Tierrechtsreport 2016
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Tierrechtsreport 2016

Recherchen, TierquÀlerei und rechtliche Entwicklung in Deutschland

  1. 152 pages
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Tierrechtsreport 2016

Recherchen, TierquÀlerei und rechtliche Entwicklung in Deutschland

About this book

Nach dem Tierrechtsreport 2015 deckt der Tierrechtsreport 2016 die Tierrechte als eines der gesellschaftlich meistdiskutierten Themen in Deutschland ab. Dabei steht nicht mehr nur der Schutz von Tieren im Fokus, es geht vielmehr um die Anerkennung ihrer unverĂ€ußerlichen und vergleichsweise weitgehenden Rechte. TagtĂ€glich trifft jeder Mensch Entscheidungen, die unmittelbar mit Tierrechten verbunden sind: Ob Lebensmittel auf dem Teller, Haushalts-, Kosmetik- oder Pflegeprodukten im Einkaufswagen, die Wahl der Kleidung oder die Freizeitgestaltung. Überall begegnen Verbrauchern Tiere oder das, was aus ihren Körpern hergestellt wurde. Diese vielfĂ€ltigen Überschneidungen mit dem privaten und auch öffentlichen Leben machen deutlich, wie groß der Einflussbereich jedes Einzelnen ist.Der Tierrechtsreport legt Zeugnis ab und zeigt die Arbeit, dem entgegenzuwirken.

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Information

Year
2016
Print ISBN
9783739237947
Edition
2
eBook ISBN
9783741235672

UNTERHALTUNG

STIERKAMPF

WIDERSTAND UND SUBVENTIONEN

In Spanien hĂ€lt der Protest gegen den Stierkampf auch 2015 weiter an. In Pamplona veranstalteten die spanische Organisation AnimaNaturalis Internacional und die Tierrechtsorganisation PETA UK im Juli 2015 wiederholt eine Protestaktion gegen die StierkĂ€mpfe und Stierrennen im Rahmen des San-FermĂ­n-Festivals. Unter dem Motto „Pamplonas Straßen sind mit dem Blut der Stiere befleckt“ bildeten rund 100 UnterstĂŒtzer in roter UnterwĂ€sche und mit rot bemalten Körpern einen „Fluss aus Blut“ vor der Stierkampfarena in der Straße Paseo Hemingway.121 Nach den Kommunalwahlen im Mai 2015 spĂŒrte die spanische Stierkampfindustrie auch seitens der Politik Gegenwind. Vermehrt setzten StĂ€dte und Gemeinden, in denen sich die Linken etablierten, ein Zeichen gegen den Stierkampf.122 So erklĂ€rte u. a. das Kommunalparlament der mallorquinischen Hauptstadt Palma die Stadt im Juli 2015 symbolisch zur „stierkampffreien Zone“ – ein tatsĂ€chliches Verbot der StierkĂ€mpfe auf Mallorca muss durch die Regionalregierung der Baleareninseln beschlossen werden.123
In Frankreich verbuchte die Stierkampfindustrie 2015 ebenfalls einen RĂŒckschlag. Nachdem das französische Kulturministerium den Stierkampf 2011 zu einem der KulturschĂ€tze des Landes erklĂ€rte, zogen verschiedene TierschutzverbĂ€nde bis vor das französische Oberverwaltungsgericht. Dieses bestĂ€tigte im Juni 2015, dass der Stierkampf von der Liste des immateriellen Kulturerbes in Frankreich zu streichen ist.124
