Praktische Hygiene in der Pflege
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Praktische Hygiene in der Pflege

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Praktische Hygiene in der Pflege

About this book

Hygiene ist in der Pflege ein Thema, das immer schĂ€rfer kontrolliert wird. Die Angst, Hygienestandards zu verletzen, ist in Zeiten multiresistenter "Krankenhauskeime" groß. Die korrekte Erstellung von Hygienestandards und die Kontrolle der Einhaltung gehören zum Risikomanagement in der Pflege. Denn falsche oder fehlende Hygienemaßnahmen können nicht nur schwere medizinische SchĂ€den, sondern auch haftungsrechtliche Folgen nach sich ziehen. Das Thema Hygiene betrifft alle in der Pflege BeschĂ€ftigte.

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Information

Year
2020
Edition
1
eBook ISBN
9783170367647
Subtopic
Nursing

1          Einleitung

 
 
 
In den letzten Jahren hat sich Hygiene zunehmend zu einem anspruchsvollen Fach entwickelt. Die HygieneplĂ€ne werden komplexer und die Rechtslage umfangreicher. Kein Wunder, dass sich manche PflegekrĂ€fte mit einem Bein im GefĂ€ngnis wĂ€hnen. Aber, Hygiene hat auch viel mit gesundem Menschenverstand zu tun. Was aber, wenn PflegeschĂŒler Fragen stellen? Oder Angehörige eine Beratung zum Thema WĂ€sche und Skabies haben wollen? Da stellt sich schnell heraus, dass die eigene Ausbildung schon eine ganze Weile her ist.
Bedingt durch die Reduktion erfahrener Fachleute kann man auch nicht immer gleich fragen. Also:
»Selbst ist die Pflegekraft« und sieht einfach schnell nach.
Dieses BĂŒchlein bietet Inhalte des Hygieneplans, Rechtsgrundlagen und Praxistipps fĂŒr Pflegehelfer, PflegekrĂ€fte, AltenpflegekrĂ€fte (stationĂ€r und ambulant), MFA beim ambulanten Operieren, aber auch fĂŒr Personal, ohne besondere Hygienezusatzausbildung und Medizinstudierende im Pflegepraktikum.
Personal mit kĂŒrzerer Hygieneausbildung, etwa Hygienebeauftragte in der Pflege (Krankenhaus) oder Hygienebeauftragte in der Altenpflege können dieses BĂŒchlein als aktuelle, schnelle Vor-Ort Schulungs- und Argumentationshilfe nutzen. Der Autor vertritt die FĂ€cher Hygiene und Medizinische Mikrobiologie seit ĂŒber 30 Jahren in voller Breite und wĂŒrde sich freuen, wenn dieses Pflege Kompakt-Buch allen eine Hilfe wĂ€re.

2 Grundlagen der Mikrobiologie

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Definitionen
Manifestationsindex: Anzahl der an einer Krankheit Erkrankten bezogen auf die mit dem gleichen Erreger Infizierten, Angabe in Prozent.
Inzidenz: Neuauftreten einer bestimmten Erkrankung in einer Population innerhalb eines Untersuchungszeitraumes, Angabe in Prozent.
PrÀvalenz: Anzahl Infizierter an einem bestimmten Stichtag.
LetalitÀt: Zahl der an einer bestimmten Erkrankung Verstorbenen bezogen auf die Erkrankten (%).
Inkubationszeit (IKZ): Zeit zwischen der Aufnahme des Erregers (Infektion) und dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome.
Latenzzeit: Anderes Wort fĂŒr Inkubationszeit, bezogen auf Toxinwirkung oder auch bei viralen Infektionen verwendet.
Kontamination: Haften von Krankheitserregern ohne Vermehrung auf der Haut oder GegenstÀnden.
Kolonisation: Haften von Krankheitserregern mit Vermehrung auf der Haut, Schleimhaut, Wunden oder GegenstÀnden.
Biofilm: Bakterielle Siedlungsform in einer Glycokalix oder Matrix, die Schutz vor Antibiotika und Antiseptika bietet.
Superinfektion: Erneute Infektion mit dem gleichen Erreger innerhalb kurzer Zeit, fĂŒhrt zum Rezidiv.
SekundÀrinfektion: ZusÀtzliche Infektion mit einem anderen Erreger, z. B. ausgehend von einer Parainfluenzavirus-Infektion (Schnupfen) eine Zweitinfektion mit Pneumokokken (eitrige Bronchitis).

