Klare, wahre, warme Worte wagen
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Klare, wahre, warme Worte wagen

Aus vier Jahrzehnten als Pfarrer in West- und Ostdeutschland: Predigten und andere Texte

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Klare, wahre, warme Worte wagen

Aus vier Jahrzehnten als Pfarrer in West- und Ostdeutschland: Predigten und andere Texte

About this book

"Klare, wahre, warme Worte wagen" ist eine Sammlung von Predigten und anderen Texten, die im Alltag eines evangelischen Pfarrers in den Achtziger-, Neunziger-, Nuller- und 2010er-Jahren entstanden sind, und zwar auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Die "anderen Texte" sind z.B. Zeitungsandachten oder Texte, die zum Gebrauch im Religionsunterricht verfasst wurden.Im ersten Kapitel "Den alten Glauben abstauben" werden oft missverstandene Themen der christlichen Tradition in einem neuen Licht interpretiert. Im zweiten Kapitel "Wie Glauben zum Leben hilft" kommen Fragen des Alltagslebens von "Beten und Handeln" bis zu Liebe und Ehe zur Sprache. Das dritte Kapitel "Glaube und Heilung, Leid und Hoffnung" setzt sich u.a. mit biblischen Wundergeschichten auseinander und mit Glaubenszweifeln angesichts von unverstehbarem Leid. Das vierte Kapitel "Alt, aber nie veraltet" befasst sich mit den Urgeschichten des Alten Testaments, u.a. auch mit dem Thema "Schöpfung". Das fünfte Kapitel "Auch Politik gehört zum Glauben" zeigt auf, welche politischen Auswirkungen das Ernstnehmen biblischer Texte haben kann. Dem Werdegang des Autors entsprechend gibt es hier einen Schwerpunkt auf deutsch-deutschen Themenstellungen, vor allem in der Predigt zum "Tag der Deutschen Einheit" 1990. Im letzten Kapitel "Was uns tragen kann" beschließt der Autor seine Sammlung mit zwei beispelhaften Predigten zur zentralen Botschaft seines christlichen Glaubens.

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Information

Year
2020
Print ISBN
9783752850024
eBook ISBN
9783750479906

Erstes Kapitel: Den alten Glauben abstauben

Das kleine Stück, das von Gott zu sehen ist:
Konfirmationspredigt Niedernhall 1991