Wie in den vergangenen Jahren125 legten die GrĂŒnen auch 2015 bei der Abstimmung im EU -Parlament ĂŒber das Budget 2016 einen Änderungsantrag vor, der Agrarsubventionen fĂŒr KampfstierzĂŒchter abschaffen sollte. PETA unterstĂŒtzte das Vorhaben und ließ den deutschen und österreichischen EU -Abgeordneten eine Petition zukommen, an der sich in nur zwei Wochen ĂŒber 11.000 Menschen beteiligten.126 Die weltweiten BĂŒros der Tierrechtsorganisation wandten sich zudem in einem gemeinsamen Schreiben an alle EU -Abgeordneten, appellierten an diese, dem Änderungsantrag zuzustimmen und standen im engen Austausch mit einigen Abgeordneten. Im Oktober 2015 nahm das EU -Parlament den Antrag in der entscheidenden Abstimmung an und stimmte erstmals fĂŒr ein Ende der Stierkampfsubventionen.127 In den weiteren Instanzen des Rats der Mitgliedsstaaten sowie der EU -Kommission wurde der Antrag jedoch abgelehnt und letztendlich nicht in den Haushalt 2016 einbezogen.128
Quellen:
121 PR online (2015): Pamplona: Nackter Peta-Protest gegen Stierhatz. http://www.rp-online.de/panorama/ausland/pamplona-nackter-peta-protestgegen-stierhatz-bid-1.5213837 (10.03.2016).
122 dpa (2016): Stierkampf in Spanien. Schwere Zeiten fĂŒr Toreros. In: Der Tagesspiegel. http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/stierkampfin-spanien-schwere-zeiten-fuer-toreros/12155380.html (10.03.2016).
123 Schulze, Ralph (2015): Palma ohne StierkÀmpfer. In: Weser Kurier. http://www.weser-kurier.de/startseite_artikel,-Palma-ohne-Stierkaempfer_arid,1177891.html (10.03.2016).
124 Samuel, Henry (2015): French court removes bullfighting from country‘s cultural heritage list. In: The Telegraph. http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/france/11655767/French-court-removes-bullfightingfrom-countrys-cultural-heritage-list.html (10.03.2016).
125 PETA Deutschland e.V. (2015): Tierrechtsreport 2015. Recherchen, TierquÀlereien und rechtliche Entwicklungen in Deutschland. Stuttgart: BoD.
126 PETA Deutschland e.V. (2015): EU-Subventionen fĂŒr Stierkampfindustrie stoppen. http://www.peta.de/stierkampf-eu-subventionen (10.03.2016).
127 EuropĂ€isches Parlament: Entschließung des EuropĂ€ischen Parlaments vom 28. Oktober 2015 zu dem Standpunkt des Rates zum Entwurf des Gesamthaushaltsplans der EuropĂ€ischen Union fĂŒr das Haushaltsjahr 2016 (11706/2015 – C8–0274/2015 – 2015/2132(BUD)). http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P8-TA-2015–0376+0+DOC+XML+V0//DE (10.03.2016).
128 GrĂŒner Klub im Parlament (2015): Vana: „Mehr Geld fĂŒr FlĂŒchtlinge ist einziger Lichtblick in rĂŒckwĂ€rtsgewandtem EU-Budget 2016“. https://www.gruene.at/ots/vana-mehr-geld-fuer-fluechtlinge-ist-einziger-lichtblick-in-rueckwaertsgewandtem-eu-budget-2016 (10.03.2016).

