Die Zukunft vieler KrankenhĂ€user steht auf dem PrĂŒfstand, vorangetrieben durch die Forderung nach Strukturbereinigung des Krankenhausmarktes zulasten kleiner und mittlerer HĂ€user. QualitĂ€t ist aber nicht abhĂ€ngig von der KrankenhausgröĂe. Entscheidend sind zielfĂŒhrende strukturelle VerĂ€nderungen, ein kluges Management und VerĂ€nderungsbereitschaft. Das Buch zeigt Lösungswege auf und fokussiert auf innovative Strategien zu guter Zusammenarbeit, FĂŒhrung, Personalmanagement, Controlling, Notfallversorgung und Erlösoptimierung, auch im Kontext der Digitalisierung und strategischer Partnerschaften. VorschlĂ€ge zur Marktorientierung in schwierigen Zeiten finden ebenso BerĂŒcksichtigung wie Ăberlebensstrategien fĂŒr KrankenhĂ€user im lĂ€ndlichen Raum. Das Buch dient nicht nur der praktischen Wissensvermittlung, sondern ist ĂŒber die Einbeziehung von Kontrollfragen, Fallbeispielen und Praxistipps auch als Lehrbuch nutzbar.

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SOS Krankenhaus
Strategien zur Zukunftssicherung
- 367 pages
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SOS Krankenhaus
Strategien zur Zukunftssicherung
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Information
Topic
MedicineI Neue Herausforderungen fĂŒr das Krankenhaus â auf wichtige Managementaufgaben und Funktionsbereiche konzentrieren
Im Mittelpunkt der Betrachtungen des Kapitels steht eine Reflexion der momentan defizitĂ€ren Situation in deutschen KrankenhĂ€usern als Grundlage fĂŒr das Aufzeigen neuer Wege zu Kundenorientierung, Zusammenarbeit, FĂŒhrung, Personalmanagement, Marketing, QualitĂ€t und Notfallversorgung. Soweit als möglich, werden vorrangig Strategien vorgestellt, deren Umsetzung im Kontext der derzeitig schlechten Rahmenbedingungen machbar und möglich sind. VisionĂ€re Konzepte mit eher langfristig realisierbaren Ăberlegungen treten in den Hintergrund.
1 Patient Krankenhaus â Eine schonungslose Diagnose ist fĂŒr die erfolgreiche Positionierung als attraktiver Arbeitgeber unverzichtbar
Michael Lorenz
Abstract
Dem Krankenhaus von heute gehen die Mitarbeitenden aus. Dieser Mangel hat inzwischen substanzielle GrĂŒnde und ist symptomatisch nicht mehr zu heilen. Die einfachen Formeln von frĂŒher greifen heute nicht mehr. In diesem Beitrag finden Sie Gedanken, Thesen und Beispiele, die verdeutlichen, was getan werden mĂŒsste, damit KrankenhĂ€user in Deutschland wieder nachhaltig attraktive Arbeitgeber werden können.
Krankenhaus heute â Auf der Suche nach dem Sinn
Schauen wir uns einige wesentliche GrĂŒnde fĂŒr die heutige Situation einmal an:
âą Es geht ums Geld, ganz einfach.
⹠Das praktizierte DRG-System im Kontext der Senkung der Verweildauer ist nicht die Lösung.
âą ĂberbĂŒrokratisierung lĂ€hmt effiziente AblĂ€ufe im Krankenhaus.
âą AufblĂ€hung der Verwaltungen geht damit einher. Wenn Personal noch wĂ€chst, dann hier, die Personaldecke in der eigentlichen Patientenversorgung nimmt hingegen stĂ€ndig ab (Mangel an PflegekrĂ€ften und Ărzten).
⹠Konflikte zwischen den KrankenhÀusern und den Krankenkassen bzw. dem MDK wirken sich ebenfalls negativ auf die Arbeit im Krankenhaus aus.
These 1
Das bundesweit unsinnige »Hase und Igel-Spiel« zwischen KrankenhĂ€usern und medizinischen Diensten muss so schnell wie möglich beendet werden. Der Misstrauensapparat und die damit entstehende Misstrauenskultur sind fĂŒr die gesamte Szene kontraproduktiv. Es fĂŒhrt zu nichts. Das ist kein wertschöpfendes, sondern ein aktiv ressourcenverbrauchendes Nullsummen-Spiel.
