordert Mut!
Sie sollten dabei Ihren ausgedruckten Lebenslauf in einer dieser schönhässlichen Bewerbungsklemmmappen dabei haben.
… mein Gott, was für ein Wortungetüm „Klemmmappen“ … gleich drei „m“ …
… Sie wissen sicher, es gibt vier Arten der deutschen Rechtschreibung: die alte, die neue, Ihre und meine …
Dazu auch noch Ihre „dritte Seite“ beifügen.
Wenn Sie sehr spontan in irgend eine Firma hinein gehen, brauchen sie kein Anschreiben. Sind Sie weniger Spontan, dann informieren Sie Sich vorher mal einige Tage eher vor Ort und / oder im Internet, besser beides, welche der Firmen Sie nicht ganz so spontan aufsuchen und machen dann doch ein Anschreiben fertig, das sie mit zu Ihrem Lebenslauf packen und geben das alles dann dort persönlich nur ab.
Sind Sie sehr spontan … so nach dem Motto: „Wat is'n det für 'ne Bude? Sieht ja schnuckelig aus. Ach, jeh ick ma rin.“ sollten Sie Sich dennoch mal in der Firma kurz umschauen. Es nutzt wenig, wenn Sie im Büro der Chefsekretärin von Bahlsen-Keksen schwärmen, aber die Firma Gillette heißt und Rasierklingen herstellt. In solchem Fall ist es dann aber auch wenig einfallsreich, von Ihrem Onkel Hubert, Tante Else, dem zweiten Mann Ihrer jetzigen Frau und von Ihrem Enkel Paul zu erzählen, die sich nur dank der immer scharfen Gillette-Klingen relativ schmerzfrei und unauffällig selbst ins Jenseits befördern konnte.
Im Falle von Bahlsen-Keksen wäre es dagegen recht taktlos von Ihnen, wenn Sie dann während des Wartens im Vorzimmer erklären: „Ich wusste gar nicht, dass der Schornstein hier auf dem Gelände noch zu ihnen gehört. Der schwarze Qualm von dem stinkt ja regelmäßig nach Krematorium. Verheizen sie hier bei der Herstellung ihrer ollen, zweilagigen Krümelkekse immer Sarotti-Mohren?“
Sowas kann richtig nach hinten los gehen!
Auch Bemerkungen wie zum Beispiel:
„Ich seh' hier nie einen arbeiten, wenn ich vorne vorbei gehe. Sitzt Ihr Boss etwa noch immer in der strengen Sicherheitsverwahrung in Moabit?“
„Seh'n sie mal, hier ist ein Fussel auf ihrer Auslegware … und hier … und hier ...“
„Von ihrer Bude hab ich ja noch nie etwas gehört. Was machen sie hier überhaupt, wenn sie was machen?“
„Also ich bin ja eigentlich Flatulenzer und hab immer 'n bisschen mit meiner Verdauung zu tun. Vor allem, nach der Knoblauchrohwurst, die ich mir so gerne auf meine Büro-Sandwiches streiche.“
Sowohl als Dame, als auch als Herr sollten Sie bei diesen Spontanbesuchen zwecks Bewerbung nicht zu aufgetakelt daher kommen, aber auch auch nicht in Ihrem typischen Bewerbungsdress, auf den ich gleich noch kommen werde.
Kommen Sie in Ihrer ganz normalen Straßenalltagskleidung. Als Radfahrer setzten Sie den Helm bitte ab, tragen ihn dann aber in der Hand gut sichtbar, damit man glaubt, Sie hätten einen langen Weg hinter sich gebracht, nur um sich mal eben in dieser Firma spontan zu bewerben. Haben Sie Kinder? Mit Kindern unterhalb des schulpflichtigen Alters sollten Sie das jetzt nicht machen, mit Kindern ab schulpflichtigem Alter unbedingt: nehmen Sie Ihr Kind mit! Das zeigt zum einen Ihr Verantwortungsbewusstsein und suggeriert unterschwellig, dass Sie diesen verdammten Job schon wegen des Kindes jetzt aber wirklich brauchen.
Eine Kleinigkeit noch dazu. Sie als Mann können ja an Ihrem Basecap hängen, wie an der Modelleisenbahn aus Ihrer Kindheit, aber nehmen Sie, wenn Sie eine neue Firma betreten, bitte Ihre Kopfbedeckung ab. Ich kenne das noch aus meiner Kindheit! Beim Betreten eines mehr oder weniger öffentlichen Gebäudes nimmt man die Mütze ab. Ist 'ne Frage der Höflichkeit!
Für Frauen gilt das im übrigen nicht, denn sie ruinieren sich unter Umständen durch das Absetzen des Hutes sonst ihre Frisur noch mehr!