DIE TIERQUAL BEI ZIRKUS CHARLES KNIE & CO

VERBOTE, VERURTEILUNGEN UND BEHÖRDLICHE ZWANGSMITTEL

2015 haben wieder zahlreiche StĂ€dte wie beispielsweise DĂŒsseldorf, OsnabrĂŒck, Erlangen, Detmold und Castrop-Rauxel ein kommunales Zirkuswildtierverbot beschlossen. In den meisten FĂ€llen stand PETA den örtlichen Aktiven oder Politikern beratend zur Seite. Rechtliche Hilfestellung fĂŒr die StĂ€dte gab es auch von der Stabsstelle Tierschutz des baden-wĂŒrttembergischen Ministeriums fĂŒr LĂ€ndlichen Raum (MLR ). In einer Ausarbeitung vom 10. Juli 2015, in der sĂ€mtliche vorliegende Rechtsprechungen berĂŒcksichtigt sind, gibt das Ministerium konkrete Empfehlungen, wie StĂ€dte und Gemeinden Wildtierzirkusse unter BerĂŒcksichtigung rechtlicher Gegebenheiten von ihren kommunalen FlĂ€chen ausschließen können.129 Der Verfasser, Dr. Christoph Maisack, ist ehemaliger Staatsanwalt und Richter am Landgericht Waldshut sowie Mitverfasser des 2016 in dritter Auflage im MĂŒnchener Vahlen-Verlag erschienenen Kommentars zum Tierschutzgesetz.
Neben der zunehmenden Ablehnung durch die StĂ€dte spĂŒren die Zirkusunternehmen auch den immensen Druck der Bevölkerung in Form von Protestkundgebungen und InfostĂ€nden. Aktiv dabei sind die Ehrenamtlichen des PETA ZWEI -Streetteams sowie etliche Tierrechts- und Tierschutzorganisationen und BĂŒrgerinitiativen. Viele Zirkusse reagieren darauf mit altbekannten Methoden: Gewalt und AggressivitĂ€t. In Garbsen bei Hannover griffen im November 2015 mehrere Mitarbeiter des Circus Belly TierschĂŒtzer an und verletzten dabei eine Person schwer. Das Streetteam von PETA ZWEI, der Jugendkampagne von PETA Deutschland e.V., veranstaltete eine Protestaktion vor dem ZirkusgelĂ€nde. Zwölf TierschĂŒtzer – darunter drei Kinder – schlossen sich der Kundgebung, die bei den örtlichen Behörden angemeldet und genehmigt war, an. Als die Aktivisten ihren Informationsstand aufbauten, fuhr ein Zirkusmitarbeiter mit einem Radlader direkt auf sie zu und zerstörte den Stand sowie zahlreiche Demoutensilien. Weiteres Personal attackierte die TierschĂŒtzer direkt – laut Augenzeugen erlitt ein Demonstrant eine komplizierte Fraktur der Elle, als er einen Schlag mit einer Schaufel gegen seinen Kopf abzuwehren versuchte. Er musste im Krankenhaus operiert werden. Die gewalttĂ€tige Aktion des Zirkus erfolgte ohne Vorwarnung oder vorherigen verbalen Austausch. Nachdem die TierschĂŒtzer die Polizei riefen, erschienen mehrere Streifenwagen sowie ein Rettungswagen. Es wurden Strafanzeigen gegen die beteiligten Zirkusmitarbeiter erstattet.
Im April 2015 wurden drei Angehörige des Zirkus Aeros wegen schwerer Körperverletzung zu Geldstrafen verurteilt.130 Im Vorjahr waren sie wĂ€hrend einer friedlichen Protestaktion in Leipzig auf Demonstranten losgestĂŒrmt und verletzten sie teilweise schwer durch Tritte und FaustschlĂ€ge. Ein Fotograf wurde im Juli 2015 in Berlin-Reinickendorf von Angehörigen des Zirkus Schollini zusammengeschlagen – auch hier wurde Strafanzeige erstattet.131
Die PrĂŒgelattacken zeigen vor allem eines: Achtung und Respekt vor anderen Lebewesen sind im Zirkus nicht zu finden. Man kann nur erahnen, welche Hölle die Tiere dort durchleben mĂŒssen, sind sie diesen gewalttĂ€tigen SchlĂ€gern doch schutzlos ausgeliefert. Tierfreunde lassen sich aber nicht vom letzten AufbĂ€umen der untergehenden Tierzirkusindustrie abschrecken: 2015 fanden mehrere Hundert Protestveranstaltungen vor Zirkusbetrieben statt – ein neuer Rekord!

Elefantentrainer Errani vom Zirkus Charles Knie rechtskrÀftig wegen TierquÀlerei verurteilt

Im selbsternannten „Vorzeigezirkus“ Charles Knie wurden die drei Elefanten in den vergangenen Jahren zwischen den hĂ€ufigen Ortswechseln wiederholt bis zu 18 Stunden auf dem Lkw belassen – selbst bei einer Fahrtdauer von lediglich einer Stunde. PETA hatte den Sachverhalt bereits im Sommer 2012 aufwĂ€ndig mithilfe des Vereins Elefanten-Schutz-Europa e.V. dokumentiert und angezeigt, denn die vielen Stunden auf dem Lkw sind eine Tortur fĂŒr die sensiblen Tiere. Das VeterinĂ€ramt Darmstadt leitete noch 2012 ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Zirkusverantwortlichen ein. Da diese Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid einlegten, wurde der Fall erst im Juni 2015 vor dem Amtsgericht Darmstadt verhandelt. Auf Seiten der Zirkusleute hatten sich im Gerichtssaal u. a. der Leiter des VeterinĂ€ramtes Wetteraukreis, Rudolf MĂŒller, sowie der ehemalige Zootierarzt der Wilhelma, Wolfram Rietschel, eingefunden, die sich beide immer wieder offen gegen den Tierschutz, dafĂŒr aber pro Zirkus positionierten – Herr Rietschel sogar als Zeuge fĂŒr die Zirkusseite. Der Prozess endete mit einer Verurteilung des Elefantenhalters zur Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 150 Euro. Das Amtsgericht bestĂ€tigte die Auffassung des VeterinĂ€ramtes, dass den Elefanten erhebliches Leid zugefĂŒgt wurde, weil sie nach Ankunft am Zielort nicht sofort aus dem Transporter gelassen wurden. Das Urteil ist mittlerweile rechtskrĂ€ftig.132