2.1 Bakterien

Bakterielle Infektionen stellen die Mehrheit der wĂ€hrend des Aufenthalts in Einrichtungen des Gesundheitsdienstes entstehenden (nosokomialen) Infektionen. Die generell verminderte Abwehrlage sowie ggf. bestehende MultimorbiditĂ€t von Patienten oder Bewohnern mit entsprechender Medikation macht sie zu willkommenen »Wirten« fĂŒr Bakterien.
Bakterien können mit ihrem Stoffwechsel auf unbelebten FlĂ€chen, z. B. in trockenen Textilien, Bettdecken, ArbeitsflĂ€chen, Tischen etc., zum Teil aber monatelang ĂŒberleben und infektionstĂŒchtig bleiben.
Sie vermehren sich am besten bei Temperaturen um 36°C und tolerieren betrĂ€chtliche Temperaturschwankungen. Potentiell humanpathogene Bakterien vermehren sich in der Regel in einem pH-Bereich von 6–9.
Bei Bakterien unterscheiden wir fakultativ (nur unter bestimmten Bedingungen krankmachende) und obligat (bei Erreichen der Infektionsdosis immer krankmachende) pathogene Gattungen. WÀhrend fakultativ pathogene Bakterien in der Regel zu den Mikrobiomen des Menschen (wie z. B. E. coli) zÀhlen, gehören die obligat pathogenen nicht dazu und kommen oft auch aus der Umwelt (z. B. Pseudomonas, Acinetobacter).
Sporenbildung (Dauerformen zur Vermehrung) ermöglicht den bildenden Bakterien eine relative Resistenz gegen Hitze und Desinfektionsmittel (mit Ausnahme der Aldehyde und Perverbindungen). Typische Sporenbildner sind Clostridioides (vormals Clostridium) difficile, Clostridium perfringens und Bacillus cereus.

2.1.1 Kolonisationsmodell Biofilm

Biofilme sind Lebensgemeinschaften an GrenzflĂ€chen (z. B. Wundgrund, Endoprothesen-Gewebe) Typische Biofilme finden sich z. B. in Wasser- und Abwasserleitungen. Auf z. B Wunden entstehen Biofilme durch die Anlagerung von zunĂ€chst wenigen Bakterien der gleichen Art, die sich mittels ihrer Haftorgane (Pili) auf den Wundgrund setzen. Über Botenstoffe sind sie in der Lage, sich gegenseitig wahrzunehmen (Quorum Sense), dann folgt eine »Schleimbildung« (EPS = ExtrazellulĂ€re Polysaccharid Schleime aus Exopolysacchariden, Alginaten und Dextranen). Wissenschaftlich ausgedrĂŒckt wird dieser Schleim als Matrix oder Glycocalix bezeichnet und bewirkt:
‱ Schutz der Bakterien vor der Einwirkung von Antibiotika (Toleranz).
‱ Schutz der Bakterien vor der Einwirkung von Antiseptika.
‱ Anlagerung auch von Bakterien, die sich sonst nicht ohne weiteres auf dem Wundgrund hĂ€tten ansiedeln können.
‱ Schutz der Bakterien vor Zellen und WirkmolekĂŒlen der körpereigenen Abwehr.
Innerhalb des Biofilms entsteht ein Gleichgewicht zwischen den besiedelnden Bakterien. Dabei können die Bakterien wechselseitig Stoffwechselprodukte fĂŒr sich verwenden oder, andere Bakterien schĂ€digen und zerstören.

2.1.2 Multiresistente Erreger

Multiresistente Erreger vereinen in sich verschiedene Resistenzmechanismen. So können sie beispielsweise mit Enzymen AntibiotikamolekĂŒle zerstören (MRGN-Enterobakterien), durch WandverĂ€nderungen die Zielproteine von Antibiotika unbrauchbar machen (MRSA) oder Antibiotika entweder gleich den Eintritt in die Zelle verwehren oder einmal aufgenommene MolekĂŒle wieder aus der Zelle ausschleusen (Pseudomonas aeruginosa).
Derzeitige besonders auffÀllige multiresistente Erreger sind Staphylococcus aureus als Methicillin-resistente S. aureus (MRSA), Enterococcus species (vor allem E. faecium als Vancomcin- bzw. selten Linezolid und Vancomycin resistente Enterokokken (VRE bzw. LVRE) und verschiedene multiresistente gramnegative StÀbchen (MRGN) (
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Tab. 1). Mehr dazu siehe in Abschnitt 14.1.1 (
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Kap. 14.1.1).
Tab. 1: Einfache Übersicht der multiresistenten Erreger
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2.2 Pilze

Die medi...

Table of contents

  1. Deckblatt
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. AbkĂŒrzungsverzeichnis
  6. 1 Einleitung
  7. 2 Grundlagen der Mikrobiologie
  8. 3 Organisation der Hygiene in medizinischen und Gemeinschaftseinrichtungen
  9. 4 Personalhygiene
  10. 5 Grundpflege
  11. 6 Injektionen, Punktionen, Infusionen
  12. 7 Harnableitende Systeme und Inkontinenzmaterial
  13. 8 PneumonieprÀvention
  14. 9 Wundversorgung
  15. 10 Grundlagen der FlÀchendesinfektion
  16. 11 Aufbereitung von unkritischen und semikritischen Medizinprodukten
  17. 12 Transport von kontaminierten Medizinprodukten und Proben fĂŒr das Labor
  18. 13 Vorbereitung von Patienten fĂŒr Untersuchungen und Operationen
  19. 14 Umgang mit infektiösen Patienten
  20. 15 Ausbruchsmanagement
  21. 16 Bauten und Baumaßnahmen
  22. 17 Lebensmittelhygiene
  23. 18 Schnittstelle Haustechnik, Logistik
  24. 19 Bettenaufbereitung
  25. 20 WĂ€schelogistik
  26. 21 Tiere in stationÀren Einrichtungen
  27. 22 QualitÀtsmanagement und Hygiene
  28. 23 Untersuchungen zur Dokumentation des Hygienestandards
  29. WeiterfĂŒhrende und zitierte Literatur
  30. Stichwortverzeichnis

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