Das erinnert mich an die Lady mit ihrem Wagenrad großen Hut im Cabrio auf der B96, die ich mal vor einigen Jahren vor mir hatte und die schlag siebzig fuhr, egal ob in geschlossenen Ortschaften oder auf der Landstraße. Man kam nie an der vorbei und hatte die ständig wieder vor sich. … eine Hand am Lenkrad, eine Hand auf dem Hütchen …
Also normale Straßenkleidung, die Herren die Mütze vom Kopf. Und egal wie heiß es draußen gerade ist, ob der Asphalt auf der Straße erst kocht oder schon verdampft, die Herren bitte niemals in kurzen Hosen! Sandalen ohne Strümpfe sind dann erlaubt, wenn Ihre nackten Füße ordentlich aussehen. Und Frauen verzichten dann bitte auch nicht auf den BH!
Dass Sie keine Alkoholstandarte vor sich weg tragen und in den letzten achtundvierzig Stunden auf leckeren Knoblauch, egal wie zubereitet, verzichten, dürfte klar sein. Und auch auf die letzte Zigarette kurz bevor Sie die Bude betreten, sollten Sie verzichten. Falls Sie vor Aufregung Schweißhände haben sollten, nehmen Sie rechtzeitig ein Tempo in die Hände. Ich hab zwei, drei davon auch immer beim Zahnarzt zwischen meinen Händen.
Sie selbst müssen indes entscheiden, wenn Sie spontan in eine Firma schauen, bleiben Sie hartnäckig und warten Sie so lange, bis man Sie bei dem, der die Leute in dieser Firma einstellt, Sie bei sich vorsprechen lässt oder hinterlassen Sie dort nur Ihre Unterlagen und treten den geordneten Rückzug an.
Es kann auch sein, dass man Ihnen sagt: „Chefe ist erst in gut zwei Stunden wieder hier!“. In so einem Fall stehen Sie in spätestens zwei Stunden dort wieder auf der Matte! … Dann auch ruhig ordentlich gestylt.
Sollten Sie etwas warten müssen, ziehen Sie im Winter Ihre Jacke ruhig aus.
Kommen wir nun aber zur Königsdisziplin!
III.II.I. Das Bewerbungsgespräch
Es ist Ihnen tatsächlich gelungen, einen Termin zu einem Vorstellungsgespräch zu ergattern! Machen Sie Sich nicht verrückt! Die anderen sind auch nur Menschen.
III.II.II. Wie bekomme ich den Job erst gar nicht?
Für den recht unwahrscheinlichen Fall, dass Sie den Job eigentlich überhaupt nicht wollen, weil das eine dieser Zwangsbewerbungen vom Amt ist, auf die Sie reagieren mussten und wo sich abzeichnet, dass das eine dieser typischen Sklaventreiberbuden ist, hab ich hier Tipps, wie Sie nun doch noch um diese Arbeit herum kommen.
Essen Sie am Tag zuvor einen Döner mit viel Knoblauchsoße, verfeinern Sie die Knoblauchrohwurst von Tante Else auf Ihrer Stulle mit zwei zusätzlichen frischen Knoblauchzehen und nehmen Sie Sich für Ihren abendlichen Tomatensalat mit die Knoblauchsalatcreme.
Während meines Grundwehrdienstes in der NVA fuhr der stellvertretende Stabschef unserer Einheit bei Übungen immer auf unserem Vermessungs-Jeep mit. Einmal reichte es mir und so hab ich am Abend vor einer dieser üblichen angekündigten Übungen eine ganze Knoblauchknolle gegessen. Der stellvertretende Stabschef verließ in diesem Falle fast fluchtartig unseren Wagen. Allerdings war ich an dem Tag in unserer Einheit ein recht einsamer Mann.
Sprühen Sie statt Ihres Parfüms bitte etwas von dem starken Rum, den Sie sonst zum Früchte einmachen, für die Feuerzangenbowle oder für den Kuchenteig verwenden, mit hauchzarter Düse auf Ihre gesamte Kleidung.
Tragen Sie Ihr T-Shirt, Ihre Unterwäsche und Ihr Hemd in diesem Falle einmal drei Tage hintereinander.
Vergessen Sie auch nicht, Sich drei Tage lang nicht zu waschen, nicht die Zähne zu putzen und nicht die Haare zu waschen. Als normalerweise trocken rasierender Mann geben Sie Sich einen Stoß und rasieren Sie Sich mal ausnahmsweise nass, unsauber, stellen Sie Sich dabei etwas ungeschickt an und schneiden Sie Sich ein paar mal in die Wange.