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,
Wir haben hier in unserer Kirche eine kleine Kostbarkeit, die ich noch in keiner anderen Kirche gesehen habe, und ich wette fast, dass von euch oder Ihnen auch noch niemand woanders so einen Pfeiler gesehen hat, um den ein Seil geschwungen ist mit einem super-festen Knoten, der an einem Ast festgemacht ist. Überlegen wir uns nur einmal, wie lange der Steinmetz wohl gebraucht hat, um dieses Kunstwerk fertig zu stellen. Wenn man sich das vorstellt, dann wird klar: Das ist keine bloße Verzierung, sondern das hat eine Botschaft, das will uns etwas sagen.
Es ist ein Bild von Festigkeit, Zusammenhalt und Verankerung. Wenn wir eine Weile da hinschauen, fallen uns sicher ganz verschiedene Bedeutungsmöglichkeiten ein. Ich möchte einem Gedanken einmal etwas nachgehen:
Diese Kirche und alle, die zu ihr gehören, sind verankert. So dick diese Pfeiler sind und so groß und majestätisch diese Kirche mitten in Niedernhall aufragt, und so tüchtig all die Leute sind, die sie heute füllen – diese Kirche steht nicht für sich allein und aus eigener Kraft. Diese Kirche ist mit einem ganz festen Knoten angebunden. Von dem Ast, an dem der Pfeiler angeknotet ist, sehen wir nur ein kleines Stück. Wir sehen nicht, woher dieser Ast kommt, und wir sehen nicht, wohin er weiter wächst. Aber an diesem kleinen Stück, das sichtbar ist, da ist diese Kirche mit ihrem dicken Pfeiler angebunden. Daher bezieht sie ihren Halt.
Ich sehe darin eine ganz deutliche Anspielung auf Gott: Auch von ihm sehen wir fast nichts, keinen Anfang und kein Ende. Was von Gott am deutlichsten zu sehen ist, ist auch ein dürres, unscheinbares Stück Holz, nämlich das Kreuz, an dem Jesus sein Leben gab, das Kreuz, an dem die Liebe bis zum letzten Atemzug durchhielt, das Kreuz, an dem die Liebe den Sieg über den Hass davontrug. Dieses kleine Stück ist sichtbar von Gott, aber dieses kleine Stück ist Liebe, die sich durch nichts vom Lieben abbringen lässt. Das bisschen von Gott zu wissen, das genügt der Kirche, um sich daran festzumachen. Da verankert sich die Kirche mit ihrem ganzen Vertrauen. Darauf steht die Kirche, könnte man in eurer Sprache sagen.
Darauf steht die Kirche. Daran macht sie sich fest. So führt uns der Pfeiler mit dem Seil direkt zum Inhalt der Konfirmation. Denn Konfirmation ist Festmachen. Der Sinn der Konfirmation ist, dass ihr auch euren Knoten da festmacht an diesem Stück Holz, an dem Gott sich zu erkennen gibt als einer, der die Liebe durchhält bis zum Letzten. Das ist der Sinn der Konfirmation, dass auch ihr sagt: Auf diese Liebe stehe ich, an dieser Liebe mache ich das Schiff meines Lebens fest, diese Liebe, die ich da von Gott zu sehen bekomme, die ist mein Anker, dann hauen mich die Windstöße des Lebens nicht um.
Die Frage ist: Was macht ihr aus dieser Gelegenheit, euer Leben bei Gott zu verankern, die dieser Tag euch bietet? Ich will heute ehrlich sein und auch meine Zweifel an dieser Konfirmation nicht verschweigen. Bei etlichen von euch habe ich Zweifel, ob ihr von diesem Tag mitnehmt, was er euch anbietet. Wenn ich darüber heute schweigen würde, würden wir diesen Konfirmationsgottesdienst miteinander zu einer frommen, unwahren Show machen.
Im Rückblick auf unser gemeinsames Jahr komme ich mir bei unserer Beschäftigung mit dem guten, alten christlichen Glauben vor wie einer, der euch altes, verstaubtes, matt gewordenes Gold mitbringt, um es mit euch zusammen abzustauben und aufzupolieren, dass ihr den Glanz davon entdeckt. Einige haben fleißig mitpoliert, einige haben vielleicht tatsächlich hier und da etwas von dem Glanz entdeckt. Einige blieben aber das ganze Jahr über bei der Einstellung: „Stehle mir keine einzige Minute meines Lebens mit dem alten Mist.“ Doch auch altes, verstaubtes, matt gewordenes Gold ist wertvoller als fabrikneues, makelloses Plastik.