Die Folge: Sinnentleerung
Die Lust an der BĂŒrokratisierung und Perfektionierung der Ausnahme- und Einzelfallregelungen hat eine Regelungswut entfesselt, die immer mehr KapazitĂ€ten des gesamten Systems fĂŒr die administrative Selbstverwaltung verbraucht.
Fast alle direkt wertschöpfenden Berufsgruppen im Krankenhaus verwenden inzwischen wesentliche Teile ihrer Arbeitszeit auf immer kleinteiligere Administration und Dokumentationen.
âą Nutzen fĂŒr den einzelnen Patienten â gering bis nicht erkennbar.
âą Demotivationspotenzial fĂŒr die leistungserbringenden Mitarbeiter â hoch.
âą Nutzen fĂŒr die Allgemeinheit â gering.
âą Kosten fĂŒr die planwirtschaftlich organisierte GesundheitsfĂŒrsorge â gigantisch.
These 2
Die Fallpauschalierung muss so schnell wie möglich wieder auf ein handhabbares Set von Diagnosen zurĂŒckgefĂŒhrt und nicht weiter perfektioniert werden. Vielleicht erweisen sich die aktuellen Schritte des Bundesgesundheitsministers ja als in die richtige Richtung weisend.
Ein Blick in die HĂ€user
Betrachtet man unterschiedliche KrankenhÀuser ergibt sich ein recht homogenes Bild.
âą Schon das Aufnahmemanagement stimmt oft nicht.
Durch das planwirtschaftlich angerichtete Abrechnungs-Chaos im Bereich der niedergelassenen Ărzte suchen Patienten eben nach Alternativen. Und so finden sie die geöffnete Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses.
NatĂŒrlich gehört ein Teil des Patientenstroms nicht dorthin. Aber das Krankenhaus muss ja schlieĂlich Umsatz machen.
âą Selbststeuernde Arbeitsgruppen â das machen wir doch schon lange!
Neben den oft deutlich ĂŒberarbeitungswĂŒrdig wirkenden AblĂ€ufen sieht man auch die negativen Folgen sich selbst steuernder Arbeitsgruppen. HĂ€ufig ist niemand da, der die Verantwortung ĂŒbernimmt. Selbststeuernde Arbeitsgruppen sollte man nur dort etablieren, wo Prozesse und Qualifikation und Motivation stimmen. Sonst kann das nicht klappen.
Praxistipp
Bei dem vielfach vorhandenen Durcheinander wĂ€ren manche Aufnahmebereiche moderner KrankenhĂ€user mit einer absolut nicht modernen, aber effizienten Arbeitsform von frĂŒher â dem Modell Oberschwester â inzwischen wieder besser bedient. Irgendjemand, der den Ăberblick hat und fĂŒr einen geordneten Prozessablauf sorgt.
Wenn man gut qualifizierte Menschen, die wissen, wie es bessergehen könnte, in solchen ZustÀnden arbeiten lÀsst, werden diese zynisch und sarkastisch. Oder sie fangen sogar an, den Betrieb aktiv zu sabotieren.
Und: Nichts wird besser durch höhere Bezahlung. Sie nehmen das Gehalt natĂŒrlich mit.
Aber eine Re-Aktivierung von Commitment, Engagement und VerantwortungsĂŒbernahme findet dadurch allein nicht statt.
These 3
Ein Weg zu einer gewissen Vernunftorientierung, was ins Krankenhaus gehört und was nicht, wĂ€re nicht nur fĂŒr die Gesellschaft und Krankenkassen gĂŒnstiger, sondern insbesondere fĂŒr die Motivation und Arbeitszufriedenheit von Pflege und Ărzten im Krankenhaus inzwischen dringend geboten.
Wenn die heutige Entwicklung so weitergeht, findet sich zukĂŒnftig nicht nur in den Notaufnahmen immer schlechter qualifiziertes Personal mit immer geringer werdenden beruflichem Anspruch und immer schwĂ€cher werdendem Commitment zum Haus und zum System.
