Europa ist die Lösung
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Europa ist die Lösung

Churchills VermÀchtnis

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Europa ist die Lösung

Churchills VermÀchtnis

About this book

Die »Vereinigten Staaten von Europa«. Ein utopischer Traum? Schon am 19. September 1946 forderte Winston Churchill, der legendĂ€re britische Kriegspremier, in einer Rede an der UniversitĂ€t ZĂŒrich, die heute wieder von erstaunlicher AktualitĂ€t ist: Wer die Gespenster des Krieges verbannen will, muss die »Vereinigten Staaten von Europa« schaffen. Heute scheint dieses Ziel wieder in die Ferne zu rĂŒcken. Frank-Walter Steinmeier sieht und benennt diese Gefahr klar und beschĂ€ftigt sich ganz im Sinne Churchills mit der gegenwĂ€rtigen Krise Europas. FlĂŒchtlingsströme, Brexit und heftiger Streit in der EU dĂŒrfen dieses einzigartige Friedenswerk nicht beschĂ€digen. Leidenschaftlich weist er Wege aus der Krise und findet deutliche Worte fĂŒr ein geeintes Europa.

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Information

Publisher
Ecowin
Year
2016
Print ISBN
9783711001191
Edition
1
eBook ISBN
9783711051875
FRANK-WALTER STEINMEIER
Europa
ist die Lösung