TierquĂ€lerei und FahrlĂ€ssigkeit im Zirkus –Elefant tötet SpaziergĂ€nger

Eine Undercover-Recherche von PETA zeigte, dass die Elefantendame Benjamin im Winterquartier des Circus Luna im baden-wĂŒrttembergischen StĂŒhlingen wiederholt eiskalte NĂ€chte auf einem kleinen Lkw verbringen musste. Wie auch das investigative ZDF-Magazin „Frontal 21“ in der Sendung vom 5. MĂ€rz 2015 berichtete, dokumentierten die PETA -Ermittler mehrmals die Temperatur auf dem Zirkustransporter. An drei ĂŒber die Nacht verteilten Messzeitpunkten wurden auf dem Lkw in unmittelbarer NĂ€he des Elefanten jeweils 6 °C verzeichnet – ein klarer Verstoß gegen die offiziellen Richtlinien und lebensbedrohlich fĂŒr das Tier. PETA meldete den Missstand beim KreisveterinĂ€ramt Waldshut und erstattete Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen. Die stĂ€ndige nĂ€chtliche Haltung auf dem kleinen Transporter stellt einen weiteren Verstoß gegen die Zirkusleitlinien dar und ist ebenfalls Gegenstand der Anzeige. Trotz unverzĂŒglicher Meldung beim VeterinĂ€ramt war die tierquĂ€lerische Haltung auch bei einer drei Tage spĂ€teren Nachkontrolle unverĂ€ndert: Das Digital-Funkthermometer zeigte 5,3 °C im Inneren des Lkws an. GemĂ€ĂŸ den offiziellen Richtlinien fĂŒr Elefantenhaltung im Zirkus und im Zoo darf die Temperatur der Unterkunft nicht unter 15 °C liegen, da die aus heißen Klimazonen stammenden RĂŒsseltiere sonst Erkrankungen und sogar Erfrierungen erleiden können. Das VeterinĂ€ramt sowie die Staatsanwaltschaft unternahmen jedoch nichts in der Angelegenheit, was einmal mehr die Unwilligkeit der meisten Behörden zeigt, selbst bei eindeutigen und schweren FĂ€llen gegen TierquĂ€lerei im Zirkus vorzugehen.
In den darauffolgenden Wochen zeigte PETA immer wieder die mangelhafte Tierhaltung, vor allem der Elefantendame Benjamin und der beiden BĂ€ren, an. Doch die Behörden in Baden-WĂŒrttemberg unternahmen so gut wie nichts. Das KreisveterinĂ€ramt Esslingen bezeichnete die Bedenken in der Lokalpresse sogar als â€žĂŒbertrieben“. Doch nur wenige Wochen spĂ€ter beurteilten hessische KreisveterinĂ€rbehörden mit fachlicher UnterstĂŒtzung der Landestierschutzbeauftragten den Sachverhalt vollkommen anders: Das VeterinĂ€ramt Kreis Bergstraße erließ wegen der tierschutzwidrigen Situation im Mai 2015 endlich eine AbgabeverfĂŒgung fĂŒr die beiden BĂ€ren und das VeterinĂ€ramt Odenwaldkreis erstattete wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sogar Strafanzeige gegen die Zirkusverantwortlichen. FĂŒr die Elefantendame wurden strenge Auflagen fĂŒr ein grĂ¶ĂŸeres Gehege erteilt. FĂŒr eine der beiden BĂ€rinnen kam die Hilfe zu spĂ€t: Sie musste im Juni wegen ihres schlechten Zustandes im Zirkus eingeschlĂ€fert werden. Die zweite BĂ€rin wurde jedoch gerettet und innerhalb der behördlichen Abgabefrist vom Zirkus an den Hochwildschutzpark HunsrĂŒck ĂŒbergeben. Die TierquĂ€lerei bei Circus Luna wurde in den vergangenen Jahren wiederholt von BĂŒrgern und Organisationen angezeigt – ergebnislos.
Jahrelang hatte PETA die Behörden und die Öffentlichkeit vor einem UnglĂŒcksfall mit der Elefantendame Benjamin gewarnt und sich dabei sogar an die RegierungsprĂ€sidien und Umweltminister Bonde in Baden-WĂŒrttemberg gewandt. Durch die tie...

Table of contents

  1. INHALTSVERZEICHNIS
  2. VORWORT
  3. EINLEITUNG
  4. BEKLEIDUNG
  5. ERNÄHRUNG
  6. TIERVERSUCHE
  7. UNTERHALTUNG
  8. TIERISCHE MITBEWOHNER
  9. ALLGEMEIN
  10. RECHT
  11. EPILOG
  12. IMPRESSUM

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