Welches Dorf im gesamten Taunus kann von sich behaupten, im Laufe seiner über 1000-jährigen Geschichte, mit gleich sechs Bischöfen in direkter Verbindung gestanden zu haben? -"SCHLOSSBORN"- Das Dorf, welches um 985 vom heiligen Willigis, dem Mainzer Erzbischof und Reichskanzler unter den Ottonen, für die Verbreitung des Christentums im Taunus auserwählt wurde. Schloßborn und seine großen, von Willigis festgelegten Sprengelgrenzen, weckten Begehrlichkeiten unter den Herren von Eppstein, Idstein und Hattstein. Es kam zu vielen Fehden in deren Folge Schloßborn, im 14. und 15. Jahrhundert, zu einer riesigen Festung mit Schloss und Ringmauer ausgebaut wurde. Einer Ringmauer mit 7 je 16m hohen Türmen und einem Doppelturmtor. - Doch gegen Gustav II. Adolf von Schweden und sein Kriegsheer, welche Schloßborn und Königstein an Weihnachten 1631 heimsuchten, waren auch diese Mauern machtlos. - Das vorliegende Buch versucht die wichtigsten Geschehnisse aus über 1000 Jahren Schloßborner Geschichte chronologisch gebündelt zu bewahren. Auch der Sprache der Schloßborner Bevölkerung wurde ein Kapitel gewidmet, sodass ein Gesamtüberblick geschaffen werden konnte. Ein Nachschlagewerk für Jung und Alt.

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Kleines Schloßborner Hausbuch
Auf den Spuren von Brunhild, Willigis, Bardo und dem Schinderhannes
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Kleines Schloßborner Hausbuch
Auf den Spuren von Brunhild, Willigis, Bardo und dem Schinderhannes
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Information
03 Schloßborns christliche Gründung durch
Erzbischof Willigis und die Weihe der 1. Kirche von
Schloßborn durch Bischof Staggo, um 985
Die bis dato erste schriftliche Erwähnung Schloßborns stammt aus der sogenannten Bardo-Urkunde aus 1043.10 Wie der Name schon sagt, ist sie eine Urkunde, ein Dokument, von Wissenschaftlern untersucht und zur Aufbewahrung an die Universitätsbibliothek von Heidelberg übergeben. In ihr steht geschrieben, wie Schloßborn um die erste Jahrtausendwende von Erzbischof und Reichskanzler Willigis zu Zeiten Kaiser Otto des Jüngeren, seine erste Kirche, eine Holzkirche, erhielt. Der letzte und damit jüngste Kaiser Otto (Otto III), Enkel von Otto dem Großen, starb 1002.11
1002 ist also das spätmöglichste Datum der beurkundeten Gründung Schloßborns. Das wird auch von anerkannten, öffentlich und hauptamtlich tätigen Historikern so gesehen. Und wer behauptet, wir müssten uns für unsere Gründung mit dem Jahr 1043, also der Ersterwähnung begnügen, sagt unwissentlich oder wissentlich die Unwahrheit. Viele andere Dörfer und Städte machen es uns vor und beziehen sich bei Ihrem Gründungsdatum auf den „Lorscher-Kodex“, der nachweislich erst zwischen 1167 und 1195 aufgeschrieben wurde, in welchem aber Schenkungen aus dem 8. Jahrhundert beschrieben werden. Originale aus dieser Zeit sind jedoch keine mehr vorhanden. Und was macht man in Schloßborn? Wir haben eine Original-Urkunde aus 1043, in der unsere Gründung bis spätestens 1002 beschrieben wird, doch wir sollen uns mit unserer Ersterwähnung aus 1043 abfinden.
Was wir allerdings nicht beweisen können, ist das wahrscheinlichste Datum unserer Gründung. Das liegt um die Jahre 984 bis 992. Was geschah zu dieser Zeit?