Auch unser Predigttext ist so ein verstaubter Goldklumpen. Ich habe ihn noch gar nicht genannt und doch schon die ganze Zeit darüber gepredigt, denn der an dem Ast mit dem Seil festgeknotete Pfeiler ist im Grund unser Predigttext in Stein gehauen. Wir lesen da in unserem Neuen Testament: „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“
Ich höre in Gedanken schon einige von euch sagen: Das ist doch kein Deutsch! Ja, ihr habt recht, so spricht heute keiner mehr. Aber sollen wir den alten Goldklumpen deshalb wegwerfen, oder sollen wir ihn abstauben? Ich entscheide mich für Letzteres. „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde.“ Fest werden, das heißt: Ich weiß, was ich will. Ich weiß, wofür ich auf der Welt bin. Ich weiß, dass es sich lohnt zu leben, dass einen Sinn hat, da zu sein. Da nagen nicht mehr die Selbstzweifel, die so quälend sein können: Du bist nicht gut genug, du bist ein Versager, du bist überflüssig u.s.w. Wirklich köstlich, wenn das Herz fest wird.
Und das geschieht durch Gnade. Mit anderen Worten: Da ist jemand, der dich mag, so wie du bist, ganz sicher, und auch wenn du ausrastest und versagst, mag er dich immer noch. Und wenn die, die dich nicht leiden können, dich ihre Ablehnung spüren lassen: da ist einer, der bricht über dir nicht den Stab, und das ist der, nach dem am Ende sich alles richten muss. Genau als der kommt dir Gott entgegen am Kreuz, genau das will er für dich sein. Daran kannst du dein Lebensschiff fest vertäuen, da kannst du den Knoten machen, diese Liebe hier hält auch dich aus! Das ist das Angebot dieses Konfirmationstages, das ist das alte Gold, das ich euch heute noch einmal vor die Augen halte.
Es steht euch frei, das alte Gold wegzuwerfen. Aber wer fabrikneues Plastik für wertvoller hält als altes Gold, der wird ein armer Mensch werden. Ich habe ein Jahr lang in manches fast immer mürrische Gesicht geschaut. Und ich frage mich: Wollen manche wirklich so arm bleiben, arm an Liebe, arm an echter Lebensfreude, arm an Freude darüber, dass sie da sind auf der Erde? Und da ist Gott und sagt: Ich freue mich darüber, dass du da bist. Ich halte dich aus, auch wenn du versagst – und beweist das am Kreuz gegen größten entfesselten Hass – und ihr sagt: bleib mir weg mit dem alten Mist – schade um euch, wenn ihr euch so entscheidet.
Einige von euch haben für heute das Lied gewünscht: „Herr, gib mir Mut zum Brücken-Bauen.“ Eure Konfirmation ist im Jahr des Golfkriegs und vielleicht spürt ihr mit diesem Wunsch, dass das die Bewährung ist, die euer Lebensweg von euch fordern wird. Brücken des Friedens bauen auf einer enger werdenden Welt. Ein Brückenpfeiler kann nur etwas tragen, wenn er selbst fest verankert ist. Wenn ihr Brücken des Friedens bauen wollt, braucht ihr Liebe. Liebe zu Menschen, die anders sind als ihr. Liebe zu Menschen, die anders denken und anders fühlen als ihr. Liebe zu Menschen mit anderen und unverständlichen Gewohnheiten. Zu Menschen, die lässiger sind als ihr, und zu Menschen, die strebsamer sind als ihr. Zu Menschen, die weicher sind als ihr, und zu Menschen, die härter sind als ihr. Zu Menschen, die gesitteter sind als ihr und zu Menschen, die ausgeflippter sind als ihr. Ihr werdet Liebe zu Fremden brauchen, die mit ihrer Not auf euer Gewissen drücken. Die Hungernden werden uns nicht mehr lang den Gefallen tun, lautlos und unbemerkt zu sterben, damit wir nicht gestört werden. Ihr könnt diese Liebe nur geben, wenn ihr selbst wisst, wo ihr sie herkriegt.
Bei dem kleinen Stück von dem unendlichen Gott, das er zu erkennen gegeben hat, bei Jesus, findet ihr diese Liebe. Das Angebot des Glaubens an diese Liebe ist das eigentlich Große an diesem Konfirmationstag. Ihr könnt wohl sagen: Ich habe keinen Beweis für Gott, da stochere ich lieber weiter im Nebel oder treibe mit meinem Lebensschiff auf dem offenen Meer der Ungewissheit. Oder ihr lasst die offenen Fragen stehen und fasst dort zu, wo Gott sich zu fassen gibt und macht da euren Knoten, im Vertrauen: „Diese Liebe hält auch mich.“ Amen.