Prolog: Europa 1946 und 2016

NatĂŒrlich kann man aus der Geschichte lernen. Aber wann tut die Menschheit das schon? Die Liste der Katastrophen, denen Ă€hnliche Katastrophen folgten, ist lang. Uneinsichtigkeit, Sturheit, Herrsch- und Rachsucht gehören seit jeher zu den historisch gĂ€ngigsten WĂ€hrungen, zumal wenn diese in nationalistischen Noten ausgegeben werden.
So besehen ist die europĂ€ische Geschichte seit Ende des Zweiten Weltkriegs eine geradezu wundersame Ausnahme. Eine frĂŒhe Ahnung dieses Wunders wehte durch die Aula der UniversitĂ€t in ZĂŒrich, einem der wenigen unzerstörten Flecken in Europa, im Herbst des Jahres 1946. Dort redete Winston S. Churchill am 19. September vor 70 Jahren ĂŒber die Zukunft Europas – und Europa hielt sprichwörtlich den Atem an. Mit der Wortgewalt eines zukĂŒnftigen TrĂ€gers des Nobelpreises fĂŒr Literatur, der Churchill 1953 verliehen wurde, sprach er an jenem Tag ĂŒber den am Boden liegenden, weithin verwĂŒsteten Kontinent. Dessen Zukunft könne nur in der vollstĂ€ndigen Überwindung der Vergangenheit liegen, im Blick nach vorn, in der Schaffung von »Vereinigten Staaten von Europa«.
Ungeheuerlich klang das aus dem Mund jenes unbeugsamen Kriegspremiers, der von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg nichts anderes als die bedingungslose Kapitulation akzeptiert hatte und diese dann auch zu erzwingen half. Noch qualmten die TrĂŒmmer, der Schutt und die Asche, die Hitler-Deutschland ĂŒberall in Europa hinterlassen hatte – und schon forderte der Unbeugsamste aller Nazi-Feinde das Unmögliche: die gleichfalls bedingungslose Versöhnung, den unbedingten Zusammenschluss der Todfeinde und Kriegsgegner von gestern zu einem vereinten Europa. Anders werde es keinen dauerhaften Frieden geben und sich die Vergangenheit, wie auch schon frĂŒher, in immer neuen Variationen wiederholen.
70 Jahre spĂ€ter ist Europa in einer Lage, die zu Recht als Krise empfunden wird. Nach sieben Jahrzehnten, die unserem Kontinent – ausgehend von der Vision, die Churchill in der Rede formulierte – eine nie dagewesene Periode des Friedens und des wachsenden Wohlstands beschert haben, ist der Zusammenhalt Europas in Gefahr. Die scheinbare Unumkehrbarkeit des europĂ€ischen Einigungsprozesses ist an ihr Ende gelangt. In keinem der sich ĂŒberschlagenden Krisenmomente der jĂŒngsten Vergangenheit wurde das so schmerzhaft deutlich wie im Paukenschlag des »Brexit«, des Votums der Briten, die EuropĂ€ische Union zu verlassen. 70 Jahre, nachdem ein britischer Staatsmann den Völkern Europas zurief, eine gemeinsame Zukunft zu entwerfen – ein Staatsmann, der selbst, das muss hinzufĂŒgt sein, die Briten nie als Teil dieses vereinigten Europas sah –, sind wir EuropĂ€er wiederum an einen Punkt gelangt, an dem wir unsere gemeinsame Zukunft neu entwerfen mĂŒssen – und zwar ohne die Briten.
Auch, aber nicht nur deshalb lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und Churchills Rede neu zu lesen, einen Blick zu werfen auf die Parallelen wie auf die gewaltigen Unterschiede zwischen seiner Zeit und unserer.
1946 und 2016 sind Wegscheiden fĂŒr Europa. Damals wie heute blicken viele in Europa mit Verunsicherung und Ungewissheit in die Zukunft. Doch die Verunsicherung kommt, bildlich gesprochen, aus entgegengesetzten Fahrtrichtungen: Wo Churchill 1946 auf den TrĂŒmmern Europas, am Tiefpunkt der Zersplitterung, eine Vision der Vereinigung entwarf, da treten 2016, am scheinbaren Höhepunkt der Vereinigung, wieder Risse und drohende Zersplitterung in Europa hervor.
Und freilich ist auch die Welt um dieses Europa herum eine völlig andere geworden. Die Weltordnung, die Churchill bei dieser Rede im Sinn hatte, bestand aus vier Monolithen: den Vereinigten Staaten von Amerika, dem britischen Commonwealth, dem – so die Vision der Rede – vereinigten Europa und der Sowjetunion. Die heraufziehende Blockkonfrontation prĂ€gte Churchills Denken, nicht nur in seiner nicht minder wegweisenden Rede vom Eisernen Vorhang, die er wenige Monate zuvor in Fulton, Missouri, gehalten hatte, sondern auch in seiner ZĂŒricher Vision von Europa. Heute ist von monolithischer Weltordnung nichts mehr zu spĂŒren. Globalisierung, Vernetzung, Entgrenzung sind Lebensalltag in Europa. Die Welt und ihre Verunsicherungen und Verwerfungen, Krisen und Konflikte, insbesondere in unserer sĂŒdlichen Nachbarschaft, im Mittleren Osten, sind nicht nur nĂ€her an Europa herangerĂŒckt, sondern lĂ€ngst in unserer Mitte angekommen: in Aufnahmezentren, Schulen, Turnhallen, in Gestalt der Hunderttausenden, die in Europa Zuflucht suchen vor Krieg und Gewalt. Die Weltordnung, fernab von allem Monolithischen, gleicht heute eher einem Bild aus Robert Musils Mann ohne Eigenschaften: »wie wenn ein Magnet die EisenspĂ€ne loslĂ€sst und sie wieder durcheinander geraten«.
Ganz gewiss aber ergibt der Vergleich zwischen uns heute und Churchill damals zweierlei: Gemessen an 1946 sind unsere Herausforderungen der Gegenwart klein. Doch auch die europĂ€ische Stimmung ist erschreckend kleinmĂŒtig geworden. Schlimmer noch, wir halten das Erreichte, die – historisch betrachtet – ganz und gar nicht selbstverstĂ€ndlichen Erfolge mittlerweile fĂŒr quasi naturgegeben. Schon gibt es Erste, die glauben mit dieser großen Idee spielen zu können. Dass zu solchen KrĂ€ften auch so manche aus Churchills Heimatland zĂ€hlen, mit angefĂŒhrt von einem Churchill-Biografen als WortfĂŒhrer des Brexit, ist eine besonders bittere Volte der Geschichte.
Eine schwierige Wegstrecke liegt damit vor jenen, die Europa weiterhin wollen – und dies ist immerhin noch die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit. Doch wer sich in unserer Zeit mit der ZĂŒricher Rede erneut auseinandersetzt, kann nur erstaunen angesichts der ungeheuerlichen AktualitĂ€t von Churchills Worten. Wer diese Zeilen neu liest, muss sagen: Ist es nicht geradezu ein Wunder, was aus jenem zertrĂŒmmerten Europa heute geworden ist?! Ist es nicht ein Wunder, dass aus jener kĂŒhnen, fĂŒr damalige Ohren geradezu weltfremden Vision des Friedens Wirklichkeit geworden ist?! Wer Churchills Rede heute nachliest, kann Mut und Kraft aus ihr schöpfen und umso stolzer sagen: Mit diesem Europa spielt man nicht!

Krise ist nicht Schicksal

Dieser Text ist keine kontextgenaue Analys...

Table of contents

  1. Europa ist die Lösung
  2. Frank-Walter Steinmeier – Europa ist die Lösung
  3. Winston Churchill – Rede an der UniversitĂ€t ZĂŒrich am 19. September 1946
  4. Zitierte Literatur
  5. Zu den Autoren

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