Alles begann mit dem unheilvollen Krieg Otto II., dem Sohn Otto des Großen, gegen die Byzantiner in Kalabrien. Im Sommer des Jahres 982 führte Otto ein riesiges Heer in die Schlacht. Mit einem Sieg über Byzanz wollte Otto seinen Einfluss in Süditalien vergrößern und mit Sicherheit auch seiner Frau, Kaiserin Theophanu, zu Genugtuung verhelfen, da man ihre byzantinischen Verwandten dort der Macht enthoben hatte.
Als der gegnerische Anführer Emir Abu al-Qasim fiel, flohen die Byzantiner und ihre sarazenischen Verbündeten. Den sicheren Sieg vor Augen, löste Otto seine Schlachtreihen auf und seine Leute begannen mit der Plünderung des Feldes. Diese Unachtsamkeit und Überheblichkeit nutzen seine Gegner und formierten sich unbeobachtet neu. Ein überraschender Angriff der Byzantiner wendete das Blatt. Fast alle getreuen Ottos wurden getötet. Otto selbst rettete sich nur durch einen Sprung ins nahe Meer. Er entkam schwimmend, wurde von einem byzantinischen Schiff aufgegriffen, aber nicht als Kaiser erkannt. So konnte er sich, wieder durch eine Flucht, an die nahe Küste retten und entkam mit Hilfe eines Juden, der ihm sein Pferd lieh.
Aufgrund der verheerenden Niederlage und der angenommenen militärischen Schwäche des Kaisers kam es wiederum zu einem Krieg. Die schon von Otto dem Großen unterworfenen und zum christlichen Glauben gezwungenen Wikinger und Slawen verbündeten sich und fielen im Jahr 983 unter der Führung von Harald Blauzahn im Norden des Reiches ein. Sie verwüsteten Schleswig, Oldenburg und Hamburg. Viele christliche Kirchen brannten sie bis auf die Grundmauern nieder. Die Kleriker wurden ermordet, erschlagen, enthauptet oder verbrannt.
Staggo, den man Bischof der Dänen nannte, floh in dieser grausamen Zeit, also ab 983/984, aus den nördlichen Provinzen zu Willigis nach Mainz. Willigis sah ein, dass man den Bischof vorerst nicht nach Dänemark zurückschicken konnte, und vertraute ihm stattdessen eine neue Aufgabe an, den Bau und die Weihe der ersten Kirche von Schloßborn, einer Holzkirche. Dass dies so gewesen ist, ist keine Annahme, sondern wird so von Erzbischof Bardo in dessen Urkunde aus dem Jahr 1043 beschrieben. Spekulieren kann man höchstens darüber, warum Willigis eine Holz- und keine Steinkirche bauen ließ. Hierfür möchte ich folgende Gründe anführen: 1. war Holz in den Wäldern um Schloßborn reichlich vorhanden, auch dauerhaftes Eichenholz. 2. verstand sich der dänische Bischof Staggo auf den Bau von Kirchen aus Holz, da es im Norden üblich war, so zu bauen. 3. waren des Bischofs Steinmetze und Maurer in dieser Zeit mit dem, von Willigis beauftragten Bau des Mainzer Doms von 975 bis 1009, vollauf beschäftigt.
Das frühestmögliche Jahr unserer Gründung durch Willigis ist also 984, wahrscheinlicher 985. Denn auch eine Holzkirche will erst einmal gebaut sein. Allerdings kämen auch die Jahre 986 bis 992 in Betracht. In dieser Zeit nämlich gründete Willigis das Kanonikerstift St. Stephan zu Mainz und stattete eben dieses, konsequenterweise, mit den Kirchen und den Ländereien von Schloßborn und Münsterliederbach (bei Kelkheim) aus.12 Dass das Stift St. Stephan 992 bereits bestand, geht aus einer Urkunde von Otto III. aus dem Jahr 992 hervor, in der das Stift als, von Willigis vor kurzem gegründet, bezeichnet wird.
