Der Weltenbaum Yggdrasil
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Der Weltenbaum Yggdrasil

Die Götter der Germanen - Band 53

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Der Weltenbaum Yggdrasil

Die Götter der Germanen - Band 53

About this book

Die Reihe Die achtzigbändige Reihe "Die Götter der Germanen" stellt die Gottheiten und jeden Aspekt der Religion der Germanen anhand der schriftlichen Überlieferung und der archäologischen Funde detailliert dar. Dabei werden zu jeder Gottheit und zu jedem Thema außer den germanischen Quellen auch die Zusammenhänge zu den anderen indogermanischen Religionen dargestellt und, wenn möglich, deren Wurzeln in der Jungsteinzeit und Altsteinzeit. Daneben werden auch jeweils Möglichkeiten gezeigt, was eine solche alte Religion für die heutige Zeit bedeuten kann - schließlich ist eine Religion zu einem großen Teil stets der Versuch, die Welt und die Möglichkeiten der Menschen in ihr zu beschreiben.Das Buch Der Weltenbaum ist ein zentrales Element der germanischen Mythologie. Er spielt eine wichtige Rolle u.a. in den Mythen des Tyr, des Odin, des Baldur, des Hödur, des Loki und der Idun. Er steht am Nordpol und hat in den Mythen weder eine Entstehung noch ein Ende - er ist das Halt-gebende Element in der Mitte der vielen turbulenten Ereignisse. Er verbindet das Diesseits und das Jenseits und ist daher auch für die Schamanen und Priester von großer Bedeutung.

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Information

Year
2017
Print ISBN
9783744887267
eBook ISBN
9783744808798

I Der Weltenbaum in der germanischen Überlieferung

1. Wortschatz

1. a) Germanische Begriffe für den Weltenbaum

Neben der bekannten Bezeichnung „Yggdrasil“ gibt es noch fünf weitere Begriffe, mit denen der Weltenbaum umschrieben werden konnte. In den noch folgenden Kapiteln werden noch einige weitere, eher speziellere Namen besprochen.
yggdrasil - „Odins Roß“ = Odin (Ygg) reitet auf ihm ins Jenseits
blot-skapr - „Opfer-Schnitzer“ = heiliger Baum
blot-viðr - „Opfer-Baum“ = heiliger Baum
blot-lundr - „Opfer-Wald“ = heiliger Hain
afbrigdar-tre - „Baum des Hinübergehens“ = Jenseitsweg
mjöt-vidr - „Maß-Baum“ = Schicksalsbaum, Todesbaum (Maß der Nornen, die den Lebensfaden spinnen) = Weltenbaum

1. b) Zusammenfassung

Der Wortschatz zum „heiligen Baum“ zeigt diesen als Opferbaum, als Jenseitsreise-Weg und als Baum der Nornen.

2. Die Esche Yggdrasil

Der häufigste Name für den Weltenbaum ist in den germanischen Mythen „Askr Yggdrasil“. Unter diesem Namen finden sich die ausführlichsten Beschreibungen dieser Mitte der Welt.

2. a) Der Name „Yggdrasil“

Das Wort „drasil“ bedeutet „Pferd“. Das Wort „yggr“ hat die Bedeutung „Furcht“ und ist ein häufiger Beiname des Gottes Odin. Ein „Yggdrasil“ ist folglich entweder ein „Schreckenspferd“ oder „Odins Pferd“, d.h. Odins achtbeiniges „Doppelpferd“ Sleipnir.
Sleipnir hat deshalb acht Beine, weil er aus den beiden Pferdezwillingen vor dem Streitwagen des indogermanischen Sonnengott-Göttervaters Dhyaus (germanisch: Tyr) entstanden ist. Diese Pferdezwillinge heißen z.B. bei den Griechen Dioskuren und bei den Römern Kastor und Pollux. Bei den Germanen wurden sie „Alcis“, d.h. „Elche, Hirsche“ genannt, da der Wagen des Göttervaters bei den Germanen und auch bei den ihnen nah verwandten Kelten auch von zwei Hirschen statt von zwei Pferden gezogen werden konnte.
Ein spätes Überbleibsel dieses Motivs sind die beiden Rentiere vor dem Schlitten des Weihnachtsmannes.
Sleipnir ist das Pferd, mit dessen Hilfe Odin in das Jenseits und wieder aus ihm heraus reiten kann. Es ist somit eng mit dem Weltenbaum als der Verbindung zwischen den Welten verbunden. Der Weltenbaum ist sozusagen der Weg der Schamanen, der Priester, der Sonne und des Odin, die alle regelmäßig in die Unterwelt und wieder aus ihr zurück reisen.
Mit dieser Jenseitsreise ist die Szene des Augenopfers des Odin sowie der Tod vieler Asen beim Ragnarök verbunden – Odin kann anschließend mit seinem „toten Auge“ die „Welt der Toten“ sehen.
Mit der Rückkehr aus der Unterwelt ist die Wiedergeburt des Baldur nach dem Ragnarök verknüpft.
Die Weltesche wird in den nordischen Texten so gut wie immer „Askr Yggdrasil“ also „Esche des Sleipnir“ genannt. Diese Bezeichnung des Weltenbaumes besagt, daß es sich um eine Esche handelt, die zu Sleipnir gehört, d.h. der entweder dem Sleipnir gehört (was keinen Sinn ergibt) oder der eine Funktion hat, die der Funktion des Sleipnir entspricht (die Jenseitsreise), oder für den Sleipnir von Bedeutung ist.
Es gibt zwei Assoziationen, die von dem Namen „Askr Yggdrasil“ ausgehen:
1. „Schreckensbaum“ ist eine Kenning für „Galgen“ gewesen und der Galgen konnte auch „Pferd der Gehängten“ genannt werden. Da Odin bei seinem rituellen Opfertod an der Weltesche hing, ist auch der Weltenbaum in gewisser Weise ein „ritueller Galgen“.
Durch diese Assoziation gelangt man wieder zu dem Weltenbaum als Jenseitsreise-Weg.
2. Eine „Esche des Sleipnir“ kann man auch als „Pferdepflock des Sleipnir“ auffassen, also als einen Baum, an den Odin sein Roß anbindet, wenn er zu den Asen, den Nornen oder zu Mimir geht.
Auch diese Deutung führt wieder zu dem Weltenbaum als Jenseitsreise-Weg.