Für ganz harte Fälle gibt’s dann noch die ausgefledderten Turnschuhe, die Sie sonst nur noch bei der Gartenarbeit oder beim renovieren tragen. Dass Sie ein Basecape mit dickem, sichtbaren Schweißrand aus der selben Kategorie tragen, dürfte selbstverständlich sein. Das nehmen Sie dann als Mann auch bitte nicht während des Gesprächs ab!
Stellen Sie Sich kurz vor Ihrer Ankunft in der Firma noch einmal wenigstens zehn Minuten lang zu ein paar starken Rauchern auf dem nächsten S-Bahnhof oder gehen Sie noch auf 'ne halbe Stunde zu Bresch Danziger Ecke Greifswalder Straße oder in eine andere der wenigen noch existierenden Raucherkneipen Berlins.
Kommen Sie knapp und möglichst nur eine Minute vor Ihrem Termin in diese Firma. Das müssen Sie aber vorher gut austimen. Stellen Sie schlussendlich übertriebene Gehaltsforderungen.
Aber Vorsicht! Sollte das Amt in diesem Falle Wind von Ihrem Auftreten bekommen, gibt’s Ärger und unter Umständen sogar Leitungskürzung. Also wenden Sie so etwas nur im äußersten Notfall an und möglichst auch nicht alles auf einmal.
III.II.III. Die Vorbereitung
Machen Sie ein paar Tage vor Ihrem Termin in der Firma, möglichst nicht im dichtesten Berufsverkehr, wenn die Anschlusszüge und -busse auf Grund ihrer Taktdichte meist stimmen, mal eine Testfahrt mit den Öffentlichen zu Ihrem Bewerbungsort. Es kann sehr viel Zeit kosten, wenn Sie regelmäßig vorn in Uund S-Bahnen einsteigen, sie aber an jedem Umsteigepunkt hinten raus müssten.
Als Kraftfahrer schauen Sie Sich bitte vorher mal nach Parkmöglichkeiten vor Ort um. Nichts macht einen vor einem persönlichen Bewerbungsgespräch noch nervöser, als wenn man eigentlich pünktlich da gewesen wäre, man es aber leider nicht ist, weil man in zwanzig Minuten Fußweg Entfernung einen Abstellplatz erwischt hat, der noch dazu halb in einer Feuerwehrzufahrt liegt.
Gute Firmen, richtig gute Firmen, weisen einen aber bei einem Termin auf mögliche Parkplätze oder Fahrradabstellmöglichkeiten hin.
Kraftfahrer! Rauchen Sie bitte nicht vorher im Auto! Als Nicht-Mehr-Raucher kann ich Ihnen versichern, dass man einen Menschen sofort am Geruch erkennt, der in einem Raucherauto gefahren ist und dass sich frischer Zigarettenrauch erst recht in alle Teile der Kleidung einätzt.
Auch Radfahrer sollten mal eine Testfahrt machen. Fahren Sie allerdings gemächlich, dann auch beim eigentlichen Termin, denn Sie wollen doch sicher nicht nach frischem Schweiß riechen, oder? Einzige Ausnahme: Sie haben Sich bei einem Fahrradkurierdienst beworben.
Planen Sie aber in allen Fällen bitte einen Zeitpuffer ein und kommen Sie nicht erst auf den letzten Pfiff abgehetzt vor Ort an.
Eine weiterer Teil Ihrer Vorbereitung sollte sein, dass sie sich nochmals über die Firma informieren. Nutzen Sie dafür Ihre Testfahrt, nutzen Sie aber auch das Internet. Bitte nicht alle negativen Erfahrungsberichte glauben. Findet man indes nur Positives, sollte das einen aber auch Skeptisch machen, denn über niemanden, nicht mal über sich selbst, kann man nur Gutes berichten.
Über das zu erpokernde Gehalt sollte man sich gleichfalls mal vorher informieren und es dann im Gespräch relativ realistisch ansetzen.
Studieren Sie nochmals selber Ihren an diese Firma geschickten Lebenslauf und Ihre restlichen Unterlage...
Table of contents
- Inhaltsverzeichnis
- I.I. Sie sind wichtig!
- I.II. E-Mail? Brief? …. oder was?
- I.IV. Der Lebenslauf
- I.V. Das Passbild
- I.VI. Die sogenannte „dritte Seite“
- I.VII. Was muss noch mit reingeschrieben werden und was darf es auf keinen Fall?
- I.VIII. Schul- und Arbeitszeugnisse
- II.I. Wo und wie suche ich meine Stelle?
- II.II. Was suche ich für Arbeit?
- III.I. Das spontane in die Firma schneien
- IV.I. Der Probetag
- IV.II. Die halbjährige Probezeit
- IV.III. Das Praktikum
- IV.IV. MAE oder sonstige Maßnahmen
- IV.V. Die Leiharbeitsbude
- V. Epilog
- Über den Autor
- Impressum
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