Warum wurde Schloßborn in ein Kanonikerstift eingegliedert? Dazu muss man wissen, dass Kanoniker auch als Weltpriester bezeichnet werden. Im Gegensatz zu Mönchen, die sich in erster Linie um ihr eigenes Seelenheil kümmern, waren Kanoniker auch für die Seelsorge und Missionierung zuständig, für das weit von Mainz entfernte Schloßborn, also bestens geeignet.

Erzbischof Willigis mit Holzkirche um 985 n. Chr. – O. Kieser 2017
10 Bardo-Urkunde, Erzbischof Bardo 1043, Universitätsbibliothek Heidelberg
11 Otto der Große 936-973, Barbara Pätzold 1989
12 St. Stephan in Mainz, Kunstführer 523, Schnell, 1980
04 Bau und Weihe der 2. Kirche von Schloßborn, der
Steinkirche, durch Erzbischof und Reichskanzler
Bardo
Genau wie Willigis, war auch Bardo Erzbischof und Reichskanzler. Im Unterschied zu Willigis wissen wir von Bardo aber Eines ganz genau: Er war persönlich in Schloßborn. Denn auch diese Information können wir der nach ihm benannten Bardo-Urkunde aus 1043 entnehmen. Bardo ließ die Holzkirche des Willigis abreißen und durch eine Steinkirche ersetzen, die er dann persönlich weihte.
Dem Umstand, dass Kirchen gerne am Tag ihres Patrons, dem sogenannten Patronatstag, konsekriert/eingeweiht werden, haben wir es zu verdanken, dass wir vielleicht sogar den genauen Tag im Jahre 1043 bestimmen können, an dem sich die Weihe vollzog. Nach einer begründeten Vermutung von Hermann Gossenauer war die Bardo-Kirche, wahrscheinlich auch die Vorgängerkirche des Willigis, dem heiligen Andreas geweiht.13 Er kam zu dieser Überlegung, da alle Schloßborner Wegekreuze seit alters her mit einem schrägen Kreuz, dem Andreaskreuz versehen waren. Auch fand sich ein altes Kirchensiegel aus dem 18. Jahrhundert, auf dem, neben den Schutzheiligen der heutigen Kirche, Philippus und Jakobus, auch der heilige Andreas abgebildet war.
Nun muss man wissen, dass christliche Kirchen des frühen Mittelalters beim Bau nicht nur mit Blickrichtung der Gläubigen, von West nach Ost, ausgerichtet wurden, sondern auch nach den Patronatstagen ihrer Schutzheiligen. Es kommt hierbei zu einer Verschiebung der Ost-West-Achse, der sogenannten Morgenweite. Die 3. Kirche Schloßborns, die heute noch steht und die 1713 den Schutzheiligen Philippus und Jakobus geweiht wurde, hat eine mit modernen Methoden eingemessene Morgenweite von +13°, müsste aber eigentlich -24° besitzen. Durch den Umstand, dass die Bardo-Kirche eine Morgenweite von +37° (Andreas) besaß, und man diese Morgenweite der Vorgängerkirche auf die -24° (Philippus und Jakobus) anrechnete, kam man genau auf die gemessenen +13°, die somit den Schutzheiligen Andreas der Vorgängerkirche(n) beweisen.
Ein weiteres Indiz für diese These ist die Anordnung der Ringmauer. Diese wurde 1442 gebaut, also zu einer Zeit, als die Bardo-Kirche schon 399 Jahre stand. Legt man der Bardo-Kirche die 37° Morgenweite, also den Schutzheiligen Andreas, zugrunde, dann stand diese Kirche mit ihrer Ost-West-Achse genau parallel und im rechten Winkel zur Ringmauer. Das bedeutet, die Ringmauer orientierte sich beim Bau an der schon knapp 400 Jahre bestehenden Kirche.