2. b) Die Esche

Die Esche ist der höchste europäische Laubbaum, der über 40m hoch werden kann. Daher ist er als Symbol für den Weltenbaum besonders gut geeignet – schließlich ragt er symbolisch gesehen bis zum Himmel hinauf.
Die Nadelbäume werden zwar deutlich höher (Kiefer bis 60m, Fichte bis 80m, Tanne bis 90m), aber man scheint sie als Symbol für die Verbindung zwischen Himmel und Erde als nicht geeignet angesehen zu haben, da die Nadelbäume nirgendwo in dieser Funktion erscheinen.
Erst in neuerer Zeit hat auch die Tanne die Weltenbaum-Symbolik übernommen – an Weihnachten.

2. c) Gylfis Vision

Da antwortete Jafnhar:Diese Esche ist der größte und beste von allen Bäumen: seine Zweige breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf über den Himmel. Drei Wurzeln halten den Baum aufrecht, die sich weit ausdehnen: die eine zu den Asen, die andere zu den Hrimthursen, wo vormals Ginnungagap war; die dritte steht über Niflheim, und unter dieser Wurzel ist Hwergelmir und Nidhögg nagt von unten an ihr. Bei der andern Wurzel hingegen, welche sich zu den Hrimthursen erstreckt, ist Mimirs Brunnen, worin Weisheit und Verstand verborgen sind.“
Die drei Wurzeln der Esche sollten aus statischen Gründen symmetrisch angeordnet sein.
Da Niflheim im Norden liegt, sollte diese Wurzel nach Norden weisen.
Die Eisriesen sollte man im Osten erwarten, da Thor stets dorthin reist, um die Riesen zu erschlagen. Allerdings ist zu bedenken, daß diese Symbolik erst um 500 n.Chr. bei der Absetzung des ehemaligen Sonnengott-Göttervaters Tyr entstanden ist, bei der der am Morgen aus der Unterwelt zurückkehrende Tyr als Riese von Thor getötet worden ist. Die Eisriesen-Wurzel weist somit ungefähr nach Ost-Südost.
Die dritte Wurzel, die zu den Asen führt, sollte daher ungefähr nach West-Südwest weisen.
Ob diese Rekonstruktion tatsächlich der Ansicht der Germanen vor 1000 Jahren entspricht, ist fraglich. Es ist nicht einmal sicher, daß die Zuordnung der drei Wurzeln zu drei mythologischen Bereichen weit verbreitet gewesen ist.
Die drei Wurzeln der Weltesche
Richtung Bereich Wesen
Norden Niflheim der Drache Nidhöggr in der Quelle Hvergelmir
Südost Hrimthursen der Riese Mimir
Südwest Asen die Asen
„Der Eigner des Brunnens heißt Mimir, und er ist voller Weisheit, weil er täglich von dem Brunnen aus dem Giallarhorn trinkt. Einst kam Allvater dahin und verlangte einen Trunk aus dem Brunnen, erhielt ihn aber nicht eher, bis er sein Auge zum Pfand setzte.
So heißt es in der Wöluspa:
Alles weiß ich, Odin, wo Dein Auge blieb:
In der vielbekannten Quelle Mimirs.
Met trinkt Mimir jeden Morgen
Aus Walvaters Pfand: wißt ihr was das bedeutet?“
Mimirs Quelle ist der Eingang zur Unterwelt. Daher kann Odin, indem er eines seiner Augen opfert und es in den Brunnen legt, mit diesem „toten Auge im Totenreich“ nun auch im Jenseits sehen.
Der Name „Mimir“ des Tyr-Riesen, der Odins Vorgänger als Göttervater gewesen ist, bedeutet „Erinnerung“. Dieser Name könnte sich auch auf Tyr-Mimirs Wissen um die vergangenen Dinge, die nun im Jenseits sind, beziehen.
Mimir ist eine der vielen Gestalten, in die der ehemalige Sonnengott-Göttervater Tyr nach seiner Absetzung um 500 n.Chr. zerfallen ist. Tyr-Mimirs tägliches Trinken aus der Quelle ist eine Umdeutung der Rückkehr der Sonne (Tyr) am Morgen aus der Wasserunterwelt.
Das Opfern des Auges des Odin an Mimirs Quelle ist...

Table of contents

  1. Bücher von Harry Eilenstein
  2. Die Themen der einzelnen Bände der Reihe „Die Götter der Germanen“
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. I. Der Weltenbaum in der germanischen Überlieferung
  5. II. Der Weltenbaum bei den Indogermanen
  6. III. Der Weltenbaum in der Jungsteinzeit
  7. IV. Der Weltenbaum in späten Altsteinzeit
  8. V. Die Biographie des Weltenbaumes
  9. VI. Das Aussehen des Weltenbaumes
  10. VII. Hymne an den Weltenbaum
  11. VII. Traumreise zum Weltenbaum
  12. VIII. Der Weltenbaum heute
  13. Themenverzeichnis
  14. Impressum

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