Wenn Gott unser Weltbild erweitert:
Predigt über Apostelgeschichte 10, 21-35
am 21.Januar 1996 in Seebach

Wenn ein Kind aufwächst, wird sein Horizont immer weiter und weiter, je mehr es von der Welt mitbekommt. Immer wieder ist das Staunen dabei: „Was es alles gibt! Das hätte ich nicht gedacht!“ Jede Erweiterung des Horizonts ist eine große Überraschung. Das ist das Schöne an den Kindern, dass es bei ihnen dieses Staunen gibt, wenn sie etwas Neues entdecken, und es ist das Langweilige an uns Erwachsenen, dass wir immer wieder so tun, als würden wir schon alles kennen: „Ich hab Erfahrung, ich weiß, wie es läuft auf der Welt, mich kann nichts mehr erschüttern, mich kann nichts mehr überraschen…“ total öde, wenn ein Mensch mit keiner Erweiterung seines Horizontes mehr rechnet, mit keiner Überraschung mehr, weil er schon so klug ist und alles weiß.
Doch wer mit Gott unterwegs ist, wird immer wieder Überraschungen erleben, dessen Horizont wird immer wieder erweitert, den wird Gott immer wieder etwas erleben lassen, wo er staunend denkt: „Das hätte ich nicht gedacht, dass es das gibt!“ Wahrscheinlich deshalb hat Jesus einmal gesagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“ Wer durch die Welt läuft mit der Einstellung: Ich weiß schon alles, worauf es ankommt, der wird nichts merken von Gott. In unserem heutigen Predigttext erlebt der Oberste der Apostel eine große Überraschung: Das hätte er nicht gedacht von Gott… Aber es war Zeit für Petrus, etwas Wichtiges dazu zu lernen.
Ich lese kurz die Vorgeschichte zu unserem Predigttext:
Petrus stieg auf das Dach, zu beten um die sechste Stunde.
10 Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, kam eine Verzückung über ihn,
11 und er sah den Himmel aufgetan und ein Gefäß herabkommen wie ein großes leinenes Tuch, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde.
12 Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels.
13 Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss!
14 Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Gemeines und Unreines gegessen.
15 Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht unrein.
16 Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Gefäß wieder hinaufgenommen gen Himmel.
17 Als aber Petrus noch ratlos war, was die Erscheinung bedeute, die er gesehen hatte, siehe, da fragten Männer, vom römischen Hauptmann Kornelius gesandt, nach dem Haus Simons und standen schon an der Tür,
18 riefen und fragten, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast wäre.
19 Während aber Petrus nachsann über die Erscheinung, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich;
20 so steh auf, steig hinab und geh mit ihnen und zweifle nicht, denn ich habe sie gesandt.
Hier beginnt nun unser eigentlicher Predigttext:
21 Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin's, den ihr sucht; aus welchem Grund seid ihr hier?
22 Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat einen Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast.
23 Da rief er sie herein und beherbergte sie. Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm.
24 Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen.
25 Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an.
26 Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, auch ich bin ein Mensch.
27 Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren.
28 Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll.
29 Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen.
30 Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand
31 und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott.
32 So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer.
33 Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.
34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht;
35 sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm.
Liebe Gemeinde,
manchmal ist es schwer, über seinen Schatten zu springen. Die Älteren unter Ihnen erinnern sich vielleicht noch an Zeiten, wo es ein Drama war, wenn die Tochter einer evangelischen Familie einen katholischen Bräutigam daherbrachte, oder umgekehrt. Heute lächeln wir vielleicht darüber: Das ist doch klar, die Katholiken glauben an den gleichen Gott wie wir. Wir haben etwas gelernt. Aber vor ein paar Jahrzehnten war das noch ganz schwer, da stand plötzlich alles auf dem Spiel, was man gelernt hatte, was man gewohnt war, was geht und was nicht geht, was richtig ist oder falsch.
Oder welch einen Kampf hat es gekostet, bis in unseren Kirchen Frauen im Pfarramt akzeptiert wurden! Das geht doch nicht, da gibt es Dinge, die in der Bibel stehen, die dagegen sprechen, da kommt doch alles durcheinander, woran wir uns bisher gehalten haben. Heute lächeln wir darüber, aber wie schwer war es, bis wir uns wirklich überzeugt hatten, dass Gott sein Wort genauso durch den Mund einer Pastorin wie durch den Mund eines Pfarrers zu uns sprechen kann.
Es ist immer schwer, wenn Gott mit uns Grenzen überschreiten will, die für uns bisher ehern schienen, die zu ihrer Zeit auch Halt und Orientierung gegeben haben. Wie geht es uns z.B. damit, wenn heute jemand an die Kirchentüren klopft, von dem wir noch in Erinnerung haben: Der war doch früher ganz rot und hat einen Bogen um die Kirche gemacht? Nun kommt das ja nicht allzu oft vor, aber wenn es so wäre, dass ehemalige Parteigenossen in größerer Zahl an unsere Tür klopften, um getauft zu werden, um dazugehören und mitmischen zu dürfen in der Kirche, Menschen, von denen wir wissen, dass sie früher ganz woanders gestanden haben: Ob wir da nicht zuerst einmal doch die Luft anhalten würden?
Durch Erziehung und Erfahrung haben wir gelernt, vorsichtig zu sein. Manchmal ist es wichtig zu wissen, wer wo steht. Manchmal ist es wichtig, Abstand zu halten. Auch heute in der großen Narrenfreiheit ist das wichtig, wenn man bedenkt, was sich auf dem religiösen Markt alles so tummelt. Und doch kann Gott auch bei Menschen, wo wir ihn nicht vermuten, wirken und Herzen öffnen und die Grenzen überschreiten, die uns vertraut sind. Das war die Lektion, die Petrus, sein oberster Apostel, hat lernen müssen, wovon unser Predigttext erzählt.
Petrus hält auch die Luft an, als er das Haus des Kornelius betritt: „Ihr wisset, dass es ein unerlaubt Ding ist einem ...

Table of contents

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Vorwort
  3. Erstes Kapitel: Den alten Glauben abstauben
  4. Zweites Kapitel: Wie Glauben zum Leben hilft
  5. Drittes Kapitel: Glaube und Heilung, Leid und Hoffnung
  6. Viertes Kapitel: Alt, aber nie veraltet – aus den Anfängen des Alten Testaments Adam und Eva
  7. Fünftes Kapitel: Auch Politik gehört zum Glauben
  8. Sechstes Kapitel: Was uns tragen kann
  9. Impressum

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