Da wir nun den Patron der Bardo-Kirche kennen, wissen wir auch den Tag der Konsekrierung.14 Der 30. November 1043, der Patronatstag des heiligen Andreas. Auch bei einem Blick auf die Biographie des Bardo, die uns recht lückenlos zur Verfügung steht, kommt der 30. November 1043 in Betracht. 1043 war für Bardo ein sehr ereignisreiches Jahr. Die Mutter Kaiser Heinrich III, Kaiserin Gisela, starb im Februar in Goslar im Beisein Bardos und wurde dann im Dom zu Speyer beigesetzt. Kaiser Heinrich III verlobte sich kurz darauf in Besancon mit Agnes von Poitou, der Tochter Herzog Wilhelms V. von Aquitanien. Im Oktober empfing er seine Braut an der Grenze zu Burgund und reiste mit ihr nach Mainz. Dort ließ er Agnes von Bischof Bardo zur Königin salben und krönen. Danach wurden ab dem 19. November die Hochzeitsfeierlichkeiten in der Pfalz zu Ingelheim begangen und am 21. November 1043 folgte die Vermählung. Am 28. November verließ Bardo Ingelheim und reiste ab Richtung Mainz. Er hatte also genügend Zeit, in Mainz zu übernachten um tags darauf nach Schloßborn zu reiten, welches nur 6 Reitstunden entfernt liegt.
Erzbischof und Reichskanzler Bardo weihte am 30. November 1043 nicht nur die zweite Kirche von Schloßborn, er bestätigte und erneuerte auch alle Verfügungen des Willigis. Auch das ist keine Vermutung, sondern wird genau so in Bardos Urkunde beschrieben.
Die Urkunde enthält neben den bis jetzt genannten Informationen auch eine genaue Grenzbeschreibung des Pfarrsprengels von Schloßborn, damals Brunnon genannt. Weiterhin wird der Kirche Schloßborns das Zehntrecht im gesamten genannten Gebiet bestätigt. Das Gebiet war etwa 150 km2 groß, reichte in Nord-Süd Richtung vom Limes beim Kastell Altenburg bis nach Eppstein und in Ost-West Richtung von Schmitten mit Sandplacken und Großem Feldberg bis nach Engenhahn, an die Straße, die von Wiesbaden in den Lahngau führt.15


Zeichnungen von Anton Horn, 1982
13 Die Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus in Schloßborn vor, während und nach 1955, Hermann Gossenauer 2005
14 Des Bischofs Kirche im Wald, Christoph Klomann 2017
15 Bardo-Urkunde, Erzbischof Bardo 1043, Universitätsbibliothek Heidelberg
05 Bau des Jagdschlosses (1369) und Bau der
Ringmauer (1442) zu Schloßborn durch die Herren von
Eppstein
Eine Frage, die man diesem Kapitel voranstellen mus...
Table of contents
- Widmung
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- 01. Zeittafel (zu diesem Buch)
- 02. Vorchristliches Schloßborn
- 03. Schloßborns christliche Gründung durch Erzbischof Willigis und die Weihe der 1. Kirche von Schloßborn durch Bischof Staggo, um 985
- 04. Bau und Weihe der 2. Kirche von Schloßborn, der Steinkirche, durch Erzbischof und Reichskanzler Bardo
- 05. Bau des Jagdschlosses (1369) und Bau der Ringmauer (1442) zu Schloßborn durch die Herren von Eppstein
- 06. Die Reformation, Hexenverfolgung, der 30- jährige Krieg und die Zerstörung Schloßborns durch die Schweden 1631
- 07. Die Pestjahre
- 08. Bau der 3. Kirche von Schloßborn durch Lothar Franz von Schönborn, 1713
- 09. Der Schinderhannes in Schloßborn, um 1800
- 10. Bau und Weihe der 4. Kirche zu Schloßborn durch Bischof Wilhelm Kempf, ab 1955
- 11. Schloßborn – Das Dorf der 6 Bischöfe - Willigis, Staggo, Bardo, Schönborn, Schernauer, Kempf
- 12. Borner Platt – Die Sprache unserer Vorfahren
- 13. Omas leckere Borner Rezepte:
- 14. Literaturempfehlungen
- 15. Nachwort oder „Fakten und Gedankenspiele“
- Über den Autor
- Impressum
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