Menschen, die arbeiten wie in einer Fabrik vor 70 Jahren (nachzulesen bei Frederic Taylor und seinen Gedanken zum Scientific Management). Mitarbeiter, die einfach nur abarbeiten, was man ihnen sagt. Die durchwinken und aufnehmen. AbrechnungsfÀlle generieren.
Allerdings ohne die Dankbarkeit der Menschen vor 70 Jahren, wenigstens einen festen Job zu haben.
Das goldene Kalb
Viele Prozesse im Krankenhaus werden den OP-Erfordernissen untergeordnet. VerstÀndlich, denn hier wird das Geld verdient.
These 4
Wenn das Krankenhaus schon ein Unternehmen geworden ist, mĂŒssen auch entsprechend rationale Prozesse Einzug halten, die die Belange aller Beteiligten berĂŒcksichtigen. Ob Patienten, Pflege, Ărzte oder prozessualer Ablauf: Optimierungen zugunsten der BedĂŒrfnisse nur einer Gruppe oder eines Ziels fĂŒhren vorhersehbar zu KollateralschĂ€den bei einer anderen Gruppe und mittelfristig zu vorhersehbarer Frustration und Demotivation bei allen. Wie wir sehen.
Betten-Unmanagement
Viele HĂ€user fĂŒhren seit einiger Zeit ein professionelles Belegungsmanagement ein. So weit, so gut. Es ist sinnvoll, Betten nicht sinnlos leerstehend zu lassen. NatĂŒrlich reserviert man fĂŒr Patienten, die â wahrscheinlich â kommen werden auch schon mal das eine oder andere Bett. Allerdings belegen dann auch elektiv einbestellte Patienten Betten, bis hin zu virtuellen Belegungen fĂŒr Patienten, die möglicherweise niemals kommen. Denn es geht um Geld. Um viel Geld. Es geht um die Frage, welcher Patient mit welcher lukrativen Diagnose wo liegt und welche Patienten mit Privat- und Zusatzversichertenbetreuung von welchem Chef- oder Oberarzt betreut werden.
These 5
Die Zusammenarbeit zwischen allen FĂŒhrungskrĂ€ften im Krankenhaus muss deutlich und substanziell gestĂ€rkt werden. So muss sich z. B. die VergĂŒtung von ChefĂ€rzten im Krankenhaus in Zukunft deutlich stĂ€rker am gemeinschaftlich erreichten Ergebnis und nicht am â zum Teil massiv auf Kosten des Hauses oder gegen andere Disziplinen erzielten individuellen Erfolg â ausrichten. Das ganze Thema der Privatliquidation im Krankenhaus muss weg. Schnell und komplett rĂŒckstandsfrei. Es fĂŒhrt zur einseitigen Bevorzugung einer Berufsgruppe, zu Besitzstandsdenken, mangelhaften BehandlungsverlĂ€ufen und dysfunktionalen AblĂ€ufen.
Entlassungsmanagement
Entlassungsmanagement ist ein mehr als kritischer Bereich.
Beispiel
Station in einer UniversitĂ€tsklinik. Seit Jahren herrscht jeden Morgen ein identisches Durcheinander. Die aufzunehmenden Patienten sind nĂ€mlich schon da. Die meisten halten sich nicht an die Begleitschreiben in denen klar steht: 14.00 Uhr reicht völlig. Es interessiert sie nicht. Die Pforte (Warum sitzen die da eigentlich noch?) schickt sie einfach hoch. Nun erwarten sie natĂŒrlich, dass sie schnellstmöglich ein Bett bekommen. Das ist aber um 8.00 Uhr noch belegt. Und dann wird umgeschoben, jeden Tag.
Warum der Patient das Schreiben an den Hausarzt als Papierversion mitnehmen muss, erschlieĂt sich digitalen Menschen aus dem Jahr 2019 tatsĂ€chlich nicht mehr. Der Hausarzt könnte die Informationen per E-Mail bekommen. Oder sich die Daten, die ihn interessieren, direkt aus dem Krankenhausrechner ziehen.
These 6
Die fĂŒr einen reibungsfreien Ablauf zustĂ€ndigen Verantwortlichen mĂŒssen auch die Durchgriffsmöglichkeiten haben, diesen sicherzustellen. Die meisten Menschen arbeiten ungern unter Bedingungen, die sie als ineffizient oder chaotisch empfinden. Und schon gar nicht Tag fĂŒr Tag. Das bereits in den 1960er Jahren in der Akademie von Bad Harzburg entwickelte Harzburger Modell proklamierte die Passung von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung. Und â wir wĂŒrden fĂŒr das Krankenhaus von heute noch hinzufĂŒgen â Durchsetzungsmöglichkeit.
Den AblĂ€ufen und damit am Ende auch den Patienten und der gesamten Belegschaft mancher HĂ€user tĂ€te die temporĂ€re WiedereinfĂŒhrung des bereits erwĂ€hnten, alten Rollenmodells Oberschwester wirklich inzwischen wieder gut.
GroĂ ist besser?
Die Ăbernahme anderer HĂ€user ist hĂ€ufig der Gipfel der Ăberforderung fĂŒr alle Beteiligten. Management, mittlere FĂŒhrungsebene und Mitarbeitende verbringen dann Jahre meist oberhalb der Kompetenz- und fast immer weit oberhalb der Belastungsgrenze.
These 7
Es kann wirklich deutlich klĂŒger sein, marode HĂ€user in der Region sterben zu lassen, der Lokalpolitik keinen Gefallen zu tun und Patienten und Mitarbeitende in vernĂŒnftig funktionierende HĂ€user zu ĂŒbernehmen, als der â sich meist sowieso nicht realisierenden â Hoffnung nach vermeintlich schnellem Wachstum und GröĂe durch Zusammenlegungen nachzugeben. Die kleinen Standorte aufrechtzuhalten verlĂ€ngert die MalĂ€se meist um Jahre und treibt die KomplexitĂ€t und damit die Kosten noch weiter in die Höhe.
Wir beschĂ€ftigen uns nur noch mit uns selbst â aber oft im Feuerwehrmodus
Der VerĂ€nderungs- und Anpassungsdruck in der Branche hat dazu gefĂŒhrt, dass viele Mitarbeitende das GefĂŒhl haben, man beschĂ€ftige sich nur noch mit sich selbst. Ob QualitĂ€tsmanagement, EinfĂŒhrung der digitalen Patientenakte oder, oder, oder⊠Vielfach werden die Projekte aber weder ausreichend begrĂŒndet, noch verstĂ€ndlich kommuniziert, noch professionell eingefĂŒhrt. Andauernd wird ein neues Thema hip und soll die Lösung vieler Problemstellungen bewirken. Daher werden viele VerĂ€nderungsmaĂnahmen von den Beteiligten als Aktionismus erlebt.
Woher kommen diese beunruhigenden Entwicklungen?
Viele Ursachen von Frustration und Demotivation liegen hĂ€ufig in ganz alltĂ€glichen Hindernissen und Problemen im Krankenhaus begrĂŒndet:
These 8
Die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen bietet tÀgliches Demotivationspotenzial.
Eine alltĂ€gliche, aber eigentlich leicht zu vermeidende Demotivationsquelle ist die inzwischen oft von beiden Seiten als mangelhaft empfundene Zusammenarbeit zwischen Ărzten und Pflege. Visiten geraten zeitlich aus dem Ruder oder werden gleich ganz ohne Beteiligung der Pflege durchgefĂŒhrt, die gegenseitigen TagesablĂ€ufe sind oft nicht mehr aufeinander abgestimmt, Routine-AblĂ€ufe nicht verbindlich festgelegt oder werden spontan â je nach Oberarztbesetzung â freihĂ€ndig individualisiert. MĂŒhevoll getroffene Vereinbarungen geraten schnell in Vergessenheit, der Informationsfluss ist oft konzeptlos. Die eine Gruppe wirft der ander...
Table of contents
- Deckblatt
- Titelseite
- Impressum
- Die Herausgeber
- Inhalt
- Vorwort
- Besondere Hinweise zur Nutzung des Buches
- I Neue Herausforderungen fĂŒr das Krankenhaus â auf wichtige Managementaufgaben und Funktionsbereiche konzentrieren
- II AusgewÀhlte Unternehmensstrategien und Fallstricke bei der praktischen Umsetzung
- III Ăberlebensstrategien fĂŒr kleine und mittlere KrankenhĂ€user
- IV Neue Wege im Krankenhausmanagement â auf dem Weg zur digitalen Transformation
- Register
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